Vom Gartenhaus zum Wohnraum: Innenausbau | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Gartenhaus selber bauen – Bauabschnitt 7

Vom Gartenhaus zum Wohnraum: Innenausbau

Die aufwendige Bauweise und Dämmung unseres Gartenhauses hat nur einen Zweck: Der Innenraum soll ganzjährig als Wohnatelier nutzbar sein. Dazu muss er aber noch ein wenig hübsch gemacht werden. Gegen den Rohbau ist das aber ein Kinderspiel.

 
Gartenhaus selber bauen:Der Innenausbau schafft gemütlichen Wohnraum © Christian Bordes
Gartenhaus selber bauen:Der Innenausbau schafft gemütlichen Wohnraum

Obwohl unser Atelier-Gartenhaus zu den größeren Exemplaren seiner Gattung gehört, kann man den Raum mit einigen Tricks noch größer erscheinen lassen. Zum ersten wären da die großen Fensterflächen, die jede Menge Licht in die gute Stube lassen. Zum anderen sind es weiße Innenwände, die dieses Licht bis in jeden Winkel reflektieren. Jeder dunklere Ton als Weiß ließe den Raum dagegen kleiner erscheinen.

Um einen ansprechenden weißen Anstrich hinzubekommen, müssen Sie die OSB-Platten noch einmal verkleiden. Würden Sie die OSB-Oberfläche streichen, wäre das Ergebnis allenfalls zweitklassig, denn die grobe Plattenstruktur und die sichtbaren Plattenstöße würden dem Ganzen den Charme rauben. Und so kommen alte Bekannten, die Gipskartonplatten in 12,5 mm Stärke zum Einsatz. Das Gute: Die Gipsplatten können Sie direkt auf die OSB-Platten schrauben, ohne weitere Vorarbeiten. Die Fugen werden wie gehabt mit der zugehörigen Spachtelmasse verschlossen, nach Zwischenschliff und Feinspachteln erhalten Sie eine einwandfreie Oberfläche zum Streichen. Die Eckstöße der Platten haben wir mit einer flexiblen, weißen Acrylmasse ausgefugt. Acryl hat nämlich gegenüber dem alternativen Silikon den Vorteil, dass es überstreichbar ist.

Den Dielenfußboden bringen Sie mit einem guten Schliff in Form. Bei der Oberflächenbehandlung empfehlen wir ein gutes Hartwachsöl. Ein Lack könnte bei den stark schwankenden Temperaturen leicht reißen.

Die Kunst beim Verarbeiten der Gipskartonplatten besteht darin, die kleinen, schwarz phosphatierten Schnellbauschrauben bis zu einer bestimmten Tiefe exakt einzudrehen. Sie dürfen nicht zu tief sitzen, sonst bieten sie den Platten keinen Halt, und sie dürfen nicht über die Oberfläche überstehen, sonst verschwinden sie nicht unter der Spachtelmasse. Ein Schnellbauschrauber oder ein Akkuschrauber mit Bohrtiefenbegrenzer ist hier das geeignete Werkzeug, wenn es schnellgehen soll. Beides können Sie sich im Baumarkt ausleihen.

Wenn das anschließende Streichergebnis optimal werden soll, dann ist es ratsam, vor dem Auftragen der Wandfarbe einen Tiefgrund auf die Gipsplatten zu streichen. Der sorgt für ein gleichmäßiges Saugverhalten von Karton und Fugenmasse; die Farbe wird dadurch überall gleich aufgenommen.

Dieses Material brauchen Sie

Gipskartonplatten

Wenn es um die möglichst schnelle Herstellung einer optimalen Wandfläche geht, sind Gipskartonplatten unschlagbar. Der beidseitig von Karton ummantelte Gipskern hat einen sehr guten Einfluss auf das Raumklima, weil er Luftfeuchte speichern und zu gegebenem Anlass wieder abgeben kann. Das ist wichtig, um Schimmelbildung zu verhindern, vor allem, weil so ein Gartenhaus nicht permanent beheizt wird. Die Verarbeitung der Gipskartonplatten ist in unserem Falle besonders einfach, weil die OSB-Platten schon einen relativ ebenen Untergrund bieten, Sie also keine aufwendige Wasserwaagen-Artistik vollführen müssen, um mit den Gipsplatten das Lot und die Flucht zu erwischen.

Bodendielen© SelbermachenBodendielen

Auch bei den Bodendielen kommt Lärche zum Einsatz. Am Boden ist es wichtig, wie herum Sie die Dielen verschrauben: Legen Sie immer die Herzseite (das ist der gedachte Mittelpunkt der Jahresringe) der Bretter nach unten. So schüsselt die Diele zwar leicht nach oben, aber sie splittert an der Oberseite nicht, wenn das Holz arbeitet.

Spachtel und Farbe sorgen für ein perfektes Finish

Die Eckstöße verschließen Sie mit einer Acrylmasse aus der Kartusche dauerelastisch und dichten den Innenraum so gegen Wind und Wasser ab.

Die Eckstöße verschließen Sie mit einer Acrylmasse aus der Kartusche dauerelastisch und dichten den Innenraum so gegen Wind und Wasser ab.

Auch die Anschlussfuge zu den Fenstern braucht eine Abdichtung.

Auch die Anschlussfuge zu den Fenstern braucht eine Abdichtung.

Ausgehend von den Ecken verschrauben Sie die Gipsplatten auf die Wände. Setzen Sie etwa alle 30 cm eine Schraube.

Ausgehend von den Ecken verschrauben Sie die Gipsplatten auf die Wände. Setzen Sie etwa alle 30 cm eine Schraube.

Die Platten bringen Sie per Cutter und Latte auf Länge.

Die Platten bringen Sie per Cutter und Latte auf Länge. Anreißen, Karton schneiden, über eine Kante brechen, den zweiten Karton schneiden.

Die Schnellbauschrauben drehen Sie bis etwa 1 bis 2 mm unter die Plattenoberfläche ein. Von Hand eventuell nachbessern.

Die Schnellbauschrauben drehen Sie bis etwa 1 bis 2 mm unter die Plattenoberfläche ein. Von Hand eventuell nachbessern.

Ziehen Sie mit einer Glättkelle die Spachtelmasse großzügig über Schraublöcher und Fugen. Alle Löcher müssen dicht sein.

Ziehen Sie mit einer Glättkelle die Spachtelmasse großzügig über Schraublöcher und Fugen. Alle Löcher müssen dicht sein.

Der Zwischenschliff erfolgt von Hand. Dann ein zweites Mal spachteln für eine glatte Oberfläche.

Der Zwischenschliff erfolgt von Hand. Dann ein zweites Mal spachteln für eine glatte Oberfläche.

Den Dielenboden schleifen Sie mit dem Bandschleifer und den Körnungen 60, 80 und 120, anschließend rollen Sie ein Hartwachsöl auf.

Den Dielenboden schleifen Sie mit dem Bandschleifer und den Körnungen 60, 80 und 120, anschließend rollen Sie ein Hartwachsöl auf.

Der Anstrich erfolgt mit einer Wandfarbe auf Dispersionsbasis, keinesfalls mit einer Latexfarbe.

Der Anstrich erfolgt mit einer Wandfarbe auf Dispersionsbasis, keinesfalls mit einer Latexfarbe. Sie müssen mindestens zweimal streichen.

Die Fensterleisten verlaufen zwar quer vor den Rahmen, werden aber trotzdem durch die kurze Seite verschraubt.

Die Fensterleisten verlaufen zwar quer vor den Rahmen, werden aber trotzdem durch die kurze Seite verschraubt. Schraublöcher werden später abgedeckt.

An allen Übergängen von Fensterelementen zu den Wänden und auch am Boden setzen Sie die (lackierten) Abschlussleisten aus Fichtenholz.

An allen Übergängen von Fensterelementen zu den Wänden und auch am Boden setzen Sie die (lackierten) Abschlussleisten aus Fichtenholz.

Redakteur Ulrich Wolf über den Innenausbau

Der Innenausbau kam wie gerufen, weil draußen das Wetter von einem Tag auf den anderen schlecht wurde. Heiß diskutierten wir zu dritt die Frage, wie eigentlich die korrekte Reihenfolge der kommenden Arbeiten aussehen muss: Schleifen und behandeln wir zuerst den Dielenboden und laufen dann Gefahr, dass er unter den anschließenden Wandarbeiten gleich wieder leidet?

Oder machen wir erst die Wände fertig und sauen wir sie mit dem unvermeidlichen feinen Schleifstaub gleich wieder ein? Es kam wie immer in solchen Fällen zum fachlich absolut vertretbaren Kompromiss: Erst verschraubten wir nämlich die Gipskartonplatten, dann schliffen wir den Boden ab und ölten ihn zweimal satt (mit Zwischenschliff) und zum Schluss strichen wir die Wände.

Dazu muss man natürlich ein paar Quadratmeter Malerfolie zum Abdecken des Bodens bereitliegen haben. Das Fummeligste, weil mit viel Zuschnitt-Feinarbeit verbunden, war das Anbringen der Fenster- und Abschlussleisten. Übrigens: Viel leichter wird es, wenn Sie die Leisten vor der Montage lackieren – das erspart Ihnen das Abdecken des frisch geölten Bodens.
 

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Fotos: 
Christian Bordes
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