Autoverwerter

Autoverwerter Kiesow

Männer gehen gerne shoppen und zwar bei Deutschlands größtem Autowerter Kiesow. Hier ist der Laden und das Warenangebot artgerecht gestaltet und dann packen die Männer ihren Einkaufwagen voll.

 
Autoersatzteile © Selbermachen
Autoersatzteile

Die Oberkörper von Sascha und Marco verschwinden fast völlig im Motorraum des alten Opels. Das Geräusch der Knarre beweist, dass hier fleißig geschraubt wird. Aber die beiden Pizza-Kuriere sind nicht etwa dabei, einen Wagen zu reparieren. Zwei Meter hoch über dem Erdboden suchen sie nach Ersatzteilen. Und das kann man nirgends besser, als hier im Norden Hamburgs, bei Kiesow.

© SelbermachenTim Kisow will die Familientradition weiterführen: „In unserer Kindheit war das für uns ein richtiger Abenteuerspielplatz.“

Rund 2500 Autowracks, in schier endlosen Reihen und übereinander feinsäuberlich nach Marken sortiert, warten darauf, dass ihnen von kundigen Händen, die noch brauchbaren Teile entnommen werden. Das bringt nicht nur Spaß: „Wir arbeiten mit unseren privaten Fahrzeugen“, so Sascha. „Motoren und Bremsen verschleißen da sehr schnell.“ Und hier stimmt der Preis. „Für die Steueranlage, die wir gerade ausbauen, gehen etwa 100 Euro über den Tresen. Neupreis: 800 Euro.“ Doch auch, wer kein geübter Schrauber ist, bekommt hier alles, was er für sein Auto braucht. Mehr als 40 000 ausgebaute Teile lagern in den Regalen, sorgfältig geprüft, gesäubert und digital archiviert. Selbst online können die Ersatzteile bereits bestellt werden. Ersatzteilkauf ist nicht nur eine Geldfrage, sondern auch Vertrauenssache: „Bei uns stimmen Preis, Sercice und Kulanz“, so Tim Kiesow. „Auf alle Teile aus dem Lager bieten wir dem Käufer ein Jahr lang Gewährleistung.“ Der 27-jährige Enkel des Firmengründers und sein Bruder Dennis sind gerade dabei, in die Leitung des Familienunternehmens hineinzuwachsen – die dritte Generation.

Seit 1968 gibt es die Autoverwertung Kiesow auf dem Gelände in Norderstedt. Wer für sein Auto etwas braucht, oder glaubt etwas zu brauchen, wird auf den 68 000 qm großen Areal sicherlich fündig. Und das sind täglich fast 500 Kunden. „Seit 30 Jahren kaufe ich hier alle meine Autoteile, die ich dann selbst einbau“, erzählt Horst Bücheler. Von Anfang an war der jetzt 77-jährige begeistert von den günstigen Preisen und der Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter. „Hier ziehen sie einem nicht das Geld aus der Tasche“, so der rüstige Rentner.

© SelbermachenAn der Kasse Mitarbeiter Angelo Graci lässt auch schon mal mit sich handeln. Seit zehn Jahren ist er dabei.

Am meisten spart man durch Selbstausbau: Bis zu 70 % des Neupreises für ein Teil. Das macht das ganze auch für Profis interessant, die auf dem Platz die Ersatzteile für ihre Reparaturwerkstatt besorgen. Nach Abzug ihrer Marge können sie den Preisvorteil an ihre Klientel weitergeben. Und so sieht man die Hobby- und Profischrauber mit ihren Einkaufswagen an den Reihen der Karosserien vorbeiziehen, selbst bei echt norddeutschem Schmuddelwetter: Auswählen, ausbauen, rein in den Wagen und ab zur Kasse. Und man darf sich dabei richtig schmutzig machen.

Wer sich aber den Einbau selbst nicht zutraut oder keine Möglichkeit dazu hat, findet auf dem Gelände eine Werkstatt, die das preisgünstig übernimmt. Und auch ein Imbiss gehört zu diesem Rundumservice. Hier bekommt man becherweise heißen Kaffee und kann sich mit einer respektablen Currywurst stärken.

Hier kann man richtig wühlen

Woher kommen die Schrottfahrzeuge? Zunächst sind es Autohäuser, von denen alte Fahrzeuge angeboten werden. So ist man seit einiger Zeit Premium- Partner von Opel. Des weiteren sind es Versicherungen, die irgendwann die sichergestellten Unfallautos verkaufen. Und natürlich die Privatleute, die ihre alten Autos irgendwie entsorgen müssen.

© SelbermachenMänner beim Einkauf Sorgfältig und mit viel Geduld wird die Ware geprüft, bevor sie in den Einkaufswagen wandert.

Jeder, der schon einmal ein Fahrzeug, dem auch der freundlichste TÜV-Angestellte keine Plakete mehr geben wollte, loswerden musste, weiß, dass das teuer werden kann. Tim Kiesow: „Wir zahlen einen fairen Preis. Der ist aber vom Modell und vom Jahrgang abhängig.“ Und oft genug muss der Kunde froh sein, wenn er seine „Ansammlung von Sondermüll“ kostenfrei loswerden kann.

Gerade in Umweltfragen fühlt sich die Familie Kiesow in die Pflicht genommen. So ist das gesamte Areal bereits vor zehn Jahren mit einem Boden aus einem speziellem ölabweisenden Beton befestigt und mit einem Ölabscheider versehen worden. Damals eine Millionen-Investition. „Seit 1998 werden wir jährlich zertifiziert“, so Tim Kiesow. „daneben sind wir aber einfach bundesweit ein Vorbild für alle anderen Autoverwerter.“ Doch die Autoverwertung ist nur ein Standbein des Traditions-Unternehmens. Tim Kiesow: „Gleichwertig betreiben wir daneben einen Gebrauchtwagenhandel.“ Und gerade der Kauf eines Gebrauchtwagens ist Vertrauenssache.

© SelbermachenMitarbeiter Carsten Grell mit einem der 650 kompletten Motoren im Lager. Natürlich lauf-, sicht- und kompressionsgeprüft.

Jedes Fahrzeug, das weiterverkauft wird, ist auf Herz und Nieren geprüft und gegebenenfalls mit einer Mängelliste versehen. Und da zufriedene Kunden langfristig wichtiger sind als der schnelle Gewinn, kann jeder innerhalb von vier Wochen einen bei Kiesow gekauften Gebrauchtwagen zurückgeben, ohne Angabe von Gründen. Lediglich für die gefahrenen Kilometer wird eine geringe Pauschale berechnet.

Das ist Service am Kunden, und mit diesem Kredo – „Service am Kunden“ konnte sich das Unternehmen zu Deutschlands größtem Autoverwerter aufschwingen. Leider sind weitere Filialen zur Zeit nicht geplant, und so bleibt das ganze noch ein Privilieg für die Nordlichter.

Alltag bei Kiesow

  1. Entsorgungsstation© Selbermachen

    Entsorgungsstation

    In der Entsorgungsstation werden Bremsflüssigkeit, Öl, Benzin und Ähnliches abgelassen und zwischengelagert.
  2. Demontage© Selbermachen

    Demontage

    Nachdem alle Flüssigkeiten entfernt worden sind, beginnt die Demontage.
  3. Digitales Archivieren© Selbermachen

    Digitales Archivieren

    Martin Bratke beim digitalen Archivieren. Jedes ausgebaute Teil wird fotografiert und mit einem Strichcode versehen.
  4. Lagerort © Selbermachen

    Lagerort

    Mit dem Strichcode ist der Lagerort des Teils vorgegeben. Nach Bedarf kann es in Minuten gefunden und verkauft werden.
  5. Kiesows Verkaufsteam© Selbermachen

    Kiesows Verkaufsteam

    Das Verkaufsteam: Sechs von dreißig Mitarbeitern, die jede Autoschraube kennen.

 

Die Schnäppchenjäger Vier fast neue Reifen. Da muss man doch einfach zugreifen. Gerade das Angebot an Reifen und Felgen für praktisch alle gängigen Fahrzeugmodelle ist unüberschaubar.

 

© SelbermachenIn der Demontagehalle: Unter sechs Hebebühnen können nicht nur die Mitarbeiter schrauben und werken. Auch die Kunden können hier gleich einen Blick auf, in und unter die Neuzugänge werfen und Werkzeug in die Hand nehmen.

© SelbermachenKiesow Autorecycling + Autoteile GmbH Gebrauchtwagenhandel GmbH Beim Umspannwerk 153 D-22844 Norderstedt

Artikel aus selber machen Ausgabe 06/2012. Jetzt abonnieren!
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