Nutzfahrzeug

Gator von John Deere: Nutzfahrzeug und Spaßmaschine

Eine unbekannte Spezies betritt unser Biotop. Ist es ein Auto? Ein kleiner Trecker? Ein Golfmobil auf Steroiden? Nutzfahrzeug oder Spaßmaschine? Der John Deere Gator ist von alldem ein wenig. Er macht ganz viel Spaß und ist doch durch und durch praktisch.

 
Der © Selbermachen
Der "Gator" von John Deere

Er ist grün. Er ist ein Produkt der Wildnis, und er liebt es schmutzig. Sein Zeichen ist das Krokodil. Der John Deere Gator (US-Südstaaten-Slang für Alligatoren) ist die Attraktion auf dem Verlagsparkplatz. Menschen stehen gestikulierend am Fenster, um einen Blick auf das vierrädige, froschfarbene Ding zu erhaschen.

Dass der Gator eine Show ist, ist klar. Aber was bitte ist der „XUV 855D“, so die offizielle Bezeichung, im echten Leben? Spaßmobil oder ein Nutzfahrzeug, wie man es sonst vom berühmten Schlepper-Hersteller John Deere erwartet?

So viel steht fest: Der Gator ist ein Produkt, das so nur aus Amerika kommen kann. Es braucht viel Platz, um ihn so richtig von der Leine zu lassen, sehr viel Platz. Das grüne Ungetüm hat Geländeeigenschaften, die wir so noch nicht erlebt haben. Der Gator kommt überall hin, wo man nicht hinschwimmen oder -fliegen muss. Nun haben wir hier bei SELBER MACHEN bekanntlich eine Schwäche für Fahrzeuge, die sich gut im Gelände bewegen können, aber der Gator schlägt sie alle. Sein stabiler Stahlrahmen, seine Einzelradaufhängung an Vorder- wie Hinterachse führen zusammen mit Stabilisatoren und einstellbaren Federbeinen zu einem überraschenden Fahrkomfort. Zum Vergleich: Ein Gelände-Quad, wie wir es in der Vergangenheit immer mal wieder ausprobiert haben, ist prinzipiell ein instabiles Gefährt. Es kann viel mehr, als sich ein Gelegenheitsfahrer je trauen wird. Folge: Der ungeübte Fahrer fürchtet im Gelände ständig um sein Leben. Ganz anders im Gator: Mit dem Komfort einer Hollywoodschaukel überwindet er alle Hindernisse, die ihm unter die breiten Alufelgen mit ihrer grobstolligen Bereifung kommen. Man schlägt ganz einfach die Richtung ein, stellt den Automatik-Wählhebel auf Vorwärtsfahrt, drückt das Gaspedal – den Rest macht der Gator.

Die intuitive Bedienung stand offensichtlich ganz oben im Lastenheft der amerikanischen Entwickler, die den Gator als Mischung zwischen Trecker und Geländewagen speziell für USFarmer und ihre riesigen Felder entwickelt haben. Der 850er Dreizylinder-Diesel, der wie bei einem Sportwagen als Mittelmotor eingebaut ist, gibt sich dabei unauffällig und allen Anforderungen gewachsen. 22 PS sind für so ein Fahrzeug mehr als genug. Und anders als andere Stoppel-Spaßmobile ist der Gator dabei sehr praktisch veranlagt: Auf die leicht zu kippende,knapp 1,5 Quadratmeter große Ladefläche aus 1,3 mm Stahl passt mehr als eine erlegte Wildsau oder das Stroh für ein Wochenende im Pferdestall.

Die ganze Anmutung und Verarbeitung des Gators ist im positiven Sinne amerikanisch: stabil, mit einem Augenzwinkern gestylt, aber immer pragmatisch – Betriebsstundenzähler statt Tacho eben. Der Gator macht Spaß hat aber keine Angst vor schwerer Arbeit. Ein Eindruck, der auch durch die lange Liste an praktischen Anbauteilen untermauert wird.

Der Gator also eine Ergänzung des ländlichen Fuhrparks im alten Europa? Wir mögen den Enthusiasmus potenzieller Alligatoren-Halter nicht dämpfen, aber über ein paar Risiken und Nebenwirkungen müssen wir noch sprechen: Das Leben ohne Türen, Radio und Heizung ist kein leichtes – zumal im deutschen Winter. Immerhin kann man die Frontscheibe hochklappen, falls es einem zu heiß wird.

Und dann ist da noch die Sache mit der Höchstgeschwindigkeit: Der Gator darf auf deutschen Straßen nur knapp 40 km/h in der Stunde machen. Auf einer großstädtischen Ausfallstraße wird das US-Krokodil damit schnell zum Freiwild. Ach ja: Und die Sitze sind nicht zu verstellen, was uns aber nie gestört hat. Irgendwie passt der Gator allen, die ihn ausprobiert haben.

Letzte kleine Krokodilsträne: Für den John Deere müssen Sie in der von uns getesteten Version über 23.000 Euro hinlegen. Das ist immerhin der Gegenwert eines anständig ausgestatteten Kompaktwagens aus heimischen Landen. Aber mit dem werden Sie nie über ihre Felder in den Sonnenuntergang fahren.

Technische Daten

John Deere Gator XUV 855 4x4

Motor:

Antrieb Wassergekühlter Dreizylinder Diesel, 854 cm3; 16,1 kW (21,9 PS) bei 3400 U/min. Max. Drehmoment 50 NM bei 2400 U/Min. 20 Liter Tankinhalt. Stufenloses Automatik-Getriebe, Allrad.

Maße:

Messwerte Gewicht 877 kg, Zuladung 635 kg, 454 kg davon auf mechanisch kippbarer Ladefläche. Länge 3021 mm, Breite 1571 mm, Höhe 1906 mm. Höchstgeschwindigkeit 40 km/h (gedrosselt), Verbrauch 2 Liter/Stunde.

Preis:

Gator ab 6239 Euro, Testfahrzeug 19988 Euro, beide Preise plus Mehrwertsteuer.

Der Gator im Detail

  1. Innenansicht des GatorsInnenansicht des Gators© Selbermachen

    Innenansicht des Gators

    Grüner Lack, schwarze Details, gelbe Sitze: Die Farbgebung kennen Landmenschen vom John-Deere-Traktor. Auffällig: zahlreiche Haltegriffe, nicht übertrieben bei einem so geländetauglichen Fahrzeug.
  2. Das FahrgestellDas Fahrgestell© Selbermachen

    Das Fahrgestell

    Hier verbirgt sich mehr Technik als erwartet: ein Fahrgestell mit Einzelradaufhängung, Stabilisatoren & Co. Dazu: die unverzichtbare Anhängerkupplung unterm Kennzeichen.
  3. Der MotorraumDer Motorraum© Selbermachen

    Der Motorraum

    Der Einbauort des (Yanmar-) Dreizylinders ist der gleiche wie bei einem Ferrari: zwischen den Achsen. Der Motor ist unter der Ladefläche sehr gut zugänglich.
  4. Die LadeflächeDie Ladefläche© Selbermachen

    Die Ladefläche

    Die Ladefläche zeigt deutlich, dass der Gator kein Spielzeug sein will: Aus massivem Stahl gemacht und kunststoffbeschichtet ist sie leicht anzuheben. Auch die Klappe am Heck ist massiv, stabil und für die Ewigkeit gemacht.
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