Selbermachen zu Besuch bei Remmers | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin

Lacke, Lasuren

Selbermachen zu Besuch bei Remmers

Licht und Wasser sind gut für die Natur. Doch für das Holz von Fenstern, Türen oder Zäunen sind sie die größte Gefahr. Immer spezialisiertere Lacke und Lasuren sollen das Holz schützen. Doch wer testet das? An welchen Kriterien kann man sich als Käufer orientieren? SELBERMACHEN war bei den Qualitätsexperten.

 
Test neuer Produkte © Selbermachen
Test neuer Produkte

Das Wetter wird in Löningen gemacht: Hinter der Tür des klobigen Apparates mit der Aufschrift „Weather-ometer“ wird es regelmäßig unangenehm: Mal herrscht tropische Hitze, dann wieder sibirische Kälte. Mal ist es feucht, dann trocken, dann gießt es in Strömen. Denn das „Weather-ometer“ ist eine Maschine, mit der sich die Einflüsse von Wind und Wetter in Zeitraffer reproduzieren lassen. Eigentlich wurde die Wettersimulation für die Automobilindustrie entwickelt; doch auch hier, in einem Labor des Lack- und Lasurenspezialisten Remmers im niedersächsischen Löningen, leistet es gute Dienste. Denn innen drin schmoren Präparate, an denen die Mixturen der kommenden Produktgenerationen ausprobiert werden. Im Raum nebenan geht es ähnlich hart zur Sache. In einem Thermoschrank entstehen Temperaturen zwischen –30° und +80° Celsius. Auch hier müssen sich die Lacke beweisen. Ebenso wie in einem weiteren unscheinbaren Apparat, in dem es nicht nur viel Feuchtigkeit, sondern auch eine Art Solarium gibt, das verschiedenen Holzpräparaten mit unbarmherziger UV-Strahlung zusetzt. Bis zu 8000 Stunden, also fast ein Jahr lang bleibt das Testmaterial in dem Schrank. „Das entspricht in etwa einer Beanspruchung von vier Jahren unter freiem Himmel“, erläutert Franz- Josef Holtmann-Niehues, der Laborleiter. Danach kann auch ein Laie den Unterschied zwischen unbehandeltem und versiegeltem Holz erkennen – das rohe Holz nämlich wurde in dieser Zeit fast vollständig zerstört. Der Zustand der lackierten Flächen hingegen variiert und gibt bereits die ersten Hinweise auf die Qualität des Lacks.

Der Blick in die Folterkammern der Firma Remmers beweist, dass es sich bei Lacken und Lasuren heute um Materialien handelt, die mit einem enormen Forschungsaufwand entwickelt und ständig verbessert werden. Auslöser für die Überarbeitung bestehender Holzschutzprodukte sind meist Innovationen in der Chemie. „Alle sechs bis sieben Jahre gibt es eine neue Generation von Rohstoffen“, schätzt Remmers- Werksleiter Hans-Jörg Schepers. Und jedes neue Ausgangsprodukt will auf seine Leistungsfähigkeit getestet sein. „Wenn unsere Lieferanten etwas Neues entwickelt haben, wird es von uns zunächst einmal auf Herz und Nieren gestestet“, ergänzt Holtmann- Niehues.

Am Ende kommt dann oft ein Produkt heraus, das über wesentlich bessere Eigenschaften verfügt als sein Vorgänger. Deshalb laufen in den Labors ständig verschiedene Testreihen parallel. Auch wenn es nur die wenigsten Mixturen zur Produktreife schaffen, der Erfolg der ständigen Weiterentwicklung ist auch für die Verbraucher spürbar. „Mit unseren Produkten muss der Gartenzaun nicht mehr jedes Jahr neu lackiert werden“, sagt Produkt-Manager Jürgen Dirkes voller Selbstbewusstsein. Den sichtbarsten Erfolg gibt es im Bereich industriell gefertigter Holzfenster- und türen. Hier ist Remmers einer der führenden Anbieter in Europa. Das heißt, wer heute beim Fachmann ein Holzfenster bestellt, hat gute Chancen, dass es mit Produkten des Löninger Familienunternehmens behandelt wurde. Ohne Konkurrenz in diesem Bereich ist die so genannte Systemgarantie: Für Holzfenster, die mit Remmers- Produkten beschichtet wurden, garantiert das Unternehmen, dass in den ersten zehn Jahren keine Sanierungsanstriche notwendig sind.

Vom Wetter gezeichnet

Davon kann ein Selbermacher im Renovierungsstress natürlich nur träumen. Doch auch hier ist der Unterschied zwischen Sonderangeboten vom Discounter und Markenprodukten in Jahren zu zählen. Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Forschung für den Holzschutz immer wichtiger wird: „Die Qualität der überall verwendeten Hölzer ist in der Vergangenheit schlechter geworden“, weiß Werksleiter Schepers. Auf Grund steigender Nachfrage und eines gleichbleibenden Angebots werden Bäume oftmals vor der Zeit gefällt oder nicht lange genug getrocknet. Das entstehende Qualitätsdefizit muss dann durch einen verbesserten Schutz ausgeglichen werden.

Doch woran erkennt man als Konsument eigentlich gute Holzschutzprodukte? Am Aussehen? Am Geruch? An den Ingredienzien? Gibt es ein Unterscheidungsmerkmal, an dem man sich orientieren kann? „Nein“, gesteht Jürgen Dirkes, Produktmanager der Firma, „den Unterschied sieht man erst in der Anwendung, also nach ein paar Jahren.“ Auch die Fachleute selbst können im Vornherein nicht sagen, welches Mittel die besten Ergebnisse erzielt. Selbst dann nicht, wenn sämtliche Tests im Labor durchlaufen sind. „Unser wichtigstes Labor ist der Bewitterungsstand“, gesteht Laborleiter Holtmann-Niehues.

Der Bewitterungsstand, das ist eine Fläche neben dem Firmenparkplatz, etwa halb so groß wie ein Fußballplatz und vollgepackt mit Brettern, Fensterrahmen, Bänken und Zaunelementen. Hier entscheidet sich, was eine neue Mischung wirklich taugt. „Die realen Auswirkungen von Sonne und Wetter kann kein Labortest ersetzen“, sagt Holtmann-Niehues.

Zwei Jahre bleibt jedes Stück hier draußen, in einem genau festgelegten Winkel auf die Sonne ausgerichtet, um wissenschaftliche Exaktheit und Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu garantieren. Zwei Jahre deshalb, damit nicht ein besonders trockenes oder verregnetes Jahr das Testergebnis verfälscht. Erst was sich hier bewährt, wird – nach einer Entwicklungs- und Testzeit von etwa drei Jahren – zu einem neuen Produkt im Verkaufsregal. Aber so viel ist sicher: Schon dann suchen sie im Remmerslabor bereits wieder nach einer besseren Lösung.

Besuch bei Remmers

  1. Leitung von RemmersLeitung von Remmers© Selbermachen

    Leitung von Remmers

    **Die Drei von der Lack-Stelle:** Werksleiter Hans-Jörg Schepers (l.), Laborleiter Franz-Josef Holtmann-Niehues (Mitte) und der Produktmanager für Holzschutz Jürgen Dirkes
  2. Ungeschütztes HolzUngeschütztes Holz© Selbermachen

    Ungeschütztes Holz

    **Falsch gespart** Ungeschützt der Witterung ausgesetzt erreicht ein Stück Holz bereits nach zwei oder drei Jahren das Stadium der irreparablen Zerstörung
  3. BewitterungsstandBewitterungsstand© Selbermachen

    Bewitterungsstand

    **Die Nagelprobe:** Auf dem so genannten Bewitterungsstand werden neue Produkte zwei Jahre lang den Naturgewalten ausgesetzt. Erst nach diesem finalen Test lässt sich die Qualität abschließend beurteilen.
  4. Gartentauglichkeits-TestGartentauglichkeits-Test© Selbermachen

    Gartentauglichkeits-Test

    **Test am Objekt** Auf dem Bewitterungsstand werden nicht nur kleine Testtäfelchen geprüft. Flechtwände und Zaunelemente zeugen davon, dass Holzschutzprodukte auch immer direkt am (Garten-)Objekt ihre Tauglichkeit beweisen müssen.
  5. Geschäftsführer Dirk SieverdingGeschäftsführer Dirk Sieverding© Selbermachen

    Geschäftsführer Dirk Sieverding

    **Engagement** „Neben dem Holzschutz sind wir besonders Spezialist für Bauwerksabdichtungen, Fassadenschutz und Baudenkmalpflege“, sagt Dirk Sieverding, Remmers Geschäftsführer und Enkel des Firmengründers.
  6. Klima SimulatorKlima Simulator© Selbermachen

    Klima Simulator

    **Klima-Simulator:** Im Weather-ometer lassen sich unterschiedlichste Wetterbedingungen simulieren. Hier erhalten die Entwickler erste Anhaltspunkte dafür, wie sich neue Lacke unter freiem Himmel verhalten werden.
  7. SchnellbewitterungSchnellbewitterung© Selbermachen

    Schnellbewitterung

    **Genug Lichtschutzfaktor?** Genug Schutz vor Nässe? Im Remmers-Labor kommt es zur Nagelprobe: Wie übersteht ein Bindemittel den Stress von 2000 Stunden „Schnellbewitterung“ im Simulator? Ein zweiter Test misst die Zeit bis zur vollständigen Zerstörung des Musters.
  8. Rückstell-MusterRückstell-Muster© Selbermachen

    Rückstell-Muster

    **Eine Farbe fürs Leben** Von allen Farben, die Remmers anmischt, werden für einen langen Zeitraum so genannte Rückstell- Muster aufbewahrt. Das genaue Rezept wird elektronisch gespeichert. So ist sichergestellt, dass Kunden auch nach Jahren „ihre“ Farbe wiederbekommen.
  9. Flexibilitäts-TestFlexibilitäts-Test© Selbermachen

    Flexibilitäts-Test

    **Um die Flexibilität** eines Anstrichs zu ergründen, werden diese Holzstäbchen zehnmal nacheinander den gleichen Bedingungen ausgesetzt: 24 Stunden bei Raumtemperatur, 24 Stunden im Gefrierschrank und 24 Stunden unter Wasser.
  10. PrüfenPrüfen© Selbermachen

    Prüfen

    **Immer wieder testen, testen...** Auch aus der laufenden Produktion werden ständig Chargen entnommen und geprüft: Verlauf, Entschäumung, Stellvermögen beim Sprühen?
  11. Farbe einfüllenFarbe einfüllen© Selbermachen

    Farbe einfüllen

    **Stimmt das Rot?** Individuell hergestellte Farbmischungen sind ein besonderer Service, der von Profis wie Laien in Anspruch genommen wird.
  12. KontrastkarteKontrastkarte© Selbermachen

    Kontrastkarte

    Zum Testprogramm jeder Sonderfarbe gehört der Aufzug auf Kontrastkarten, der bereits Auskunft gibt über das Deckverhalten. Die Aufzüge dienen auch dazu, die Farbgenauigkeit zu prüfen.
  13. Aufgetragene FarbeAufgetragene Farbe© Selbermachen

    Aufgetragene Farbe

    Dafür gibt es im Labor eine Reihe von Scannern, die sich ständig gegenseitig und zusätzlich über das Internet mit Referenzstellen in den USA kalibirieren.
  14. Farbe abziehenFarbe abziehen© Selbermachen

    Farbe abziehen

    Nur so kann der gewünschte Farbton absolut exakt getroffen werden.

Remmers Baustofftechnik GmbH

Bernhard-Remmers-Straße 13 49624 Löningen

Telefon (0 5432) 83-0 www.remmers.de

Artikel aus selber machen Ausgabe 07/2010. Jetzt abonnieren!
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