Klinkerpflaster im Fischgrätmuster | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Neue Terrasse

Klinkerpflaster im Fischgrätmuster

Es gibt ein Terrassen-Leben nach der Waschbetonplatte! Die guten alten Klinker haben trotz der Holzdeck-Konkurrenz als Material noch lange nicht ausgedient. Mustervielfalt und die unverwüstliche Oberfläche sind die besten Argumente. Zeit für einen Verbandwechsel!

 
Klinkerpflaster im Fischgrätmuster für die Terrasse © Selbermachen
Klinkerpflaster im Fischgrätmuster für die Terrasse

Terrasse© SelbermachenWaschbetonplatten – bei manchem Gartenfreund löst schon dieses Wort einen Schüttelanfall aus. Aber viele Terrassen, die in den siebziger und frühen achtziger Jahren angelegt wurden, haben noch heute diese pickelig-graue Optik, so auch unsere. Bei der Frage nach einem neuen Terrassenmaterial für den überfälligen Austausch stellt sich die grundsätzliche Glaubensfrage: Holz oder doch lieber Stein? Denn nicht jeder kann damit leben, dass ein Holzdeck regelmäßig nachbehandelt werden muss, damit es nicht vergraut. Steine hingegen, egal ob Natur-, Betonstein oder Klinker sind nicht nur langlebiger, sondern zu diesen Lebzeiten vor allem pflegeleichter als Holzdielen – sie sind nahezu unverwüstlich.

Das hat natürlich seinen Preis. Der Unterbau aus Sand und/oder Splitt, den beide Varianten brauchen, ist bei Steinterrassen etwas aufwendiger herzustellen. Sie brauchen nämlich zwei Schichten, die Tragschicht (mindestens 10 bis 15 cm Sand) und das Bett für die Steinverlegung. Kleiner Tipp: Wählen Sie für das Bett lieber Splitt statt Sand, denn in Splitt gehen die Ameisen nicht hinein.

Farbfaecher© SelbermachenKlinker als Terrassenmaterial hat mehrere Vorteile: Sie sind handlich, maßgenau und im gesamten Bundesgebiet für mehr oder weniger gleiches Geld zu haben. Klinker sind vereinfacht gesagt hartgebrannte Vollziegelsteine. Sie sind so dicht gesintert, dass sie nur noch maximal 3 % ihrer eigenen Masse an Feuchtigkeit aufnehmen können – das ist wichtig, damit Klinker frostfest sind. Die Farben variieren von fast schwarz bis gelblich. Sie sollten sich für Ihre Überlegungen beim Fachhändler einen Farbfächer besorgen, damit die Pflasterklinker hinterher auch zum Haus passen. Eine gewisse Varianz im Farbspektrum ist übrigens völlig natürlich, schließlich ist der Hauptrohstoff, der Ton ein Naturprodukt.

Der Farbfächer bildet die Nuancen der Steine 1:1 ab. Achten Sie bei Farbkombinationen darauf, dass die Steine gleiche Abmessungen haben.

Material fuer Terrasse© SelbermachenKlinker in zwei Farben

Die von uns ausgewählten Pflasterklinker tragen so verheißungsvolle Namen wie „Borkum“ und „Texel“. Die Zweifarbigkeit soll der Terrassenfläche eine Richtung und eine Struktur verleihen. Mit 210 x 52 x 65 mm Größe sind die Steine ohnehin schon schmal, aber wir verlegten sie zusätzlich hochkant. Auf die Stabilität der Fläche hat das natürlich keinen Einfluss, der Verlege- und Verfugeaufwand ist allerdings etwas höher.

Das gilt auch für unser Verlegemuster, den diagonalen Fischgrätverband. Klinker in zwei Farben© SelbermachenDiagonal verläuft er zu den beiden rechtwinklig ausgerichteten Hauswänden, was dazu führt, dass an den Übergängen von Pflaster zu Wand sehr viel Zuschnittarbeit anfällt. Wir raten Ihnen dringend dazu, dass Sie sich dazu einen Steinknacker ausleihen, weil Sie mit einer Flex früher oder später das gesamte Anwesen einstauben würden. Den Knacker bekommen Sie für ein paar Euro pro Tag im Baumarkt oder beim Fachhändler.

Klinker verlegen

  1. Alten Belag entfernenAlten Belag entfernen© Michael Stange

    Alten Belag entfernen

    Entfernen Sie den alten Belag. Große Betonplatte hebeln Sie am besten mit Spaten und Holzkeil vom Untergrund ab. Stellen Sie die Platten gleich aufrecht, so lassen Sie sich leichter packen.
  2. Gefaelleverlauf markierenGefaelleverlauf markieren© Michael Stange

    Gefaelleverlauf markieren

    Die Pflasterfläche braucht ein zweiprozentiges Gefälle und zwar grundsätzlich vom Haus weg. Den Gefälleverlauf markieren Sie mit Schnüren, die Sie an zwei eingeschlagenen Stahlstangen fixieren.
  3. Sand mit Stampfer verdichtenSand mit Stampfer verdichten© Michael Stange

    Sand mit Stampfer verdichten

    Den vorhandenen Sanduntergrund sollten Sie kurz durchrechen, bevor Sie den Sand dann dem abgeschnürten Gefälle entsprechend verteilen und mit dem Stampfer (oder Rüttler) gut verdichten.
  4. Splitt verteilenSplitt verteilen© Michael Stange

    Splitt verteilen

    Verteilen Sie den Splitt per Schubkarre auf dem verdichteten Untergrund und ziehen Sie ihn mit dem Rechen über die Fläche. Auch hier orientieren Sie sich an dem markierten Gefälle.
  5. Dicke des Splitts messenDicke des Splitts messen© Michael Stange

    Dicke des Splitts messen

    Die Dicke der Split-Tragschicht sollte 5 bis 6 cm nicht überschreiten. Kontrollieren Sie deren Höhe an mehreren Punkten, indem Sie den Zollstock bis zum verdichteten Sand durch stecken.
  6. Splitflaeche abziehenSplitflaeche abziehen© Michael Stange

    Splitflaeche abziehen

    Zum Abziehen der Splittfläche – gefällegerecht und eben – brauchen Sie Stahlschienen. Versenken Sie die Schienen in Gefällerichtung mit ein paar leichten Hammerschlägen in der Splittschicht.
  7. Schienen verschwindenSchienen verschwinden© Michael Stange

    Schienen verschwinden

    Die Schienen müssen vollständig in der Tragschicht verschwinden. Arbeiten Sie den Splitt notfalls mit den Händen an die Schienen heran, die Schienenoberkante darf dabei bedeckt werden.
  8. Mit Richtscheit Split abziehenMit Richtscheit Split abziehen© Michael Stange

    Mit Richtscheit Split abziehen

    Mit einem 2 m langen Richtscheit ziehen Sie nun den Splitt über die Schienen ab. Etwaige Fehlstellen füllen Sie sofort auf und ziehen die Fläche nochmal ab. Arbeiten Sie immer abschnittsweise.
  9. An der Hauswand beginnenAn der Hauswand beginnen© Michael Stange

    An der Hauswand beginnen

    An der Hauswand beginnend, legen Sie nun die Klinker aus. Arbeiten Sie zunächst von einer Schaltafel, bei entsprechendem Arbeitsfortschritt dann von der bereits verlegten Fläche aus.
  10. Den ersten verlegten Abschnitt richtenDen ersten verlegten Abschnitt richten© Michael Stange

    Den ersten verlegten Abschnitt richten

    Ist der erste Abschnitt verlegt, richten Sie den Rand mit einem geraden Brett oder einer Latte flucht-gerecht aus. So addieren sich kleine Ungenauigkeiten bei der Verlegung nicht zu stark.
  11. Steine fuer Hauswand markierenSteine fuer Hauswand markieren© Michael Stange

    Steine fuer Hauswand markieren

    An den Hauswänden fangen Sie immer mit ganzen Steinen an. Zum Auffüllen der Lücken markieren Sie sich die Steinabschnitte mit Kreide. Messen Sie unbedingt jeden Stein einzeln aus.
  12. Mit Steinknacker zuschneidenMit Steinknacker zuschneiden© Michael Stange

    Mit Steinknacker zuschneiden

    Mit einem Steinknacker ist der Zuschnitt am einfachsten und am schnellsten zu bewerkstelligen. Den können Sie sich im Baumarkt oder beim Fachhändler tageweise günstig mieten.

Es muss nicht immer Fischgrät sein . . .

Das von uns verlegte diagonale Fischgrätmuster gehört zu den aufwendigeren, weil an den Rändern viel Zuschnittarbeit nötig ist.

Blockverband© SelbermachenLaeuferverband© SelbermachenFlechtverband© Selbermachen

Hier sehen Sie einfachere Alternativen: den Blockverband, den geraden Fischgrätverband, den Flechtverband und den Läuferverband. Grundsätzlich ist es gerade für Ungeübte immer einfacher, die Steine parallel zu einer Hauswand zu verlegen, weil sich dadurch mindestens eine Flucht automatisch ergibt. Bei den diagonalen Varianten müssen Sie die Flucht selbst einmessen und markieren.

Verfugen mit Pause

Hammer© SelbermachenWenn die Fläche verlegt ist, müssen Sie die Fugen verfüllen. Üblicherweise machen Sie das mit Quarzsand, den Sie mit Besen und Wasser in die Fugen treiben. Um ganz sicher zu gehen, dass nichts durchwächst, können Sie dem Sand Zement hinzugeben (Mischung ein Teil Zement auf zehn Teile Sand). Gemischt wird das Ganze in trockenem Zustand, also bevor Sie beides in die Fugen einschlämmen. Alternativ bekommen Sie im Baumarkt auch Pflastermörtel oder Fugenfestiger. Unsere Erfahrung zeigt, dass zweimaliges Verfugen nötig ist, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Nach dem ersten Einschlämmen lassen Sie das Ganze ein bis zwei Wochen ruhen, damit sich der Sand setzen kann. Dann wiederholen Sie die Prozedur. Übrigens: Die Klinker sind gegen fast alles beständig – nur auf Streusalz im Winter sollten Sie verzichten. Verwenden Sie hier besser ein Granulat.

Fischgraetenverband© SelbermachenSchritt 1:

Achten Sie darauf, dass Sie auch mit den zugeschnittenen Steinen im Fischgrätverband bleiben. Die letzten Steine werden quadratisch.

Mit dem Stampfer© SelbermachenSchritt 2:

Mit dem Stampfer und einem langen Kantholz stampfen Sie die Klinker vorsichtig ins Splittbett. Wechseln Sie dabei die Richtung des Kantholzes.

Verfugen mit Quarzsand© SelbermachenSchritt 3:

Zum Verfugen verwendet man feinen Quarzsand. Kehren Sie ihn ein, und schlämmen Sie mit Wasser nach. Danach weiteren Sand einkehren.

Der Weg zur Terrasse

Weg zur Terrasse© SelbermachenAuch die Kombination mit schmalen Klinkerpflastern verleiht den alten Waschbetonplatten keinen Charme. Blick auf den Garten© SelbermachenIm Prinzip funktioniert die Verlegung der Steine auf schmalen Flächen genauso wie auf breiten. Hier müssen Sie nur die beiden Randstreifen in ein Betonbett setzen, damit die Klinker an den Rändern nicht absacken.

Was ist Verlegesplit?

Unter Splitt versteht man gebrochenes Material aus Granit, Basalt oder Quarz, dessen Korngröße zwischen 2 und 32 mm liegt. Im Gegensatz zum Sand wird Splitt künstlich gebrochen, was ihn scharfkantiger und unregelmäßiger macht. Infolgedessen sind seine wasserableitenden Eigenschaften unter der Klinkerfläche etwas besser als die von Sand. Für den üblichen Verlegesplitt ist die Korngröße auf 2 bis 5 mm begrenzt. Einziger Wermutstropfen: Verlegesplitt ist etwa doppelt so teuer wie Verlegesand (etwa 50 zu 25 Euro pro Quadratmeter).

 

Artikel aus selber machen Ausgabe 04/2012. Jetzt abonnieren!
Tags: 
Das könnte Sie auch interessieren