Schubkastenbau Teil 1 | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin

Schubkastenbau Teil 1

Schubläden bieten Platz für tausend Klei­nig­­­kei­ten. Sie gliedern und beleben die Möbel­front. Wir zeigen einige klas­sische Bauweisen.

 
Sorgfältige Arbeit lohnt: stabile Schubkästen haben eine lange Lebensdauer. © Selbermachen
Sorgfältige Arbeit lohnt: stabile Schubkästen haben eine lange Lebensdauer.

Ein Schubkasten besteht, je nach Bauweise, aus fünf oder sechs Teilen: Vorderstück, Blende genannt, und ggf. vorgesetzter, zweiter Blende, den beiden Seiten sowie Hinterstück und Boden. Die Blende wird in Material und Konstruktion der Gestaltung des Möbels angepaßt. Die Verbindung der Einzelteile aber richtet sich nach der Belastung des Schubkastens.

Die Schubkastengröße

Bei der Wahl der Schubkastengröße sollte der spätere Inhalt berücksichtigt werden: Papierformate, Kassetten- und Diskettengrößen können eine Rolle spielen, wenn die Kastenabmessungen bestimmt werden. Durch eine ökonomische Aufteilung der Schubläden verhindern Sie, dass Sie unnötig Platz verschenken.

Bei einfachen Schubladen ohne Streichleisten schließt die Blende bündig mit den Seiten ab. Läuft der Schubkasten zwischen den beiden Streichleisten, muss sie seitlich überstehen, um die Leistenköpfe zu verdecken. Die Blende kann auch rundum gefälzt sein oder durch ein zweites, überstehendes Blendstück aufgedoppelt werden.

An mehreren Schubkästen nachträglich aufgedoppelte Blenden können sehr einfach zueinander ausgerichtet werden. Eine Blende kann auch ganz oder teilweise auf die Korpusfront des Möbels aufschlagen. Diese Art der Anbringung sollte dann entsprechend bei den Schranktüren vor­genommen werden.

Besteht die Blende aus Massivholz, muss die dem Kern zugewandte Seite nach außen zeigen. Sonst öffnen sich beim Nachtrocknen des Holzes die oberen und unteren Fugen. Die Seiten sind die am meisten beanspruchten Teile des Schubkastens. Sie sollten aus Hartholz oder einem festen Plattenwerkstoff bestehen.

Dagegen kann das kaum belastete Hinterstück aus einfachem Sperrholz sein. Wenn es etwas niedriger ist als die Seiten, kann sich beim Einschieben dahinter kein bremsendes Luftpolster bilden und es schleift nicht an der Kippleiste.

Als Schubkastenboden reicht 6 mm dickes Sperrholz, das in die Seiten und die Blende eingenutet oder in einen Falz gesetzt wird. Der Boden läuft unter dem Hinterstück durch und wird von unten an diesen gestiftet. Der Boden muss genau passen, denn er wird in die Nuten nur lose eingeschoben und soll dem Schubkasten dennoch Stabilität geben.

Stabile Eckverbindungen

Für die vorderen Verbindungen gibt es viele Möglichkeiten: In Frage kommen offene oder halbverdeckte Zinken, Nut und Feder oder Dübel in Längs- oder Querrichtung, und – bei kleinen Schubkästen – eine stumpfe, genagelte Verleihung.

Die stabilste aller Verbindungsarten ist die schwalbenschwanzförmige Zinkung. Die Schwalben zeigen dabei in Zugrichtung des Schubkastens. Die offene Zinkung kann entweder dekorativ auf der Vorderseite sichtbar sein, oder durch eine zweite Blende verdeckt werden. Bei der halbverdeckten Zinkung bleibt die Sichtseite der Blende unberührt.

Mit Nut und Feder oder mit Dübeln erreicht man eine ähnlich gute Belastbarkeit, wenn sie quer zur Zugrichtung des Schubkastens sitzen. Um die durchgehenden Seiten zu verdecken, muss dann aber eine zweite Blende vorgesetzt werden.

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Sorgfältige Arbeit lohnt: stabile Schubkästen haben eine lange Lebensdauer.

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Halbverdeckte Zinken. Eine sehr stabile Eckverbindung zwischen der Schubkastenseite (links) und der Blende. Die Sichtseite der Blende bleibt dabei unversehrt.

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Einfache Dübelverbindung. Die Dübel sitzen von hinten in der Blende (rechts). Die Verbindung ist nicht sehr haltbar, erfordert dafür aber keine zweite Frontblende.

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Offene Zinkung. Die durchgehenden Schwalbenschwänze der Seiten (links) können als dekoratives Element sichtbar bleiben oder werden mit einer Blende verdeckt.

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Nut und Feder. Mit Säge oder Fräse schnell und sauber hergestellt ergibt diese Konstruktion eine hochbelastbare Verbindung. Die Frontseite muss verblendet werden.

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Dübelverbindung. Die Holzdübel setzt man quer zur Zugrichtung des Schubkastens ein (als Schnitt gezeigt). Die Stirnkanten der Seiten werden durch eine Blende verdeckt.

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Stumpfe Verleimung. Front, Seiten und Hinterstück aus 10-mm-Sperrholz sind hier stumpf verleimt und genagelt. Davor sitzt eine rundum überstehende Frontblende.

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Bei Schubläden mit überstehender Blende (helles Holz) ist die Zinktechnik nicht einsetzbar. Die Teile werden gedübelt oder mit Nut und Feder verbunden.

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Nut-Feder-Verbindung bei überstehender Blende: Die Federn zeigen ­– wie die Dübel – in Richtung der Zugkräfte. Die Verbindungen sind daher nur begrenzt belastbar. 

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Die Gratfeder ist durch ihre Schwalbenschwanzform ebenso haltbar wie eine Zinkung. Zum Herstellen der Nut und der Feder wird der gleiche Gratfräser eingesetzt.

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Die Nute für den Boden werden entweder mit einer Oberfräse gefräst, oder gesägt. Dazu muß man ­­– je nach Bodendicke – mehrere Sägeschnitte nebeneinander setzen. 

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Beim Verdübeln der Ecken ist der untere Dübel so zu positionieren, daß er sich beim Fräsen oder Einsägen nicht im Bereich der Nute befindet und geschwächt würde.

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Bei flachen Schubkästen gewinnt man Tiefe, wenn man den Boden nicht einnutet, sondern unterleimt. Der Rand wird durch eine Hartholzleiste als Gleitschuh verstärkt.

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Das Hinterstück wird zwischen die Seitenteile gesetzt. Es ist ca. 10 mm niedriger als die Seiten. Der Boden geht bis zur Hinterkante durch und wird von unten gestiftet.

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