Trotz Wind und Wetter: Holz im Garten | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Holz, Garten

Trotz Wind und Wetter: Holz im Garten

Ob Pergola, Carport oder Jägerzaun: Holz ist im Garten mit Abstand das beliebteste Baumaterial. Es ist dekorativ und sorgt dafür, dass der Garten ein Stück Natur bleibt. Doch ist es hier auch gnadenlos den Witterungseinflüssen ausgesetzt. Welche Holzarten Regen, Wind und Sonne am besten und längsten trotzen, erfahren Sie in diesem Artikel.

 
Holz im Regenguss © Michael Holz
Holz im Regenguss

Wer schon mal einen morschen, moosbewachsenen Baumstamm im Wald gesehen hat, dem mag der Gedanke gekommen sein, wie sinnvoll die Natur ist. Pilze und Mikroorganismen bauen das Lignin und die Zellulose des Holzes chemisch zu Humus ab, Nährboden für die nächste Baumgeneration. Doch was im Wald ein geschlossener Kreislauf ist, ist bei Ihrer Terrasse unerwünscht.

Und so führen viele mit Pinsel und Holzschutzmittel einen chemischen Krieg gegen die Naturgesetze. Mittlerweile weiß man, dass in den letzten Jahrzehnten durch solche Maßnahmen der Umwelt ein erheblicher Schaden zugefügt wurde, und das meist unnötig. Wird nach dem Verwendungszweck die geeignete Holzart gewählt und richtig verbaut, kommt man im Haus und Garten völlig ohne Giftstoffe aus.

Bestes Beispiel hierfür sind die Holzverkleidungen an Hausfassaden vieler Gebirgsregionen. Das verwendete Tannen- oder Lärchenholz trotzt seit Generationen rauester Wetterlage, ganz ohne Anstrich. Das Geheimnis liegt in der Konstruktion. Eine gute Hinterlüftung und Tropfkanten verhindern Staunässe und lassen das Holz schnell trocknen. Und trockenem Holz können Pilze und Bakterien nichts anhaben, egal, ob es hin und wieder nass wird.

Das gleiche gilt im Garten, vom Carport bis zum Terrassenboden. Wenn möglich, ist ein direkter Bodenkontakt zu vermeiden. Pfähle sollten daher mit Pfostenschuhen in den Boden eingelassen werden. Nicht immer ist eine schnelle Trocknung möglich oder Bodenkontakt zu vermeiden. Wie etwa bei Terrassendielen mit ihrer Unterkonstruktion. Doch hier bietet die Natur selbst Hilfe. Viele Hölzer besitzen eigene Abwehrstoffe wie etwa Gerbsäure gegen Pilze und Insekten. Vor allem das farbige Kernholz einiger Arten, zum Beispiel Kiefer, Lärche, Douglasie und Eiche, ist gegen den gewöhnlichen Nagekäfer und den Hausbock recht resistent.

Wie weit diese Dauerhaftigkeit geht, besagen die Resistenz-Klassen, die von 1 (sehr dauerhaft) bis 5 (nicht dauerhaft) eingeteilt sind. Es wird von folgenden Lebenserwartungen oder Standzeiten ausgegangen:

1 . . . . . mehr als 13 Jahre

2 . . . . . 8 bis 13 Jahre

3 . . . . . 5 bis 8 Jahre

4 . . . . . 3 bis 5 Jahre

5 . . . . . weniger als 3 Jahre

Die Angaben gelten für innen oder außen verbautes Holz, das nicht ständiger Nässe ausgesetzt ist.

In der Klasse 1 finden sich ausschließlich aus den Tropen importierte Holzarten wie Teak oder Bongossi. Sie haben, bedingt durch die Verhältnisse in ihrer Heimat, den größten Gehalt an keimtötenden und Insekten abwehrenden Inhaltsstoffen. Erst ab der Resistenzklasse 2 erscheinen europäische Baumarten, so die Eiche und die Edelkastanie. Dies bezieht sich nur auf das Kernholz. Splintholz gehört der Klasse 5 an.

Holzdach© SelbermachenHolzdach farbig© Selbermachen

Holzdächer können auch ohne chemische oder thermische Behandlung lange halten, wenn die richtige Holzart gewählt wird und der konstruktive Holzschutz konsequent angewendet wird. Farbe kann die Standzeit des Holzes verlängern und sieht zudem gut aus.

Edel oder modifiziert: eine Frage des Preises

Wird Holz verbaut, sollte man darauf achten, dass es kein Splintholz enthält, zumindest weniger als 10 Prozent. Wenn das Splintholz keine Eigenresistenz und Dauerhaftigkeit hat, so lässt es sich jedoch sehr gut imprägnieren, da es die chemischen Substanzen sehr schnell und tief aufnimmt.

Womit wir schon bei der zweiten Kategorie von Hölzern für den Außenbereich sind: den modifizierten Hölzern. Hierbei wird die Dauerhaftigkeit von (einheimischen) Hölzern mit geringer Eigenresistenz, Klassen 4 und 5, durch künstliche Verfahren angehoben. Meist lässt sich eine Dauerhaftigkeitsklasse von 3 erreichen, was dem Kernholz von Douglasie oder Pitch Pine entspricht. Kesseldruckimprägniertes Fichten- oder Kiefernholz, bei dem hoher Druck die Imprägniersalze in das Holz presst, dürfte am bekanntesten sein.

Noch wenig bekannt ist Thermoholz. Dabei wird das Holz, zum Beispiel Buche, für ein bis zwei Tage einer Temperatur von bis zu 250°C ausgesetzt. Die so gewonnene Resistenz erreicht die Klasse 1. Damit gilt Thermoholz für viele als ökologische Alternative zu Teak oder Bangkirai. Bedingt durch den Einsatz von Giftstoffen und den hohen Energieaufwand bei der Produktion von modifiziertem Holz, blieb diese Meinung nicht unwidersprochen. Wird importiertes Holz aus zertifizierter Forstwirtschaft genutzt – etwa mit FSC-Siegel – so ist das ökologisch vertretbar. Insbesondere Teakholz wird seit über hundert Jahren mit großem Erfolg in Plantagen angebaut.

Doch eines haben die meisten Hölzer gemeinsam: Durch die Wechselwirkung von Sonnenlicht und Regen vergrauen sie. Das schätzt nicht jeder. Dagegen gibt es eine Reihe von pigmenthaltigen Pflegemitteln. Und wer hier ein umweltverträgliches Produkt wählt, ist dann auf der sicheren Seite.

  1. BangkiraiBangkirai© Michael Holz

    Bangkirai

    **Bangkirai** Herkunft: Südostasien (Indonesien, Malaysia) Resistenzklasse: 1 bis 2 Eigenschaften: Kernholz gelbbraun bis grünlich Schwer und dauerhaft (härter als Eiche), witterungsfest, hohe Resistenz gegen Pilze und Insekten, gut zu sägen, bohren, fräsen ohne vorzeitiges Stumpfen des Werkzeugs. Anwendung: Im Herkunftsland für Eisenbahnschwellen und Rammpfähle. Hier beliebtes Terrassenholz. Zirka-Preis pro qm: 55 Euro Weitere Aspekte: Kaum mit FSC-Zertifikat erhältlich. Die Bedeutung als Garten- und Terrassenholz nimmt trotzdem zu.
  2. BilingaBilinga© Michael Holz

    Bilinga

    **Bilinga** Herkunft: West- und Zentralafrika Resistenzklasse: 1 Eigenschaften: Honiggelbes Kernholz von extremer Härte. Unbehandelt hohe Resistenz gegen Pilze und Insekten. Nicht ganz leicht zu bearbeiten. Beim Nageln und Schrauben solte vorgebohrt werden. Anwendung: Wegen des hohen Abnutzungswiederstandes gut für Bodendielen geeignet. Für alle Wasserbauten geeignet. Zirka-Preis pro qm: 65 Euro Weitere Aspekte: Kann trotz der fungiziden Inhaltsstoffe gut verleimt werden. Bei Farbanstrichen können jedoch Störungen auftreten.
  3. BongossiBongossi© Michael Holz

    Bongossi

    **Bongossi** Herkunft: Afrika, Hauptvorkommen in Kamerun und der Elfenbeinküste Resistenzklasse: 1 bis 2 Eigenschaften: Kernholz rotbraun, sehr ölig und von unangenehmem Geruch. Das Holz ist witterungsfest und dauerhaft, auch bei direktem Wasserkontakt. Bedarf kaum der Pflege. Sinkt im Wasser. Schwer zu bearbeiten. Anwendung: Pergolen, Teichbau, Schleusen und Brücken, Parkettdielen und Kegelkugeln. Zirka-Preis pro qm: 50 Euro Weitere Aspekte: Sehr selten. Splitter können Infektionen auslösen.
  4. DouglasieDouglasie© Michael Holz

    Douglasie

    **Douglasie** Herkunft: Westküste Nordamerikas Resistenzklasse: 3 Eigenschaften: Kernholz rötlichbraun bis gelblich gefärbt, fest von mittlerer Härte, deshalb sehr gut mit normalem Werkzeug zu bearbeiten. Anwendung: Verkleidung von Gartenterrassen, Zäune, Pflanzkübel, Sichtschutz, Gartenschuppen und Gartenmöbel. Zirka-Preis pro qm: 35 Euro Weitere Aspekte: Die am stärksten genutzte Holzart aus den USA.
  5. EicheEiche© Michael Holz

    Eiche

    **Eiche** Herkunft: Eurasien, Nordamerika Resistenzklasse: 2 Eigenschaften: Graubräunliches Kernholz mit hohem Gehalt an Gerbsäure. Dadurch hat das Holz eine gute Beständigkeit gegen Verrottung und Wurmfraß. Hart und zäh, aber dennoch gut zu bearbeiten. Anwendung: Diente schon in vorgeschichtlicher Zeit dem Haus- und Schiffbau. Heute für Außentüren, Holzfachwerk, Fußbodendielen u. v. m. Zirka-Preis pro qm: 34 Euro Weitere Aspekte: Nach der Buche der verbreitetste Laubbaum in Deutschland.
  6. GarapaGarapa© Michael Holz

    Garapa

    **Garapa** Herkunft: Südamerika, überwiegend Brasilien und Bolivien Resistenzklasse: 1 bis 2 Eigenschaften: Hellbraunes Kernholz, mittelhart und formstabil. Das Holz neigt wenig zum Splittern, daher gut geeignet für Böden, auf denen barfuß gegangen wird. Anwendung: Wasserbau, Dielen, Gartenmöbel. Zirka-Preis pro qm: 50 Euro Weitere Aspekte: Hierzulande noch recht unbekannt. Zertifizierte Alternative für Bangkirai. Ausgewaschene Inhaltsstoffe können Fassaden und andere Bauteile verfärben.
  7. Kiefer/Fichte KDIKiefer/Fichte KDI© Michael Holz

    Kiefer/Fichte KDI

    **Kiefer/Fichte KDI** Herkunft: Europa, Sibirien Resistenzklasse: 1 bis 3 Eigenschaften: Typisch ist die grünliche Färbung durch Imprägniersalze, die dem Holz einen dauerhaften Schutz gegen Insekten und Fäulnis geben. Neigt zu Rissen, die die Haltbarkeit nicht beeinträchtigen. Gut zu bearbeiten. Anwendung: Das klassische Gartenholz. Erste Wahl für Zäune, Pergolen, Carports u.a. Zirka-Preis pro qm: 25 Euro Weitere Aspekte: Da KDI-Holz reißt und splittrig wird, ist es als Fußboden nur mit Einschränkung zu empfehlen.
  8. LärcheLärche© Michael Holz

    Lärche

    **Lärche** Herkunft: Europa, Ostsibirien, Nordamerika, Japan Resistenzklasse: 3 Eigenschaften: Kernholz gelblich bis rötlichbraun. Sehr dauerhaft und strapazierfähig. Durch Inhaltsstoffe witterungsbeständig. Bei direkten Bodenkontakt zusätzliche Behandlung nötig. Anwendung: Traditionelle Außenwandverkleidung und Terrassenböden, Dachschindeln im Alpenraum, Brücken und Stallungen. Zirka-Preis pro qm: 35 Euro Weitere Aspekte: Da in Osteuropa Raubbau vorkommt, sollte man auf zertifiziertes Holz achten. Lärchenholz bekommt Risse und wird splittrig. Als Fußboden daher nicht unbedingt etwas für Barfüßler.
  9. Pitch PinePitch Pine© Michael Holz

    Pitch Pine

    **Pitch Pine** Herkunft: Südosten der USA und Mittelamerika Resistenzklasse: 3 Eigenschaften: Gelblichbraunes bis braunes harzreiches Kernholz. Gute natürliche Resistenz gegen Pilze und Mikroorganismen. Leicht zu bearbeiten, Werkzeug kann durch das Harz schnell verschmutzen. Anwendung: Fenster und Türen, Treppen, Decks im Schiffbau, Dielen, Fenster, Tore und Treppen. Zirka-Preis pro qm: 30 Euro Weitere Aspekte: Das härteste handelbare Nadelholz. Wird gern als Alternative zu Lärche genommen, wenn eine größere Festigkeit benötigt wird.
  10. TeakTeak© Michael Holz

    Teak

    **Teak** Herkunft: Süd- und Südostasien Resistenzklasse: 1 Eigenschaften: Bräunliches Kernholz mit dunkler Äderung. Reich an Kautschuk und Fungiziden. Daher wasserresistent, rutschsicher und dauerhaft. Gilt als Premiumholz. Anwendung: Jachtbau, Fenster und Türen, Gartenmöbel und Terrassenböden. Zirka-Preis pro qm: 100 Euro Weitere Aspekte: Das wichtigste Exportholz des südostasiatischen Raums. Neben Mahagoni eine Baumart, die in Plantagen angebaut wird.

Zaun© SelbermachenHolzzäune sind ganzjährig der Witterung ausgesetzt. Wenn aber die Pfosten ohne Bodenkontakt in Pfostenschuhen stehen und das Holz regelmäßig gepflegt wird, hat der Zaun ein langes Leben vor sich.

Artikel aus selber machen Ausgabe 03/2012. Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren