Die intelligente Küche | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Technik: Smarthome

Die intelligente Küche

Vernetzte Geräte sollen den Küchenalltag einfacher machen. Fast alle großen Hersteller bieten inzwischen Backöfen, Geschirrspüler oder Kühlschränke mit Netzwerk-Anschluss an: Was heute schon geht und was die Zukunft bringen wird.

 
Die moderne Küche kann mit einigen Extras aufgemöbelt werden. © Hersteller, Illustrationen: T. Straszburger
Die moderne Küche kann mit einigen Extras aufgemöbelt werden.

Die Idee einer vollautomatischen Küche ist uralt. Jaques Tati machte sich bereits 1958 im Film „Mein Onkel“ darüber lustig. „Die Jetsons“ aus der gleichnamigen Zeichentrickserie hatten ab 1962 ein Exemplar. Und Doris Day durfte sich als „Spion in Spitzenhöschen“ (1966) von Rod Taylor damit beeindrucken lassen.

Der österreichische Hersteller Elektra Bregenz sorgte bis 1971 mit funktionstüchtigen Prototypen seiner hydraulischen Kücheninsel „Technovision“ für Aufsehen. In Serie ging das futuristische Zubereitungszentrum mit Rezept-Bildschirm, rotierenden Herdplatten und ausfahrendem Kühlschrank allerdings nie.

Kein Wunder: Der Ansatz, möglichst viele Arbeitsschritte zu automatisieren, war extrem aufwändig. Selbstöffnende Türen und mechanisch bewegte Geräte hätten die Anschaffung verteuert. Außerdem fehlten noch zwei wichtigen Zutaten im kulinarischen Entwicklungsrezept: der Mikroprozessor (IC) und das Internet.

Digitale Intelligenz

Die intelligente Küche von heute ist weniger automatisch als vielmehr vernetzt. Kochfeld, Spülmaschine, Backofen & Co kommunizieren per Funk mit dem Smartphone oder Tablet. Teilweise sprechen sie auch miteinander, etwa wenn der Herd den Dunstabzug aktiviert und das Luftvolumen kontinuierlich an die gewählte Kochstufe anpasst.

Eine Verbindung ins Internet erlaubt von unterwegs aus den Kühlschrank vorzukühlen – falls überraschend größere Getränkemengen für den Fußballabend einzulagern sind. Oder sie warnt Urlauber, wenn die Temperatur im Gefrierschrank steigt und ihre Fleischvorräte abzutauen drohen.

Ein Anruf beim Nachbarn kann dann das Schlimmste verhindern. Voraussetzung ist ein Netzwerk-Anschluss. Viele Hersteller nutzen das meist ohnehin vorhandene WLAN dafür. Ausnahmen wie Miele bauen eigene Funknetze auf, benötigen dann aber ein Gateway am Router.

Fast immer gilt: Sollen mehrere Geräte von einer gemeinsamen App gesteuert werden, müssen sie vom selben Hersteller stammen. Oder – wie im Fall von Bosch und Siemens – aus der gleichen Firmengruppe (BSH). Ob der Aufpreis vernetzter Küchengeräte deren Funktionen aufwiegt, muss jeder selbst entscheiden.

Den Braten im Blick

Dampfgarer mit Kamera: Der ProCombi Plus Smart von AEG schickt Live-Bilder des Innenraums per WLAN zum Smartphone oder Tablet. Über die zugehörige App (Android/iOS) lässt sich der Garvorgang überwachen, Dampf zugeben oder die Temperatur regeln. Eine Social-Media-Funktion teilt auf Wunsch Aufnahmen des Gerichts mit Freunden im Internet.

Die Rezept-Datenbank informiert außerdem am Bildschirm, wenn es Zeit für den nächsten Arbeitsschritt wird. Praktisch für Gastgeber, die lieber mit am Tisch sitzen, statt in der Küche zu stehen. Weitere vernetzte AEG-Geräte folgen, Preise und Details sind noch unbekannt.

ProCombi Plus Smart, 3.829 Euro lieferbar ab April 2016, www.aeg.de

Grundausstattung

Seit 2015 bietet Bauknecht vernetzte Hausgeräte an: Aktuell gehören zum Programm der Traditionsmarke drei Waschmaschinen, zwei Trockner, eine Kühl-/Gefrier-Kombination und ein Geschirrspüler. Die Preise liegen zwischen 1.100 und 2.000 Euro. Alle Geräte verbinden sich per WLAN mit dem heimischen Netzwerk und lassen sich über die Bauknecht-App „BLive“ (Android/iOS) bedienen.

Waschmaschine und Trockner tauschen auch untereinander Daten aus, etwa über das optimale Programm. Gehen Klarspüler und Entkalkersalz zur Neige, schickt die Spülmaschine eine Nachricht. Die Steuerung funktioniert von unterwegs aus, etwa um nach Ende des Waschprogramms den Knitterschutz zu aktivieren oder den Kühlschrank vorzukühlen. Eine Inventarliste in der App zeigt außerdem, welche Lebensmittel im Kühlschrank sind und wann ihr Haltbarkeitsdatum abläuft. Allerdings muss der Besitzer diese Daten zuvor von Hand am Smartphone eingeben.

per App BLive steuerbare Geräte, ab 1.100 Euro, www.bauknecht.de

Backen und Spülen

Die Initiative „Home Connect“ hat Bosch zusammen mit Siemens gestartet. Beide Hausgerätemarken gehören zur BSH-Gruppe und wollen Geräte verschiedener Anbieter über eine gemeinsame App steuerbar machen. Bislang hat sich aber kein weiterer Hersteller dem Verbund angeschlossen, auch Gruppenmitglieder wie Gaggenau oder Neff fehlen noch. Bosch bietet seit 2014 Geräte mit WLAN für die Home Connect-App (Android/iOS) an.

Aktuell sind es sieben Backöfen (ab 2.000 Euro) und vier Spülmaschinen (ab 1.500 Euro). Im Februar steht ein Modellwechsel bei den Geschirrspülern an. Außerdem sollen bis Ende 2016 weitere Produktgruppen wie bei Siemens folgen (siehe rechts). Praktisch: Über den Service- Bereich der App können Besitzer direkt Kontakt zum Kundendienst aufnehmen und Ferndiagnosen durchführen lassen.

Home Connect Geräte, ab 1.500 Euro www.bosch-home.de

Mit TV-Anschluss

Grundig-Fernseher zeigen Hausgeräte-Netzwerk: Die App „HomeWhiz“ soll es außer für Smartphone und Tablet (Android/ iOS) auch für Smart-TVs von Grundig geben. Die Funktionen der App beschränken sich im Wesentlichen auf Einstellungen und Statusanzeigen von Hausgeräten – etwa wie lange das aktuelle Wasch-Programm noch läuft. Hinzu kommen Warnungen, wenn die Tür offen steht oder das Wasser abgedreht ist.

Eine Steuerung von unterwegs scheint aktuell nicht vorgesehen, Nachrichten sollen den Empfänger außer Haus per E-Mail erreichen. Dazu stehen die Geräte übers WLAN mit dem heimischen Netzwerk in Verbindung. Insgesamt acht HomeWhiz-Modelle zu Preisen ab etwa 1.000 Euro hat Grundig angekündigt. Waschmaschine und Kühl-/Gefrierschrank sind bereits erhältlich. Ein Trockner, Backofen und

per App HomeWhiz steuerbare Geräte, ab 1.000 Euro www.grundig.de

Riesige Auswahl

Seit mehr als 10 Jahren bietet Miele sogenannte Miele@home-Produkte an. Kein anderer Hausgeräte-Hersteller hat mehr Erfahrung mit der vernetzten Küche. Früher nutzte Miele eigene Funktechnik, heute kommt stattdessen der Heimvernetzungs- Standard Zigbee zum Einsatz.

Ein entsprechendes Gateway (350 Euro) wird zu Hause per Kabel am Router angeschlossen. Nutzer des Smart-Home-Systems Qivicon von der Telekom können ihre vorhandene Basis verwenden. Dann kostet die Nutzung der Fernbedienungs-App nach zwölf Monaten allerdings Geld (voraussichtlich 25 Euro pro Jahr).

Wer ein Haus mit KNX-Verkabelung besitzt, kann die Geräte auch über den professionellen Installationsbus steuern. Von Busch-Jaeger gibt es dazu KNX-Touchscreens mit fertig programmierter Bedienoberfläche. Mehr als 270 vernetzungsfähige Geräte hat Miele im Angebot – von der Dunstabzugshaube für 1.200 Euro bis zum Backofen mit Dampfgarer für 4.900 Euro.

Bei rund der Hälfte davon handelt es sich um Kochfelder und Abzughauben, die auch ohne Heimnetzwerk und App direkt miteinander kommunizieren. Besonderheit: Backöfen mit der Funktion „Supervision“ (ab 2.500 Euro) zeigen in ihrem Display Meldungen und den Betriebszustand anderer vernetzter Miele-Geräte im Haushalt an.

Geräte ab 1.200 Euro, www.miele.de

Komplett-Angebot

Das Siemens-Sortiment deckt sich weitgehend mit den vernetzbaren Produktgruppen von Home Connect-Partner Bosch (siehe Seite 64). Allerdings hat Siemens seine Kühl schränke bereits auf dem Markt. Ab Februar soll es zusätzlich ein Modell der iQ 500 Serie mit integrierten Kameras geben (Foto, Modell KG36NHI32, 1.300 Euro), das Innenaufnahmen der Tür und des Kühlraums zur App schickt.

So lässt sich beim Einkaufen überprüfen, ob noch etwas fehlt. Ebenfalls angekündigt: Waschmaschinen, Wärmepumpen-Trockner und ein Kaffee-Vollautomat für den Küchenzeilen- Einbau. Damit wäre die vernetzte Küche komplett. Wie alle Home-Connect- Geräte verbinden sich die Siemens-Modelle mit dem heimischen WLAN und werden mit der herstellerübergreifenden App (Android/ iOS) gesteuert.

Geräte ab 1.300 Euro www.siemens-home.de

Frank-Oliver Grün
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