Alte Möbel wie neu | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin

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Alte Möbel wie neu

Ob nur neu lackieren, abgetrennte Teile wieder anbringen oder eine komplette Tischplatte aufarbeiten: selber machen zeigt, wie Sie Ihre alten Möbelstücke funktional wiederherstellen und optisch aufpolieren.

 
© Fotolia / Christian Bordes
Schaukelstuhl und ausziehbarer Tisch: Diese beiden Schnäppchen vom Flohmarkt werden mit wenigen Handgriffen wieder echte Schmuckstücke

Egal ob Dachbodenfund, Schnäppchen vom Flohmarkt oder das Erbstück von der Oma: Es gibt viele Gründe, an antiken Möbeln Hand anzulegen und sie wieder aufzuarbeiten. Je nachdem, wie wertvoll ein Möbelstück ist, sollten Sie gegebenenfalls einen Restaurator konsultieren, bevor Sie die Reparatur selber angehen. Wenn es aber darum geht, kleinere Schäden an Gebrauchsmöbeln zu beheben, können Sie mit wenig Aufwand viel erreichen. Am Beispiel eines alten Holztisches und eines Schaukelstuhls zeigt selber machen, wie Sie typische Gebrechen alter Möbel kurieren und ihnen optisch wieder zu altem oder neuem Glanz verhelfen. Denn: Gerade jetzt, bei Herbstwetter, bietet es sich an, wieder einmal in der Werkstatt zu verschwinden.
Wieder heil und modern gestrichen: Der Schaukelstuhl verdient mit der reparierten Kufe nun wieder seinen Namen. Shabby-Chic-Look für den alten Holztisch: Nach der Reparatur wurde die Platte weiß gestrichen und wieder abgeschliffen

Esstisch: Oberfläche behandeln

Stellen Sie zunächst fest, welche Schäden zu beheben sind. Danach richtet sich, welche Werkzeuge und Materialien Sie zur Reparatur benötigen.
 
Typische Schäden an alten Möbelstücken sind wackelnde Beine, lose Leisten, Kerzenwachs oder Getränkeflecken und klemmende Schubladen. Wachsflecken am besten mit einer Cuttermesserklinge oder einem Schaber für Farben abschaben. Die Cutterklinge in beide Hände nehmen, Schneide nach unten. Mit leichtem Druck über den Wachsfleck schieben.

TIPP Wachsflecken entfernen

Man könnte auf die Idee kommen, Kerzenwachsflecken mit Schleifpapier zu entfernen (Bild links). Das ist aber keine gute Idee. Das Wachs verklebt das Schleifpapier und wird dadurch auf der Fläche verrieben. besser: Die groben Wachsreste mit der Cutterklinge entfernen, wie in auf der Abbildung oben zu sehen. Diese Prozedur wiederholen Sie bei allen Wachsrückständen auf der gesamten Plattenfläche. Mit dem Bügeleisen werden im Anschluss die letzten Spuren aus den Vertiefungen geholt.


Letzter Schritt: ein Stück Küchenpapier auf die Wachsflecken legen und bei mittlerer Hitze kurz darüberbügeln. Schleifen Sie nun den gesamten Tisch mit einem Schleifschwamm. Denken Sie auch an die Tischkanten. Runde und andere unregelmäßige Oberflächen wie die Tischbeine lassen sich am besten mit Stahlwolle abschleifen.


Auch im Bereich der Ornamente kommt man am besten mit der Stahlwolle in die filigranen Zwischenräume. In Nuten und Ecken leistet der Schleifschwamm gute Dienste, da er sich in diese hineinschieben lässt. Sind alle Flächen, Kanten und Ornamente abgeschliffen, wird der Tisch mit dem Besen gründlich entstaubt.


Danach werden die Oberflächen mit einem feuchten Lappen abgewischt. Dann gut abtrocknen lassen. Das Tischgestell mit farblosem Hartwachsöl streichen, um die Flächen zu schützen und optisch zu veredeln. Mit dem Schleifvlies die Oberfläche abreiben und durchtrocknen lassen. Dann das Abreiben einmal wiederholen.

Risse kitten und Platte streichen

Sind die Risse im Auszug repariert, wird die Tischplatte gestrichen und abgeschliffen. Entweder mit dem Exzenterschleifer oder dem Schleifschwamm.

Für die Reparatur des Risses in der Tischplatte haben wir einen Spanngurt, Holzleim und einen dünnen Holzspatel benutzt.
  
   

Auf den Innenseiten des Risses in der Tischplatte trägt man mit einem Holzspatel großzügig Holzleim auf. Die Tischplatte von den Außenkanten mit einem Spanngurt verzurren und mit Schraubzwingen und einer Latte fixieren. Mit einem feuchten Lappen entfernen Sie den noch flüssigen Leim, der aus der Rissfuge herausgequollen ist.


Bei der Tischverlängerung muss die lose Verstärkungsleiste auf der Unterseite wieder angebracht werden. Zunächst den alten Leim mit einem Stechbeitel gründlich aus der Nut und von der Verstärkungsleiste entfernen. Die herausgelösten Leimreste gründlich mit einem Handbesen abfegen und die Leiste sowie Nut gut entstauben. 


Um ein erneutes Herausrutschen der Leiste zu verhindern, wird nur am hinteren Ende der Nut punktuell Leim aufgetragen. So bleibt die Leiste fest in der Nut und kann dennoch bei Holzbewegungen der Platte mitgehen. Die Leiste vorsichtig von der Seite mit einem Hammer in die Nut klopfen. Nun die Leiste mit Schraubzwingen und einer Unterlage fixieren und austrocknen lassen. Nach dem Trocknen die Oberflächen mit Schleifapier abschleifen.


Die Tischplatte mit einem verdünnten Acryllack (etwa 5 bis 7 % Wasser zugeben) streichen und gut durchtrocknen lassen. Für den Vintage-Look den Lack teilweise wieder abschleifen, so lange, bis die Farbe der Tischplatte zu sehen ist. Auch die umlaufenden Tischkanten schleift man mit einem Schleifschwamm von Hand wieder ab.

Finish: Auszüge und Filzgleiter

Nach der abschließenden Oberflächenbehandlung der Tischplatte mit Hartwachsöl oder Klarlack werden die Auszüge gangbar gemacht und die Füße mit schützenden Filzgleitern versehen.

Auch die Ornamente mit verdünntem Acryllack streichen. Dazu benutzen Sie am besten einen kleinen Pinsel. Sofort nach dem Streichen wird die noch feuchte Farbe mit einem Tuch etwas abgewischt. Eventuell noch abschleifen. Mit einem fusselfreien Lappen wird die Tischplatte mit Hartwachsöl abgerieben. Nach dem ersten Trocknen wiederholen.


Schwergängige Auszüge: Wenn sich die Auszüge nur noch mit großer Mühe bewegen lassen, reinigen Sie diese mit einem Pinsel und reiben Sie Kerzenwachs auf die Gleitflächen.  Zum Schluss werden unter den Füßen Filzgleiter angebracht, um den Boden zu schonen. Filzgleiter gibt es zum Kleben, Nageln oder Schrauben. Für den Esstisch haben wir eine stabile Schraubvariante gewählt.


Das Ergebnis: ein stabiler Esstisch mit viel altem Charm in komplett neuer Optik!

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Fotos: Christian Bordes; Text: Thomas Armonat
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