Werkzeugschleiferei Kurt Hase & Co. | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Werkzeugschleiferei

Werkzeugschleiferei Kurt Hase & Co.

Zahn um Zahn geht es hinter unscheinbarer Fassade in einem Hamburger Gewerbehof bei Scharfmachern der besonderen Art. Was durch ihre Hände geht, verlässt das Haus zackenscharf. Wir haben Mitarbeiter mit Schneid getroffen, die die Funken fliegen lassen.

 
Zahn um Zahn © schlSelbermachen
Zahn um Zahn

© SelbermachenZiemlich laut ist es in der Halle der Werkzeugschleiferei Kurt Hase & Co. GmbH in Hamburg. Mehrere Maschinen laufen, dazwischen bewegen sich an diesem Vormittag zwei Mitarbeiter. Geschäftsführer und Mitinhaber (seit 1992) Olaf Bösch verblüfft mit der Aussage: „Man braucht als Schleifer ein gutes Gehör, denn man sieht keine Hundertstelmillimeter, aber übers Gehör weiß ich, wie viel ich abnehme.“ Die Bemerkung verwundert nicht nur angesichts des Lärms, sondern auch, da hier niemand, wie man es vielleicht noch von Handwerker-Märkten kennt, am rotierenden Schleifstein steht, sondern vielfältige Werkzeugtechnik Einsatz findet.

Neben einem hochmodernen CNC-Automaten gibt es zum Beispiel auch eine Maschine aus DDR-Herstellung, die nachträglich eine „West-Steuerung“ erhielt. Deren Einstellung kontrolliert gerade Mitarbeiter Waldemar Germann. Bösch merkt an: „Die Elektronik der neuen Maschinen hat ein Verfallsdatum, sie hält zehn Jahre, ältere Mechanik dagegen 40 Jahre.“ Neuerungen vollziehen sich bei den Maschinen rasant, auch weil sie aktuellen Werkstoffentwicklungen folgen.

© SelbermachenFür rationelle Arbeitsgänge bei der Maschinenbestückung werden die zu schleifenden Sägeblätter auf einem Ständer nach Zahnform und -anzahl vorsortiert.

Die Diamantschleifscheibe schärft ein kleines Wechselzahnblatt für den Holzzuschnitt. Mit jedem Schärfgang schwindet der Überstand der Zähne.

Immer eine Spur härter

„Wir schleifen hier alle Schneide- und Fräswerkzeuge für Holz, Metall und Kunststoff. Die Konkurrenz ist zumeist spezialisierter, allerdings gibt es im Norden Deutschlands nur wenige Betriebe.“ Während Bösch spricht, ruht seine behandschuhte Hand auf einem Sägeblatt von wahrlich respekteinflößender Größe und ebensolchem „Biss“. Der ist beispielsweise gefragt, wenn Stahlträger durchtrennt werden müssen, mit einem Blatt von 1430mm Durchmesser. „Wir bearbeiten Sägeblätter verschiedenster Zahnung und Größe sowie Band- und Kettensägen, aber auch Hobelmesser, Bohrer und Fräser“, erläutert Bösch und fährt fort: „Zum Schleifen muss immer das nächsthärtere Material benutzt werden.“

Die Diamant- Schleifscheibe ist richtig für Hartmetall, Werkzeuge aus HSS (High Speed Steel) werden mit einer Korund- oder Borationsschleifscheibe geschärft. Die Hauptkunden von Kurt Hase & Co. sind Gewerbebetriebe aus dem Holz- oder Metallbereich (Möbelschreinereien, Stahlverarbeiter etc.). Im Wochenrhythmus bereisen die drei Außendienstler der Firma den Norden Deutschlands auf festgelegten Verkaufstouren. Dabei nehmen sie auch defekte Werkzeuge mit. Im Betrieb wird dann geschärft und repariert, eine Woche später erfolgt die Auslieferung.

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Großes Segmentsägeblatt zum Zerschneiden von Stahl: Bei Beschädigung (hier: gebrochener Zahn) lassen sich einzelne genietete Segmente austauschen.

Ursprünglich gleich große Segmentsägeblätter (400 x4x 50): Das untere ist noch recht neu, das obere fast komplett abgenutzt beziehungsweise abgeschliffen.

Schneller Service ist kein Teufelswerk

© SelbermachenDer Verkauf kommt ohne große (und teure) Lagerhaltung aus. Das funktioniert vor allem deshalb, weil Olaf Bösch in der Regel eher als der Kunde weiß, wann Ersatz fällig ist. Und da Teile heute per Paket auch über Nacht geliefert werden, ist schneller Service weder Teufelswerk noch Ergebnis himmlischen Beistands, wohl aber Folge eines erfahrenen Blicks und guter Logistik.

Olaf Bösch wurde seine Neigung zu „scharfen Sachen“ keineswegs in die Wiege gelegt. Im Gegenteil: Lange Jahre war er am Sozialgericht tätig. Allerdings hatte der gebürtige Hamburger schon immer den Traum, sich selbstständig zu machen. Die Schleiferei kannte er, weil sein Bruder dort Gesellschafter war. Den Umstieg vom Gericht in den Handwerksbetrieb ging Bösch planvoll an – mit einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Heute leitet er den kaufmännischen Bereich samt Buchhaltung.

Vom Gericht ans Messer

© SelbermachenAußerdem hat er in der Werkstatt alles über das Schleifen gelernt, dabei macht ihm so schnell keiner etwas vor. Ein Lehrberuf ist Schneidwerkzeugmechaniker erst seit Ende der 1980er Jahre – mit einer einzigen Berufsschule für ganz Deutschland in Bad Neustadt an der Saale. An seinem Job zwischen Schreibtisch und Schleifmaschine schätzt Bösch besonders die Vielseitigkeit: „Die Aufgabe ist fordernd, aber eben vor allem abwechslungsreich.“

Die Werkstatt „schmeißt“ der Chef mit drei Mitarbeitern, bei Bedarf unterstützt von Aushilfen. „Weil das Nachschleifen nicht teuer ist, muss schnell und in großer Stückzahl gearbeitet werden“, erklärt Olaf Bösch. Moderne computergesteuerte Maschinen können zwar mehrere Arbeitsgänge in nur einer Einstellung ausführen, sind aber in der Anschaffung sehr kostspielig. Für Industriebetriebe, die Sägeblätter zu Stückpreisen von mehreren Hundert Euro und darüber einsetzen, lohnt das Schleifen allemal.

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Unterschiedliche Zahngeometrien erfordern mehrere Schleifschritte: Zahnbrust und Zahnrücken müssen aus unterschiedlichen Winkeln bearbeitet werden. Bei der Kettensäge schwenkt die Schleifscheibe von links nach rechts. Ein Schleifstift bearbeitet die Hohlkehlen.

Lohnende Präzisionsarbeit

Zehnmal Schärfen ist bei einem normalen Sägeblatt drin. In der Regel geschieht das heutzutage im Nassschliff. „Weil große Hitze Gitterstrukturen im Molekularbereich löst und das Material schädigt, muss gekühlt werden“, sagt der Fachmann. So erhöhen Kühlschmierstoffe nicht nur die Oberflächengüte, sondern auch die Bearbeitungsgeschwindigkeit. Bei älteren Maschinen und bei der Bandsägenschärfung kommt es im Trockenschliff noch zu Funkenflug. Entscheidend ist, dass trotz hitziger Arbeit alle Beteiligten einen kühlen Kopf bewahren – so zeigen sie echten Schneid!

Artikel aus selber machen Ausgabe 02/2013. Jetzt abonnieren!
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