So funktioniert das Smarthomefunktion Homematic IP
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Das „Homematic“-System von EQ-3 steht im Ruf, besonders leistungsfähig zu sein – aber auch ein wenig kompliziert. Deshalb gibt es jetzt Homematic IP. Der kleine Bruder des erfolgreichen Smarthome-Standards macht die Installation und Konfiguration deutlich einfacher. Wie gut das System in der Praxis funktioniert, zeigt unser Test.
 

 
© Hersteller, Frank-Oliver Grün

Die EQ-3-Gruppe ist ein heimlicher Riese unter den Smarthome-Anbietern. Als Hersteller beliefert sie andere Firmen wie RWE oder die Telekom mit Produkten. Der hauseigene Elektronikversender ELV versorgt Endkunden direkt. Nach eigenen Angaben beträgt der Marktanteil bei Komplettlösungen in Europa rund 35 Prozent. 

Der Klassiker: Homematic 


Zu den erfolgreichsten Produkten zählt neben der Heizungssteuerung „Max!“ das Smarthome-System „Homematic“. Es ist seit fast zehn Jahren auf dem Markt und hat eine große Fangemeinde. Wer sein Haus damit ausstattet, darf allerdings vor der aufwendigen Konfiguration am PC nicht zurückschrecken. Auch die Fernbedienungs-Apps sehen ein wenig aus, als wären sie von Ingenieuren programmiert worden. Von schicker Optik wie bei Qivicon (Test 5/2016) oder Bosch (7/2016) keine Spur. 

Zentrale: Zum Einrichten und Bedienen von „Homematic IP“ ist ein Smartphone nötig. Die App für Android- und iOS- Geräte steuert alle Funktionen 

 Neuer Ansatz: Homematic IP 

Deshalb hat EQ-3 dem Klassiker eine moderne Alternative zur Seite gestellt. „Homematic IP“ arbeitet wie das Original im störunempfindlichen Funkband um 868 Megahertz. Allerdings hat der Hersteller einige Funktionen ergänzt. So ist die Fernsteuerung über das Internet nun fest ins System integriert. 

„Homematic“ Nutzer müssen dafür einen Zusatzdienst wie „CloudMatic connect“ in Anspruch nehmen. Der kostet abhängig von der Vertragsdauer zwischen 1,83 Euro und 3,95 Euro im Monat.  „Homematic IP“ hängt von Haus aus an der Cloud. Alle Befehle laufen verschlüsselt über einen Server von EQ-3. Der Hersteller nutzt dafür bewährte Verfahren aus dem Online-Banking. Die Cloud- Verbindung bedeutet aber auch, dass ohne Internet fast nichts funktioniert. Für Qivicon, RWE Smarthome und andere Lösungen dieser Art gilt das genauso. Immerhin: Die Heizkörperthermostate von „Homematic IP“ verrichten in so einem Fall weiter ihren Dienst – weil sie den gewünschten Temperaturverlauf direkt im Regler speichern. 


Scan Funktion: Über den QR-Code auf der Rückseite oder einem beiliegenden Aufkleber lassen sich neue Komponenten schnell hinzufügen. Alternativ lässt sich eine Codenummer in die App eingeben
 
 
Start mit wenigen Funktionen 

Aktuell gibt es zwei Einsteigerpakete: ein „Raumklima“ Set mit Heizkörperthermostat und Tür-/ Fensterkontakt sowie das Starterset „Sicherheit“. Es enthält an Stelle des Heizungsreglers einen drahtlosen Bewegungsmelder. Beide Pakete kosten rund 130 Euro und bringen die zum Betrieb nötige Funkbasis mit. Weitere Komponenten lassen sich dazukaufen und am sogenannten „Access Point“ anmelden, wobei die Auswahl bislang recht überschaubar ist (links). Viel mehr als die Heizung regeln und eine Alarmanlage aufbauen geht mit „Homematic IP“ noch nicht.
Der Hersteller will den Funktionsumfang ausbauen. So sollen die Schaltsteckdosen bald auch per Bewegungssensor steuerbar sein. Im Test funktionierte das noch nicht. Auch die Fähigkeiten des Wandtasters sind etwas eingeschränkt. Er kann den Eco-Betrieb der Heizung starten (s. Kasten rechts) oder als Panikschalter Steckdosen mit Lampen aktivieren. Frei definierbare Regeln oder Lichtszenen wie in anderen Smarthome-Systemen gibt es nicht. 


Funktionsumfang: Bei „Homematic IP“ dreht sich alles um die Heizungssteuerung und Sicherheit. Weitere Anwendungsgebiete sollen folgen. Wer mag, kann die Geräte auch an der klassischen „Homematic“ Basisstation (CCU2) betreiben – dann allerdings ohne die automatisierte Einrichtung per App.

Sehr einfache Installation 

Die Inbetriebnahme unterscheidet sich vom bisherigen „Homematic“. Sie kommt ganz ohne Computer aus. Die Hersteller-App auf einem Smartphone genügt. Mit ihrer Hilfe und der Handy- Kamera nimmt der Nutzer quadratische QR-Codes auf, die den Geräten beiliegen oder aufgeklebt sind. Sollte es Probleme damit geben, lässt sich eine Ziffernkombination von Hand eingeben.

Im nächsten Schritt bietet das Programm dann verschiedene Anwendungen an. So kann ein Fenstersensor wahlweise Alarm schlagen und/oder beim Lüften die Heizung drosseln (oben). Gibt es – wie im Falle des Bewegungsmelders – nur eine Möglichkeit, springt die App sofort zum dritten und letzten Schritt. Hier legt der Nutzer fest, in welchem Raum das Gerät installiert ist.

Danach wissen die Komponenten selbst, was zu tun ist. Über die Anwendung sind sie miteinander verknüpft. Jede Steckdose, die für „Sicherheit“ konfiguriert wurde, liefert Strom, sobald das System Alarm auslöst. Ganz gleich, ob eine Lampe oder Sirene daran angeschlossen ist. Soll sie etwas anderes tun, etwa einen Heizlüfter steuern, reicht es, die Zuordnung auf „Raumklima“ zu ändern. Nun bleibt der Funkstecker so lange eingeschaltet, bis ein „Homematic“ Wandthermostat im selben Raum die gewünschte Temperatur meldet. 
 

Zwischenstecker: Die Funksteckdose gibt es in einer Version mit integrierter Energiever-brauchsmessung (50 Euro) und als reines Schaltmodell (40 Euro) 

Dieses Prinzip der Zuordnung ist ebenso schlau wie schlüssig – wenn man es einmal durchschaut hat.
Nach der einfachen Installation bleibt der Nutzer überraschend sich selbst überlassen. Manche Funktionen wie das „Coming-Home-Licht“ mit Schlüsselbund-Fernbedienung oder die Umbenennung von Heizprofilen erklären sich nicht von selbst. Menüs, die mal links und mal rechts ins Bild gleiten, machen die Bedienung etwas gewöhnungsbedürftig. Es gibt zwar eine Hilfe-Funktion in der App, doch die führt zu einem 94-seitigen PDF-Hand- buch im Internet, das am Smartphone- Display schwer zu lesen ist. 

Fazit
Mit der Zeit verblassen diese Anfängerprobleme jedoch und zurück bleibt ein zuverlässiges Smarthome-System mit großem Entwicklungspotential. Eines hat „Homematic IP“ schon jetzt anderen Cloud-Lösungen voraus: Zum Betrieb ist keine Registrierung notwendig. Nicht einmal seine E-Mail-Adresse muss der Nutzer angeben. 


Sicherheit

Die Alarmfunktion ist in der App bereits voreingestellt und mussnur noch aktiviert werden. Das System unterscheidet dabei zwischen zwei verschiedenen Sicherheitsstufen: Hüllschutz und Vollschutz.

Der Vollschutz bezieht sämtliche Tür-/Fensterkontakte und Bewegungsmelder in die Überwachung mit ein. Beim Hüllschutz lassen sich Sensoren gezielt ausnehmen. So können Haustiere und Bewohner in der Wohnung herumlaufen, ohne Alarm auszulösen. Wie die Geräte reagieren, legen Anwendungsgebiete in der App fest: Ein Fenstersensor, der hier das Merkmal „Sicherheit“ zugewiesen bekommt, gehört automatisch zur Alarmanlage. Er aktiviert beim Öffnen alle Funksteckdosen, die ebenfalls für Sicherheit zuständig sind. Daran können dann zum Beispiel Lampen oder Sirenen angeschlossen sein.

Manche Geräte wie der Tür-/ Fensterkontakt erfüllen mehrere Aufgaben gleichzeitig (siehe rechts).

Andere lassen sich nur einem Anwendungsgebiet zuordnen. Die Funksteckdose etwa ist wahlweise dem „Raumklima“, „Licht und Beschattung“ oder der „Sicherheit“ unterstellt.

 

 

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