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Alles über Fertighäuser

Sie werden bei deutschen Bauherrn immer beliebter und haben trotzdem immer noch ein gewisses Stigma. Fertighäuser sind etwas Besonderes – auch und speziell für Heimwerker.

 
Fertighaus-Wand © fotolia.com © Comofoto
Wenn zwischen der nackten Kellerdecke und dem letzten Firstziegel nur eine Arbeitswoche liegt, dann sind Fertighäuser am Werk – die schnellsten Gebäude.

Häuser sind, wenn man sie mal auf die einzelnen Arbeiten herunterbricht, gigantische und ziemlich komplexe Konstrukte, die dementsprechend samt Planungs- und Genehmigungsarbeiten einige Monate für die Errichtung benötigen. Die Amts-Mühlen für die Baugenehmigung kann man nicht beschleunigen, wohl aber die Bauzeit. Und da gibt es derzeit keine fixere Alternative als Fertighäuser. Hier geht es nicht nur „schneller“, sondern oftmals so schnell, dass Richtfest und Einweihungsfeier zusammen gefeiert werden können. Doch was so fix errichtet werden kann, hat auch für den Heimwerker seine Besonderheiten. Der folgende Artikel erklärt deshalb die wichtigsten Eckpunkte, die es zu beachten gilt. 

1. Die Zahlen

Um einzusteigen, ist ein wenig Statistik vonnöten, denn es ist eine gigantische Zahl: Zwischen Januar und November 2017 wurden in Deutschland beeindruckende 271.034 sogenannte „Einwohnungsgebäude“ errichtet – Beamten-Fachchinesisch für Einfamilienhäuser. Und je nach Bundesland waren davon bis zu 30% Fertighäuser – besonders Baden-Württemberg tat sich hier hervor, das Schlusslicht bildete Hamburg. Auf ganz Deutschland aufgerechnet sprechen wir von einem Marktanteil von beinahe 18%.

Ein vor allem unter dem Aspekt imposanter Wert, wenn man bedenkt, dass Fertighäuser um die Jahrtausendwende noch bei gut zehn Prozent lagen. Und, da sind sich Fachleute einig, der Trend wird weiter zunehmen. Auch weil Fertighäuser mittlerweile sämtliche „Kinderkrankheiten“ überwunden haben und eben in Rekordzeit errichtet werden können – selbst wenn man alles andere außeracht lässt, sorgt schon diese Zeitersparnis an Handwerkerlöhnen für enorme Einsparungen. In aller Regel kommt jedoch noch weiteres Einsparpotenzial dazu, wie beispielsweise geringere Materialausgaben sowie natürlich die massiv reduzierten Planungskosten, weil Fertighäuser in Serie produziert werden und so die Mittel für Statik, Design usw. auf viele Bauherrn umgelegt werden. 

2. Die Bauweise

Fertighaus-Konstruktion aus Holzfotolia.com © Ingo Bartussek
Bei der Holzständerbauweise werden nur die Wand-Skelette vorgefertigt und dann auf der Baustelle zusammengesetzt und beplankt. 

Fertighaus ist nicht gleich Fertighaus. Doch es gibt mehrere, abgestufte Unterschiede, die es zu bedenken gilt. Denn Fertiggebäude sind nur eine von insgesamt drei möglichen Bauweisen – die anderen beiden sind Massivhäuser und die Blockbauweise.  Danach kommen die Haustypen, also beispielsweise „klassisches“ Einfamilienhaus oder der flache Bungalow – die in jeder der genannten Bauweise errichtet werden können.

All diesen Gebäudeformen gemeinsam ist, dass sie als Fertighaus in aller Regel aus Holz bestehen. Zwar gibt es auch Bauten, die beispielsweise aus Beton gefertigt werden. Doch obgleich damit auch buchstäblich „massive“ Vorteile verbunden sind, haben diese Beton-Fertighäuser einen verschwindend geringen Marktanteil. Holz ist nämlich nicht nur günstiger und hat den gewichtigen Umwelt-Vorteil der CO2- Neutralität und schnellen Nachwachsens, sondern lässt sich ob des viel geringeren Gewichts der einzelnen Bauteile ungleich leichter transportieren, rangieren und verarbeiten. Doch hinter dieser hölzernen Gemeinsamkeit beginnen die eigentlichen Unterschiede:

  • Die Holzständerbauweise geht noch am ehesten als klassische Bauweise durch. Dabei werden nur Balken-Skelettelemente vorgefertigt, auf der Baustelle zusammengesetzt und mit Holz- bzw. Gipskartonplatten beplankt.
  • Bei der Holzrahmenbauweise werden ganze Wände vorgefertigt, die aus dem Skelettrahmen und der äußeren Beplankung bestehen aber vor Ort noch verkabelt und mit Dämmung bzw. Innenbeplankung versehen werden müssen.
  • Die Holztafelbauweise ist die „fertigste“ Lösung. Dabei werden komplette Wände, inklusive Innen- und Außenbeplankung, Dämmung, Fenstern und Türen und oft auch schon Installationen, Rohren und Kabeln vorgefertigt.

Zwar gibt es auch im Holzbau noch weitere Optionen, aber diese drei Varianten haben die mit Abstand größte Marktdurchdringung.  

3. Der Zeitfaktor

Dass Fertighäuser schnell errichtet werden können, ist Heimwerker-Grundwissen. Doch von welchen Zeiträumen sprechen wir denn? Die Antwort bedarf etwas mehr Definition, denn natürlich ist ein „richtiges“ Fundament vonnöten – auch wenn die Materialien gleich sind, mit einem Holz-Gartenhaus-Fundament hat das Fertighaus nichts gemein. Und natürlich wollen auch die unterschiedlichen Bauweisen bedacht werden.
Aber nehmen wir einmal an, dass die Bodenplatte bzw. der Keller bereits fertig ist und die Holztafelbauweise gewählt wurde. Dann kann man sich nach der Faustregel „ein Tag ein Stockwerk“ orientieren. Ein Einfamilienhaus inklusive Dachstuhl ist so innerhalb von zwei bis drei Tagen errichtet – gegenüber dem Monat, den ein Stein-auf-Stein gemauertes Massivhaus benötigt.

4. Für Selbermacher

Stellt sich natürlich die Heimwerkerfrage aller Fragen: Was kann man an einem solchen „Blitzhaus“ denn noch selber machen? Die gute Nachricht: Eine ganze Menge. Und das ob der Holzbauweise auch noch mit weniger komplizierten Techniken, als bei klassischen Gebäuden. Grundlage sind auch hier die drei unterschiedlichen Ausbaustufen.

  • Praktisch immer möglich ist es, bei einem als schlüsselfertig deklarieren Gebäude, innen den Trockenausbau selbst zu übernehmen, falls es sich nicht um die Holztafelbauweise handelt.
  • Bei einem sogenannten Ausbauhaus, also einem, bei dem praktisch nur eine leere Hülle mit Dach vom Fachbetrieb errichtet wird, sind sämtliche Innenausbauarbeiten zu übernehmen. Das fängt mit Wandanstrichen an, zieht sich über Fliesen und Bad-Installationen und geht bis zu Elektrik und Wasser.
  • Königsdisziplin, allerdings nur für extrem erfahrene und wirklich profi-mäßig ausgestattete Heimwerker zu empfehlen, ist das Bausatz-Fertighaus. Rein kostenmäßig lassen sich damit die Hälfte bis zwei Drittel des Gesamtpreises einsparen. Allerdings zu dem Preis, dass man tatsächlich nur die Fertighaus-Bauteile samt Plan angeliefert bekommt und dann zusehen muss, wie man das alles zusammenpuzzelt. 

fotolia.com © schulzfoto
Schlüsselfertig ist kein fester Begriff. Immer aber bedeutet er, dass man sich als Heimwerker in einem solchen Fertighaus noch umfangreich „austoben“ darf.

Das „DIY-Problem“ am Fertighaus ist, dass es dessen Quintessenz ist, das beim Massivhaus so präsente Arbeiten-Wirrwarr zu entschlacken. Wenn die Wände schon fix und fertig angeliefert werden, die Kabel und Rohre bereits montiert sind, dann gibt es nun mal nicht mehr so viel, was man in Eigenregie machen kann. Allerdings, und das ist auch ein Vorteil: Gerade weil oftmals nur relativ einfache Aufgaben übrigbleiben, sind Fertighäuser sehr gute Heimwerker-Lernobjekte. Hier braucht man keine Angst haben, einen Innenputz falsch aufzutragen, sondern kann mit vergleichsweise einfachem Trockenbau-Spachteln die Grundlagen dieser Techniken erlernen. Hier braucht es, etwa um Steckdosen zu setzen, auch keine schweren Werkzeuge – durch die Holzfaser- oder Gipskartonplatten kommt man auch mit Akkubohrer und Lochsäge zurecht.

5. Die Lebensdauer

Eingangs dieses Textes war die Rede von einem „gewissen Stigma“. Das liegt daran, dass Holz-Fertighäuser in den ersten Jahren im „Stein-Land“ Deutschland verpönt waren. Viele dieser Kritikpunkte waren höchst subjektiv, einige sogar schlichtweg falsch. Und meist resultierten sie daraus, dass in der breiten Masse die Ansicht vorlag, dass ein „echtes“ Haus innen wie außen gefälligst aus Stein bestehen müsse und dass alles, was mit Trockenbau zu tun hat, Pfusch sei.

fotolia.com © Wilfilser
In einem beliebigen Neubaugebiet sind schon rein statistisch 1,8 von zehn Gebäuden Fertighäuser. Und Jahr für Jahr werden es mehr.

Nicht gerade förderlich, um diese Ansicht zu korrigieren, war der Faktor, dass die ersten Holz-Fertighausfirmen wenig Lobbyarbeit betrieben, um diese Meinung zu drehen. Dafür sorgte jedoch die Zeit, die den Beweis erbrachte, dass die Kritiker falsch lagen. Denn heute lässt sich sagen, dass hölzerne Fertighäuser ebenso stabil, wetterfest und vor allem dauerhaft sind, wie jedes Gebäude aus Bimsstein, Leichtbeton oder Ziegeln. Wie bei jedem anderen Holzbau (etwa Fachwerkhäuser) können auch moderne Fertighäuser problemlos und ohne aufwendige Pflegearbeiten Lebensdauern im dreistelligen Jahresbereich erreichen. Das zeigt sich daran, dass auch die staatlich-normierten Nutzungsdauer-Vorgaben heute gar keine Unterteilung bei den Baumaterialien mehr vornehmen. Pflegemaßnahmen sind nur bei hölzernen Außenfassaden notwendig – befindet sich dort hingegen eine normale Dämm-, Putz- und Farbschicht, ist keine Mehrarbeit gegenüber einem Massivhaus vonnöten.

Und allein die im ersten Kapitel aufgelisteten Zahlen zeigen überdeutlich, dass Fertighäuser heute besser sind, als ihr einstiger Ruf. Das einzige, was bleibt, sind die dramatisch verkürzten Bauzeiten, das insgesamt trockenere Raumklima (auch weil keine tausende Liter Wasser für Mörtel und Co. benötigt werden) und die Tatsache, dass der Heimwerker sich in seinem Fertighaus mit dem hohen Holzanteil wesentlich leichter „austoben“ kann, als in einem Gebäude voller Stein und Beton.

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