Wasserschaden | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Wasserschaden

Wasserschaden

Es passiert täglich tausendfach: Schlauchleitungen und Wasserrohre platzen, Waschmaschinen lassen plötzlich Wasser oder Lichtschächte regnen voll und ergießen sich in den Keller. Der GAU für Möbel, Böden und Wände. Wer jetzt schnell und richtig reagiert, hat es bald wieder wohnlich.

 
Spielen auf dem neuen Holzdeck © Nasser Keller
Spielen auf dem neuen Holzdeck

Die Gästematratze ist völlig durchweicht, dem Kartoffelvorrat geht es nicht besser und die Tapeten lösen sich von den Wänden. Das alles nur, weil der Zulaufschlauch der Waschmaschine unbemerkt vom Wasserhahn gerutscht ist und kein Wasserstopp montiert war. Die Feuchtigkeit drang innerhalb kürzester Zeit bis in den Kern der Wände vor und durchfeuchtete den Boden inklusive Dämmschicht. Schon nach kurzer Zeit quollen die Bodenbeläge auf, der Putz blühte aus und Holz war voll Wasser gesogen. Dort wo Dampf- oder Feuchtigkeitssperren eingebaut sind, wird das Wasser in den Dämmschichten oder im Mauerwerk eingeschlossen.

Auch durch dampfdichte Bodenbeläge und Klebstoffschichten kann die eingedrungene Feuchtigkeit meist nicht von selbst wieder ablüften. Dann sind die Folgen fatal: Dämmungen verlieren ihre Wirkung und die Feuchtigkeit bildet den idealen Nährboden für gesundheitsgefährdende Schimmelpilze. Der typische Modergeruch ist allgegenwärtig. Durch Kapillarkräfte steigt die Feuchte im Mauerwerk weiter nach oben. Letztlich gerät die Statik des Gebäudes in Gefahr.

Wenn eine „Havarie“ entdeckt wird, ist jede Minute kostbar: Manches Hab und Gut kann vielleicht noch fix in Sicherheit gebracht werden. Je schneller mit der Schadensbekämpfung begonnen wird, um so besser lassen sich die Folgeschäden begrenzen – Aufwand und Kosten der Trocknung ebenfalls.

Leckortung und Ursachenbeseitigung

Damit die Trocknung nicht zur Sisyphos-Aufgabe wird, muss zunächst die Schadensursache gefunden und beseitigt werden. Wenn der Schlauch der Waschmaschine abgeplatzt ist, fällt das nicht weiter schwer. Wenn sich jedoch ein Dauerregen durch einen bislang unbemerkten Bauschaden den Weg ins Gebäude gebahnt hat oder die Fußbodenheizung defekt ist, so ist das nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Dann ist zunächst ein Leckortungsspezialist von einer Fachfirma gefordert.

Eine einfache Übung: alte Lagerkeller trocknen

In vielen Altbaukellern ist die Sohlfläche nicht gegen Feuchtigkeit abgedichtet. Damit besteht auch nicht die Gefahr, dass eingedrungenes Wasser eingeschlossen ist und unbemerkte Schäden anrichtet. Hier ist es möglich, der Feuchtigkeit über eine Oberflächen- und Raumlufttrocknung zu Leibe zu rücken. Das Prinzip „Richtig heizen – richtig lüften“ wie im Badezimmer funktioniert aber bei einem großen Wasserschadens nicht. Hier kommen Kondensationstrockner – manchmal auch Kondenstrockner oder Entfeuchter genannt - zum Einsatz.

Funktion eines Kondensationstrockners© SelbermachenDas Funktionsprinzip dieser Geräte ist denkbar einfach: Sie saugen zunächst über einen eingebauten Ventilator die feuchte Raumluft an. Diese wird über einen Kühlteil, den Kondensator, geführt und daran schockartig so weit abgekühlt, dass der Taupunkt unterschritten wird. Die kalte Luft speichert aber nur wenig Feuchtigkeit, die dafür an der kalten Oberfläche kondensiert und in einem Wasserbehälter aufgefangen oder direkt über ein Schlauchsystem abgeleitet wird. Die Energie, welche bei der Wasserkondensation frei wird, wird in Heizenergie umgewandelt, die nun die getrocknete Luft erwärmt, so dass diese wieder Feuchtigkeit aufnehmen kann.

Keller mit Ventilator© SelbermachenDie Trocknung durch Kondensationstrockner lässt sich beschleunigen, indem feuchte Stellen gezielt beheizt und zusätzlich durch ein Turbogebläse eine sehr starke Luftzirkulation erzeugt wird. Diese Geräte sind aber laut und fressen ziemlich viel Strom.

Einen Kondensationstrockner kann natürlich jeder im Baumarkt mieten und anhand der Bedienungsanleitung richtig aufstellen und warten. Auf der sichereren Seite ist der Wassergeschädigte aber nur mit professioneller Hilfe: Eine Fachfirma kann abhängig vom Raumvolumen und der Feuchtigkeit genau ermitteln, wie viele Geräte mit welcher Leistung notwendig sind. Und: Der Laie kann die Raumfeuchte höchstens überprüfen, indem er ein Hygrometer einsetzt. (Der Wert sollte zwischen 40 und maximal 60 Prozent liegen auch in Wand- und Bodennähe.) Die Fachfirma dagegen kontrolliert sowohl die Feuchtigkeit im Raum, als auch in den Wänden und im Boden.

Die Kür: Wohnkeller fachgerecht trocknen

Trockener Keller© SelbermachenWeit schwieriger sind die Gegebenheiten in einem Wohnraum wie einem Hobbykeller oder einer Sauna: Hier ist der Boden aus mehreren Schichten aufgebaut. Unter dem Bodenbelag befindet sich der Estrich, darunter eine isolierende Folie, dann die Trittschall- und Wärmedämmung. Welche technischen Trocknungsmaßnahmen hier durchgeführt werden müssen, hängt davon ab, wie tief das Wasser eingedrungen ist. Das kann am besten ein Sachverständiger beurteilen, der in der Regel von der zuständigen Versicherung geschickt wird.

Zunächst werden der Bodenbelag und der Estrich selbst unter die Lupe genommen. Manchmal ist es notwendig, den Bodenbelag samt den Kleberresten zu entfernen, damit dann die Feuchtigkeit aus dem Estrich über eine Raumluft- oder Obertrocknung abgegeben werden kann. Das funktioniert ähnlich wie die Trockenlegung eines Lagerkellers.

Aus dem Isolierbereich unter dem Estrich kann die Feuchtigkeit aber nicht ohne technische Unterstützung entweichen, da keine Luftzirkulation vorhanden ist. Hier werden sogenannte Seitenkanalverdichter oder Adsorptionstrockner eingesetzt: Durch den Estrich werden Kernbohrungen bis in die durchfeuchtete Dämmschicht gesetzt. Über ein Schlauchsystem wird dann vorgetrocknete Luft mit Hochdruck in die Dämmschicht geblasen.

Dort reichert sie sich mit Feuchtigkeit an und gelangt auf Grund des Überdrucks als Feuchtluft entweder über die Estrichdehnungsfugen am Rand oder über Entlastungsbohrungen wieder in den Raum zurück. Dann wird sie über ein Entfeuchtungsgerät wieder getrocknet, an die Gebläse weitergeleitet und wieder in den Unterboden eingeführt – so lange, bis dort die Feuchtigkeit völlig aufgenommen ist. Bei großflächigen Durchfeuchtungen werden ergänzend zur technischen Trocknung Kondensationstrockner installiert.

Wo im Estrich eine Fußbodenheizung installiert ist, muss der Leitungsverlauf genau bekannt sein, so dass die Bohrungen gefahrlos gesetzt werden können. Falls keine detaillierten Pläne vorliegen, werden die Leitungen mittels einer so genannten Thermografiekamera oder eines Infrarotmessgerätes sichtbar gemacht.

Die Trocknung mit einem Adsorptionstrockner ist auch dann möglich, wenn auf dem Estrich ein Bodenbelag liegt: Teppich- oder Kunststoffbeläge können im Rand- und Stoßfugenbereich aufgeklappt werden, einzelne Fliesen können hochgenommen werden, ohne zerstört zu werden.

Vergleichbare Isolations-Trocknungs- Systeme wie im Bodenbereich sind ideal auch zum Trocknen von Wänden – etwa bei Wasserschäden hinter Wandverkleidungen, Einbauschränken oder wenn es darum geht, die Dämmschicht innerhalb einer Haustrennwand zwischen Doppel- oder Reihenhäusern zu trocknen.

Sind im Keller Trockenbauwände eingebaut, die in die Estrichdämmschicht und den Estrich eingebettet sind, so werden diese bei einer Überschwemmung reichlich Wasser aufsaugen. Zur technischen Trocknung wird der Profi die Sockelleisten entfernen, um in diesem Bereich Kernbohrungen zu setzen. Über diese Löcher wird vorgetrocknete Luft eingeblasen. Sie durchspült die Dämmschicht im Inneren und sorgt damit auch für die Entfeuchtung der Beplankung aus Gipsbauplatten. Infrarotgeräte oder auch Mikrowellen werden zur Trocknung nach Wasserschäden in Privathäusern selten eingesetzt und erfordern immer den Einsatz einer Spezialfirma.

Nachsorge

Wenn die Feuchtigkeitswerte wieder stimmen und alle Geräte oft nach Wochen abgebaut werden, folgen je nach Schaden mehr oder weniger umfangreiche Sanierungsarbeiten. Auch wenn sich alles wieder trocken anfühlt, kann verstärktes Lüften noch monatelang notwendig sein. Und auch danach sollte Stoßlüften mit drei bis viermal täglich fünf Minuten Durchzug ein Muss sein.

Neunmal erste Hilfe

• Um einen Kurzschluss oder einen Stromschlag zu vermeiden, müssen Sie elektrische Geräte vom Stromnetz trennen, zum Beispiel, indem Sie die Sicherung rausnehmen.

• Stellen Sie die Quelle des Wasserschadens möglichst ab. Zum Beispiel bei einem Leitungsschaden die Wasserzufuhr an einem Absperrhahn oder am Hauptwasserhahn absperren.

• Um Umweltschäden auszuschließen, stoppen oder verhindern Sie die Ausbreitung von Schadstoffen wie beispielsweise Öl oder Chemikalien.

• Beseitigen Sie schnellstmöglich stehendes Wasser, zum Beispiel mit einer Pumpe oder einem Nass-Trocken-Sauger. Werden Sie der Flut nicht alleine Herr, rufen Sie die Feuerwehr oder einen Wasserschaden-Notdienst (kostenpflichtig) zu Hilfe.

• Entfernen Sie Möbelstücke und trennen Sie diese notfalls durch Folien vom feuchten Untergrund. Der Boden muss aber noch ablüften können!

• Informieren Sie betroffene Dritte (zum Beispiel Ihre Nachbarn in der anderen Hälfte des Doppelhauses) und Ihre Versicherung.

• Fotografieren und dokumentieren Sie den Schaden – möglichst auch die Ursache.

• Saugen Sie das Restwasser ab oder nehmen Sie es mit feuchten Tüchern auf.

• Räumen Sie den betroffenen Bereich möglichst komplett frei, so dass viel Luft an die feuchten Oberflächen kommt. Entfernen Sie durchnässte Tapeten.

Tipp: So finden Sie den günstigsten Trockner

Jede umfangreiche Trocknungsaktion geht ins Geld. Und dabei weiß man in der Regel vorher nicht, wie lange sie dauern wird. Vergleichen Sie die Leistungen und Kosten inklusive Energieverbrauch, bevor sie Geräte ausleihen oder eine Fachfirma beauftragen! Fragen Sie nach Rabatten fürs Wochenende und nach laufzeitunabhängigen Pauschalen!

Tipps für die Schadenregulierung

Das Versicherungspaket muss stimmen.

Die Hausratversicherung ersetzt den Wiederbeschaffungswert von beweglichen Einrichtungsgegenständen (zum Beispiel Möbel), die durch „bestimmungswidrig“ ausgetretenes Leitungswasser zerstört wurden. In Mietwohnungen zählen dazu bei vielen Versicherungen auch Schäden an Tapeten oder Laminat, welches der Mieter selbst verlegt hat.

Die Wohngebäudeversicherung des Hauseigentümers trägt Schäden am Gebäude einschließlich aller mit diesem fest verbundenen Gegenstände (zum Beispiel Putz, fest verklebter Teppichboden, Tapeten). Mieter sollten ihren Vermieter schnellstmöglich informieren. Solange dieser feuchte Stellen an den Wänden nicht beseitigt, darf der Bewohner die Miete mindern. Weder die Hausrat- noch die Wohngebäudeversicherung übernehmen Schäden durch Überschwemmung oder Starkregen.

Sie sind Fälle für die erweiterte Elementarschadenversicherung. Diese kann als Zusatz zur Hausrat- und/oder Gebäudeversicherung abgeschlossen werden und zahlt für Schäden durch Grundwasser, Hochwasser und Witterungsniederschläge. Manche Versicherer leisten auch dann Ersatz, wenn durch einen Rückstau in der Kanalisation Wasser hochgedrückt wird und trotz einer funktionierenden Rückstausicherung Schaden anrichtet.

Ist eine Überschwemmung abzusehen, muss der Versicherte seine Sachen in Sicherheit bringen, sonst kann die Versicherung die Zahlung wegen grober Fahrlässigkeit verweigern. Der Haken an der erweiterten Elementarschadenversicherung: Bewohner einer von Überschwemmungen bedrohten Region bekommen oft keinen Vertrag.

Ist der Wasserschaden durch eine fremde Person verursacht, so greift deren private Haftpflichtversicherung. Sie ersetzt jedoch nur den geringen Zeitwert des zerstörten Hab und Guts. Stiftung Warentest empfiehlt deshalb Geschädigten, ihre eigene Hausratversicherung in Anspruch zu nehmen, um den Wiederbeschaffungswert zu erhalten. Der Hausratversicherer wird dann je nach Schadenssituation versuchen, sich das Geld vom Verursacher zurück zu holen.

Der richtige Weg zur Schadenregulierung

Auf jeden Fall sollte nach einem Unwetterschaden unverzüglich die Versicherung informiert werden. Wer den Schaden schriftlich meldet, sollte dies sicherheitshalber per Einschreiben mit Rückschein tun. Wer von einer Versicherungsagentur betreut wird, sollte auch diese unverzüglich informieren. Zur Dokumentierung sollten Fotos gemacht werden. Ferner sollte eine genaue Aufstellung der beschädigten Gegenstände erstellt werden. Auch Zeugen können hilfreich sein. Es sollte auf keinen Fall ein eigener Gutachter bestellt werden.

Die Versicherung trägt nur die Kosten für einen von ihr beauftragten Sachverständigen. Beschädigte Gegenstände sollten nie ohne ausdrückliche (schriftliche) Zustimmung des Versicherers entsorgt werden. Der Versicherungsnehmer hat die Pflicht, den Schaden im Rahmen seiner Möglichkeiten zu mindern, also etwa ein zerbrochenes Fenster abzudichten oder Hausratgegenstände aus dem überfluteten Keller in Sicherheit zu bringen.

SELBER MACHEN 01/2008

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