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Selbermacher treffen sich nicht nur im Baumarkt: Am Wochenende kann man viele von ihnen auch in der chirugischen Ambulanz antreffen, denn manche Renovieraktion endet vorzeitig im Krankenbett. Rund 300 000 Heimwerkerunfälle verzeichnet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund jährlich: Offene Wunden, Knochenbrüche und Prellungen sind die häufigsten Verletzungen.

 
Sicherer Stand auf der Leiter ist wichtig © Selbermachen
Sicherer Stand auf der Leiter ist wichtig

Zwei Unfallursachen sind es, die Heimwerker regelmäßig zur Strecke bringen: Konzentrationsmangel und Überforderung. Gerade am Feierabend – nach einem stressigen Berufstag und unter dem selbst hergestellten Druck, schnell fertig werden zu wollen – mehren sich Unachtsamkeiten: Auf die eine oder andere Sicherheitsvorkehrung wird rasch verzichtet, die Bedienungsanleitung nur überflogen oder die Zange mal eben als Hammerersatz verwendet – schon ist es passiert.

Besser ist es, am Freitag die Mini-Baustelle gründlich vorzubereiten und dann am Samstag mit frischer Kraft zuzupacken; genügend Pausen einzuplanen, um Überforderung zu vermeiden; rechtzeitig einseitige Körperbelastung abzubauen, viel (Nicht-Alkoholisches) zu trinken und den Mut zu haben, auch mal Rat und Hilfe bei routinierten Nachbarn oder Bekannten zu holen.

Der sichere Stand . . . auf der Leiter

Lampe anbringen© SelbermachenEtwa jeder fünfte Heimwerkerunfall ist ein Sturz aus der Höhe, zum Beispiel von einer Leiter beim Bohren oder Malern. Gerätemängel sind auch für den Laien leicht vermeidbar: Im Innenraum sind Stehleitern mit rutschfesten Leiterfüßen aus Gummi oder Plastik, breiten Tritten mit rutschfester Riffelung, einer Spreizsicherung und im Idealfall Sicherheitsbügeln gefragt. Das GS-Siegel steht für „Geprüfte Sicherheit“. Nur: Mit dem Kauf allein ist es nicht getan. Sind die Standflächen der Füße beschädigt, haben die Sprossen Spiel, sind die Trittflächen von Lackklecksen übersät, sind im Aluminium Einbeulungen oder im Holz Risse zu sehen, so ist die Standsicherheit nicht mehr garantiert.

Malern© SelbermachenDie meisten Leiterunfälle werden durch unsachgemäße Nutzung verursacht: Wer Alkohol oder das Bewusstsein einschränkende Medikamente eingenommen hat, wer sich unwohl fühlt oder Schwindelgefühle hat, bleibt besser auf dem Boden. Ansonsten gilt: Der Standort muss eben und fest sein. Für den Nutzer ist festes Schuhwerk mit Profilsohle auch in Innenräumen ein Muss.

Statt waghalsigem Balancieren heißt es: Lieber die Leiter einmal mehr umsetzen. Eine Hand sollte immer zum Festhalten frei sein. Deshalb gehören Farbdosen an einen Haken, Werkzeug in Kitteltaschen, Weste oder Transportbehälter. Langes Überkopfarbeiten – vor allem mit schwerem elektrischem Gerät – sollte vermieden werden. Kabel sollten stets an der Leiter entlang und nicht über die Tritte oder die Standfläche geführt werden.

. . . und auf dem Boden

Auch auf dem Fußboden werden Kabel schnell zur Stolperfalle. Die beste Steckdose ist die nächste. Bei länger dauernden Arbeiten ist es sinnvoll, ein Kabel mit kräftigem Klebeband über die ganze Länge auf den Boden zu kleben. Unbenutzte Verlängerungskabel werden am besten gleich aufgerollt – das verhindert auch Beschädigungen.

Eine gute Alternative sind Akku-Geräte. Je weniger im Raum herumliegt, um so besser. Und: Je weniger Einzelteile gesucht werden müssen, um so besser. Am besten wird eine Werkzeug- und Materialecke eingerichtet, auf der vor Arbeitsbeginn alles Notwendige bereitgelegt wird. Um Rutschgefahr auf dem Fußboden zu vermeiden, ist es wichtig, Verschmutzungen wie Farbkleckse oder Schutt und Verpackungen schnell zu beseitigen. Schützende Malerfolie sichert man mit Klebebändern gegen Verrutschen.

Sicherer Umgang mit Strom und Elektrogeräten

Kabel durchsägen© SelbermachenVoraussetzung für sicheres Sägen, Schleifen und Bohren sind Geräte mit Markenqualität und entsprechenden Prüfzeichen wie der CE-Kennzeichnung, dem GS-, dem TÜV- oder dem VDE-Siegel. Sie sollten regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf nur vom Fachmann repariert werden! Beschädigte Stromkabel werden nicht von Amateuren repariert oder geflickt. Bedienungsanleitung und Sicherheitshinweise des Herstellers lesen und berücksichtigen, denn das reduziert das Unfallrisiko erheblich. Noch einmal und in aller Klarheit: Die Bedienungsanleitung eines jeden Werkzeugs ist Pflichtlektüre – und zwar vor dem ersten Einsatz!

Halten Sie die Hände fern von sich bewegenden oder schneidenden Maschinenteilen! Legen Sie niemals Elektrowerkzeuge ab, während diese noch laufen! Beim Ende der Arbeiten müssen der Ausschalter betätigt und der Netzstecker gezogen werden. Außerdem sollte auf lockere Bekleidung verzichtet und eine lange Haarpracht gebändigt werden, so dass sie nicht in laufende Maschinen geraten können.

Bei Sägen sind Schutzhauben unverzichtbar

Hand GefahrenzoneBeim Arbeiten mit der Tischkreissäge sind Längs- und Queranschlag und bei Arbeiten mit der Stichsäge oder Oberfräse eine Führungsschiene wichtige Hilfseinrichtungen. Kleinteile sollten immer eingespannt sein. So sind die Hände nicht in der unmittelbaren Gefahrenzone der Maschine.

Sicherheitshalber sollte die Heimwerkstatt mit einem Fehlerstrom- Schutzsschalter (auch: FI-Schutzschalter oder RCD genannt) ausgestattet sein: Er schaltet schon bei geringen Fehlerströmen den Strom in Sekundenbruchteilen ab. FI-Schutzschalter können im Sicherungskasten (nur vom Profi) oder an einer einzelnen Steckdose auch nachträglich installiert werden.

Augen auf beim Werkzeugkauf

Gutes Werkzeug ist an der Verarbeitung erkennbar: So sind die Nähte entgratet, also kaum fühlbar. Hammerköpfe und Schraubenzieher sitzen fest auf ihrem Stil, Zangen lassen keinen „Lichtblick“. Gehärtetes Material aus Stahllegierungen mit Chrom-Vanadium, Molybdän oder Wolfram verbiegt auch bei hohem Druck nicht.

Vorsicht, Feuergefahr!

Für ölgetränkte Lappen ist die Werkstatt kein Aufbewahrungsort. Sie können sich selbst entzünden. Dasselbe gilt für herumliegende Sägespäne und Sägemehl. Entflammbare Chemikalien wie Lacke, Lasuren oder Lösungsmittel sollten an einem kühlen, belüfteten und feuersicheren Ort gelagert werden. Zur Sicherheit sollte ein Rauchmelder installiert sein.

Schutzausrüstung im Überblick

Schutzbrille: immer, wenn kleinste Partikel wie Staub oder Mörtelbröckchen sowie Funken, Flüssigkeiten oder Dämpfe ins Auge geraten könnten. Übrigens: Ein Augenschutz ist heute bei praktisch allen Gartenarbeiten mit Motorgeräten vorgeschrieben.

Arbeitsschutzhandschuhe: bei Arbeiten mit Chemikalien, geringen mechanischen Gefahren und Arbeiten über 50°C. Einweg-Atemschutzmasken: immer, wenn Feinstaub entsteht oder mit wässrigen Aerosolen gearbeitet wird. Gehörschutz (Kapsel oder Stöpsel): bei einem Schallpegel von mehr als 85 Dezibel. Schnittschutz-Hose und -Stiefel, Handschuhe, Gesichtsschutz: beim Arbeiten mit Kettensägen, egal, ob elektrisch oder mit Verbrennungsmotor.

Für den Fall der Fälle

. . . sollten sowohl Feuerlöscher als auch Verbandskasten schnell greifbar sein. Beide verlangen ein Mindestmaß an Wartung: Gebrauchte Feuerlöscher müssen ersetzt, unbenutzte regelmäßig geprüft werden. Bei Verbandskästen gilt es, Ablaufdaten zu kontrollieren. Der letzte Erste-Hilfe-Kurs ist im Zweifelsfall schon eine Weile her.

Praktisch ist deshalb ein Kurzprogramm „Erste Hilfe“ auf einem DIN-A 4-Blatt, das neben dem Telefon oder im Medikamentenschrank deponiert wird. Und klären Sie den medizinischen Notruf an Ihrem Wohnort und notieren Sie ihn deutlich sichtbar, denn nicht überall im Bundesgebiet erreichen Sie unter der „112“ auch die Rettungsleitstelle.

Wenn der Nachbar hilft . . .

Hilfe beim Heimwerken© SelbermachenViele Renovierungen werden mit tatkräftiger, unentgeltlicher Hilfe von Freunden oder Verwandten bestritten. Nur: Wenn der Helfer von der Leiter stürzt oder sich in den Arm sägt, ist es mit der Freundschaft oft schnell vorbei. Hier gilt es, Vorsorge zu treffen.

Bei privaten Bauarbeiten, also Tätigkeiten, die typischerweise von einer Firma des Bauhauptgewerbes ausgeführt werden, sind freiwillige Helfer dank staatlicher Vorsorge automatisch in einer der sieben Bauberufsgenossenschaften mitversichert. Im Ernstfall übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung die Kosten für Behandlung, berufliche Wiedereingliederung oder auch Pflegebedürftigkeit. Gratis gibt es das jedoch nicht: Der Bauherr ist verpflichtet, seine freiwilligen Helfer abzusichern. Innerhalb einer Woche nach Baubeginn muss er die zuständige Berufsgenossenschaft über den Einsatz und den geplanten Stundenumfang der Helfer informieren. Pro Helferstunde – unabhängig von der Zahl der Helfer – werden dann je nach Region durchschnittlich 1,50 bis 2 Euro fällig.

Vergisst der Bauherr die Meldung oder unterlässt er sie, in der Hoffnung ohne Beiträge davon zu kommen, so sind die Helfer trotzdem versichert. Der Bauherr riskiert jedoch ein Bußgeld von bis 2500 Euro oder gar Regressverfahren wegen grober Fahrlässigkeit. Es gibt zwar auch private Unfallversicherungen für Bauhelfer. Diese sind jedoch teuer und entbinden den Bauherrn nicht von der Melde- und Beitragspflicht bei der Bauberufsgenossenschaft. Von diesem Verfahren gibt es zwei Ausnahmen. Erstens: Wer mit öffentlichen Fördermitteln Wohnraum baut und bereits zu Baubeginn eine Förderzusage hat, muss für Bauhelfer nichts in die gesetzliche Unfallversicherung einzahlen. Er beantragt bei der zuständigen Unfallkasse kostenlosen Versicherungsschutz für seine Helfer. Zweitens: Wenn der oder die Helfer insgesamt weniger als 40 Stunden bei der Renovierung oder auf dem Bau tätig waren, entfällt die Beitragspflicht ebenfalls.

Werden die Helfer nicht bei Bauarbeiten, sondern bei Renovierungs- und Reparaturarbeiten, also Tapezieren oder Türenabschleifen, beschäftigt, so ist nicht die Bauberufsgenossenschaft, sondern die Gemeindeunfallversicherung zuständig. Der Bauherr meldet an sie, welche Arbeiten er plant und wie viele Helfer er beschäftigen möchte. Pro Helfer und Jahr muss er dann durchschnittlich 40 Euro zahlen.

Die Differenzierung zwischen Bauarbeit und Renovierungsarbeit ist nicht immer ganz einfach. Im Zweifelsfall heißt es: Besser frühzeitig nachfragen.

Artikel aus selber machen Ausgabe 03/2011. Jetzt abonnieren!
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