Glas richtig bearbeiten | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin

Glas richtig bearbeiten

Glas ist ein spröder und zerbrechlicher Werk­stoff. Mit dem richtigen Werk­zeug macht die Bear­beitung allerdings keine Probleme.

 
Die Scneid- und Bohrwerkzeuge müssen mit besonders harten Schneiden ausgestattet sein. © Selbermachen
Die Scneid- und Bohrwerkzeuge müssen mit besonders harten Schneiden ausgestattet sein.

Das Zuschneiden und Auswechseln einer beschädigten Fen­ster­scheibe ist heute kaum mehr eine Arbeit für Selbermacher. Denn die meisten Fenster sind heute mit Isolierglas versehen, Ersatz kann für sie nur vom Fachmann hergestellt werden.

Das Einsetzen ist einfach, weil die meisten dieser Scheiben nur von Klemmprofilen im Rahmen gehalten werden. Zunehmend wird Glas jedoch im Möbelbau oder für das Einglasen von Bildern eingesetzt. Und dafür ist das Zuschneiden, Besäumen oder Bohren mit den richtigen Werkzeugen leicht selber zu machen.

Für glatte Schnitte

Alle Flachgläser (mit Ausnahme von Sicherheitsglas) lassen sich mit einem Glasschneider bearbeiten. Diese besitzen winzige Schneidräder aus Hartmetall, die die Glasoberfläche nur anritzen sollen. Zum Schneiden braucht man immer einen Anschlag, an dem der Schneider geführt wird.

Bei geraden Schnitten kann das eine Schiene oder ein Lineal mit rutschfester Unterseite sein, bei Rundschnitten ein Anschlag mit dem entsprechenden Radius.

Arbeiten mit Spezialwerkzeug

Beim Anritzen mit dem Glasschneider muss das Glas immer flächig aufliegen. Als Unterlage eignet sich am besten ein glatt ausgelegtes Tuch auf einer festen, planen Platte. Auch der Rest eines festen Teppichbodens ist als Arbeitsunterlage geeignet. Anzeichnen kann man den Schnitt mit einem Fettstift bzw. Filz- oder Allesschreiber.

Es sollten aber nur die Endpunkte der Schnittlinie markiert werden, damit Farbpaste oder Filzertusche das Schneidrad des Schneiders nicht behindern. Der Anschlag, den man durch das Unterkleben mit zwei Streifen Tesamoll rutschsicher machen kann, wird so angelegt, dass er die Punkte miteinander verbindet.

Der Abstand von der Schneidradmitte zur Schneideraußenkante muss dabei berücksichtigt werden. Das Schneidrad wird dann in einem Zug über das Glas geführt. Muss man nachsetzen, immer exakt in der alten Schnittrille.

Rundschnitte sauber ausführen

Bei Rundschnitten, die immer an einem Anschlag oder an einer Schablone geführt werden, muss man genau darauf achten, dass das Anritzen eine durchgehende Linie bildet. Bei engen Radien empfiehlt sich ein Glasschneider mit drehbarem Fuß. Er folgt den Konturen besser als ein starres Werkzeug.

Durch leichtes Anklopfen mit dem Glasschneider genau unter der Schnittlinie springt das Glas an dieser Stelle und lässt sich leicht brechen, bei Rundungen mit Hilfe einer Zange, bei Geraden über einer scharfen Kante und bei schmalen Streifen mit den Aussparungen im Glasschneider. Bleiben dabei klei­ne Reste stehen, kann man sie durch vorsichtiges Abknabbern mit einer speziellen Glasbrechzange entfernen.

Mit Bohrern bekommt man auch Löcher in Glas. Es gibt dafür Glas- oder Spiralbohrer mit spezieller Ausrüstung. Um ein Verkanten des Bohrers im Bohrloch zu vermeiden, sollte sich die Maschine in einem Ständer befinden. Die Glasscheibe muß fest und flä­chig aufliegen und beim Bohren festgehalten werden. Mit Terpentin oder Wasser wird der Bohrer gekühlt und geschmiert.

©Selbermachen
Werkzeuge zur Glasbearbeitung müssen mit besonders harten Schneiden ausgerüstet sein. Hier Schneid- und Bohrwerkzeuge.

©Selbermachen
Der Glasschneider wird senkrecht mit mittlerem Druck am Anschlag über die Fläche geführt. Zur Schmierung den Schneider vorher in Wasser oder Terpentin tauchen.

©Selbermachen
Die Aussparungen im Glasschneider sind zum Abbrechen schmaler Streifen nach dem Anritzen. Vorher mit dem Schneider von unten gegen den Schnitt klopfen.

©Selbermachen
Breitere Streifen bricht man über einer scharfen Kante. Ebenfalls von unten gegen den Schnitt klopfen und dann mit gleichmäßigem Druck ruckartig brechen.

©Selbermachen
Mit Schneidöl gefüllt sind Profiglasschneider. Über einen Docht wird die Achse des hochbelasteten Schneidrades ständig mit dem nötigen Schmiermittel versorgt.

©Selbermachen
Mit einem feuchten Schleifschwamm oder einem Korundstein (Werkzeug-Abziehstein) kann man die extrem gefährlichen Kanten der Schnittflächen entschärfen.

©Selbermachen
Der drehbare und besonders spitze Fuß dieses speziellen Glasschneiders paßt sich runden Anschlägen besser an als der breitere Fuß des Standardmodells.

©Selbermachen
Für kreisrunde Ausschnitte oder runde Glas­scheiben gibt es Kreisschneider. Sie werden im Mittelpunkt mit einem Gummisauger fixiert und sind fein einstellbar.

©Selbermachen
Ausschnitte werden durch mehrfaches Anritzen in einzelne Segmente geteilt. Nach dem Anklopfen von der Unterseite werden sie einzeln vorsichtig herausgebrochen. 

©Selbermachen
Runde Zuschnitte werden kreisförmig angeritzt und das außen abfallende Material wird zusätzlich sternförmig in Segmente aufgeteilt, die man Stück für Stück abbricht.

©Selbermachen
Gerundete Ecken bis zur Außenkante anritzen und mit Glasbrechzange (unten) abtrennen. Kleine Reste mit einer punktförmig greifenden Zange (oben) abknabbern.

©Selbermachen
Dickes Glas muss beim Bohren besonders geschmiert werden. Ein kleiner Ring aus Knetmasse verhindert wirksam, daß die Kühlflüssigkeit auseinanderläuft.

©Selbermachen
Bei dünnem Glas reicht es aus, den Bohrer von Zeit zu Zeit mit Kühlflüssigkeit zu benetzen. Nach dem Durchstoßen des Bohrers den Rest von der Rückseite bohren.

©Selbermachen
Gegen scharfe Kanten schützen. Zum Tragen von Glasscheiben sollte man die Hände durch Handschuhe oder durch ein schnittfestes Gummituch vor Verletzungen schützen. Sicherer lassen sich Scheiben mit speziellen Gummisaugern anheben. 

Tags: 
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren