Rasenmäher

Rasenmäher-Treckertreck in Dassendorf

Eine Bommerlunder-Flasche als Tank, als Sitz eine stiellose Plattschaufel und ein 45-PS-Motor aus einem schrottreifen Polo. Das waren die richtigen Zusatzteile, um beim 3. Rasenmäher- Treckertreck in Dassendorf mit Chancen an den Start zu gehen.

 
Treckertreck © Selbermachen
Treckertreck

© SelbermachenWer sagt eigentlich, dass Rasenmäher immer schnittige Formen haben müssen, grün, blau oder rot lackiert sein sollten und nicht auch zu etwas anderem als zum Rasenmähen gut sein dürfen? „Niemand“, meint Björn David. Der 24-Jährige und seine Freunde aus dem schleswig-holsteinischen Klempau haben ihren ungewöhnlichen „Rasenmäher“ in nur vier Wochen aus dutzenden Einzelteilen zusammengebastelt. Damit war ihnen in Dassendorf im Kreis Herzogtum Lauenburg bei Hamburg die Aufmerksamkeit der Zuschauer sicher.

© Selbermachen„Treckertreck ist eine Sportart aus Amerika“, erklärt Veranstalter Thomas Clasen. Wer den durch mobile Gewichte immer schwerer werdenden Bremswagen 30 m weit zieht, hat den „Full Pull“ geschafft – und ist eine Runde weiter. Und das wohlgemerkt mit flammenspeienden Fahrzeugen, die mehr an Dragster als an Traktoren erinnern. Und in Dassendorf? Gartentrecker und Aufsitzmäher! „Die Leute schrauben immer mehr an ihren Mähern herum, es ist in den drei Jahren ein richtiger Wettkampf geworden“, sagt Clasen. Diesmal meldeten sich 124 Starter an. Weit mehr als 1000 Schaulustige verfolgten das Spektakel der kraftstrotzenden Mäher.

© Selbermachen„Entscheidend ist beim Treckertreck nicht die Geschwindigkeit, sondern die zurückgelegte Strecke“, erklärt Thomas Clasen. „Je weiter die Garten-Boliden den Bremswagen ziehen können, desto besser sind sie. Oft sind die, die es langsam angehen lassen, sogar im Vorteil, weil sich die Antriebsräder nicht plötzlich in den Boden eingraben“, sagt er. Und wenn die Mäher erst mal „Männchen“ machen, also unter dem Druck des Gewichts die Front heben, dann ist es eh zu spät.

© SelbermachenMit Zusatzgewichten, etwa Gehwegplatten aus Beton, versuchen die Fahrer ihren Rasenmähern mehr Bodenhaftung zu verleihen. Einige haben ganz ausgefeilte Sitztechniken. Zusammen ergeben Fahrer und Maschine das Gewicht, nach dem die Klassen eingeteilt werden. „Letztendlich bringen wir hier jeden Mäher zur Strecke, den ‚Full Pull‘ schafft zum Schluss niemand mehr“, sagt Clasen.

© SelbermachenDie Rennstrecke in Dassendorf lag lange Zeit brach. Präpariert wurde sie durch einfaches Mähen und Abschieben der Grasnarbe. Auf dunklem Ackerboden müssen Fahrer und Material dann zeigen, wie gut sie vorwärts kommen. Clasen selbst hatte sich seinen Rasenmäher nur zum Spaß zugelegt. Vor seinem ersten Wettkampf schweißte und schraubte er an einem Wochenende aus einem Trabbi-Motor und alten Winterreifen ein kampfstarkes Modell zusammen. Björn David und seine Freunde sind diesem Beispiel gefolgt. „Wir nutzen unsere Freizeit, um ein starkes Fahrzeug auf die Räder stellen. Dabei beschränken wir uns auf das Nötigste, um Gewicht zu sparen“, sagt der 24-Jährige. 5,95 Euro kostete das neueste Glanzstück mit dem markanten Bommerlunder-Tank – das waren die Kosten für einen neuen Ölfilter. David: „Wenn man viele Leute kennt, kann man sich die nötigen Sachen überall besorgen. Jeder hat irgend etwas liegen, was sich eignet.“

© SelbermachenUnd als der Sitz für den Fahrer fehlte, griff der Kfz-Mechaniker kurzerhand zur Plattschaufel und schraubte sie an das Fahrgestell. Auf einen Kühler für den strapazierten Polo-Motor verzichtete er zugunsten der Gewichtseinsparung. Das machte allerdings einen Assistenten erforderlich, der mit einem umgerüsteten Laubgebläse für kalte Luftzufuhr sorgen musste. Was Björn David zunächst aber nicht bedachte, war die heiße Abluft des Motors: Die verkohlte ihm einen Schuh.

© Selbermachen„Es ist einfach irre, was sich die Bastler alles einfallen lassen, um hier möglichst weit zu kommen“, freut sich Clasen. Von Mal zu Mal konnte er die Zahl der Starter verdoppeln. „Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Einige Besitzer von Rasenmähern bauen sich auch 100 PS starke Motorrad-Motoren unter die Haube“, so Thomas Clasen. Die röhren dann zwar auffällig laut, müssen aber ebenso wie die Serienmodelle mit 12 PS erst zeigen, wie gut sie die Kraft auf die Räder bringen. „Das ist fairer Motorsport, bei dem es um Ruhm und Pokale geht, wie wir ihn hier auf dem Land lieben. Kneifen gibt’s nicht“, sagt Clasen. Und eines ist klar: Auch vor dem nächsten Rennen im Herbst wird nicht gekniffen.

Am 3.Oktober 2007 ist es wieder so weit.

© SelbermachenDann messen sich die frisierten Mäher und ihre Serien- Kollegen zum vierten Male auf dem Acker an der Kreuzung der Bundesstraßen 207 und 404 in Dassendorf. Kinder können auf ihren Tret-Treckern gegeneinander antreten. Wen es reizt, seinen Mäher zu tunen und gegen Gleichgesinnte zu kämpfen, der findet die nötigen Informationen im Internet unter: www.rtt-dassendorf.de

Artikel aus selber machen Ausgabe 04/2011. Jetzt abonnieren!
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