Trend im Wald: Selber sägen | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Sägen, Wald

Trend im Wald: Selber sägen

Die dramatischen Kostensteigerungen bei Heizöl und Gas haben den Waldbesitzern eine neue Kundschaft eingebracht: Selbermacher, die mit Axt und Säge Feuerholz machen. Sie geben sich beim Förster buchstäblich die Klinke in die Hand. „Selbstwerbung“ – wir waren dabei.

 
Wald im Gegenlicht © Selbermachen
Wald im Gegenlicht

Stamm zusägen© SelbermachenFörster André Guiard betreut einen großen Teil des Waldes im Kreis Herzogtum Lauenburg. Rund 180 Selbstwerber haben sich bei ihm bereits registrieren lassen. Freiezeit an der Säge: Uwe Becker aus Hamburg geht gerne selbst in den Wald, um sich mit frischem Brennholz einzudecken. So spart er durch eigene Arbeitskraft einen Großteil seiner Heizkosten.

Spaltholz© SelbermachenDas Holz im Kamin knistert, wohlige Wärme breitet sich im Wohnzimmer aus – und das Portmonee lacht. Die Deutschen haben eine neue, alte Energiequelle entdeckt.

Holz als Brennstoff erlebt eine völlig unerwartete Renaissance: Die Revierförstereien können sich vor Anfragen nicht retten und Kettensägenhersteller schreiben zweistellige Zuwachsraten.

Baumstämme© SelbermachenWertholz-Lagerplatz Zu schade für den Kamin: Besonders wertvolle Stämme werden Stück für Stück versteigert.

Uwe Becker ist einer von denen, die regelmäßig dem Lockruf des Waldes erliegen. „Das spart richtig Geld“, berichtet der Hamburger. Er ist einer von 180 Selbstwerbern, die sich im Hamwarder Kreisforst östlich der Großstadt bereits für diesen Winter registriert haben. Becker ist bei Förster André Guiard Stammkunde. Mit einer eigenen Kettensäge und der vorgeschriebenen Schutzausrüstung ausgestattet zerkleinert er die Baumkronen, die ihm Guiard zuteilt. Ein Festmeter kostet zwischen 12 und 15 Euro.

Frau am Kamin© Selbermachen„Wir mussten im vergangenen Jahr erstmals sehen, wie weit unser Angebot für Selbstwerber überhaupt reicht. Die Nachfrage war unglaublich hoch, mehr Kunden können wir hier gar nicht mehr bedienen“, erklärt Guiard. Der Förster stellt den privaten Sägern die Reste des kommerziellen Einschlags zur Verfügung, die sich nicht als Bauholz oder in der Möbelindustrie verwenden lassen. Jährlich werden im Hamwarder Forst etwa 6500 Festmeter Holz geschlagen, 1500 davon können die Selbstwerber nutzen.

Bäume makieren© SelbermachenDer Mann mit der Marke Diese großen Buchen gehen in die Bauholz- und Möbelindustrie. Der Förster markiert sie. Hier haben Selbstwerber nichts mehr verloren.

„Es ist aber nicht damit getan, einfach in den Baumarkt zu gehen, sich dort eine Kettensäge zu kaufen und dann hier loszulegen“, mahnt der Förster zur Vorsicht. Viele Anbieter fordern von ihren Kunden bereits einen Nachweis über sichere Kenntnisse im Umgang mit den gefährlichen Kettensägen.

Allein in Norddeutschland starben in der letzten Brennholzsaison neun Menschen durch Unfälle bei der Arbeit im Wald. Vor allem wenn ein Stamm unter Spannung steht – er sich an anderen Bäumen aufgehängt hat oder gegen die natürliche Fallrichtung gefällt werden soll –, ist die Arbeit lebensgefährlich.

Arbeitsplatz Wald

Schild für Selbstwerbung© SelbermachenUwe Becker hat einmal in die persönliche Schutzausrüstung und seine Säge investiert und legt jetzt regelmäßig im Wald los. Inklusive seiner Nebenkosten geht er davon aus, dass er pro Kubikmeter etwa 22 Euro eigene Kosten hat. Pro Jahr verheizt er 7 cbm Buchenholz aus dem Hamwarder Forst in seinem Ofen, das macht addiert 154 Euro. „Dazu kommen pro Monat 23 Euro Heizkosten in meinem Haus, weil ich das warme Wasser über die Therme erzeuge“, erklärt der 48-Jährige. „Früher, als ich noch nicht auf den Holzofen gesetzt habe, habe ich pro Monat 125 Euro für warmes Wasser und das Heizen bezahlt.“ Der Industriemechaniker schwärmt aber nicht nur von den Einsparungen, die ihm das Selbermachen bringt, sondern auch vom Spaß, den ihm die Arbeit im Wald bringt. „Es ist toll, im Wald zu arbeiten und sich dort auszutoben. Man ist ja auch nicht allein, sondern hat immer ein paar Freunde dabei, die auch Selbstwerber sind“, sagt er. Den Preisanstieg um zwei Euro pro Kubikmeter, den Guiard dieses Jahr auch auf Grund der gestiegenen Nachfrage verlangt, kann er verkraften. „Das macht bei meinen sieben Kubikmetern im Jahr gerade einmal 14 Euro aus. Das ist doch lächerlich, wenn man sieht, was für Öl und Gas mittlerweile bei den großen Konzernen fällig ist“, meint Becker.

Pferd zieht Baumstamm© SelbermachenPferdestärke In Bereichen, wo tiefer Boden Maschineneinsatz verhindert, kommen Ralf Hohenstein und sein Rückepferd, die Schleswiger Kaltblut-Stute „Marie-Lisa“, zum Einsatz.

Ein Raummeter Holz (ein jeweils 1m breit, lang und hoch aufgeschichteter Stapel) lufttrockenes Holz ersetzt 210 Liter Heizöl. „Beim Verbrennen von Holz wird zudem nur so viel Kohlendioxid frei, wie der Baum zuvor gespeichert hat“, erklärt André Guiard. „Moderne Heizungen verbrennen getrocknetes Holz ohne Schadstoffe.“

So ist das Heizen mit Holz auch eine saubere Sache. Allerdings sollte das Holz nach dem Einschlag zwei Jahre lang an der frischen Luft getrocknet werden. „Ich stapel die gespaltenen Scheite in einem überdachten Unterstand auf, an dem das Holz von allen Seiten belüftet wird“, sagt Uwe Becker. Vor allem Buchen- und Eichenholz hat mit einem Brennwert von 4,3 Kilowattstunden pro Kilogramm (bei 15 Prozent Feuchte) einen guten Wert. In den Förstereien und bei Brennholzhändlern gibt es auch fertiges Brennholz – das kostet dann pro Kubikmeter allerdings rund 50 Euro. Und der Spaß am Selbermachen bleibt gleich ganz auf der Strecke. (Siehe auch Werkzeug für Brennholz)

Vor dem ersten Schnitt: Ausrüstung, Ausbildung

Mann am Baum© SelbermachenUm als Selbstwerber im Wald arbeiten zu können, ist eine Schutzausrüstung vorgeschrieben. „Sicherheit wird bei uns großgeschrieben“, erklärt Förster André Guiard. Er fordert wie viele seiner Kollegen folgende Ausrüstung: Schnittschutzhose, Schutzhelm mit Gehör- und Gesichtsschutz, Schnittschutzschuhe und Arbeitshandschuhe. Alleinarbeit mit der Motorkettensäge ist untersagt. Für die Sägen ist eine Kettenbremse Vorschrift, die beim Hochschlagen das Gerät sofort stoppt. Spaltkeile sollten aus Aluminium sein. Beim Einschlagen von Stahlkeilen können Splitter abplatzen. Für die Schmierung der Säge darf nur Bio-Öl genutzt werden. Einige Revierförster verlangen darüber hinaus bereits heute den Nachweis eines Kettensägenlehrgangs, auch für Amateure. Ihr Händler hat gegebenenfalls Kursangebote.

Artikel aus selber machen Ausgabe 12/2010. Jetzt abonnieren!
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