Vergnügen für Groß und Klein: das Kasperletheater

Vergnügen für Groß und Klein: das Kasperletheater

Das Puppentheater steht bei Kindern hoch im Kurs: beim Zuschauen und wenn sie selbst damit spielen. Bei diesem geht beides gleich vielfach.

 
Wenn die Kinderaugen vor Vergnügen leuchten, macht das Kasperletheater gleich noch viel mehr Spaß. © Selbermachen
Wenn die Kinderaugen vor Vergnügen leuchten, macht das Kasperletheater gleich noch viel mehr Spaß.

Aus dem Kasperlealter ist man irgendwann einfach heraus. Ob die Prinzessin gerettet wird und das Krokodil seine gerechte Strafe bekommt, kümmert nicht mehr. Und irgendwie verschwindet dann auch die Kasperlebühne, die jahrelang hinter der Zimmertür verstaut war. Ende der Vorstellung.

Ideenreichtum ist gefragt

Doch dann hat man selbst Kinder. Nur weiß keiner mehr, wo die alte Bühne gelandet ist, und eine neue muss her. Wer dann an den Selbstbau geht, kann gleich ein paar Misslichkeiten der Kasperlebühne von einst beseitigen. Zum Beispiel, dass sie so niedrig war und man sich dahinter immer zusammenkauern musste.

Zum Beispiel, dass sie beim wilden Spiel stets ins Publikum zu fallen drohte, da man die Bühne nirgends festhaken konnte. Zum Beispiel, dass immer nur ein Puppenspieler hinter der Sperrholzbühne Platz hatte und Kasper und den Polizisten zugleich bewegen musste – für Kinderhände viel zu schwer.

Das sind schon ein paar gravierende Punkte, die sich zu einer ganz neuen Kasperlebühne umsetzen lassen. Einer Kasperlebühne, die den vollen Ausschnitt einer Zimmertür füllt, einer, die man mit Gummizügen und einem Stück Besenstiel ganz einfach hinter der Türzarge festklemmen kann.

Einer, die mehrere Auftrittsöffnungen in verschiedenen Höhen bietet, so dass ganz kleine ebenso wie ganz große Puppenspieler gleichzeitig ihre Schauspielkünste zeigen können. Kurz, ein Kasperletheater wie dieses.

Ein Stück Sperrholz, mehr nicht

Flach wie ein Brett ist die Kasperlewand – nur ein Stück Sperrholz. Deshalb lässt sie sich ausgesprochen leicht bauen; einige Schnitte mit Stich- und Lochsäge sind die größten Tischlerarbeiten, die hier zu vollbringen sind.

Dass sie kaum Platz einnimmt, macht sie seit eh und je zu einem – auch bei den Eltern – beliebten Spielzeug. Sie passt hinter die Zimmertür, hinter einen Schrank, auf den Speicher oder in die Garage.

Die Befestigung ist denkbar einfach. Statt zweier Klappflügel wie bei herkömmlichen Kasperlebühnen hat diese sechs Schlaufen aus Gummiband, durch die Besenstiele gesteckt werden, so dass die Wand hinter der Tür festgeklemmt wird.

Das Baumaterial sind 10 mm dickes Sperrholz und 5 mm dicke Leisten für die Verzierungen in unterschiedlichen Längen. Für die Bühnenvorhänge und die Hintergrundprospekte können Stoffreste verarbeitet werden. Für die Bemalung werden Lacke ohne Lösemittel verwendet – der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Bühnenmalerei mit den Kindern

Wie die Spielöffnungen letztlich ausfallen, bleibt eine Sache der Phantasie des Kasperlekonstrukteurs. Die Kasperlewand in diesem Beispiel zeigt einige Möglichkeiten, die auf einem Brett realisiert wurden.

Ob man Extraplätze für den Auftritt des Teufels schafft, wie das Feuer etwa, oder anderen Delinquenten mit der vergitterten Arrestluke eine Bühne gibt, gestaltet der Erbauer. Vielleicht gemeinsam mit den späteren Puppenspielern, mit den Kindern also.

Denn natürlich muss die Kasperlebühne nicht unter Ausschluss seiner Benutzer erdacht, sondern kann mit ihnen gemeinsam ausgestaltet werden. So sind auch diverse andere Gucklöcher neben den klassischen Bühnen denkbar: zum Beispiel ein Autofenster, das Schlosszimmer für den König oder ein grün umrandeter Tümpel für das Krokodil.

Alle Öffnungen werden mit der Stichsäge ausgeschnitten und anschließend sorgfältig mit Schleifpapier geglättet. Denn nichts würde den Spielspaß so beeinträchtigen wie Splitter von Sperrholz in den Fingern!

Die Leisten, die die großen Öffnungen rahmen, deuten einen Bühnenboden an oder können zur architektonischen Gestaltung der Frontseite, zum Beispiel für kleine Giebel, angebracht werden.

Auch kleine Details wie die Leisten, die links und rechts am Rand wie Säulenimitationen an der Kasperlewand hochlaufen, oder eine Querabschlussleiste oben werden aus flachen Leisten oder aus dem Verschnitt der Sperrholzplatte geschnitten.

Für den Torbogen bei der Flügeltür schneidet man entlang des Türausschnitts aus einer zwei­ten Sperrholzplatte einen entsprechenden schmalen Streifen mit der Stichsäge aus. Auch diese Bauteile werden sorgsam entgratet und geschliffen, damit sich nie­mand an möglichen Splittern verletzen kann.

Für die Vorhänge und Bühnenhintergründe werden Stoffe verwendet – auch aus der Restekiste –, die man auf dünne, aber stabile Stäbe, zum Beispiel 10 mm starke Dübelstangen, auffädelt. Für deren Aufhängung dienen Schraubösen, an die man die Vorhänge anknüpfen kann.

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Bühnen frei für den Kasper und seine Freunde: Hinter der bemalten Sperrholzwand finden mehrere Spieler Platz. Die Uhr oben zeigt den Beginn der nächsten Vorstellung.

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Verschiedene Bühnen: am Boden ein Portal mit zwei Flügeltüren, darüber ein Thea­ter mit Vorhang für die Kleinen.
Ein Loch in der Baumkrone und eine Arrestzelle, eines im Höllenfeuer für den Teufel. In der Mitte ein Ballon und eine Zelle.

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Dass die Kasperlebühne unter konstruktiven Gesichtspunkten nichts weiter als eine rechtwinklige Platte ist, macht spätestens die Zeichnung klar. Ihre Maße ergeben sich aus der vorhandenen Türöffnung – sie können also variieren, je nach Höhe und Breite der Zarge. 

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Die Platte wird im Holzhandel auf das Grundmaß zugeschnitten. Mit Lochsäge und Stichsäge werden dann die Spielöffnungen gesägt.

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Mit dem Cutter werden die Konturen der unregelmäßigen Öffnungen vorgeschnitten, damit die Kanten beim Sägen nicht ausreißen.

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Nach dem Schleifen aller Sägekanten können die Türflügel eingesetzt werden. Zwei Scharniere links und rechts machen sie beweglich.

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Alle Leisten, ob aus Sperrholz oder Kiefernholz, werden nach dem Zuschnitt erst bemalt und dann mit Heißkleber an der Platte fixiert.

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Bastelfarbe, die zuvor mit Wasser verdünnt wird, dient als Untergrund der Kasperlewand. Mit einem Lappen fein wolkig auftragen.

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Nach dem Anstrich werden die Leisten auf die Holzplatte geklebt. Die Teile sofort plazieren und ausrichten. Der Kleber bindet schnell ab!

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Gummibänder klemmen die Spielwand hinter der Tür fest. Schraubösen eindrehen und die Gummibänder (Weckgummis!) einschlingen.

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Vorhänge, mindestens zwei hintereinander, sind wichtige Requisiten. Dafür werden Bindfäden durch den genähten Saum gefädelt.

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Die Hintergründe entstehen aus transparentem Stoff wie Bettlaken. Sie werden bemalt und unten in einer Saumschlaufe beschwert.

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Die Zeiger der Uhr werden aus Leisten ausgeschnitten, durchbohrt und auf einen Nagel gesteckt. Durch das Zifferblatt hämmern.

TEXT:Ulrich Weiß; Detlef Wittkuhn; FOTO: Selbermachen Media
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