Ein echtes Multitalent: Öl – und was man damit außer Schmieren machen kann | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin

Öl - praktischer Alleskönner

Ein echtes Multitalent: Öl – und was man damit außer Schmieren machen kann

Öl ist eines der vielfältigsten Produkte, das der Heimwerker überhaupt verwenden kann. Wir zeigen einige der praktischsten und eher unbekannten Anwendungen.

 
Ölkännchen in Werkstatt © fotolia.com (neramit)
Öl ist aus keiner Werkstatt wegzudenken

Quietschende Katzenklappen, schwergängige Schließzylinder – solche und ähnliche Problemfälle bekämpft der Heimwerker in der Regel mit einem wohldosierten Schuss Öl. Doch Schmieren ist nur eines der Dinge, das man mit Öl machen kann. Auf den folgenden Zeilen haben wir sechs weitere Funktionen aufgelistet, die die meisten Selbermacher vielleicht nicht direkt auf dem Schirm haben, die aber ebenfalls eine wirklich ölige Angelegenheit sind. 

1. Holzanstrich

Den selbstgebauten Palettentisch für die Terrasse streicht man mit Holzlasur aus dem Baumarkt? Zugegeben, das kann man durchaus tun. Sehr viel nachhaltiger, ungiftiger und auch optisch schöner ist es jedoch, wenn man dazu Leinöl nimmt, genauer gesagt Leinölfirnis.

© fotolia.com (TwilightArtPictures)
Wer auf ein intensives Maserungsbild steht, sollte Holz mit Leinöl streichen,
kaum ein anderes Produkt „zieht“ die Maserung so heraus. 

Leinöl entsteht, wenn Flachs ausgekocht wird. Da dieses Öl aber mitunter eine Woche benötigen würde, um nach einem Anstricht zu trocknen, wird es mit Zusätzen versetzt und somit zu Leinölfirnis. Den gibt es in jedem Baumarkt in der Farbabteilung. Um es komfortabel zu verarbeiten, benötigt man jedoch auch noch eine Dose Terpentinersatz. Beides wird nun im Verhältnis 1:1 gemischt und kann dann wie Farbe oder Lasur mit Pinsel oder Rolle aufgetragen werden. Der Terpentinersatz macht die Mischung dünnflüssiger und sorgt dafür, dass sie schneller ins Holz einzieht. Durch den Kontakt mit Luftsauerstoff härtet das Leinöl aus und wird zu Linoxin – gesundheitlich unbedenklich, wasserfest und es bringt in Holz die Maserung richtig gut zum Vorschein. 

Wichtig: Lappen, die mit Leinöl getränkt sind, haben ein gewisses Risiko der Selbstentzündung, wenn sie geknüllt gelagert werden. Diese bitte im Freien auf einem feuerfesten Untergrund ausbreiten und einige Tage ausdünsten lassen. 

2. Notstrom

Ein guter Heimwerker ist in der Regel gerne auch auf unerwartete Situationen vorbereitet. Besonders unvorbereitet sind natürlich Stromausfälle. Und auch dabei spielt Öl eine große Rolle, genauer gesagt Heizöl. Wer sein Haus auf diese Weise beheizt, dem schaut der Staat normalerweise genau auf die Finger. Heizöl ist nämlich steuerlich begünstigt, liegt preislich bei der aktuellen Entwicklung gerade einmal bei der Hälfte von Diesel – und das, obwohl, oder besser weil beide Kraftstoffe sehr eng miteinander verwandt sind.

Wer sein Auto mit diesem billigen Sprit tankt, macht sich wegen Steuerhinterziehung strafbar. Aber, und das wissen viele nicht, für den Einsatz in Notstromaggregaten ist die Verwendung von Heizöl vom Zoll explizit erlaubt. Wer sich also ein solches Aggregat anschaffen möchte, sollte in jedem Fall auf ein Diesel-Gerät setzen. Das verbraucht nicht nur weniger als ein Benzin-Aggregat, sondern lässt sich eben im Fall der Fälle auch aus dem Heizungstank wieder auffüllen.
Übrigens fand das Bundesamt für Sicherheit heraus, dass Heizöl für solche Notbevorratung sogar wesentlich besser geeignet ist als Diesel, denn es lässt sich wesentlich länger lagern, ohne zu verderben. 

3. Motorsäge

Die allermeisten Kettensägen kommen nicht ohne Öl aus, selbst die Elektrischen. Denn die Kette muss dauernd geschmiert werden, damit sie durch die Reibung im Schnittgut nicht überhitzt. Viele Normalverbraucher nutzen dazu spezielles Sägekettenöl. Das hat aber zwei Nachteile:

  • In großen Mengen ist es vergleichsweise teuer
  • Es besteht aus Mineralöl

Vor allem letzteres ist nicht sonderlich schön, wenn man die Säge im eigenen Garten verwendet, denn schließlich spritzt das Kettenöl in alle Richtungen und landet somit auch im Boden. Und da zeigt Mineralöl all seine Nachteile, vornehmlich die der Giftigkeit.
 
© fotolia.com (AK-DigiArt)
Die Motorsäge kümmert es nicht, welches Öl die Kette schmiert.
Umwelt und Geldbeutel hingegen profitieren von Rapsöl aus dem Supermarkt.
 

Seit einiger Zeit gibt es jedoch auch Bio-Kettenöle. Die sind zwar immer noch teurer, aber wenigstens biologisch abbaubar. Das hat einen guten Grund, denn sie bestehen zu über 98% aus Rapsöl. Und an diesem Punkt wird es clever und billig für den Heimwerker: Den gleichen schmierenden Effekt kann man nämlich erzielen, wenn man „normales“ Rapsöl aus dem Supermarkt in den Kettenöl-Tank schüttet. Es ist lediglich etwas dünnflüssiger als das spezielle Kettenöl, der Verbrauch wird also etwas höher sein. Ansonsten ist die Handhabung dieselbe und das wegspritzende Öl ist nicht giftig und bereits nach einigen Wochen in der Natur vollständig abgebaut. 

4. Wasser marsch – rückwärts

Es passiert rasend schnell: Eben noch bei schönstem Sonnenschein draußen mit Elektrowerkzeug hantiert, das Produkt der Familie präsentiert und darüber das Werkzeug vergessen. Mit etwas Pech beginnt es dann zu regnen – die hunderte Euro teure Ausrüstung ist in Gefahr. Kein Problem, wenn man schnell reagiert und das richtige Öl hat.
Das bei Heimwerken legendäre WD-40, um genauer zu sein. Denn das ist mitnichten, wie viele irrig glauben, nur ein Sprühöl oder Rostlöser. Nein, die ursprüngliche Funktion von WD-40 ist Wasserverdrängung. Daher auch seine Bezeichnung: Water Displacement (perfected on) 40th try. Sinngemäß übersetzt: die 40. Rezeptur verdrängte Wasser.
Ist das Elektrowerkzeug nun nass geworden, sieht die Vorgehensweise folgendermaßen aus:

  1. Netzstecker ziehen
  2. Das Gerät mit einem Lappen trockenreiben und schütteln, um Wasser herauszubekommen
  3. In alle Öffnungen, in die Wasser eingedrungen sein könnte, großzügig WD-40 hineinsprühen (klappt nicht unbedingt mit anderen Sprühölen)

Dann lässt man das Werkzeug mit den Öffnungen nach unten für ein paar Tage liegen. Das WD-40 verdrängt derweil das eingedrungene Wasser.
Übrigens: Diese Eigenschaft kann man sich auch vor dem Winter zunutze machen, indem man WD-40 in die Schließzylinder von Auto und Außentüren sprüht. Denn diese frieren oft schon deshalb ein, weil sich normales Kondenswasser aus der Luft darin sammelt. Das Sprühöl verdrängt das Wasser, verhindert eine Neuansammlung und hat zudem einen sehr viel niedrigeren Gefrierpunkt, sodass die Schlösser auch im eisigsten Winter frei bleiben.  

5. Laminat

Hand aufs Herz: Selbst in Zeiten des einfach zu verlegenden Klicklaminats ist es immer noch eine Heidenarbeit, einen Raum damit auszustaffieren. Und umso ärgerlicher ist es, wenn sich schon nach wenigen Tagen durch die normale alltägliche Benutzung Kratzer in dem mühsam verlegten Boden zeigen.

Auch hier tritt Speiseöl einmal mehr auf den Plan. Denn Laminat besteht aus mehreren Schichten. Der Kratzer ist dann meist in der obersten, eine Kunstharz-Zellulose-Mischung, unter der das eigentliche Laminat aus Holzfasern liegt. Nimmt man nun etwas Speiseöl und reibt mit einem Lappen einige Tropfen davon auf den Kratzer, wirkt der Kapillareffekt, das Öl wird also regelrecht in den schmalen Spalt hineingesogen. Dort bringt es die obersten Schichten dazu, aufzuquellen. Das macht den Riss so klein, dass er in vielen Fällen gar nicht mehr zu sehen ist. Und weil das Öl bei Raumtemperatur auch nicht verdunstet, muss man den Vorgang auch nur alle paar Monate wiederholen. 

6. Entlacken

© fotolia.com (laurenthive)
Auch dicker Lack ist Bremsflüssigkeit gegenüber chancenlos und wird aufgelöst.
Zurück bleibt glattes, unbehandeltes Metall. 

Ein letzter Trick ist etwas für alle Heimwerker, die metallische Gegenstände aufarbeiten wollen und dabei vor einer unlösbaren Lackschicht stehen. Denn wenn alte Emailleschilder, Blumentöpfe aus Metall usw. einmal mit Farbe in Kontakt gekommen sind, dann bekommt man diese in der Regel nur unter Einsatz grober Mittel wieder entfernt, namentlich Drahtbürste oder Winkelschleifer. 
Das muss aber nicht sein, denn es gibt ein Öl, das hat zwar einen ganz anderen Verwendungszweck, ist aber einer der besten Farblöser überhaupt: Bremsflüssigkeit. Chemisch ist die zwar eigentlich kein „richtiges“ Öl, sondern gehört zu den Alkoholen. Und als solche Polyglykol-Mischung greift Bremsflüssigkeit Lack aber sogar ziemlich aggressiv an. Am Auto selbst ist das ein Nachteil, wenn man beim Nachfüllen etwas verschüttet. Soll Lack jedoch rückstandsfrei entfernt werden, ist es ein richtiger Vorteil.
Um das zu erzielen, benötigt man zunächst DOT-3 oder -4 Bremsflüssigkeit aus dem Auto-Zubehör sowie eine ölbeständige Kunststoffwanne. Dort hinein legt man das zu entlackende Teil und pinselt es großzügig mit der Bremsflüssigkeit ein (bitte Handschuhe tragen). Schon nach wenigen Minuten bis etwa einer Stunde lässt sich der Lack mit einer groben Bürste abreiben – auch aus tiefen Ritzen.

Wichtig: Dieser Trick funktioniert leider nur auf Metall, denn Kunststoffe werden ebenfalls von der Bremsflüssigkeit angegriffen.  Nach getaner Arbeit schüttet man in die Wanne viel Wasser, das neutralisiert die Bremsflüssigkeit. Anschließend kippt man die Reste in ein verschließbares Einmachglas und entsorgt sie bei der Sondermüll-Annahmestelle. 

 

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