Ein Tag mit den Schornsteinfegern | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin

Schornsteinfeger

Ein Tag mit den Schornsteinfegern

Schornsteinfeger steigen allen Bürgern regelmäßig aufs Dach. Ihr Erscheinungsbild hat sich über die Jahre kaum verändert, ihr Berufsbild allerdings schon. Wir haben Dächer erklommen und sind in Keller hinabgestiegen, um mehr zu erfahren.

 
Schornsteinfeger bei der Arbeit © Selbermachen
Schornsteinfeger bei der Arbeit

Wahrlich „zünftig“ schaut Carsten Puck (großes Foto links) aus, wenn er auf seiner Kehrrunde unterwegs ist. Gülden glänzen die Knöpfe seines schwarzen Doppelreihers sowie die Gürtelschnalle, der Zylinder sitzt korrekt und über der Schulter trägt er die unvermeidliche Kehrleine samt Kugel, Kette und Besen. Sie versenkt er nach der Sichtprüfung droben auf dem Dachfirst im Schlot, um Hindernisse und Ruß zu entfernen.

Glücksbringer

Früher führten defekte Schornsteine oder Feuerstätten häufig zu verheerenden Bränden, Rauchgasvergiftungen oder machten zumindest Heizen und Kochen unmöglich. Da leuchtet es ein, dass der Schornsteinfeger seit alters her als Glücksbringer gilt: Wenn er nach dem Rechten sah, konnten die Kälte vertrieben und Essen gekocht werden.

Einen so direkten Zusammenhang sehen die meisten Bürger heute nicht mehr, sie haben eher die kostenverursachende Seite im Auge. „Aus Sicht vieler Kunden kommt und geht der Schornsteinfeger, und die Dinge sind hinterher so wie vorher“, meint der Hamburger Bezirksschornsteinfegermeister Rüdiger Schmidt (Foto nächste Seite). Seit Jahrzehnten nehmen er und seine Berufskollegen gegen behördlich festgelegte Gebühren öffentliche Aufgaben als beliehene Unternehmer wahr. „Dazu gehört die flächendeckende Prüfung aller Feuerungsanlagen zum Schutz der Bevölkerung“, erläutert Schmidt. Die Prüfungs-, Kehr- und Messintervalle sind klar geregelt und abhängig von der Befeuerung durch Festbrennstoffe (Kohle, Scheitholz, Pellets), Öl oder Gas.

Kehrgang

Wenn sein Mitarbeiter Carsten Puck morgens um 7 Uhr den ersten Kunden besucht, folgen in dem Bezirk mit überwiegend Einfamilienhäusern in der Regel 12 bis 15 weitere Kehr- und Messtermine. Früher wurde im Winter gemessen und im Sommer gekehrt. „Heute geht durch die Terminabsprachen viel Zeit weg. Deswegen wird gemacht, was möglich ist, eben auch alles zusammen. Man versucht, es dem Kunden so angenehm wie möglich zu machen“, fasst Puck zusammen. Es kam vor, dass ein Rentner die Schlüssel der ganzen Straße hatte und den Kaminkehrer durch alle Häuser begleitete. „So was gibt es nicht mehr“, bedauert Puck. Doch im nächsten Moment fügt er mit leuchtenden Augen an: „Gelegentlich erlebt man noch Überraschungen. Als mir ein Hausbesitzer auftrug, durch die offengelassene Heizkellertür ins Haus zu gehen, fand ich dort Kaffee und Kekse vor.“

Neuerungen

Den Komfort einer absehbaren (Berufs-) Situation haben Schornsteinfeger seit 1935 genossen. Rüdiger Schmidt beschreibt: „Nach der Meisterprüfung wartete man auf einen freien Kehrbezirk, und den hatte man dann lebenslang.“ Jetzt allerdings ergeht es ihnen wie vielen anderen Berufsgruppen, wegen EU-rechtlicher Vorgaben findet eine Liberalisierung statt. Seit Ende 2008 und derzeit noch mit einer Übergangsfrist gilt die gesetzliche Neuregelung des Schornsteinfegerwesens – mit eingeschränktem hoheitlichen Bereich und mehr Wettbewerb. Für Eigentümer bestehen zwar alle Kehr- und Prüfungspflichten weiter, aber mit vielen Arbeiten kann jeder beauftragt werden, der in das Schornsteinfegerregister eingetragen ist. Es muss also nicht mehr zwingend der Bezirksschornsteinfeger sein. Den gibt es weiterhin, aber (frei gewordene) Kehrbezirke, für die ein Bewerbungsverfahren gilt, werden nur noch für sieben Jahre vergeben.

Weil Betriebs- und Brandsicherheit sowie Umwelt- und Klimaschutz mit dem Ziel der Energieeinsparung wichtige Allgemeininteressen sind, verbleiben dem bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger hoheitliche Aufgaben, deren Gebühren festgelegt sind. Zugleich fällt das Nebentätigkeitsverbot, so dass sich neue Tätigkeitsfelder bieten beziehungsweise erobert werden müssen – auch außerhalb des eigenen Kehrbezirks.

Vielfältige Herausforderungen

Ihre erweiterten Aufgaben sehen viele Schornsteinfeger vornehmlich bei der Energieberatung. So verbinden sie Heizungschecks mit konkreten Empfehlungen. „Selbst eine effektive Heizung lässt sich durch den Einbau einer stromsparenden Pumpe noch optimieren“, weiß Rüdiger Schmidt, der unter anderem eine regelrechte Baubegleitung unter dem Aspekt „Energieeinsparung“ anbietet und dabei auch die Handwerkerarbeiten prüft. Zum Alltagsgeschäft gehören bereits: der Einbau von Rauchwarnmeldern oder der Anschluss eines Kaminofens.

In ganz anderer Sache ist Rüdiger Schmidt an einem kalten Wintertag unterwegs. Mit seinem Kollegen, dem Bezirksschornsteinfegermeister Jörg Dohrmann, montiert er einen Stülpkopf. Ein Rahmengestell aus Aluminiumstreben wird dem Schornstein übergestülpt und mit Faserzementplatten verkleidet. Die Konstruktion ist nach allen Seiten hinterlüftet, da lediglich durch Stellschrauben fixiert, und jederzeit – beispielsweise für Dacharbeiten – abnehmbar. „Der Stülpkopf ist witterungs- und frostbeständig, nicht brennbar und außerdem wartungsarm. Eine solche Abdichtung bedeutet, dass man nie mehr an den Kopf ran muss“, merkt Schmidt an.

Trotz des geänderten Berufsbildes, die schwarze Arbeitskluft wird wohl noch lange das Markenzeichen der Schornsteinfeger bleiben.

Ein Tag mit den Schornsteinfegern

  1. Abgaswerte und Raumhöhe messenAbgaswerte und Raumhöhe messen© Selbermachen

    Abgaswerte und Raumhöhe messen

    Exakte Abgaswerte ermittelt das Messgerät und der Zylinder „misst“ die Raumhöhe des Kellers.
  2. Rußgehalt ermittelnRußgehalt ermitteln© Selbermachen

    Rußgehalt ermitteln

    Den Rußgehalt der Abgase von Ölheizungen verrät das Plättchen aus der Rußpumpe.
  3. Genaue Rußzahl bestimmenGenaue Rußzahl bestimmen© Selbermachen

    Genaue Rußzahl bestimmen

    Die genaue Rußzahl wird anhand der Vergleichsskala bestimmt.
  4. RevisionsklappeRevisionsklappe© Selbermachen

    Revisionsklappe

    Die Revisionsklappe am Fuße des Schornsteins gibt das Kehrergebnis frei.
  5. Schornsteinfeger-BürsteSchornsteinfeger-Bürste© Selbermachen

    Schornsteinfeger-Bürste

    Gekehrt wird nicht nur der Schornstein, sondern auch der Schornsteinfeger – zum Beispiel wenn das Leeren des Rußsacks allzu viel „Staub“ aufgewirbelt hat .
  6. Sanierungsfall SchornsteinSanierungsfall Schornstein© Selbermachen

    Sanierungsfall Schornstein

    Witterungseinflüsse haben den Schornstein zum Sanierungsfall gemacht.
  7. Beförderung des BaumaterialsBeförderung des Baumaterials© Selbermachen

    Beförderung des Baumaterials

    Mit einem kühnen Ritt auf dem Dachfirst zieht Jörg Dohrmann Baumaterial nach oben.
  8. Schieferplatten anbringenSchieferplatten anbringen© Selbermachen

    Schieferplatten anbringen

    Beim Anbringen der Platten in Schieferoptik ist ein fester Stand gefragt:
  9. Abdeckung aus EdelstahlAbdeckung aus Edelstahl© Selbermachen

    Abdeckung aus Edelstahl

    Die Abdeckung aus Edelstahl schließt den Stülpkopf nach oben.
  10. Schornstein mit zwei AbzügenSchornstein mit zwei Abzügen© Selbermachen

    Schornstein mit zwei Abzügen

    Zwei Abzüge weisen darauf hin, dass am Schornstein sowohl eine Gas-Brennwertheizung als auch ein Kamin hängt. Der verlängerte Kaminschlot verhindert, dass die Heizung Kaminabgase anzieht.
  11. Alu-RahmengestellAlu-Rahmengestell© Selbermachen

    Alu-Rahmengestell

    Das Alu- Rahmengestell fügt sich passgenau über den Schornstein.

Neue Gesetzeslage für Schornsteinfeger und die Folgen für die Verbraucher

Im November 2008 ist ein Gesetz zur Neuregelung des Schornsteinfegerwesens in Kraft getreten; Deutschland ist damit europarechtlichen Vorgaben nachgekommen. Die wesentliche Neuerung für Handwerk und Verbraucher ist die Öffnung vieler Schornsteinfegerarbeiten für den Wettbewerb. Die Verbraucher sind künftig nicht mehr ausschließlich an den Bezirksschornsteinfegermeister gebunden, und durch die Aufhebung des Nebentätigkeitsverbots sind die Schornsteinfeger nicht mehr nur auf ihre klassischen Aufgaben beschränkt. Ein Übergangszeitraum ermöglicht den Betrieben, ihr Angebot und ihre Strukturen anzupassen. Die neuen Bestimmungen werden schrittweise bis 2013 umgesetzt.

Für die Verbraucher bedeutet das:

• Fristgerechtes Kehren, Prüfen, Messen Auch zukünftig sind Haus- und Wohnungseigentümer verpflichtet, ihre Heizanlagen fristgerecht kehren und überprüfen sowie vorgeschriebene Messungen durchführen zu lassen. Allerdings nimmt das neue Recht die Eigentümer stärker in die Verantwortung und verlangt, dass sie die vorgeschriebenen Tätigkeiten, die in einer Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO) festgelegt sind, und die Mängelbeseitigung, fristgerecht veranlassen (Handlungspflicht). Ferner müssen Änderungen an Anlagen oder deren Neueinbau mitgeteilt werden.

• Freie Wahl des Schornsteinfegers Ab Januar 2013 steht es den Eigentümern frei, für viele Schornsteinfegerarbeiten (zum Beispiel die üblichen Überprüfungs-, Kehr- und Messarbeiten) ihren Schornsteinfeger selbst zu wählen. Voraussetzung ist der Eintrag des Betriebs in die Handwerksrolle. Betriebe aus dem Ausland, die gemäß EU-Recht grenzüberschreitende Dienstleistungen im Schornsteinfegerhandwerk ausführen dürfen, können bereits seit Ende 2008 beauftragt werden. Bei der Suche nach einem Handwerker hilft das Schornsteinfeger- Register (siehe www.bafa.de), in dem eingetragen wird, wer in Deutschland Schornsteinfegertätigkeiten ausführen darf. Während der Übergangszeit bis zum 31. 12. 2012 führt der Bezirksschornsteinfegermeister – wie bisher – alle vorgeschriebenen Schornsteinfegerarbeiten in seinem Kehrbezirk durch und bleibt Ansprechpartner der Eigentümer.

• Kehrbezirke + Bezirksschornsteinfeger Die Kehrbezirke werden künftig ausgeschrieben und nur noch befristet (für sieben Jahre) vergeben. Der Bezirksschornsteinfegermeister wird zum „bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger“ und behält in seinem Kehrbezirk bestimmte hoheitliche Aufgaben (zum Beispiel die Feuerstättenschau), die nur er ausführen darf. Um die Betriebs- und Brandsicherheit zu erhalten, wird es weiterhin eine Kontrolle darüber geben, ob die Eigentümer ihren Pflichten nachgekommen sind. Neben den ihnen per Gesetz übertragenen Aufgaben dürfen die Bezirksschornsteinfeger die übrigen Schornsteinfegerarbeiten natürlich auch nach 2013 noch ausführen.

• Feuerstättenbescheid Mit Einführung des neuen Rechts informiert ein Feuerstättenbescheid, der nach einer Feuerstättenbeschau durch den Bezirksinhaber erstellt wird, die Eigentümer, wann und welche Überprüfungs-, Kehr- und Messarbeiten durchzuführen sind. Die Kontrolle erfolgt über Formblätter, durch welche die Ausführung der Arbeiten nachgewiesen wird. Bis zum 31. 12. 2012 erhalten alle Haushalte diesen Feuerstättenbescheid.

• Kosten Bis Ende 2012 sind die Gebühren für die Schornsteinfegerarbeiten, die durch die Bezirksschornsteinfegermeister ausgeführt werden, in einer Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO) geregelt. Für die ab 2013 den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegern vorbehaltenen Aufgaben – mit Ausnahme der Ersatzvornahme – wird eine neue staatliche Gebührenordnung erlassen werden. Alle übrigen Preise für Schornsteinfegerarbeiten, die seit Ende 2008 durch Schornsteinfeger aus dem EU-Ausland und ab 2013 im freien Wettbewerb innerhalb des deutschen Schornsteinfegerhandwerks erbracht werden, sind frei verhandelbar.

Weitere Infos im Internet unter:

Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks: www.schornsteinfeger.de

Bundesministerium für Wirtschaft u. Technologie: www.bmwi.de

Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle: www.bafa.de

SELBER MACHEN 04/2010

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