Was können die Smartphone-Apps wirklich?

13 Handwerker- und DIY-Apps im Härtetest

Das Handy ist ständiger Begleiter – auch beim Selbermachen. Wir haben vielversprechende DIY-Apps getestet: Wie funktionieren sie? Was können sie? Wann braucht man sie?

 
Was können Handwerker und DIY-Smartphone-Apps wirklich? Wir haben es getestet.  © Selbermachen
Was können Handwerker und DIY-Smartphone-Apps wirklich?

Nein, fürs Bohren oder Schleifen gibt es nach wie vor keine nützlichen Apps – trotzdem können die kleinen Programme auf Handy und Tablet hilfreiche Assistenten für Selbermacher sein. Wir haben 13 Apps mit Handwerker-Tools und verwandten DIY-Programmen auf ihre Praxistauglichkeit getestet.

Smartphones sind vollgestopft mit komplexer Technik und Sensoren. Wer ein iPhone hat, kann das ganz einfach ausprobieren: Eine Wasserwaage ist bereits ab Werk integriert, die Funktion findet sich etwas versteckt in der Kompass-App. Doch das ist längst nicht alles - die meisten Handys messen noch viel mehr, etwa die Temperatur, den Luftdruck oder die Luftfeuchtigkeit. Einige erkennen sogar Magnetfelder – ideal, um Stromleitungen in der Wand aufzuspüren. Diese und andere erstaunliche Eigenschaften haben sich App-Entwickler zu Nutze gemacht und kleine Helfer programmiert, die Selbermachern unter die Arme greifen. Die so genannten DIY- oder Tool-Apps ersetzen natürlich nicht Hammer, Säge oder Schraubendreher – sie wollen mit anderen Funktionen glänzen. Wie gut das gelingt, haben wir für Sie ausprobiert.
 

DIY-Apps im Test

Getestet wurden die Apps mit Smartphone und Tablet. Jede App haben wir anfangs fünf Minuten rein intuitiv genutzt, also ohne das Lesen oder Betrachten von Tutorials. Im Anschluss folgte eine Anlernphase (nicht immer standen Anleitungen zur Verfügung), gefolgt von der praktischen Anwendbarkeit. Für jede App haben wir uns mindestens 30 Minuten Zeit genommen. Die redaktionelle Auswahl der Programme erfolgte unabhängig.
 

1. Smart Tools

Eine App mit fünf Tools (Lot, Entfernung, Kompass, Schall und Lupe) sowie einem Umrechner – allesamt überzeugend: Das Lot funktioniert mittels Kamera, lässt sich kinderleicht kalibrieren und misst sehr genau. Das Vibrometer eignet sich gut, um Körperschallwellen auf die Spur zu kommen. Selbst auf einem Betonboden zeigt es noch Amplituden, wenn in zwei Meter Entfernung der Boden betreten wird. Der Echtzeit-Umrechner ist der beste, den wir derzeit empfehlen können: Leistung, Rauminhalt, Fläche, Digital-Daten (etwa Bits und Bytes) und weitere Kategorien werden auf einen Blick in alle Einheiten konvertiert.

Smart Tools im Kurzüberblick:

  • Hersteller: Smart Tools co.
  • Betriebssystem: Android (zum Download)
  • Preis: 2,99 Euro

Fazit

Nichts nervt hier – auch keine Werbung! Alles erklärt sich von selbst und funktioniert einwandfrei. Der Hersteller hat sich ganz auf dieses App-Genre konzentriert. Es gibt weitere Tools als Apps und dazu erweiterte Bezahl-Apps mit mehr Features.

Unser Testergebnis: Sehr gut
 

2. Lasernivelliergerät - Wasserwaage - Neigungsmesser

Eine App mit drei Werkzeugen:

  1. Ein virtueller Kreuzlinienlaser, der eine horizontale und senkrechte Linie auf eine über die Kameralinse anvisierte Fläche projiziert. Beide Linien sind leicht mit einem Fingerwischen zu verschieben und gut auf dem Sucherbild zu erkennen.
  2. Eine Wasserwaageneinheit mit zwei klassisch grüngelben Röhren- und einer Dosenlibelle.
  3. Ein Neigungsmesser, der Winkelangaben und die Steigung respektive das Gefälle angibt.

Im Werkzeugmodus gibt es Bannerwerbung (8 % des Bildschirms) und beim Umschalten zwischen den Funktionen gibt es Werbung, die man aber schnell wegklicken kann. Dafür ist die App gratis.

Laser Level im Überblick:

  • Hersteller: EXA Tools
  • Betriebssystem: Android (zum Download)
  • Preis: kostenlos

Fazit

Sehr exakte App in allen drei Werkzeugen (auf 0,1 Grad genau), die keine Schwächen zeigt. Keine unnützen Spielereien, intuitiv richtige Bedienung der Symbol-Schaltflächen. Auch gut: Der Screensaver wird deaktivert.

Unser Testergebnis: Sehr gut
 

3. Senklot

Umfangreiche App, die neben der Winkelmessung in der Horizontalen und Senkrechten vor allem die virtuelle Flächen- und Volumenberechnung ins Zentrum der Anwendung rückt. Letztere benötigt eine manuelle Eingabe der Kamerahöhe und projiziert dann Flächen und Körper (auch Zylinder oder Kegel) mittels Kamerabild in den Raum. Die Berechnung erfolgt durch hinterlegte Geometrieformeln. Große Schwächen der App sind die mangelhafte Deutschübersetzung und die unzureichende Kalibrierung. Es war uns nicht möglich, die virtuelle Lotlinie an einer nachgeprüft senkrechten Fläche im Kamerabild bündig zu platzieren. Es wird auch eine kostenpflichtige Version (1,99 Euro) angeboten.

Senklot im Überblick:

  • Hersteller: Assysto
  • Betriebssystem: Android (zum Download)
  • Preis: kostenlos

Fazit:

Unausgereift und kompliziert. Nach 15 Minuten hatten sich erst wenige Funktionen (bei der Volumenberechnung) erschlossen. Das Lot stand – trotz 3-facher Kalibrierung – nie senkrecht! Ohne die exakte Kamerahöhe über Boden bleiben Flächen- und Volumendaten ungenau.

Unser Testergebnis: Mangelhaft
 

4. Bosch Toolbox

Eine App, die sich an professionelle Handwerker wendet. Dies zeigen Features wie „Baudoku“ und „Rapportzettel“. Das zentrale Werkzeug ist die Aufmaßkamera – auch für Laien wertvoll. So funktioniert es: Ein Foto vom Bauobjekt wird mit verschiedenartigen und -farbigen Maßpfeilen versehen (händisch ausgemessen). Das Tolle: In das Foto können an jeder Stelle des Bauobjekts noch Texthinweise, Audiodateien („Achtung, Stromleitung!“) und Kurzvideos angeheftet werden. Das Tool eignet sich gut dafür, eine Baustelle zu dokumentieren und zu beschreiben. Per Fingertipp lässt sich die gesamte Datei als Mail versenden.

Bosch Toolbox im Überblick:

Fazit:

Die Aufmaßkamera ist ausgereift. Intuitive Bedienung klappte nach einem guten 3-Minuten-Erklär-Video. Man zeichnet in das Foto seine Maßstriche (mit Lupenfunktion) so einfach wie auf ein Blatt Papier – nur dass der Hintergrund die Realität ganz genau abbildet.

Unser Testergebnis: Gut
 

5. Intelligente Werkzeuge

Eine Sammlung von knapp 40 Tools, vom Lineal über Scanner und Metalldetektor bis zum Entfernungsmesser. Die meisten taugen nichts: So muss man das Lineal mithilfe eines realen Lineals kalibrieren, das Wasserwaagen-Tool ließ sich nicht kalibrieren – die digitalen Luftblasen in den Libellen zuckten nur wild herum. Andere Tools wie etwa der Metalldetektor (über den Magnetfeldsensor) bleiben zu ungenau. Überrascht hat der Scanner, der mittels Google-Schnittstelle alle Produkte (auch alte Farbdosen aus D-Mark-Zeiten) erkannte. Überzeugt hat auch der Entfernungsmesser, wenn man die Kamerahöhe vorher genau eingab.

Bosch Toolbox im Überblick:

  • Hersteller: PC Mehanik
  • Betriebssystem: Android (zum Download)
  • Preis: kostenlos

Fazit

Viel Spielkram, aber in der Mehrheit überhaupt nichts für die verlässliche Anwendung. Für Heimwerker nur eine Handvoll Tools – und auch hier viele schwächelnde Kandidaten dabei, beispielsweise ein Luxmesser, der zwischen 804 und 1.505 Lux keinen Zwischenwert angibt.

Unser Testergebnis: Ausreichend
 

6. Planner 5D - Innenarchitektur

Hier kann man sich sein Eigenheim mehr oder weniger umbauen nach eigener Façon – die Sims lassen grüßen. In einem zwei- oder dreidimensionalen Modus platziert man Wände, Türen, Fenster, Leuchten bis hin zur Obstschale auf dem Tisch. Im Umsonst-Modus sind jedoch nur einfache Ausführungen von Sessel, Tisch und Co möglich (und nur in festen Maßen!). Das Platzieren, Verschieben und die Designwahl gelingen nach Betrachtung des Tutorials leicht. Auf dem Handy macht das Arbeiten nur bedingt Sinn, ein Tablet sollte her. Wer bis zu rund 30 Euro zahlt, hat Zugriff auf rund 3.000 Modelle jeder Größe.

Bosch Toolbox im Überblick:

  • Hersteller: Planner 5D
  • Betriebssystem: Android (zum Download)
  • Preis: kostenlos bis 59 Euro

Fazit:

Technisch und im Umfang nicht zu beanstanden. Sogar mit VR-Brille kann man seine eingerichtete Wohnung durchschreiten. Doch das kostet zu viele Euro und (anfangs) noch mehr Zeit. Die App ist schon eher etwas für (Semi-) Profis der Innenarchitektur.

Unser Testergebnis: Gut
 

7. Magicplan

Eine App zum Zeichnen von professionellen, technischen Grundrissen. Nach etwas Herumprobieren klappt die Bedienung sehr leicht. Man kann Wände ziehen, verschieben, weitere Räume anfügen, Türen setzen, Fenster einbauen, dazu Möbel und Einrichtungsgegenstände platzieren. Toll: Wirklich alles ist in der Größe anpassbar. Wichtig: Ab dem zweiten Plan müssen Credits gekauft werden, um ihn zu exportieren!

Magicplan im Überblick:

Fazit:

Dass die Entwickler für dieses werbefreie und gelungene Tool Gebühren verlangen, ist verständlich. Selbst auf dem Handy lässt sich damit arbeiten, ein Tablet ist auf Dauer jedoch vorteilhafter. Einzige Schwäche: Es gibt keine (abgespeckte) Gratis-Version. Der erste Export ist frei.

Unser Testergebnis: Gut
 

8. Houzz

Houzz ist ein ungewöhnlicher Mix: Zum einen ist die App ein umfangreicher Ideengeber, dann ist sie auch Verkaufskatalog für Produkte und ein Branchenbuch für Kontakte zu Herstellern. Die Basis bildet eine schier unendliche Datenbank mit hochwertigen Fotos, auch von privat oder von Handwerksbetrieben, die ein toll renoviertes Bad oder den neuen Wintergarten in allen Details zeigen. Wer kostenlos stöbern will, Fotos ausschneiden und darauf herumskizzieren möchte, muss sich mit einem Account anmelden. Natürlich kann man auch eigene Fotos hochladen.

Houzz im Überblick:

Fazit:

Wer etwas neu um-, aus- oder einbauen möchte und über kreativen Spielraum verfügt, sollte hier reinschauen. Die endlose Fülle von Raum- und Objektideen kann einem am Ende die Entscheidung nicht leicht machen.

Unser Testergebnis: Gut
 

9. Jotun Colour Design

Passt Limonengrün zur grauen Säule? Mit der App kann man es überprüfen, bevor man den Pinsel schwingt. Dazu wird die Kamera aktiviert und eine Aufnahme gemacht. Per Fingertipp werden die Flächen dann in der vorher ausgewählten Farbe (20 Paletten mit je 24 Tönen) eingefärbt. In der Praxis hängt viel von den Lichtverhältnissen bei der Fotoaufnahme ab. Bei genug Kontrast erkennt die Software (nicht) zusammenhängende Flächen meist gut und spart etwa Schalter, Bilder oder Griffe aus. Der natürliche Lichtverlauf fließt aber nur zum geringen Teil in die Färbung mit ein, „natürlich“ wirkt da nichts mehr.

Jotun Colour Design im Überblick:

  • Hersteller: Jotun A/S Decorative
  • Betriebssystem: Android (zum Download)
  • Preis: kostenlos

Fazit:

Um ein grobes Gefühl für die räumliche Farbwirkung zu erhalten, ist diese App gut geeignet. Flächen werden meist gut ausgestanzt oder eingefärbt, vorausgesetzt, es sind keine Schatten auf der Wand. Zum Realabgleich der Wunschfarbe das Displayfoto mit ins Geschäft nehmen.

Unser Testergebnis: Befriedigend
 

10. Opas Trickkiste

Die Sammlung umfasst weit über 1.000 Tipps in Schriftform, kategorisiert nach Oberbegriffen wie „Heimwerken“, „Reparieren“ oder „Gartenarbeit“. Zusätzlich erlaubt eine Suchfunktion das Finden einzelner Schlagworte. Viele der Tipps hat man schon gehört, andere aber auch noch nicht: Wussten Sie etwa, wie Heißkleber beim Bohren hilft? Dass Kerzenwachs Sekundenkleber haltbar macht? Oder welche Flächen man besonders gut mit Tomatensaft reinigen kann? Detailangaben oder genaue Schritt-für-Schritt-Anleitungen finden sich aber fast nie.

Opas Trickkiste im Überblick:

  • Hersteller: Soneso
  • Betriebssystem: iOS (zum Download)
  • Preis: 1,09 Euro

Fazit:

Man muss etwas stöbern, um neue Tipps zu finden. Doch schließlich ist man für jeden Trick dankbar, der das Arbeiten erleichtert oder Ärger verhindert. Aber es ist noch ein weiter Weg, bis sich zu wirklich jedem Schlagwort etwas in Opas werbefreier Kiste findet.

Unser Testergebnis: Befriedigend
 

11. Handwerker App free

Die App berechnet die Menge von benötigtem Verbrauchsmaterial wie etwa Farben, Steine oder Terrassenhölzer. Nach Auswahl der Kategorie gibt man die Maße der Fläche/des Raumes und die Werte der zu verarbeitenden Materialien ein. Anschließend erhält man die benötigte Mengen. Doch hier lag ein Berechnungsfehler vor: Für einen 13,7 m2 großen Raum werden laut App 29 m2 Fliesen benötigt (Verschnittvorgabe: 0 %). Auch nach Änderung der Fliesenmaße auf 100 x 100 cm kommt die App auf 29 Stück!

Handwerker App free im Überblick:

  • Hersteller: hello IT
  • Betriebssystem: Android (zum Download)
  • Preis: kostenlos

Fazit:

Wenn nachweislich rechnerische Fehler in der App vorliegen, kann es nur ein Ungenügend geben.

Unser Testergebnis: Ungenügend
 

12. Skil - Tipps für Heimwerker

Die App verfügt über verschiedene Anwendungen: Das Gyroskop im Test war nicht zu gebrauchen (zuckende Luftblase außerhalb der Libelle, keine Kalibrierung möglich). Dafür überzeugen die Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit guten Texten und Grafiken. Zum Teil sind diese umfangreich und detailliert, an anderer Stelle aber banal (Beispiel: „Versuchen Sie Schränke möglichst gerade anzubringen…“). Für Anfänger hilfreich sind die „Werkzeuganwendungen“. Wichtige Handhabungen beim Umgang mit Maschinen werden erläutert. Aber: Vor- und Nachteile einzelner Geräte (etwa Band- versus Schwingschleifer) werden nicht erklärt.

Skil - Tipps für Heimwerker im Überblick:

  • Hersteller: Cognito Concepts
  • Betriebssystem: Android (zum Download)
  • Preis: kostenlos

Fazit:

Wer einmal im Jahr oder seltener zur Heimwerkertat schreitet, ist mit dieser App gut beraten, um noch mal kurz Arbeitsschritte und Werkzeugauswahl zu überprüfen. Für den geübten Selbermacher hält die App aber so gut wie nichts Neues bereit.

Unser Testergebnis: Befriedigend
 

13. Betonrechner

Ein Fundament fürs neue Gartenhaus oder stabile Aufnahmen für Pfosten – ab und an muss rund ums Haus Beton angerührt und vergossen werden. Diese App (mit dezenter Werbung) verbindet Volumenberechnung mit Preis und Mischungsangaben (inklusive Wasser) mit der entsprechenden Gebindeanzahl, die es zu besorgen gilt. Eine sehr spezialisierte App, die für Säulen (eckig, rund), Platten, Fundamente und Vollbetontreppen geeignet ist. Gut lässt sich zudem berechnen, ob sich der Kauf des teureren Fertigbetons noch lohnt.

Betonrechner im Überblick:

  • Hersteller: pixelsdo mobile
  • Betriebssystem: Android (zum Download)
  • Preis: kostenlos

Fazit:

Arbeiten mit Beton erfordern große Materialmengen. Gut, wenn diese App dabei den Überblick behält (die Mischformeln sind konfigurierbar). Das Schleppen von Zement, Sand, Kies und Co ist ja schon schwer genug...

Unser Testergebnis: Gut

Passend dazu: Lesen Sie hier, welche Apps sich besonders für die Gartenarbeit eignen.

Artikel aus selber machen Ausgabe 05/2015. Jetzt abonnieren!
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