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Wasserwaagen

Wasserwaagen

Ohne sie geht es nicht, wenn es exakt waagerecht oder senkrecht werden soll. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an eine gute Wasserwaage. Wir zeigen, worauf es beim horizontalen und vertikalen Messen ankommt.

 
Wasserwaage © Selbermachen
Wasserwaage

Falls es so etwas wie eine Selbermacher-Werkzeug-Grundausstattung gibt, so gehört eine Wasserwaage zweifelsohne dazu. Selbst wenn Sie nur zwei kleine Nägel auf gleicher Höhe in die Wand schlagen wollen, kommen Sie ohne das einfachste aller Messgeräte nicht aus.

Das Prinzip einer Wasserwaage ist relativ simpel: Ein mit einer Spezialflüssigkeit gefüllter Behälter enthält eine Luftblase. Die Luft hat das natürliche Bestreben, nach oben zu steigen und dabei immer den höchsten Punkt innerhalb des Behälters zu suchen. Weil der Behälter der Flüssigkeit, die Libelle, aber im Innern absolut glatt ist, pendelt sich die Luftblase exakt in der Mitte ein, sobald die Libelle in der Waage ist. Das Gehäuse ist genau genommen nur die Verlängerung des Libellenblocks. Ob eine Wasserwaage wirklich genau ist, und ob sie diese Genauigkeit auch nach Jahren des Gebrauchs noch aufweist, ist von einigen wenigen Faktoren abhängig.

Libelle

Der oder die Libellenblöcke sind bei guten Produkten aus hochpräzisem CNC gedrehten Acrylglas gefertigt, das außen so plan geschliffen ist, dass die unvermeidlichen Lichtbrechungen nicht zu Ablesefehlern führen können. Diese ebene Außenfläche sorgt außerdem dafür, dass die Libelle auch von grobem Schmutz wie Erde oder Mörtel gut zu reinigen ist. Der Hohlraum der Libelle ist ebenfalls glatt geschliffen, hat aber eine tonnenförmige Bauchung (Tönnchenlibelle), die bewirkt, dass die Luftblase sich zwischen zwei Messstrichen einpendelt, wenn die Wasserwaage horizontal ausgerichtet ist. Dabei ist es egal, ob die Libelle beim Messen nach oben, unten oder zur Seite zeigt. Über-Kopf- Messungen (so genannte Umschlagmessungen) sind also möglich.

Die schon erwähnte Spezialflüssigkeit im Libelleninneren ist UV-beständig. Im Gegensatz zu einfachem Wasser ist sie zähflüssiger, was die Bewegungen der Luftblase gewollt verlangsamt – ein Qualitätskriterium, das Sie selbst beim Händler leicht überprüfen können. Im Temperaturbereich von –20° bis +40° C gewährleistet diese Flüssigkeit zudem, dass die Luftblase ihre Größe nicht ändert. Auch Messungenauigkeiten durch elektrostatische Aufladung des Gehäuses wird durch die Zusammensetzung dieser Flüssigkeit wirksam verhindert. Einer der entscheidenden Punkte für die Genauigkeit einer Wasserwaage ist die Verbindung zwischen Libellenblock und Profil. Gute Produkte sind mit einem Kunstharz geklebt und nicht geschraubt. Das Kunstharz ist schrumpfungsfrei, der Libellenblock sitzt also, pflegliche Behandlung vorausgesetzt, ein Wasserwaagen- Leben lang unverrückbar fest.

Profil

Im Grunde ist das Wasserwaagen-Profil nichts anderes als die Verlängerung der Libelle. Daraus folgt die wichtigste Anforderung an ein gutes Profil, nämlich Stabilität und Verzugsfreiheit des Materials. Darüber hinaus soll natürlich auch die längste und stabilste Wasserwaage noch handlich und leicht sein. Für die meisten Profile wird das besonders leichte und korrosionsbeständige Aluminium als Material eingesetzt. Um Gewicht zu sparen, sind die Profile hohl, die Steifigkeit wird über die Wandungsdicke und die Profilierung erreicht.

Erwartet Ihre Wasserwaage mehr als die haushaltsübliche Belastung, sollten Sie auf ein geripptes Modell zurückgreifen – diese Ausführung ist griffiger und stabiler als das glatte Rechteckprofil. Für besonders hohe Ansprüche an Steifigkeit und Stabilität (etwa auf Ihrer Baustelle) bieten einige Hersteller auch ein Doppel-T-Gussprofil. Der Steg ist aus Gewichts- und Handlinggründen gelocht, was der Stabilität aber keinen Abbruch tut. Auch Holzwasserwaagen sind noch im Handel, ihr Anteil geht aber vor allem wegen des im Vergleich zu Aluminium ungünstigeren Gewichts immer mehr zurück.

Gute Wasserwaagen kosten Geld

Wichtig: Trotz aller ausgeklügelten Profilierung ist die Einsehbarkeit der H-Libelle entscheidendes Kriterium. Gute Wasserwaagen bieten einen Einblickwinkel von etwa 300°, das heißt, die H-Libelle ist auch im gestreckten Überkopfeinsatz von unten noch gut ablesbar. Mit den Messflächen sind die langen, schmalen Seiten einer Wasserwaage gemeint, die Sie an das auszurichtende Werkstück halten.

Achtung: Nicht bei jeder Wasserwaage sind beide schmalen Seiten zum Anlegen geeignet! Ein aufgedrucktes Symbol kennzeichnet, ob nur die Unterseite (oberes Piktogramm) oder Unter- und Oberseite (unteres Piktogramm) zum Messen angelegt werden dürfen.

Messfläche

Wichtigstes Kriterium für eine Messfläche ist ihre Ebenheit. Bei hochwertigen Wasserwaagen werden sie deshalb nach der Oberflächenbeschichtung (Lack, Pulverbeschichtung oder Eloxierung) noch einmal plan gefräst. Diese Messflächen erkennen Sie an der silbrigen Oberfläche, wobei allerdings nicht alle silbrigen Oberflächen gefräst sind. Hier hilft nur, beim Händler nachzufragen. Wichtig für die Ebenheit der Messfläche ist natürlich auch das Profil selbst, das aus einem besonders verzugsarmen Material bestehen sollte. Einige Hersteller (Stabila) bieten ihre Messflächen mit einem integrierten Magnetsystem an. Dabei können Sie bis zu sechs speziell legierte Magnete an die Messfläche heften, um die Wasserwaage beispielsweise beim Aufstellen von Eisenpfosten an diesen zu fixieren. Sie haben dann beide Hände frei für das eigentliche Ausrichten und Sichern der Pfosten.

Endkappen

Die Endkappen einer Wasserwaage haben die Aufgabe, das Profil und damit die Messfläche vor Beschädigung und der damit einhergehenden Verformung zu schützen. Die Endkappen sind bei fast allen Wasserwaagen aus einem besonders schlagfesten Kunststoff gefertigt, der fest in das Profil eingeklebt wird.

Vorsicht: Von Wasserwaagen, bei denen sich die Endkappen einfach per Hand abziehen lassen, sollten Sie die Finger lassen – die erwähnte Schutzfunktion ist mit losen Kappen natürlich hinüber. Um jede Art von Schlägen vom Profil fernhalten zu können, sollten die Endkappen eine gewisse Überstandshöhe über das Profil haben, sprich also, sie sollten mindestens 5 mm dick sein. Praktisch sind die Stopper, die ein Abrutschen der Wasserwaage an der Wand verhindern, wenn Sie gerade eine Linie ziehen müssen. Angeboten werden im Übrigen auch hohle Endkappen, in die Sie einen Zollstock einstecken können.

© SelbermachenDie Messflächen können plangefräst (ganz links), lackiert oder pulverbeschichtet (rechts) sein. Die höchste Genauigkeit weisen die plangefrästen Wasserwaagen auf, sie sind auch die teuersten. Die Fräsung ist auch nur auf Teilflächen möglich, was die Genauigkeit wegen der kleineren Aufstandsfläche etwas erhöht.

Libelle versus Laser

Bei den Laser-Wasserwaagen handelt es sich im Grunde um Libellen, deren Verlängerung nicht das Alu- Profil, sondern ein stark gebündelter Lichtstrahl übernimmt, der aus dem Libellengehäuse in zwei entgegengesetzte Richtungen abstrahlt. Einmal auf die jeweilige Messsituation eingestellt, ist diese Art von Wasserwaage sehr gut dazu geeignet, Linien an Wänden exakt waagerecht zu ziehen oder zu verlängern. Beim Ausrichten von freien Bauteilen wie etwa Pfosten kann die Laser-Wasserwaage den herkömmlichen nicht das Wasser reichen. Die einfache Wasserwaage gehört einfach in jeden Werkzeugkasten.

Artikel aus selber machen Ausgabe 02/2010. Jetzt abonnieren!
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