Holzschutz | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Lacke, Lasuren und Öle

Holzschutz

Holz ist so beliebt bei Selbermachern, wie es auch empfindlich gegen ungeschickte Behandlung ist. Wir sagen, welches Objekt welchen Schutz braucht.

 
Holzschutz © Christian Bordes
Holzschutz

Das Thema „Holz schützen“ ist auch für uns als SELBER MACHEN-Redakteure bei genauer Betrachtung ein Fass ohne Boden. Denn Holz kommt in unseren Haushalten und Gärten in so vielfältiger Form vor, dass es fast unmöglich ist, alle Einzelfälle erschöpfend im Detail zu erklären. Deshalb schildern wir Ihnen auf der nächsten Doppelseite anhand einiger typischer Beispiele, was bei den verschiedenen Beanspruchungen für Sie wirklich relevant und schützenswert ist.

Denn obwohl die üblichen Tatverdächtigen für die zerstörerischen Attentate auf das verbaute Holz schnell identifiziert, seit Jahrhunderten bekannt und in ihrer Anzahl auch sehr überschaubar sind, kommt zum Beispiel das Wasser sowohl in Form des heißen Spül- oder kalten Wischwassers auf der Küchenarbeitsplatte als auch als unsichtbare Raumluftfeuchte durchs Kochen bei Fenster und Holzböden als Täter zum Zuge.

Holzschirm© SelbermachenIm Außenbereich ist das Zusammenspiel äußerst komplex: Eigentlicher Haupttäter ist hier die Sonnenstrahlung, die erst dem Wasser und in der Folge auch den tierischen Schädlingen wie Holzwurm und Hausbock den Weg ins Holzinnere ebnet. Hauptaufgabe des Holzschutzmittels ist also eine Abwehr der UVStrahlen.

Im Innenbereich hingegen wird häufig die mechanische Beanspruchung der Holzflächen unterschätzt. Die Beschichtungen auf Holzböden, Arbeitsplatten und Treppen nehmen aber gerade das ständige Begehen, die abgestellten Alltagsdinge oder herunterfallende Töpfe und Pfannen übel. Hier ist also weniger UV-Schutz als vielmehr pure Härte auf der Holzoberfläche gefragt, was beispielsweise den Einsatz von Lasuren im Innenbereich auf Möbel beschränkt.

Übrigens: Aus gesundheitlichen Gründen sollten Sie für drinnen wie für draußen zu lösemittelarmen Produkten greifen.

Wer schadet dem Holz?

Das Holz muss vielen Einflüssen widerstehen, egal, ob es innen oder außen verarbeitet ist. Das größte Problem im Außenbereich ist die Sonne, genauer deren UV-Strahlung. Die zersetzt nämlich den holzeigenen Baustoff Lignin, das immerhin rund 1/3 der Holzmasse ausmacht, in wasserlösliche Spaltprodukte, die dann vom Regen ausgewaschen werden. Im Innenbereich sind es vor allem die mechanischen Einflüsse, die dem Holz das Leben schwer machen. Sonne, Temperatur und Feuchte spielen hier in der Regel eine untergeordnete Rolle, respektive sie sind relativ konstant.

Holzdeck

Holzdeck© SelbermachenFür die beliebten Holzdecks verwenden Sie am besten nur solche Hölzer, die erstens den mechanischen Beanspruchungen gewachsen sind und zweitens wenig Pflege brauchen. Lärche, Bangkirai und Thermoholz seien hier stellvertretend genannt, die einfache Fichte dagegen ist zu weich und zu anfällig. Die genannten Hölzer sind in der Regel nämlich schon mit einem einfachen, im zweijährlichen Turnus aufgetragenen Öl (Lärchenöl, Bangkirai- Öl etc.) zufrieden, das sie lediglich gegen Vergrauen schützen muss. Richtige Holzschutzmittel sind nicht nötig, da die Hölzer eigene Inhaltsstoffe (meist Öle) enthalten, die sie gegen Schädlinge, Wasser und Sonne resistent macht.

Fassade

Holzfassade Isoliergrund© SelbermachenHolzfassaden, ob am Haus oder in Form eines Gartenschuppens, haben ein Problem, nämlich ihre große Fläche. Ein deckender Anstrich wie ein Lack muss extrem elastisch eingestellt sein, um die temperatur- und feuchtebedingten Bewegungen des Holzes rissfrei mitzumachen. Wir empfehlen deshalb entweder eine ausgewiesene Wetterschutzfarbe oder eine Dickschicht-Lasur, die beide ausreichend pigmentiert sind. Möchten Sie Lärchen- oder KDI-Holz streichen, müssen Sie die Fläche vor dem Anstrich mit einem Isoliergrund vorbehandeln. Der verhindert, dass holzeigene Inhaltsstoffe später auf die gestrichene Fläche durchschlagen und unschöne Flecken hinterlassen. Außerdem verbessert der Isoliergrund die Brillanz der Wetterschutzfarbe.

Sandkiste

Kinder im Sandkasten© SelbermachenBei einer Sandkiste respektive bei Gartenspielzeug allgemein steht die Sicherheit und Gesundheit der Kleinen grundsätzlich an erster Stelle, dann erst folgt der Holzschutz. Insofern stellen gänzlich unbehandelte Hölzer die beste Alternative dar, allerdings sind beispielsweise Thermoholz, Lärche oder Eiche sehr teuer.

Zweitbeste Lösung sind die KDI-Hölzer, die mit unter Druck eingepressten Salzen behandelt sind, was für die kleinen Nutzer weitgehend ungefährlich ist. Soll es dennoch bunt werden, verwenden Sie nur solche Lacke und Farben, die ohne Lösemittel auskommen (Acryllacke, Lasuren auf Wasserbasis). Die „Speichelechtheit“ muss auf dem Gebinde ausgewiesen sein.

Gartenmöbel

Gartenmöbel reinigen© SelbermachenViele Gartenmöbel sind in der Regel aus edleren Hölzern wie Teak oder Eiche gefertigt, was einen echten Holzschutz eigentlich überflüssig macht. Auch hier bietet sich die jährliche Behandlung mit einem auf die Holzart abgestimmten Öl an, das die holzeigene Maserung und Farbe wieder aufleben lässt. Wichtig: Die Möbel müssen vorher gründlich gereinigt werden, weil sonst das Öl nicht einziehen kann. Einmal geölte Möbel können Sie übrigens nur nach einem sorgfältigen Schliff aller Flächen überlackieren. Ansonsten haftet der Lack nicht. Bereits lackierte Möbel müssen Sie ganzflächig anschleifen, bevor Sie mit einem neuen Lack darüberstreichen.

Zaun

Zaun© SelbermachenZäune sind meist ungeschützt der Sonne ausgesetzt und auf Grund der Holzmenge meist aus einfacheren Holzarten gebaut. Eine ansehnliche deckende Lackierung ist sehr aufwendig, weil das Holz (ob bereits lackiert oder roh) gut angeschliffen werden muss. Eine Alternative sind Lasuren, die eine cremige Konsistenz aufweisen: Die tropfen nämlich nicht, lassen die Maserung durchscheinen und benötigen nur einen leichten Anschliff des Holzes. Wählen Sie einen mittleren Lasurton (Bild oben), der bietet mit seiner Pigmentierung einen guten UVSchutz, ist aber nicht so dunkel, dass sich die Fläche im Sommer zu stark aufheizt und reißt.

Holzboden

Holzboden© SelbermachenHolzböden im Innenbereich leiden am meisten unter den ständigen Tritten der Bewohner. Die Oberflächenbehandlung muss also in erster Linie hart im Nehmen sein und – nicht zu vergessen – im Notfall auch Alkohol, Laugen und heißes Fett abkönnen.

Im Grunde haben Sie bei einem Holzboden zwei Alternativen: Sie können ihn entweder mit einem Lack versiegeln, oder Sie können ihn ölen. Für beides ist es notwendig, den alten Lack komplett runterzuschleifen.

Die Siegellacke, die heute zum Einsatz kommen, sind alle wasserbasiert, was das Ganze mit Rolle (und Pinsel für die Ränder) sehr einfach macht. Vorsicht bei Fertigparkett: Wollen Sie das neu versiegeln, sollten Sie das dem Profi überlassen. Der Wasserlack kann nämlich einen so enormen Quelldruck auf die Trägerschicht ausüben, dass dadurch die Lamellen abgelöst werden.

Für die Maserung des Holzes wesentlich schöner ist das Ölen. Wichtig ist hier, dass Sie zuvor eine Nummer feiner schleifen (120er-Körnung) und das Öl nach dem Auftragen sorgfältig mit einer Einscheibenschleifmaschine und dem grünen Unterlegpad einmassieren. Selbstgeölte Flächen lassen sich später auch partiell ausbessern.

Treppe

Holztreppe© SelbermachenFür die Treppe gilt im Grunde das Gleiche wie für Holzböden, was die Beanspruchung angeht. Die Abnutzung ist durch die Lauflinie hier partiell wesentlich stärker als bei Böden. Deshalb raten wir davon ab, Treppen zu ölen, denn auch die Öle der neuesten Generation reichen nicht an die Oberflächenhärte eines Wasserlacks heran. Beachten Sie, dass Sie die Stufen immer von beiden Seiten lackieren! Ansonsten entsteht ein Ungleichgewicht im Feuchteaufnahmevermögen der Stufe, was dazu führen kann, dass sie sich schüsselartig verzieht. Auf der Unterseite reicht ein ein- bis zweimaliger Lackauftrag, auf der Oberseite sollten Sie dreimal lackieren.

Fenster

Fensterrahmen streichen© SelbermachenDas Grundproblem bei Fenstern ist, dass es sich dabei um maßhaltige Bauteile handelt. Das Holz darf also nicht mal millimeterweise arbeiten, weil das Fenster als Ganzes sonst nicht mehr schließt. Die Oberflächenbehandlung muss also gewährleisten, dass keine Feuchtigkeit ins Holz eindringt und dort zu Volumen- oder Formveränderungen führt. Wichtig: Das gilt für die Innenwie die Außenseite des Fensters! Die Beschichtung muss also auf der Raumseite genauso dampfdicht sein wie auf der Außenseite.

Unsere Empfehlung deshalb: Verwenden Sie einen ausgewiesenen Fensterlack oder mindestens eine Dickschichtlasur.

Dünnschichtlasuren dichten das Holz zu wenig vor Feuchtigkeit ab. Streichen Sie auf beiden Seiten des Fensters gleich oft. Vor dem Streichen ist es wichtig, dass Sie Schadstellen mit einem Lackspachtel auskitten und grundieren. Sonst dringt die Feuchte über die Schadstellen ins Innere des Holzes ein.

Arbeitsplatte

Bei Küchenarbeitsplatten kommt zu der hohen Feuchtigkeitsbelastung auch eine hohe mechanische. Messer, Gabel und Pfannen können Löcher und Risse in die Oberfläche schlagen, was dem Wasser den Weg ins Innere der Platte bahnt. Bei Massivholz-Arbeitsplatten wird deshalb auf eine Lackierung verzichtet. Die ist nämlich sehr empfindlich gegen alles Spitze und Scharfe und eine Aufarbeitung der Schadstelle funktioniert nur, wenn Sie die ganze Platte schleifen und neu versiegeln.

Unser Tipp: Verwenden Sie ein Hartöl, dass Sie hauchdünn auftragen und nach 15 Minuten mit einem Baumwolltuch einmassieren. Wiederholen Sie diesen Vorgang so lange, bis die Oberfläche eine vollflächige samtene Haptik aufweist (nur einmal täglich!). Die Ausschnittkanten versiegeln Sie dagegen mit einem Lack.

Was ist Lack, was Lasur?

Lasuren sind transparente Beschichtungen, die die Holzoberfläche weitestgehend durchscheinen lassen. Lasuren schützen das Holz durch Pigmente und UV-Absorbern vor UV-Strahlung. Lackfarben sind deckend, das heißt die Holzoberfläche ist nicht mehr sichtbar. Decklacke schirmen die UV-Strahlung vollständig von der Holzoberfläche ab. Die Pflegeintervalle bei lasierender Beschichtung (mittelbraun getönt, normale Witterungsbeanspruchung) betragen etwa drei Jahre, bei deckenden Beschichtung sind Pflegintervalle von fünf bis acht Jahren zu erwarten.

Ausgabe 05/2008; Fotos: Christan Bordes

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