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Abdichten

Dichtstoffe

Wo sich Wasser und Haus berühren, möchte man wissen, wohin das führt. Wasser, das unkontrolliert ins Haus kommt, führt fast immer zu großen Schäden. Doch womit wird’s wieder dicht? Wer weiß, wie sich die unzähligen Dichtstoffe unterscheiden, setzt sicher auf das richtige Produkt.

 
Glücksspiel Abdichten? © Selbermachen
Glücksspiel Abdichten?

Silikon: Der Alleskönner

© SelbermachenWer an Dichtstoffe denkt, denkt zuerst an Silikon. Kein Wunder, ist dieses Dichtmittel doch fast in allen Bereichen eines Hauses einsetzbar. Rohstoff ist Silicium das bei 2000°C aus der Reduktion von Quarz mit Kohle gewonnen wird – Preis rund 1250 Euro je Tonne. Dies ist der Grund dafür, dass gute (Marken-)Silikone mit hohem Siliciumanteil relativ teuer sind.

Als Dichtmasse werden Silikone entsprechend ihrer Verwendung speziell ausgerüstet. So haben Sanitärsilikone pilzhemmende Zusätze, um Schimmel für lange Zeit fernzuhalten, Natursteinsilikon verhindert Randzonenverschmutzungen im Stein und für Aquarien zählt gute Haftung auf Glas und Algenresistenz, ohne die Zierfische zu schädigen (bei Sanitärsilikon wäre es bald aus mit den Fischen). Dabei spielt es keine Rolle, wie sich das Silikon chemisch verfestigt. Nur sauer vernetzendes Silkon verströmt dabei einen lästigen Essiggeruch.

Selbst Bitumen (zum Beispiel Dachpappe), bisher spinnefeind mit Silikon, kann heute mit speziellen Silikonprodukten abgedichtet werden. Und als Zusatz in Mörtel gemischt, macht es sogar Fugen und Wand wasserdicht.

Acryl: Der Bauprofi

© SelbermachenDie größten Nachteile des Silikons sind sein Preis (den man aber in Kauf nehmen sollte) und dass auf Silikon keine Farbe haftet. Das ist bei Acryldichtstoffen deutlich anders. Sie werden deshalb meist für Anschlussfugen im Baubereich eingesetzt, weil sie über eine hohe Witterungsbeständigkeit verfügen.

Was Acryl nicht bieten kann, ist die hohe Elastizität des Silikons. Das ist bei Fugen zwischen Fenster und Hauswand oder Dachfläche und Trockenbauwand, zwei typischen Einsatzbereichen, aber auch nicht erforderlich. Für Putzfassaden gibt es „Spezialisten“ die eine leichte Körnung haben und nicht reinweiß sind, um sich dem Putz anzugleichen. Maler und viele Selbermacher nehmen Acryl, um beim Renovieren kleine Risse in der Wand zu füllen. Wichtig ist, dass sich die Füllmenge nach den Angaben des Herstellers richtet. Zu große Mengen schrumpfen beim Verfestigen zu stark und können die Flankenhaftung verlieren. Das gleiche droht bei Billigprodukten.

Polymer: Die neue Dichtung

© SelbermachenDas Neueste unter den Dichtstoffen sind so genannte Polymere. Ein Begriff, den sich künftig nicht nur Chemiker merken sollten. Diese Dichtmasse verfestigt sich durch eine Reaktion mit der Luftfeuchtigkeit und ist dabei völlig geruchsfrei. Sie eignet sich gleichermaßen hervorragend zum Abdichten und zum Kleben, was sich bei Bootsdecks schon lange bewährt hat.

Auch sind Dichtstoffe auf Polymerbasis grundsätzlich anstrichfähig, allerdings sollte man es vorher zur Sicherheit an einem Probestück ausprobieren. Nur bei Bitumen, Teer und ölhaltigen Materialien muss auch dieser Dichtstoff passen. Selbst wenn die Elastizität gegenüber Silikon etwas geringer ist, so punkten Polymerdichtstoffe doch auf zwei weiteren Gebieten: Es stört sie nicht, der Witterung oder sogar Chemikalien ausgesetzt zu sein, und viele lassen sich, sind sie einmal fest, auch noch mechanisch bearbeiten (Herstellerangaben beachten).

Bitumen: Der Klassiker

© SelbermachenWer einen Gartenschuppen oder ein Carport sein Eigen nennt, hat fast hundertprozentig Bitumenpappe oder -schindeln für die Wasserdichtigkeit über dem Kopf. Solange das Dach noch neu ist, dringt da garantiert kein Wasser durch. Doch Sonne und Frost setzen dieser „Erdöldichtung“ zu, und sie wird nach wenigen Jahren spröde und rissig. Das ist ein natürlicher Prozess, der in vielen Produkten durch die Beimischung von Kunststoffen verzögert wird. Für die Reparatur von Beschädigungen auf dem Dach gibt es Spachtelmasse und Dachlack auf Bitumenbasis.

Doch da sich Bitumen mit der Zeit durch die Witterung abbaut, kommt man um eine Erneuerung des Dachbelags irgendwann nicht herum. Dasselbe gilt für feuchte Kellerwände, die vor jahrzehnten von außen mit Bitumen abgedichtet wurden. Sind sie feucht, ist eine neue „Dickbeschichtung“ mit einer Bitumenmasse von außen oft die einzige Lösung.

Kunststoff: Das Zusatzspiel

© SelbermachenBei Wandbaustoffen ist fast immer Zement mit im Spiel, der dummerweise die Eigenschaft hat, Feuchtigkeit aufzunehmen. Wo dies aber unerwünscht ist, wie zum Beispiel in Badezimmern, auf Balkonen oder in Keller-Waschküchen, müssen Estrich, Mörtel und Konsorten wasserdicht gemacht werden.

Dies geschieht durch Zugabe von Kunststoff. Solche Spezialprodukte bestehen entweder aus zwei Komponenten, Zement und Kunststoffdispersion zum Anrühren, oder der Zusatz ist wasserlöslich und schon zugegeben. Günstiger kann es werden, wenn man sich einfach Kunststoffdispersion kauft, um beispielsweise seinen Mörtel wasserdicht zu vergüten.

Wer spart, zahlt drauf!

© SelbermachenIn jedem Baumarkt gibt es sie: die No-Name-Dichtstoffe und günstige Hausmarken. Gegenüber Markenprodukten spart man da schnell 50 bis 75 % des Preises ein. Doch Rohstoffe sind teuer und billig verkaufen kann nur, wer mehr Lösungsmittel und Zuschlagstoffe verwendet. Die Folge können frühzeitige Versprödung oder Schrumpfung sein, wodurch sich Risse in der Dichtung bilden. Weiße Silikone und Acryldichtmassen neigen zudem zum Vergilben.

WEITERE INFORMATIONEN:

Knauf, Telefon (0 93 23) 31-0;

Lugato, Telefon (0 40) 6 94 07-0;

MEM, Telefon (04 91) 9 24 80-0;

Sista-Henkel, Telefon (02 11) 7 97-82 72.

Artikel aus selber machen Ausgabe 06/2011. Jetzt abonnieren!
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