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Technik: So funktioniert

So funktioniert ein Exzenterschleifer

Im Hobby-Bereich sind Exzenterschleifer wegen ihrer universellen Verwendbarkeit die am häufigsten genutzten Schleifgeräte. Dahinter steckt eine ausgeklügelte Technik: die kontrollierte Unwucht.

 
So funktioniert ein Exzenterschleifer © T. Straszburger

Plastik, Glas, Kunststoff oder Metall:

Mit dem Exzenterschleifer und seiner rotierenden Scheibe lassen sich mit dem richtigen Schleifpapier nahezu alle Oberflächen bearbeiten. Eine grobe Schleifpapierkörnung zwischen 40 und 80 eignet sich beispielsweise zur Entfernung von Lacken. Extrem feine Ergebnisse erzielt man mit Körnungen zwischen 200 und 400. Auch Polieren kann man mit dem Gerät sehr gut.

Unwucht im Innern:

Der Motor treibt eine exzentrisch gelagerte Schwungplatte an, auf der das Schleifpapier befestigt ist. Dadurch wird eine im Radius sehr kleine, extrem schnell hin und her schwingende Bewegung erzeugt. Die runde Schleifscheibe bewegt sich also zweifach: Sie rotiert relativ langsam als Ganzes und schwingt gleichzeitig sehr schnell. Der Radius der feinen Schwingbewegung ist ausschlaggebendes technisches Merkmal. Dessen Größe bestimmt über die Abtragleistung und Feinheit des Schleifergebnisses. Ein großer Radius (> 3 mm) und eine niedrige Schwingzahl (< 5.000 pro Minute) ergibt einen eher groben Schliff mit viel Materialabtrag, ein kleiner Radius (< 2 mm) mit hoher Schwingzal (> 20.000 pro Minute) ergibt einen feineren Schliff. Gute Geräte, die diese Leistungsbereiche mit verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten ab decken, gibt es beispielsweise von AEG, Bosch, Einhell oder Metabo. Einstiegsgeräte gibt es ab etwa 50 Euro.

Motor:
Die Motorleistung guter Schleifer liegt zwischen 300 und 400 Watt. Mittlerweile gibt es aber auch schon Akku-Geräte mit vernünftiger Leistung. Je nach Akku-Kapazität kann damit aber nur etwa 10–15 Minuten am Stück gearbeitet werden.

Handgriff:
Der Exzenterschleifer lässt sich mit einer oder mit zwei Händen führen. Beim Schleifen benötigt man eher wenig Druck, beim Polieren beispielsweise sollte vorn zusätzlich mit der zweiten Hand aufgedrückt werden, auch um das Werkzeug sicherer führen zu können.

Staubabsaugung:
Durch die Löcher in der Schleifscheibe wird ein Großteil des Schleifstaubs direkt beim Arbeiten abgesaugt. Die meisten Exzenterschleifer sind mit einem Staubfangbeutel oder einer -kassette ausgestattet. Man kann aber auch einen Werkstattsauger anschließen.

Schleifscheibe:
Die beiden üblichen Größen messen 125 und 150 Millimeter im Durchmesser. Die 125er Geräte sind handlicher, die 150er sind die erste Wahl für häufiges Arbeiten auf großen Flächen. Durch die Löcher in der Scheibe wird der Staub abgesaugt. Die Löcher im Schleifpapier sollten also unbedingt mit denen in der Scheibe zusammenpassen.

Drehzahl-Regelung:
Hier lässt sich die Schwingzahl, also die Anzahl der kleinen Schwingungen pro Minute einstellen. Je nach Modell bewegt sich der einstellbare Bereich etwa zwischen 5.000 und 26.000 Schwingungen pro Minute. Der Schwingkreis bewegt sich zwischen 1,5 und 3 Millimetern. Je größer der Schwingkreis, desto schneller ist der Arbeitsfortschritt beziehungsweise der Materialabtrag.

Schleifpapier richtig befestigen


Schleifpapier aufkletten
Zu viel Druck beim Arbeiten schädigt die Klett-Oberfläche des Schleiftellers. Diesen gibt es aber von allen Herstellern als Ersatzteil günstig nachzukaufen. Beim Schleifpapierkauf immer auf übereinstimmende Löcher achten.


Schutzfließ und Interface-Pad anbringen
Zwischenschicht: Um den Schleifteller vor schnellem Verschleiß zu bewahren, gibt es Schutzvliese, die zwischengeklettet werden. Mit dickeren Interface-Pads aus Schaumstoff kann man gut Rundungen schleifen.


Schleifpapier einklemmen
Nur bei Schwingschleifern gibt es die Befestigung des Schleifpapiers mit einer Klemme. Dieses Papier ohne Klettrückseite ist günstiger, der Wechsel geht aber nicht so schnell. Manche Geräte sind für beide Schleifpapierarten ausgelegt.

Kleine Unterschiede: Der Schwingschleifer

Den Schwingschleifer gibt es auch in Dreiecksform als Deltaschleifer. Damit kommt man in Ecken oder kann komplexe Werkstücke bearbeiten. Der normale Schwingschleifer eignet sich am besten für große, ebene Flächen. Rutscher oder Sander wird der Schwingschleifer auch genannt. Dieser wird hauptsächlich für Vor- und Nachschleifarbeiten an ebenen Flächen verschiedener Werkstoffe wie z. B. Hart- und Weichhölzern sowie bei Lacken eingesetzt. Schwingschleifer besitzen nur eine geringe Schwingbewegung, dafür aber eine sehr hohe Anzahl von Schwingungen. Die Schleifplatte ist hart und eben, gewölbte Oberflächen oder Werkstücke lassen sich damit nicht barbeiten.

Bernhard Eder
Fotos: 
T. Straszburger
Artikel aus selber machen Ausgabe 09/2016. Jetzt abonnieren!
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