Wissen ist Macht! – Aber wie macht man das eigentlich? | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Wissensbeschaffung

Wissen ist Macht! – Aber wie macht man das eigentlich?

Was unterscheidet Heimwerker von Handwerkern? Letztere bekommen nicht nur Geld dafür, sondern haben auch Meister, die zeigen, wie es geht. Und wo bekommen DIY’ler ihr Wissen her?

 
© fotolia / bernardbodo
Was Handwerker automatisch bekommen, müssen Heimwerker sich mühevoll zusammensuchen: Das richtige Know-How.

Junge, pass bloß auf, dass Du da genau abmisst, sonst passt es hinterher nicht“. So manchem Heimwerker klingt ein solcher oder ähnlicher Satz noch in den Ohren, ausgesprochen vom Vater, Opa, dem großen Bruder. Und für viele war dieses Wissen der erste Schritt in die Welt des Selbermachens. Hier ein Trick, da ein Kniff, so funktioniert die Welt, so hält man eine Säge, so schraubt man richtig. Doch sofern dieser „Erklärbär“ nicht selbst Handwerker war, war das Erlernte eben auch nur etwas Stückwerk. Genau deshalb zeigt der folgende Artikel allen Neulingen (und vielleicht auch so manchem alten Hasen), wie und wo man sein Wissen richtig vermehren kann.

1. Einfach fragen

Fragt man den Branchenverband der Heimwerker, bekommt man leider nur nüchterne Finanz-Zahlen: 45 Milliarden Euro Umsatz machte die Branche in 2016. Doch wie viele Leute sorgten denn dafür? Dafür gibt es keine belastbaren Zahlen, aber, so schätzt man, es sind über 20 Millionen Deutsche, die regelmäßig selbst zum Werkzeug greifen. Stimmen diese Werte, darf man davon ausgehen, dass mindestens ein Viertel aller hier Lebenden DIY-Blut in den Adern haben – und da müsste es schon buchstäblich mit dem Teufel zugehen, wenn nicht im eigenen Bekannten-, Verwandten- und Kollegenkreis sich nicht einer finden würde, der Erfahrung hat. 

Die Wissensvermehrung ist hier also einfach: Fragen. Beim nächsten Familienfest, bei der Mittagspause, oder eben per Umfrage auf Facebook. Irgendwer wird mit Sicherheit die Hand heben und einem weiterhelfen können. 

 
 
© fotolia/didesign
Die schnellste Wissensvermittlung (und meist auch Infektion mit
dem DIY-Virus) funktioniert immer noch als Familienangelegenheit.
 

2. Check das Web

Der geneigte Leser steht gerade jetzt, in diesem Augenblick, schon in der größten Wissensquelle, die die Menschheit hat – auch im DIY-Bereich, dem Internet. Schließlich erstellen wir unsere Artikel, etwa die zur Materialkunde, nur aus einem Grund: Weiterverbreiten von Wissen. Und ganz grundsätzlich ist selbermachen.de eine gute Anlaufstelle auch für die absoluten Beginner unter den Heimwerkern. Aber das Internet ist natürlich auch noch ein Hort, an dem sich noch weitere Erklärbären tummeln. Schon auf Facebook gibt es eine ganze Menge von themenspezifischen Gruppen, so etwa:

In jeder dieser Gruppen finden sich mehrere hundert bis tausend Mitglieder – und jeder, der einen Facebook-Account hat, kann beitreten und Fragen stellen.
Doch das Web reicht auch noch weiter, raus aus den sozialen Netzwerken. Denn an dieser Stelle finden sich auch nach wie vor noch eine ganze Menge Foren, die sich ebenfalls dem DIY verschrieben haben.
 
 
 
 
© fotolia / kuchina
Facebook und Foren sind zwar sehr universelle Anlaufstationen,
bei Kniffligem sollte man jedoch mindestens eine zweite Meinung einholen.
 

 
Diese Foren sollte man nicht unterschätzen, denn im Gegensatz zu den Facebook-Gruppen haben hier einmal gestellte Fragen eine größere „Halbwertszeit“, weil sie sehr viel übersichtlicher, meist nach Themengebieten sortiert sind. Dafür muss man meist aber auch damit rechnen, nicht zwangsweise eine Antwort binnen weniger Minuten zu bekommen – wer darauf aus ist, muss tatsächlich bei Facebook sein Glück suchen.

Die größten Foren im deutschsprachigen Raum sind:

  • Forum.heimwerker.de
  • Dasheimwerkerforum.de
  • 1.2.do.com
  • Hausbau-forum.de
  • Bau-treff.de 

Die Anmeldung in all diesen Plattformen ist kostenlos und sie funktionieren nach dem „Von Heimwerkern für Heimwerker“-Prinzip. Natürlich kann man sein Wissen auch noch immens multiplizieren, wenn man des Englischen (auch der technischen Fachbegriffe) mächtig ist. Dann sind diverse sehr große, internationale Foren wie doityourself.com eine sehr gute Plattform – auch wenn man mal über den deutschen Tellerrand hinausblicken und sich von Projekten aus anderen Ländern inspirieren lassen will. 
Letztendlich ist das Web aber nicht nur Hort für geschriebenes Heimwerkerwissen, sondern auch in Bild und Ton. Und weil gute Videos in vielen Fällen auch Sprachbarrieren mühelos überwinden, sind die folgenden Youtube-Channels bunt gemischt:

​Auf diesen Channels finden sich Tonnen von Projekten aller Größenordnungen und Schwierigkeitsgrade. Der Vorteil ist hier, dass man auch ganz gemütlich einfach mal nur zuschauen kann – ohne lange Anleitungen zu lesen oder ohne ein konkretes Projekt im Kopf zu haben. Quasi Infotainment in Reinform.
Letztendlich gibt es dann auch noch die Blogosphäre. Das ist der Teil des Internets, in denen Privatleute ihre eigenen Blogs mit Inhalten füllen– oft mit sehr viel Liebe gestaltet 
 
 
© fotolia / Ingo Bartussek​
Viele DIY-Blogger sind oder waren Profi-Handwerker. Deren
Wissen ist natürlich Gold wert weil kostenlos und direkt weitergegeben.

und vor allem auch im Heimwerkerbereich mit prallem Wissen gefüllt. Allerdings gibt es hier sehr viele Blogs, sodass sie für die folgende Liste thematisch sortiert wurden:
 
Heimwerken allgemein:

Holzbau:

Garten:

Dabei haben Blogs, insbesondere wenn sie von Privatleuten erstellt wurden, leider den Nachteil, dass man sie vergleichsweise schlecht(er) findet, als beispielsweise Foren. Allerdings gibt es auch Wege, wie man dennoch thematisch passende Blogs findet, die nicht in dieser Liste aufgeführt sind. Unter anderem hat Google selbst dafür auch eine eigene Suchfunktion. 

3. Für echte Profis

Alle bisherigen Lösungen haben eines gemeinsam: Meist sind sie von Laien für Laien. Allerdings ist klar, dass das im Endeffekt die gleiche Lösung ist, wie der Opa, der eingangs erwähnt wurde. Wer als privater Heimwerker jedoch richtig tief in Profiwissen eintauchen will, der muss nicht verzagen, denn es gibt durchaus Möglichkeiten, an das Know-How heranzukommen, das normalerweise nur Fachleuten vorbehalten ist – ohne gleich seinen Job aufzugeben und eine Handwerkslehre anzugehen. 

 
 
 
Besonders die grundständigen Kurse in Hand-
werkskammern können DIY-Anfängern ein
extrem hochwertiges Wissensfundament liefern.

© fotolia / Arthur Braunstein

Die erste Lösung ist extrem professionell, denn es gibt Fortbildungsmöglichkeiten, die sind zwar in erster Linie für Handwerker zwischen Azubi und Meister gedacht, können aber auch von Privatleuten belegt werden.

Neben diesen Möglichkeiten bietet sich natürlich auch immer noch an, sich einfach das Telefonbuch zu schnappen und sich die nächstgelegene Handwerkskammer herauszusuchen. Denn: Handwerkskammern sind in ganz Deutschland das absolute „Auge des Sturms“. Alles, was erfunden wird, seien es Methoden, neue Verfahren oder Werkstoffe, kommt hier als erstes an, wird zusammengeführt und an den großen Kreis der professionellen Handwerker weitergereicht. Und obschon längst nicht alle HWK-Kurse auch für Laien zugänglich sind (und sei es nur, weil sie ziemlich teuer sein können) öffnen doch eine ganze Menge Kammern ihre Pforten auch für sehr ambitionierte Laien – und zudem offerieren einige davon sogar ganz spezielle Heimwerkerkurse, halten bodenständige Lehrgänge in Sachen Metallbearbeitung, Schweißen oder auch Mauern und Verputzen ab.

Denn, das haben die HWKs erkannt: DIY ist eben, wie am Anfang dieses Artikels genannt, ein echtes Milliarden-Business. Und nach vielen Jahren, in denen Heimwerkerwissen ganz klassisch von Mund zu Mund weitergegeben wurde, ist nun bei vielen Privatleuten der Wille da, sehr viel tiefer in die Materie einzusteigen. Der Wunsch, richtig gut zu sein, beflügelt immer mehr Heimwerker, die sich längst nicht mehr damit begnügen, einfach nur nach der „passt schon“-Methode zu verfahren. Im Gegenteil, denn wo die Preise überall steigen – sowohl für Handwerker als auch Fertiges – soll das, was man selbst macht, auch von Format sein. 
 

Das könnte Sie auch interessieren