Barrierefrei: Bodengleiche Schwelle einbauen
Keine Stolperfallen

Barrierefrei wohnen: Bodentiefe Schwellen

Der Schritt auf den Balkon oder die Terrasse war seit jeher ein großer. Dort eine bodentiefe Schwelle zu schaffen, erfordert eine gute Planung und die Kenntnis vieler Faktoren. Wir erklären, wie Sie beim Einbau vorgehen.

 
Bodengleiche Schwelle © ACO Hochbau
Eine bodengleiche Schwelle sorgt für Barrierefreiheit

Wer von barrierefreien Terrassen- oder Balkontüren spricht, hat nicht mehr nur Rollstuhlfahrer oder Personen mit Rollatoren vor Augen. Längst gehören die niveaugleichen Schwellen dieser Türen zum üblichen Komfort hochwertiger Neubauten. Auch in Bestandsbauten können sie meist nachträglich installiert werden. Aber: Der Einbau ist in der Regel nicht mit Standardverfahren oder Standard-Bauteilen zu bewerkstelligen wie beispielsweise beim Austausch eines genormten Fensters.

Jeder Umbau zur schwellenlosen Tür ist im Prinzip eine Sonderanfertigung, die von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Das beginnt mit der Himmelsrichtung und geht über die Bodenbelagsbeschaffenheit bis zum Gefälle der außen liegenden Fläche. „Terrassentüren ohne Schwellen zählen zu den riskantesten Details an Gebäuden“, sagt Ralph Johann, Geschäftsführer von Gutjahr, einem Spezialisten für Drainagen im und am Außenbereich.

Doppeltür zur Terrasse mit klassischer „Stolperfalle“, einer 50-mm-Schwelle.

In einer Sachverständigenbefragung, die vor wenigen Jahren im Rahmen einer Forschungsarbeit durchgeführt wurde, waren unzureichende Abdichtungen an den Schwellen und an den Laibungen die häufigsten Schadensursachen, sodass Wasser dort hinterläufig eindringen konnte. Mangelnde oder fehlerhafte Entwässerung in der Konstruktion selbst, fehlende Gitterroste und/oder mangelndes Gefälle im Außenbereich folgten bei der Auflistung der Schadensursachen.

Barrierefrei Wohnen: Planung und Förderung

Folglich sollte man sich für die Planung und Umsetzung an Handwerker wenden, die erwiesenermaßen Erfahrung mit solchen Umbauten und deren Normen haben. Je nach Aufwand stößt man bei den Kosten leicht in den fünfstelligen Bereich vor.

Die staatliche KfW-Bank fördert darum zahlreiche Umbaumaßnahmen. Wichtig hierbei: Sie müssen die Förderung beantragen und bewilligen lassen, bevor die Arbeiten begonnen haben!

Barrierefreiheit: Ehemals widersprüchliche Normen

Eine Öffnung in der Außenwand bis zum wasserführenden Bodenniveau verlaufen zu lassen, widerspricht den prinzipiellen Grundsätzen beim Bauen. Folglich standen jahrelang schwellenlose Türen mit den geltenden Vorschriften im Widerspruch.

Seit vergangenem Jahr befasst sich unter anderem die DIN 18040-2 mit der Barrierefreiheit im privaten Bauwesen. Darin wird grundsätzlich unterschieden zwischen dem „barrierefreien Umbau“ und dem „barrierefreien Umbau für Rollstuhlfahrer“. Die Normen beinhalten bauliche Mindestausführungen und Maße, aber nichts darüber, wie eine Abdichtung oder Drainage im Einzelnen erfolgen soll.


Gut zu erkennen sind die zwei schwarzen magnetischen Dichtungsstreifen. Davor liegt eine Aluplatte mit Gefälle, die zum Drainage-Rost entwässert.

Bodengleiche Schwelle einbauen: Ableitung des Regenwassers

Während die Wärmedämmung bodentiefer Türen keine Probleme bereitet, helfen gegen Feuchtigkeit nur klug kombinierte Maßnahmen. Die Gefahr durch Regenwasser ist die größte Barriere, die einem gelungenen Umbau im Weg steht. Darum sollten Sie alles tun, um Wasser von der Schwelle fernzuhalten. Und wenn es bis dorthin fließt, muss es schnell und sauber abgeleitet werden.

Vor dem Umbau geschieht die Aufnahme des Ist-Zustands: Je mehr schlechte Voraussetzungen gegeben sind, desto mehr bauliche Veränderungen müssen dagegen erfolgen.

Diese Faktoren sollten Sie beim Einbau einer bodengleichen Schwelle beachten:

  • Bodenbelag: Wie sieht der Innenbelag aus? Ist es Holz oder Laminat (schlecht, weil extrem feuchtigkeitsempfindlich) oder liegt innen ein wasserresistenter Belag wie Steinzeug (gut)?
  • Lage: Liegt die Tür ungeschützt nach Norden oder Nordwesten (schlecht, weil Wetterseite) oder, unter einem kleinen Vordach verborgen, in Richtung Süden (sehr gut)?
  • Höhenunterschied: Verläuft die Außenbelagsoberkante unter der bisherigen Schwelle (gut) oder dem Innenbelag (schlecht)?

Zur Aufwandsminimierung muss man sich in der Regel am Innenniveau orientieren und den Außenbereich passend angleichen. Hierbei ist das Gefälle der Außenfläche entscheidend, das mindestens zwei Prozent betragen sollte. Abschließend wird der Schwellenbereich von einem Gitterrost geschützt und das Wasser sofort in eine Drainage abgeleitet – vorausgesetzt, die erforderliche Konstruktionshöhe kann außenseitig geschaffen werden.

Welche der einzelnen Maßnahmen, bis hin zum sehr effizienten Vordach, vor Ort umgesetzt werden müssen, kann nur der Fachmann im Einzelfall entscheiden. Ein Grundsatz gilt jedoch immer: Selbst die beste Abdichtung kann für sich allein die Dichtigkeit an der Schwelle nicht dauerhaft gewährleisten.

Lesen Sie hier weiter: Bodengleiche Dusche - was beim Einbau zu beachten ist.

Malte Betz
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