Kettensägen im Test

Motorsägen der Einsteigerklasse

Wie viel Geld muss man eigentlich für eine anständige Motorkettensäge anlegen? Sind 150 Euro ausreichend, oder muss es das Doppelte sein? Und was kann man mit Sägen von 2 PS und 35 cm Schienenlänge anfangen? Wir haben die Antworten: Ermittelt in Wald, Werkstatt und Labor.

 
Kettensägen im Test © Selbermachen
Kettensägen im Test

Am Anfang stand das Kopfzerbrechen: Welche Sägenklasse sollten wir für den SELBERMACHEN-Test in diesem Jahr auswählen? Der Markt für Motorkettensägen wird von den Herstellern grob in drei Klassen aufgeteilt: Einsteigersägen, robuste Sägen für die Landwirtschaft und die Modelle für den Forst. Wir haben uns in diesem Jahr ganz bewusst – und nach langen Diskussionen – für die Einsteigermodelle der Markenhersteller entschieden. Hier ist die Schiene selten länger als 35 cm, und die Motorleistung liegt zwischen 1,3 und 2 kW. Alles in Allem gute und vieltausendmal bewährte Maschinen, die aber ein Handicap haben, über das Sie sich vor dem Kauf im Klaren sein müssen: Die Motorleistung dieser Sägen reicht nicht aus, um damit in großem Stil „Holz zu machen“, Bäume von mehr als 20 cm Durchmesser zu fällen oder „am Krallenanschlag“ zu arbeiten.

Wenn Sie als Selbstwerber den Winter im Wald verbringen, brauchen Sie eine schwerere und größere Maschine. Deutlich wird das zum Beispiel bei der Husqvarna, deren gutes Konzept augenscheinlich unter der geringen Motorleistung leidet. Im Umkehrschluss überspielt die Güde KS 400 mit ihrem kräftigen Motor Unstimmigkeiten im Detail. Mit diesen Sägen können Sie also Bäume entasten, Feuerholz aufschneiden und den Bestand pflegen. Ihre Aufgaben? Dann sind Sie mit (fast) jeder der sieben Testmaschinen gut beraten. Doch egal, wie groß Ihre neue Säge ist, an drei Punkten führt kein Weg vorbei. Zum ersten: Jede Motorkettensäge braucht Pflege. Regelmäßig. Bei Ihnen zu Hause auf der Werkbank (Kette, Luftfilter, Späne) und regelmäßigen Service beim Motoristen. Niemals sollte eine Motorkettensäge nach dem Einsatz einfach ausgeschaltet und weggeräumt werden! Zweiter Punkt ist die Ausbildung des Sägenführers: Kein Förster lässt Sie heute mehr in seinen Wald, wenn Sie nicht den „Kettensägenschein“ nachweisen können. Wahrscheinlich wird der auch eines Tages für den Kauf einer Säge obligatorisch sein. Und zum letzten benötigen Sie eine Schutzausrüstung. Ohne Beinund Augenschutz, ohne Handschuhe und Helm sollten Sie noch nicht einmal einem Obstbaum auf die Rinde rücken.

Im Praxistest durch die Redakteure von SELBERMACHEN und die Ingenieure des Prüfinstituts PZT in Wilhelmshaven gab es wenig Überraschungen. Der Klassenstandard in der Ausstattung ist realtiv einheitlich, Unterschiede finden sich insbesondere bei der Art des Kettenspanners und der Gestaltung der Bedienelemente. Im Praxistest fiel den erfahrenen Prüfern immer wieder die beschränkte Motorleistung auf; Husqvarna, Partner und Ryobi taten sich hier noch schwerer als die Prüflinge von Stihl, Solo und Dolmar. Die Güde kann ohnehin vor Kraft kaum laufen. Dass die Lärmentwicklung auch kleiner Sägen große Werte hat, hatten wir erwartet. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass, wer Kettensägen ohne Gehörschutz bedient, mit seiner Gesundheit spielt. Für Aufsehen im Testteam sorgte aber die Sicherheitsüberprüfung, bei der zwei Testteilnehmer deutlich längere Bremszeiten hatten als ihre Mitbewerber: Bei der Güde kann es bis zu 180 Millisekunden dauern, bis die Kette bei ausgelöster Bremse steht; bei der Ryobi sogar 660 Millisekunden. Das sind deutlich höhere Werte als etwa die der Stihl MS 181 mit gerade 20 Millisekunden. Ein Fall von Serienstreuung? Wir werden diese Werte in naher Zukunft noch einmal mit neuen Testgeräten vergleichen, mehr dazu an dieser Stelle. Zurück zur Ausgangsfrage: Für wen sind diese Sägen gemacht? Antwort: Für eine kleinere Zielgruppe, als man im ersten Moment erwarten sollte. Wer also überlegt, sich zum ersten Mal eine Motorkettensäge zu kaufen, sollte vorher sein „Lastenheft“ klar festschreiben. Die Mehrkosten für eine größere und stärkere Säge verblassen vor dem Hintergrund der Kosten für Zubehör und Unterhalt. Trotzdem wollen wir kein Hehl daraus machen: Arbeiten mit der Motorkettensäge macht immer Spaß. Egal, wie groß die Säge auch ist.

Oder doch lieber eine Elektro-Kettensäge?

Der Einsatzort bestimmt die Wahl: Wollen Sie (gelegentlich) mit der Säge in den Wald, führt am Verbrennungsmotor kein Weg vorbei. Wollen Sie Bäume nicht nur zerlegen, sondern (gelegentlich) auch fällen, ist ebenfalls der Zweitakter erste Wahl. Wenn Sie aber mit der Säge auf Ihrem Grundstück bleiben und „Feuerholz“ und nicht „Baumpflege“ Ihr Thema ist, wird die Elektrosäge zur Alternative. In dem Fall ersparen Sie sich den regelmäßigen Besuch beim Motoristen (Inspektion) und müssen nicht mit stinkendem Zweitaktgemisch hantieren. Aber: Marken-Elektrosägen sind oft kaum billiger

Praktische Prüfung im Wald

So haben wir getestet

Bei diesem Test sind die Ingenieure des SELBERMACHEN-Testlabors PZT natürlich auch in den Wald gegangen und haben den Gebrauch der Motorsägen in der Praxis bewertet. Besonders das Handling und die Schnittleistung der einzelnen Geräte ließen sich so besser beurteilen als im reinen Laborversuch. Jede Säge musste vor Ort aber auch ihre technische Qualität unter Beweis stellen. So wurde der Schalldruckpegel in einem festgelegten Abstand im Leerlauf, im Leerlauf bei Vollgas und beim Vollgassägen gemessen. Unsere Messung in Ohrhöhe ergab immerhin noch Werte von bis zu 99 Dezibel. Ohne Gehörschutz kann das die Hörfähigkeit dauerhaft schädigen. Die Sägeleistung wurde an liegenden Baumstämmen drei verschiedener Holzarten (Esche, Eiche, Fichte)geprüft, in dem die Stammdurchmesser definiert waren und mit jeder Säge, von verschiedenen Testern je zehn Baumscheiben abgeschnitten wurden. Hier ergaben sich je nach Motorleistung deutlich unterschiedliche Durchschnittswerte. Wichtiges Testkriterium waren die Kettenbremszeiten, die im Ernstfall möglichst kurz sein müssen, um schwere Verletzungen zu verhindern. Hier verspielten einige Kandidaten ihr sonst passables Ergebnis. Mit elektronischen Sensoren prüften wir die Vibration der Sägen am Bügelgriff. Da starke Vibration schnell zu Ermüdung führen, sollte hier ein möglichst geringer Ergebniswert stehen. Auch wenn wir es nicht bewertet haben, war die Messung der Anlaufdrehzahl interessant, erreichten doch zwei Sägen im Lieferzustand das geforderte Verhältnis von 1:1,25 gegenüber der Leerlaufdrehzahl nicht. als Motorsägen. Und scharfe Ketten und Haftöl brauchen sie auch.

Hightech-Test im Outdoor-Einsatz

Wie bei der Schalldruckmessung wurde auch die Drehzahl in den verschiedenen Lastzuständen überprüft. Ergebnis war, dass nicht alle Sägen werksseitig optimal eingestellt sind, sondern dass dies der Motorist oder zur Not der Besitzer machen muss.

  1. Kettenbremszeit© Selbermachen

    Kettenbremszeit

    Die Kettenbremszeit wurde mit Hilfe einer entsprechenden Videoaufzeichnung gemessen. Durch die Auswertung der Einzelbilder konnte die tatsächliche Zeit exakt bestimmt werden
  2. Drehzahl messen© Selbermachen

    Drehzahl messen

    Wie bei der Schalldruckmessung wurde auch die Drehzahl in den verschiedenen Lastzuständen überprüft. Ergebnis war, dass nicht alle Sägen werksseitig optimal eingestellt sind, sondern dass dies der Motorist oder zur Not der Besitzer machen muss.
  3. Abschneiden© Selbermachen

    Abschneiden

    Jede Säge musste im Praxistest zehn gleichdicke Baumscheiben mit identischem Durchmesser abschneiden. Die dafür benötigte Zeit wurde gemessen, was leistungsstarken Motoren einen Vorteil brachte
  4. Vibrationswert© Selbermachen

    Vibrationswert

    Mit einem sogenannten Triax-Beschleunigungsaufnehmer wurde der Vibrationsgesamtwert am Bügelgriff gemessen. Dieser empfindliche Sensor nimmt die frequenzgewichteten Beschleunigungswerte in den drei orthogonalen Richtungen auf und gibt sie direkt an ein Auswertungsprogramm auf unserem Laptop weiter

Welche Säge kaufen?

Alle Testkandidaten kommen aus der Einsteigerklasse für Motorsägen und haben eine eher geringe Motorleistung. Doch die ist ausreichend für alle groben Sägearbeiten im Garten. Ob ein Ast am Obstbaum stört oder Brennholz zum Holzhacken geschnitten werden muss, hier sind diese Sägen zu Hause. Das heißt, die Motorleistung aller Sägen reicht für Schnitte bis 20 cm Durchmesser aus. Wichtig für die Kaufentscheidung sollten aber auch Sicherheitsaspekte wie Kettenbremse oder Fangbolzen sein. Auch die Handhabung ist ein wichtiger Faktor für den Spaß am Gerät. Einfache Bedienung (Hebel? Kettenspannung?)und ein erträgliches Gewicht sind mindestens so wichtig wie die schiere Leistung des kleinen Motors.

  1. Stihl© Selbermachen

    Stihl

    **Stihl** **Preis:** 344 Euro **Positiv: **Vergaser kann auf Winter- /Sommerbetrieb umgestellt werden; Luftfilterreinigung einfach, da Gehäusedeckel ohne Werkzeug zu öffnen ist. Kettenspannung werkzeuglos einstellbar; Bajonett- Verschlüsse für Kraftstoff- und Kettenöltank; Füllstand Kraftstoffund Kettenöltank erkennbar; Ein-Hebel-Bedienung für Start/ Stopp/Choke; leise im Leerlauf; wird fertig montiert verkauft. Geringe Vibrationen. **Negativ: **Bei Krallenanschlag und etwas höherem Druck auf die Kette bleibt die Kette stehen (1,5 kW/2-PS-Motor); kleiner Kraftstofftank. **Gesamturteil: Gut**
  2. Solo© Selbermachen

    Solo

    **Solo** **Preis:** 235,99 Euro **Positiv:** Dekompressionsventil als Starthilfe, dadurch gutes Kaltstartverhalten; leichte und schlanke Maschine, deshalb gut zu handhaben – zum Beispiel beim Entasten. **Negativ:** Die Luftfilterreinigung ist aufwendig, da Werkzeug erforderlich ist (Gehäusedeckel mit einer Mutter gesichert); starke Vibrationen am Handgriff; Schallleistungskennzeichnung auf dem Gerät falsch: ist nicht wie angegeben 108 dB, richtig 109 dB wie in der Konformitätserklärung dokumentiert; Krallenanschlag aus Kunststoff (im Gehäuse integriert). **Gesamturteil: Befriedigend**
  3. Dolmar© Selbermachen

    Dolmar

    **Dolmar** **Preis:** 249 Euro **Positiv:** Ein-Hebel-Bedienung für Start/Stopp/Choke; praktikables Sichtfenster für Kraftstoff und Kettenöl, Füllstandsanzeige. **Negativ:** Tägliche Luftfilterreinigung aufwendig, da Gehäusedeckel mit drei Schrauben gesichert; Krallenanschlag aus Kunststoff (im Gehäuse integriert); Stellschraube für die Kettenspannung direkt am Schwert (schlecht zugänglich; wenn Schwert/Kette eingeklemmt ist, kann die Kette nicht gelöst werden); nach dem Erstbefüllen mit Kettenöl leckte die Kettensäge stark;überraschend starke Vibrationen. **Gesamturteil: Befriedigend**
  4. Güde© Selbermachen

    Güde

    **Güde** **Preis:** 199 Euro **Positiv:** 2-kW-Motorleistung (2,7 PS); beste Säge im Test bezüglich der Sägeleistung; Einstellmöglichkeit für die Ölfördermenge; Schienenlänge 40 cm; Griffbügel aus kunststoffummanteltem Aluminium; Luftfilterreinigung einfach. Großer Kraftstofftank. **Negativ:** Mit 6,3 kg sehr schwer; Kette und Schwert montieren umständlich; sehr laut und starke Vibrationen; nach zwei Tagen Stillstand konnte der Motor erst nach Überprüfung der Zündkerze und mehreren Versuchen gestartet werden; auffällig stark sichtbare Auspuffgase; die gemessene max. Kettenbremszeit ist mit 180 ms zu lang, deshalb abgewertet. **Gesamturteil: Befriedigend**
  5. Partner© Selbermachen

    Partner

    **Partner** **Preis:** 149,99 Euro **Positiv:** Leise bei Vollgas; Anschlagkralle aus Stahl angeschraubt (leicht auswechselbar). **Negativ:** Wenig überzeugende Sägeleistung in Hartholz; (1,5-kW-/ 2-PS-Motor) schwere Kettensäge mit 6 kg; Luftfilterreinigung aufwendig; Kraftstoff- und Kettenöl-Deckel nicht gesichert; Choke-Hebel mit Handschuhen schwierig zu bedienen; schlechtes Kaltstartverhalten; nach dem Erstbefüllen mit Kettenöl leckte die Kettensäge stark. Kettenbremse im Kettendeckel integriert. Sicherheitsmangel: Kettenfangbolzen schließt nicht dicht an das Gehäuse (Spalt von zirka 4 mm), Funktion nicht gewährleistet. **Gesamturteil: Befriedigend**
  6. Husqvarna© Selbermachen

    Husqvarna

    **Husqvarna** **Preis:** 309 Euro **Positiv:** Geringe Vibrationen an Handgriff und Griffbügel durch eine sehr weiche Aufhängung; Anschlagkralle aus Stahl angeschraubt. **Negativ:** Schlechte Sägeleistung (Motor 1,3 kW/1,8 PS), wenn mit Krallenanschlag gearbeitet wird (Gilt auch für andere Testmodelle). Luftfilterreinigung aufwendig; Bedienungsanleitung fehlerhaft; Stellschraube für die Kettenspannung direkt am Schwert (schlecht zugänglich bei eingeklemmter Kette); schlechtes Kaltstartverhalten. Sicherheitsmangel: Kettenfangbolzen schließt nicht dicht ans Gehäuse, so Funktion nicht gewährleistet. **Gesamturteil: Befriedigend**
  7. Ryobi© Selbermachen

    Ryobi

    **Ryobi** **Preis:** 149 Euro **Positiv:** 1 Flasche Öl für Mischung im Lieferumfang; großer Tank für Kettenöl; relativ leise bei Vollgas und Last. **Negativ: **Sehr schlechte Sägeleistung (Motor 1,3 kW/1,8 PS), zieht nicht durch, wenn mit Krallenanschlag gearbeitet wird. Luftfilterreinigung aufwendig (Gehäusedeckel mit drei Schrauben, eine schlecht zugänglich, Luftfilter-Abdeckung mit zwei Schrauben gesichert). Nach Erstbefüllen mit Kettenöl leckte die Säge. Sicherheitsmangel: Die zulässige Kettenbremszeit wurde überschritten. Die Kettenbremszeit variierte stark bei aufeinander folgenden Messungen. **Gesamturteil: Ausreichend**

SELBER MACHEN 11/2009

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren