Naturfarben | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin

Naturfarbenhersteller Auro

Naturfarben

Die Braunschweiger Firma Auro ist Deutschlands erste Adresse für Naturfarben und -lacke. In diesem Jahr wird sie 25 Jahre alt. Ein Blick hinter die Kulissen.

 
Farbe verrühren © Selbermachen
Farbe verrühren

Schon die Fassade des Werksgebäudes sieht irgendwie anders aus. Ein sattes und warmes Gelb hebt es aus dem kalten Beton- und Stahlgrau der Nachbarn im Industriegebiet von Weststadt bei Braunschweig hervor. Hier sitzt die Firma Auro, die sich in nunmehr 25 Jahren einen guten Namen gemacht hat als führender Hersteller von ökologischen Farben, Lacken, Ölen, Klebstoffen und Reinigungsmitteln. Wer aber nun riesige Hallen, rauchende Schlote und minutenweise abfahrende Sattelschlepper erwartet, liegt komplett falsch. Auro beschäftigt gerade mal 40 Mitarbeiter, die von hier aus nicht nur die gesamte Bundesrepublik, sondern fast die ganze Welt mit ihren Öko-Produkten versorgen. Riesige Lager braucht’s hier nicht – die Farben werden auf Bestellung gemischt, verpackt und verschickt, „just in time“ also.

Beliefert wird überwiegend der baubiologische Fachhandel, aber auch über einige wenige große Baumarktketten kann der Endverbraucher die Farben beziehen. Die Öko-Nische bei den Farben ist ein eher überschaubarer Markt: etwa 1,5 % aller in Deutschland hergestellten Farben und Lacke gelten als Naturfarben, zwei Drittel davon, also rund ein Prozent des Gesamtmarktes deckt Auro ab. Eine gehörige Portion Idealismus und Überzeugung sind bei der Vermarktung von ökologischen Anstrichmitteln ganz offensichtlich wichtiger als Gewinnstreben. Von der Umwandlung der einstigen GmbH in eine kleine AG durch Schenkungen der Eigentümerfamilie haben deshalb auch eher Naturschutzorganisationen profitiert.

Auro Naturfarben

  1. LaborLabor© Selbermachen

    Labor

    **Das Labor – Herzstück von Auro** Die farblichen Kundenwünsche werden bei Auro noch in Handarbeit umgesetzt. Ein biologisch-technischer Assistent mischt sie nicht nur an, er prüft auch immer gleich die Deckkraft.
  2. Farbe rührenFarbe rühren© Selbermachen

    Farbe rühren

    Hier wird noch von Hand gerührt: SELBER-MACHEN-Redakteur Ulrich Wolf darf in die Auro- Töpfe gucken.
  3. Hartwachsöl mischenHartwachsöl mischen© Selbermachen

    Hartwachsöl mischen

    Saubere Sachen Im großen Kessel werden verschiedene Öle, Bindemittel und Wachse zu einem Hartwachsöl für Möbel und Holzböden gemischt.
  4. Wachs entfernenWachs entfernen© Selbermachen

    Wachs entfernen

    Ein Auro-Mitarbeiter entfernt danach von Hand das an den Wänden klebende Wachs.
  5. Quali-TestQuali-Test© Selbermachen

    Quali-Test

    Alles in Handarbeit Die Auro-Farben werden sowohl während als auch nach der Produktion permanent auf Qualität getestet. Eine Mitarbeiterin überprüft im Labor die Dichte eines Reinigungsmittels, ...
  6. FarbkartenFarbkarten© Selbermachen

    Farbkarten

    ... der Marketingleiter Stefan Nolle begutachtet die bewitterten Farbkarten auf dem Werksdach. Bei Qualitätsabweichungen müssen die Rezepturen oder das Mischungsverhältnis der Bestandteile fein nachjustiert werden.
  7. Farbeimer befüllenFarbeimer befüllen© Selbermachen

    Farbeimer befüllen

    Eine der wenigen vollautomatischen Vorgänge bei AURO: Die Wandfarbe wird in die 20-l- Gebinde eingefüllt. Verschlossen werden sie aber wieder von Hand.
  8. BestandteileBestandteile© Selbermachen

    Bestandteile

    Rohstoffsammlung Eine kleine Auswahl der zumeist importierten Bestandteile kann man im Ausstellungsraum begutachten.

Bleibt die Frage, was sind eigentlich Naturfarben, wie sind sie genau definiert. Sogenannte „lösemittelfreie“ Farben hat mittlerweile jeder Hersteller im Progamm, hier meist weniger aus eigener Überzeugung, sondern weil’s die EU so will. „Bis zu 10 Volumenprozent darf ein Lack an Lösemitteln aufweisen, um trotzdem noch als ‚lösemittelfrei‘ zu gelten“, sagt Stefan Nolle, Auros Marketing- und Vertriebsleiter. „Auch wir verwenden für unsere Acryllacke noch Lösemittel in Form von Orangenöl, dessen Anteil am Gesamtprodukt liegt aber zwischen 3 und 7 Prozent!“ Für Stefan Nolle ist die Lösemittelfrage allerdings nicht das Hauptkriterium für eine ökologische Farbe. Entscheidend ist die bei Auro praktizierte konsequente Abkehr von der Petrochemie als Basis der Produkte. Bei den Braunschweigern kommen nämlich sämtliche Inhaltsstoffe der Anstrichmittel aus dem mineralischen oder pflanzlichen Bereich (etwa Naturharze) und sind somit natürlich nachwachsend. Alle Farbreste, ob aus der Dose oder später wieder von der Wand gekratzt, sind deswegen auch voll kompostierbar. Nicht genug damit: Auro wurde 2007 als weltweit erster Farbenhersteller durch die Climate Neutral Group als „CO2-neutrales Unternehmen“ zertifiziert.

Qualität ist alles

Bei so viel reinem Gewissen ist es klar, dass Auro die Inhaltsstoffe seiner Produkte auch deklariert, jeder Anwender weiß also genau, was er verstreicht. Neben der Klientel der Selbermacher wächst stetig auch die Kundschaft der Profis, denn im Zuge der allgemeinen Ökologisierung des Bauens kommt der Farben- und Beschichtungsauswahl eine immer größere Bedeutung zu. Die Produkte aus Braunschweig zeichnen sich nicht durch eine besonders ausgeklügelte Form der Herstellung aus, es ist allein die Rezeptur, die den Unterschied ausmacht. Auch die Auro-Farben bestehen im Groben, wie alle konventionellen Konkurrenten, aus den Bestandteilen Pigmente, Füllstoffe, Binde- und Lösemittel. Die dafür eingesetzten Rohstoffe sind absolut kein Geheimnis, auf der Internetseite des Unternehmens www.auro. de kann jeder Interessierte Einblick nehmen in die bunte Welt von Titandioxid, Hirschhornsalz, Kalk-Colophonium und Natur-Kautschukmilch.

Durch die „just in time“- Produktion sind die Mischanlagen im Auro- Werk nicht besonders üppig dimensioniert. Einen fast ebenso großen Raum und ebenso viele Arbeitskräfte nimmt die permanente Qualitätskontrolle der Farben, Lacke und Kleber ein. Auf dem zugänglichen Werksdach beispielsweise sind Hunderte von kleinen Farbmustern auf Holzbrettchen verstrichen und nach Süden ausgerichtet installiert, um deren Verhalten unter den hierzulande üblichen Witterungsbedingungen zu simulieren – natürlich auch das der konventionell arbeitenden Konkurrenz. Ein Jahr in dieser exponierten Position belastet die Farben in etwa so wie fünf Jahre an einer normalen Hausfassade. Hier zeigt sich dann relativ schnell, wer dem Schlagregen und der UV-Strahlung der Sonne standhält oder lieber abblättert und vor allem wann. Das Vorurteil „Die Ökofarben sind zwar gesund, aber minderwertig“ ist uralt und hartnäckig, aber nicht zuletzt von Auro selbst schon lange widerlegt. Das ist auf dem Werksdach eindrucksvoll und besser als in jeder Ausstellung zu erkennen.

. . . noch ’ne echte Innovation!

Seit September ist Auro der erste und einzige Farbenhersteller der Welt, der voll abtönbare Kalkfarben anbietet. Die Kalkfarben sind deshalb besonders interessant, weil sie durch ihren hohen, also alkalischen pH-Wert jedem Schimmel den Garaus machen respektive ihn gar nicht erst entstehen lassen. Bisher gab es die Kalkfarben nur in weiß, weil die Farbpigmente und die Alkalität nicht so recht zusammen wollten. Das hat das Team von Auro jetzt gelöst. Die besondere Beschaffenheit führt dazu, dass man Kalkfarben mit einer Schutzbrille verstreichen muss.

SELBER MACHEN 11/2009

Tags: 
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren