Heinrich Freudenberg GmbH | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin

Holz, Holzhandel

Heinrich Freudenberg GmbH

Der Holzhandel ist die wichtigste Station auf dem langen Weg unseres gewichtigen Rohstoffs vom Baum bis in den Baumarkt - Wir besuchten ein traditionsreiches Unternehmen in Hamburg, das seit über 100 Jahren Holz aus aller Welt importiert.

 
Heinrich Freudenberg GmbH - Holzhandel © Selbermachen
Heinrich Freudenberg GmbH - Holzhandel

Stephan Bührich: Kaufmann und Holzliebhaber © Selbermachen Holz so weit das Auge reicht. Meterhohe Stapel aus Planken reihen sich auf dem 35 000 qm großen Gelände aneinander. Daneben warten noch ungeschnittene Baumstämme mit mannshohem Durchmesser auf die Säge. In der Luft liegt ein süßlicher Geruch, der an exotische Teemischungen erinnert. Jeder Stapel hat seine eigene Farbe – von hellem Gelb bis dunklem Rot.

Hier, im Osten Hamburgs, ist der Sitz der Firma Freudenberg. Direkt an der Bille gelegen, die neben Elbe und Alster einer der alten Wasserwege der Hansestadt ist. Vor gut hundert Jahren als Sägewerk gegründet, importiert das Unternehmen im Besitz von Stephan Bührich (50) Hartholz aus der ganzen Welt. Nicht ganz so alt ist der riesige Kran direkt am Flussufer. Doch auch dem sieht man an, dass er schon einiges erlebt hat; er ist ein Relikt aus den Zeiten, als die Stämme noch per Lastkahn vom Hafen hierher transportiert wurden. Jetzt kommt das Holz per LKW.

Ein Kran transportiert die Baumstämme© SelbermachenMit dem Kran müssen die tonnenschweren Stämme auf das Transportband der Blocksägen befördert werden. Sie befinden sich in der Halle dahinter.

Gerade wird ein Container mit zwei Gabelstaplern entladen. Eichenbretter aus den USA liegen eng in dem Stahlbehälter. Jeder Millimeter muss genutzt werden. Beim Herausziehen reibt das Holz an der Metallwand. Das schrille Quietschen ist nichts für schwache Nerven. Die beiden Mitarbeiter haben offensichtlich starke – und ein sicheres Augenmaß. Geübt koordinieren sie den Einsatz der Stapler, die mehrmals umgreifen müssen. Eine Präzisionsarbeit. Dann ist das erste Bündel endlich heraus und wird in die Lagerhalle gefahren.

Baumstämme© SelbermachenViel Erfahrung und der Blick des Kenners sind erforderlich, um Baumstämme mit einem Durchmesser von der Größe eines ausgewachsenen Mannes weiterzuverarbeiten.

Hinter den Lagerhallen befindet sich das Sägewerk. Nichts Ungewöhnliches für eine Holzhandlung, doch die Größe beeindruckt. Zwei riesige Blockbandsägen zerschneiden die mächtigen Baumstämme zu Brettern, die immer noch beachtliche Ausmaße haben. Auf dem Gelände finden sich Hölzer aus Deutschland und Europa. Die Handelsbeziehungen reichen jedoch bis in die USA, Russland und Asien. Ein kleines Imperium, das Stephan Bührich von seinem Vater übernahm. Und immer noch ein Familienunternehmen.

Natürlich sind auch Edelhölzer im Sortiment. Mahagoni, Teak und Ebenholz werden wie einst gehandelt und haben ihre Einsatzgebiete. Neben der Fertigung von Möbeln und Musikinstrumenten vor allem im Jachtbau. Ein Deck aus Teak schmeichelt nicht nur dem Skipper, sondern es bietet die nötige Beständigkeit.

Mit dem Fahrrad von A nach B© Selbermachen**Holz auf dem Weg

Anders als zu Gründungszeiten der Firma ist der Handel mit diesen Hölzern heute strengen Auflagen und Kontrollen unterworfen. Für Holzeinkäufer in Afrika und dem Fernen Osten gibt es aber noch andere Schwierigkeiten. Fehlende Infrastruktur und Malaria machen diesen Job auch heute noch eher für Abenteuerlustige attraktiv. Mathias Wagner ist so einer. 1978 begann er im Unternehmen eine Lehre zum Großund Einzelhandelskaufmann und reiste 1986 das erste Mal nach Ghana, um dort Rundholz anzukaufen. Mittlerweile ist er stellvertretender Betriebsleiter und als eine Art Mädchen für alles für den reibungslosen Ablauf der Arbeiten verantwortlich. Teamgeist wird hier groß geschrieben, Hierarchien sind eher unbedeutend. Da fährt der Manager auch schon mal den Gabelstapler.

Baumstamm zusägen© SelbermachenPräzise zerschneidet die Horizontalsäge den Stamm zu Brettern in der gewünschten Stärke. Trotz moderner Computersteuerung immer noch eine Arbeit für den erfahrenen Sägewerker.

Übrigens: Das Entladen der Container, in denen das Holz die Firma erreicht, erfordert nicht nur Fingerspitzengefühl. Etwas Mut ist beim Öffnen auch gefragt: Immer mal wieder befördern die Stahlkisten nicht nur Holz, sondern auch fremdartige Tiere. Erst vor kurzem entkroch eine Echse dem Container. Nach einer ersten Versorgung mit frischem Wasser konnte sie einem Terrarium übergeben werden.

Nach dem Entladen und einer Prüfung der Qualität werden die Stämme auf riesigen Blockbandsägen zugeschnitten. Bis zu einem Jahr müssen die Flachhölzer dann an der Luft vorsichtig vortrocknen. In dieser Phase sind Erfahrung und Geduld gefragt. Je nach Jahreszeit und Witterung ruht das Holz unter freiem Himmel oder geschützt unter einem Dach. Langsam und gleichmäßig muss die Feuchtigkeit entweichen. Erst danach kommen die Bretter in die Trockenkammer. Dort wird der Feuchtegehalt in ein bis sechs Wochen bei über 40º C auf etwa 10 % reduziert. Früher hat dieser Vorgang Jahre gedauert.

Holztreppe© Selbermachen**Prunkstück aus edlem Holz: Treppe im Verwaltungsgebäude mit dem Rest des Stammes im Rohzustand

Danach kann das Holz als vielseitiger Werkstoff zum Einsatz kommen (siehe auch: Holz richtig verarbeiten. Endabnehmer sind nicht nur die Industrie und der Holzfachhandel in Deutschland. Neben Skandinavien und Russland finden sich auch in den USA wichtige Kunden. „Viele produzierende Länder verkaufen ihr Holz lieber an uns als an die Amerikaner, denn wir haben einen weit besseren Ruf“, erzählt Wagner.

Qualitätskontrolle© SelbermachenUnd diesem Ruf fühlt man sich verpflichtet: „Wir achten streng darauf, dass nur Hölzer aus zertifizierter Forstwirtschaft aufgekauft werden“, so Kai Lucht, Geschäftsführer des Unternehmens.

Doch Holzhandel verlangt heute nicht nur Sachkunde und Erfahrung. Das richtige Verantwortungsbewusstsein gehört dazu. „Für uns ist beides eine Selbstverständlichkeit“, so Lucht, „schließlich soll Holz im wahrsten Sinne ein nachwachsender Rohstoff bleiben.“ Daher erfolgt das Zuschneiden und Trocknen auch in den Herkunftsländern und sichert vor Ort Arbeitsplätze. Aber ob roher Baumstamm oder trockenes Schnittholz – der Weg bleibt der gleiche und beginnt im Wald.

  1. Ware anliefernWare anliefern© Selbermachen

    Ware anliefern

    Als Flachholz wird mittlerweile das Gros der Ware angeliefert. Es erfordert Geschick und Übung, die 4 bis 5 m langen Gebinde aus dem Container zu entladen.
  2. Holz transportierenHolz transportieren© Selbermachen

    Holz transportieren

    Das Rangieren in der Lagerhalle ist ebenfalls kein leichtes Unterfangen.
  3. Holz säubernHolz säubern© Selbermachen

    Holz säubern

    Das Umstapeln der Hölzer erfolgt mit einer Maschine. Besser für den Rücken, aber immer noch zeitaufwendig. Schicht für Schicht entfernt man die kleinen Querhölzer, die nur dem Trocknen dienen, und säubert jedes einzelne Brett.
  4. Querhölzer entfernenQuerhölzer entfernen© Selbermachen

    Querhölzer entfernen

    Durch das Lagern ohne Querhölzer spart man rund 30 bis 40 Prozent Platz ein.
  5. Sägeblatt einsetzenSägeblatt einsetzen© Selbermachen

    Sägeblatt einsetzen

    Schwerstarbeit für Mensch und Material.
  6. Sägeblatt austauschenSägeblatt austauschen© Selbermachen

    Sägeblatt austauschen

    Schnell werden die riesigen Sägeblätter stumpf und müssen von den Mitarbeitern ausgetauscht werden.
  7. Querhölzer hinlegenQuerhölzer hinlegen© Selbermachen

    Querhölzer hinlegen

    Querhölzer kommen zwischen die frisch geschnittenen Bretter. Sie sorgen dafür, dass das Holz rundum gleichmäßig trocknet.

Heinrich Freudenberg GmbH Rote Brücke 6–15 | 22113 Hamburg | Telefon (0 40) 71 48 77-0 www.importholz.de

 

SELBER MACHEN 11/2006

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