Mähroboter Gardena R70Li : Hightech auf der Wiese | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Gardena R70Li

Mähroboter Gardena R70Li : Hightech auf der Wiese

Unser Autor hat seinen Garten verkabelt, damit er niemals mehr selbst Rasen mähen muss. Das soll in Zukunft der Gardena R70Li Mähroboter erledigen. Protokoll eines Selbstversuchs.

 
Mähroboter im Einsatz: Gardena R70Li © Selbermachen
Mähroboter im Einsatz: Gardena R70Li

Endlich mehr Zeit zum Grillen! Glühende Kohlen, aufsteigender Rauch, das Zischen des Steaks auf dem heißen Rost – das ist doch der wahre Grund für den kleinen eigenen Garten.

Und der Rasen gehört da eben dazu wie die Sträucher, Stauden und die Töpfe (wobei die mit Salbei, Rosmarin und Basilikum viel spannender sind als die mit Buchs und Kirschlorbeer). Der Rasen muss nur leider regelmäßig gemäht werden.

Ich gebe zu: Ich bin ein leidenschaftlicher Griller und ein leidlicher Mäher. Und genau darum habe ich das Paket von Gardena mit der gleichen kindlichen Freude aus dem Auto in den Garten getragen, wie sonst nur Holzkohle und die Tüte vom Metzger. R70Li steht auf dem großen Karton, und drin ist – die Erlösung von der Rasenmäh-Front.

Gleich mal aufreißen: Der Mäher fühlt sich leichter an als gedacht. Futuristisch und stromlinienförmig gestylt. Das ist er also, der kleine Ferrari unter den Rasenmähern. Angetrieben von Lithium-Ionen-Akkus, wie man sie auch aus dem Handy kennt. Sehr fein, darf man aber auch erwarten. Schließlich wollte der Verkäufer für den R70Li fast 1650 Euro haben – dafür bekommt man gut und gern drei solide Akku-Rasenmäher zum Selbstschieben.

Also doch nur ein Männerspielzeug für Gutverdiener mit Rasen von der Veranda bis zum Seeufer? „Nein, Mähroboter sind keine Exoten mehr“, sagt Heribert Wettels von Husqvarna, die Firma stellt auch das Gardena-Gerät her. „Allein von 2011 zu 2012 konnten wir die Verkaufszahlen all unserer Mähroboter-Modelle verdoppeln.“

Das spricht dafür, dass auch die Inbetriebnahme kein Hexenwerk sein kann. Viel ist ohnehin nicht mehr drin in der Kiste: die Ladestation mit Netzteil, eine Kabelrolle, drei Beutel mit Befestigungshaken und noch ein paar mehr mit Kleinteilen. Sehr überschaubar. Ein Billy-Regal sieht nach dem Öffnen komplizierter aus.

Und die Werkzeuganforderung für die Inbetriebnahme ist kürzer als die Zutatenliste für ein Spiegelei: Kunststoff- oder Gummihammer, Seitenschneider und Rohrzange – oder einfach eine Kombizange, die beides kann, abzwicken und quetschen.

Da heute nichts mehr ohne das Internet geht, habe ich mich natürlich vorab bei YouTube schlaugemacht, wie ich den Mähroboter zum Laufen bringen. Unter dem Suchwort „R70Li“ hat Gardena praktischerweise eine ganze Serie von How-to-do-Filmen ins Netz gestellt. Macht mehr Spaß als Anleitung lesen, wie Sie bereits in Teil 1 erahnen können: 

Strom, Schatten, freier Zugang auf Grün: Wohin mit der Ladestation?

Los geht’s – mit dem ersten Problem: Die Ladestation soll direkt am Rasenrand stehen, links und rechts gut eineinhalb Meter Luft haben und nach vorn auch keine Hindernisse in den ersten zwei Metern, damit der Roboter später seinen Weg nach Hause findet. Strom muss in der Nähe sein, sonst muss ich erst zehn Meter Kabel verlegen, und schattig wäre auch noch gut.

Und natürlich soll das Gerät so stehen, dass man nicht ständig drüberstolpert.

In meinem kleinen 100-Quadratmeter-Garten gibt es da nicht allzu viele Möglichkeiten – das mit dem Schatten übergehe ich einfach mal. Angeschlossen ist die Station dann fix, zwei Kabel zusammenstecken und es kann losgehen. Während ich jetzt den Garten verkabele, soll der R70Li laut YouTube-Video schon mal seine Akkus in der Station laden.

Einstecken, doch nichts passiert. Strom ist da, was ist los? Leider zeigt der Mäher vor dem ersten Testlauf noch keine Ladefunktion an, obwohl er sich schon Strom zieht. Etwas verwirrend.

Mit Hammer und Haken bewaffnet rolle ich die ersten Meter des grünen Begrenzungskabels ab und beginne, das Revier des R70Li abzustecken. Damit das Kabel bei meiner welligen Rasenfläche schön plan aufliegt, setze ich die Haken eher alle 50 als 75 Zentimeter, wie empfohlen. Sind ja genug dabei.

Jetzt zeigt sich, dass es ein guter Tipp war, die Leitungsführung vorab auf einer kleinen Zeichnung zu planen. So kann ich jetzt schon an der Stelle, an der später das Leitkabel ans Begrenzungskabel angeschlossen wird, gleich eine Schlaufe mit etwas extra Leitung lassen.

Es geht auch ohne Elektriker

Bis zu zwei Tage Zeit prognostiziert Gardena für die Installation – wie gut, dass mein kleines, nahezu quadratisches Grün in nur wenigen Stunden verkabelt ist. Praktisch: Aus dem Karton kann man sich einfach ein Lineal ausbrechen, um die richtigen Abstände zu Terrassenplatten und Hindernissen einzuhalten.

Dieses Gardena-Lineal erinnert an die Einstell-Lehre meines alten Thorens-Plattenspielers. Toll, dass es auch heute Geräte gibt, bei denen nicht einfach Plug-and-play gilt, sondern die den Tüftler fordern, ehe sie selbst loslegen.

Es lohnt sich, bei der Kabelverlegung und den Abständen sehr sorgfältig vorzugehen, dann muss man später weniger korrigieren. Das absolute No-Go hat mir bereits Verkäufer Hans-Jürgen Jende mit auf den Weg gegeben: Niemals die Kabel kreuzen! Nachdem die Mähfläche abgesteckt und sauber um Hindernisse herumgeführt ist, fehlt noch das Leit- oder Suchkabel.

Diese Extra-Verbindung auf dem Grün weist dem Mäher später wieder den Weg zurück in die Station. Sie muss erst zwei Meter kerzengerade von der Station in den Rasen verlaufen und dann ohne große Umwege zu einem entfernten Punkt das Begrenzungskabels. Dort verbinde ich die beiden Kabel mit einer der beiliegenden Kabelklemmen.

Sie sind wie alle Stecker supersimpel aufgebaut. Kabel abisolieren? Kann man sich sparen, das erledigen die Klemmen von selbst. Etwas Fett im Verbinder schützt gegen Korrosion. Sehr clever gelöst.

Wenn ich jetzt alles richtig verlegt und angeschlossen habe, sollte die Leuchtdiode an der Station grün leuchten. Tut sie auch, wie schön. Dann wollen wir den Mähroboter mal zur ersten Ausfahrt von der Leine lassen. Klappe auf, Mähwerk mit dem Drehknopf auf Stufe 6 (Maximalhöhe) einstellen und Grundeinstellung vornehmen: Datum, Uhrzeit, PIN-Code. Welcher PIN-Code? Hektische Suche in den Unterlagen, irgendwo muss er doch stehen – bis mir meine Dummheit klar wird: Ich soll den PIN-Code erstmals festlegen! Das kommt davon, wenn man nicht die Anleitung liest.

Der Mähroboter ist wie ein Haustier im Garten

Start drücken, Klappe zu, und der R70Li zuckelt aus seiner Station, fährt einmal das ganze Suchkabel ab bis zum Knoten mit dem Begrenzungskabel, gibt fünf kurze klickende Signaltöne von sich und wirft das erste Mal seine Messer an.

Kreuz und quer rollt er nun über die Rasenfläche, macht brav vor allen Hindernissen halt, stößt einmal kurz an den Bambus, macht einfach kehrt und weiter. Dabei surrt er leiser als ein Kühlschrank.

Wer kein Haustier hat, kann sich den R70Li auch als Ersatz halten: Braucht kein Futter, stört nicht, und dennoch ist immer etwas Leben auf der Rasenfläche. Da der Roboter seine Bahnen nach dem Zufallsprinzip zieht, kann man ihm durchaus einige Zeit zusehen, ohne dass sich etwas wiederholt.

Roboter programmieren: ein Kinderspiel

Der R70Li schneidet immer nur fein, der Schnitt verbleibt als Mulch und Dünger auf dem Rasen. Rund 45 Quadratmeter schafft der Roboter in der Stunde, meine Rasenfläche ist also in gut zwei Stunden jeden Tag gekürzt (tatsächlich dreht der R70Li aber gut doppelt so lang seine Runden, da er auf seinem Zickzackkurs ja immer wieder bereits gemähte Stücke kreuzt).

Da kann ich dem Helfer auch mal einen Ruhetag gönnen. Klappe auf, mit einem Klick ins Hauptmenü, dann Timereinstellung. Samstag und Sonntag klicke ich weg, am Wochenende hat der Gardena frei und ich meine Ruhe. An den übrigen Tagen kann ich mit der Grundeinstellung leben: Zwischen 7 und 23 Uhr darf der R70Li jederzeit raus, wenn ihm danach ist. Das Menü mit nur vier Hauptpunkten ist einfach aufgebaut, die Übersichtsskizze in der Bedienungsanleitung ist sehr hilfreich.

Richtig programmieren muss man den Mäher ohnehin nur, wenn er zwei verschiedene Rasenflächen ansteuern soll. Dann lässt sich genau einstellen, welches Rasenstück wie oft angefahren werden soll: der große Hauptrasen häufiger, der Vorgartenrasen seltener. Es dauert ein paar Wochen, bis man anhand der Mähergebnisse sieht, ob und wo man nachsteuern muss.

Jetzt aber zum Einkaufen, ich brauche noch Steaks und Grillkohle. Den Rasen mäht in der Zwischenzeit ja jemand anderes für mich.

  1. Gardena R70Li© Selbermachen

    Gardena R70Li

    So geht Gartenarbeit heute: Der R70Li mäht und zieht leise schnurrend seine Bahnen, sein Besitzer entspannt.
  2. Das Mähroboter-Set© Selbermachen

    Das Mähroboter-Set

    Alles dabei: Tüftler-Spielzeug für die nächsten Stunden.
  3. Verlauf Planen© Selbermachen

    Verlauf Planen

    Erst Planen, dann Verlegen: Ein praktisches Programm, um den Garten zu skizzieren, findet man im Netz auf www.gardena.com.
  4. Begrenzungskabel befestigen© Selbermachen

    Begrenzungskabel befestigen

    Auf Abstand achten beim Begrenzungskabel: 20 cm bei festen Hindernissen, sogar 30 cm beim Gartenteich!
  5. Stecker konfigurieren© Selbermachen

    Stecker konfigurieren

    Kontakt knüpfen: Die Spezialstecker sind wirklich einfach zu konfigurieren.
  6. Begrenzungskabel anschließen© Selbermachen

    Begrenzungskabel anschließen

    Der Kreis schließt sich: Anfang und Ende des Begrenzungskabels führen zur Station. Wichtig: Kabel nicht über Kreuz führen!
  7. Mähroboter im Einsatz© Selbermachen

    Mähroboter im Einsatz

    Gutes Gefühl: Alles richtig gemacht, der R70Li rückt zur Jungfernrunde aus.
  8. Mähroboter programmieren© Selbermachen

    Mähroboter programmieren

    Mit wenigen Klicks sind Mähzeiten und Nebenflächen programmiert Bei einfachen Gärten reicht zunächst auch die Werkseinstellung.
  9. Schnitthöhe einstellen© Selbermachen

    Schnitthöhe einstellen

    Ganz analog: Am Drehknauf stellt man die Schnitthöhe zwischen 60 und 20 Millimeter ein. Anfangs ganz hoch justieren, die verlegten Kabel müssen ja erst in die Grasnarbe einwachsen.

3 hilfreiche Profitipps vor dem Kauf

Bevor Sie sich jetzt einen Mähroboter zulegen, hier noch drei Tipps von unserem Profi Hans-Jürgen Jende, Verkaufsberater für Gartengeräte bei Meyer’s Mühle im schleswig-holsteinischen Norderstedt.

1. TIEFBAU ERST NACH TEST: „Verlegen Sie die Begrenzungs- und Leitkabel zunächst oberirdisch wie in der Anleitung beschrieben, und probieren Sie den Mäher ein, zwei Wochen aus. So können Sie problemlos die Lage der Leitungen ändern, wenn das Mähresultat an der einen oder anderen Stelle nicht passt. Später sollten Sie die Leitung drei bis fünf Zentimeter eingraben. Dazu einfach mit dem Kantenstecher eine Furche ausheben. So sind die Leitungen auch vor den Zähnen eines Vertikutierers sicher. Aber nie tiefer als zehn Zentimeter, sonst verliert der Mäher den Kontakt.“

2. STAU IN DER ENGSTELLE: „Prüfen Sie vor dem Kauf, ob der Mäher im Garten oder Vorgarten auch schmale Passagen mähen soll. Sie müssen mindestens 130 Zentimeter breit sein, sonst kommt das Gerät zwar rein, aber findet nicht mehr raus und fährt sich fest.“

3. LEISTUNG LOHNT SICH: „Wenn Ihr Rasen genauso groß ist wie die Maximalfläche, die der Mähroboter schafft, dann wird er fast jeden Tag 13 Stunden rausfahren. Wer öfter mal Ruhe im Garten haben will, nimmt am besten ein Gerät, das etwas überdimensioniert ist, dann haben Sie oder die Kinder häufiger den Rasen für sich. Mein Tipp: ein Mähroboter für 700 Quadratmeter ist ideal für Gärten bis 400 Quadratmeter.“

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