Gefährliche Kraft

Blitzschutz für das Haus

Blitzschutzsysteme und Blitzableiter können im Ernstfall Hausbrände und weitere Schäden vermeiden. Auf was kommt es dabei an? Ist Blitzschutz verpflichtend? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

 
Blitzschutz für das Haus © Fotolia
Blitzeinschläge können drastische Folgen für Haus und Mensch haben

Ein Gewitter fasziniert und beängstigt zugleich. Schließlich hat die elektrische Ladung, die sich in den riesigen, schwarzen Haufenwolken aufbaut, eine immense Kraft: Wenn sie in Form eines verästelten Blitzes auf die Erde überspringt, dauert das zwar nur ein paar millionstel Sekunden. Doch dabei werden einige 100.000 Volt freigesetzt – eine Energie, die Bäume zerreißen, Mensch töten und Gebäude schwer beschädigen kann.

Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) schlugen im Jahr 2017 zwar weniger Blitze ein, die Kosten für Blitzschäden sind dabei jedoch auf Rekordniveau gestiegen. Grund genug, über Blitzschutz fürs Haus nachzudenken.

Ist Blitzschutz für das Haus verpflichtend?

Blitzschutzsysteme, gemeinhin auch "Blitzableiter" genannt, leiten im Falle eines Einschlages den Blitzstrom gefahrlos in die Erde ab, so dass Brände und sonstige Schäden vermieden werden. Liegen keine besonderen Verordnungen vor, so ist die Errichtung eines Blitzschutzes am privaten Wohngebäude eine freiwillige Entscheidung des Besitzers und nicht verpflichtend.

Auch die Versicherungen verlangen in der Regel keinen Blitzschutz. Durch die Feuer- bzw. Wohngebäudeversicherung werden Schäden an der Gebäudehülle durch direkten Blitzeinschlag versichert, durch die Hausratversicherung die am beweglichen Hab und Gut darin. Überspannungsschäden können ebenfalls versichert werden.

Im Schadensfall ersetzt die Versicherung den materiellen Wert. Nur: Wenn wichtige Daten auf dem Computer unwiederbringlich verloren gehen, ist das ein irreparabler Schaden. Je technisierter die Haushalte und je empfindlicher die Geräte werden, umso höher ist das Risiko, von solch einem Schaden betroffen zu sein.

Aus welchen Komponenten besteht ein Blitzschutzsystem?

Ein umfassendes Blitzschutzsystem besteht aus dem äußeren und dem inneren Blitzschutz.

  • Der äußere Blitzschutz schützt ein Gebäude gegen Direkteinschlag, z.B. in den Schornstein oder das Mauerwerk.
  • Der innere Blitzschutz sichert elektrische Anlagen im Gebäude gegen Überspannungen, die durch einen Einschlag in der Nähe verursacht und durch metallene Leitungen ins Haus gebracht werden.

„Generell gilt: Wird ein äußerer Blitzschutz installiert, muss  zwingend auch ein innerer Blitzschutz installiert werden“, erklärt Herbert Schmolke vom VdS Schadenverhütung in Köln. Beide Komponenten müssen dann exakt aufeinander abgestimmt sein. „Umgekehrt kann ein innerer Blitzschutz auch ohne äußeren Blitzschutz vorgesehen werden. Letzteres können auch Mieter, z.B. in einem Mehrfamilienwohnhaus, realisieren.“

Lohnt sich die Nachrüstung eines äußeren Blitzschutzes?

Ob ein Haus mit einem äußeren Blitzschutz ausgerüstet werden soll, richtet sich u.a. nach dem persönlichen Risikoempfinden, der Gewitterhäufigkeit vor Ort, dem Wert des Hauses und seiner Einrichtung. Überragt ein Gebäude die Umgebung deutlich, etwa durch Alleinlage auf einem Hügel, so erhöht dies das Risiko eines Direkteinschlages. Eine Holz- oder Reet-Eindeckung ist besonders leicht entflammbar. Und wer im Home-Office am Computer arbeitet, ist auf dieses Medium angewiesen.

Besitzen Sie eine Photovoltaik-Anlage auf dem Hausdach, sollten Sie diese auf jeden Fall mit Blitzschutz absichern. Denn die Anlagen erleiden nicht nur bei direktem Blitzeinschlag schaden, sondern können auch indirekt durch die Magnetfelder zerstört werden, die bei der Blitzeinwirkung entstehen.

Wichtig: Das Nachrüsten eines Gebäudes mit Blitzschutz ist Angelegenheit eines Fachmanns. Dachdecker können dabei als Ansprechpartner dienen.

Wie funktioniert der äußere Blitzschutz?

Das System des äußeren Blitzschutzes ist einfach: „Im Bereich des Daches wird der Blitzstrom eingefangen und dann durch Drähte gefahrlos in den Boden abgeleitet und dort verteilt“, erläutert Thomas Raphael, Blitzschutzexperte beim Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) in Frankfurt am Main. Damit können weder am Gebäude Schäden durch thermische oder elektrische Wirkungen auftreten, noch für Personen gefährliche Überschläge oder Berührungsspannungen entstehen.

Zum Einfangen des Blitzstromes wird die äußere Kontur des Gebäudes mit metallenen Leitungen sehr grobmaschig nachgebaut. Die Fangeinrichtung besteht meist aus einer Firstleitung und / oder Leitungen auf der Dachfläche. Dachrinnen und andere metallene Einrichtungen, die aus diesem Schutzbereich herausragen, werden auf kürzestem Weg mit der Fangeinrichtung verbunden. Dazu werden Schornsteine, Lichtkuppeln, Antennenrohre etc. mit Fangstangen versehen.

  1. Fangeinrichtung
  2. Ableitung
  3. ​Erdung

Kann man Blitzschutz nachträglich installieren?

Diese netzartige Fangeinrichtung lässt sich problemlos nachträglich errichten. Das gilt auch für die Ableitungen, die an oder in den Gebäudewänden senkrecht nach unten geführt werden. Nur: „Die Erdung kann allerdings bei einer nachträglichen Installation äußerst aufwendig und teuer werden“, warnt VdS-Fachmann Schmolke.

Ist der Fundamenterder nicht erreichbar, so müssen entweder ein Ringerder gelegt oder einzelne Tiefenerder gesetzt und dann verbunden werden. Wer neu baut, sollte deshalb zuvor über äußeren Blitzschutz nachdenken.

Passend dazu: Hier erfahren Sie mehr darüber, wie Sie Ihr Haus sicherer gestalten.

Wie schützt innerer Blitzschutz gegen Überspannungen?

Durch einen direkten oder indirekten Blitzeinschlag (bis zu zwei Kilometer Entfernung) entsteht trotz Blitzableiter eine Überspannung im Stromnetz: Statt der üblichen 230 Volt liegen für kurze Zeit mehrere zehntausend Volt auf der Stromleitung, die ins Haus führt. Die Folgen: Ausfall elektrischer Geräte und Steuerungen (z.B. Heizung) oder auch Brände, die durch defekte elektrische Geräte entstehen.

„Mit einem äußeren Blitzschutz, dem Blitzableiter, ist es leider nicht getan“, erklärt Oliver Born von der Initiative ELEKTRO+. „Denn der Schutz der Elektroinstallation und -geräte vor Überspannungen ist damit noch nicht gegeben. Hierfür ist zwingend ein innerer Blitzschutz, also der Überspannungsschutz, erforderlich, der für Neubauten im Übrigen jetzt vorgeschrieben ist.“

Die wichtigste Maßnahme des inneren Blitzschutzes ist der Blitzschutzpotentialausgleich. „Möglichst direkt am Eingang ins Gebäude werden alle metallenen Leitungen mit einer Potentialausgleichsschiene verbunden. Hierzu zählen auch metallene Gasleitungen, Heizungsrohrleitungen oder Telefonleitungen“, informiert VDE-Experte Raphael. Die Ausgleichsschiene wird mit dem Fundamenterder oder der Erdungsanlage verknüpft.

Auch terrestrische Antennen und SAT-Anlagen müssen geerdet werden. Die unter Spannung stehende Stromleitung kann nicht einfach geerdet werden. „Für diesen aktiven Leiter gibt es Schutzgeräte, die im Falle einer Überspannung kurzzeitig eine Erdung durchführen.“ Der Elektrofachmann spricht bei diesem Grundschutz von Überspannungsschutzgeräten vom Typ 1 (B-Ableiter).

Trotz dieser Schutzvorrichtungen verbleibt dennoch eine Überspannung im Stromversorgungsnetz des Hauses. Elektrischen Restspannungsspitzen werden durch die zweite Schutzstufe, nämlich Überspannungsgeräte vom Typ 2 (C-Ableiter), im Stromzählerkasten auf anlagenverträgliche Werte reduziert.

Die dritte Stufe im inneren Blitzschutz verhindert Schäden an besonders empfindlichen Geräten wie Computer, Heizungssteuerung oder Telefonanlage. Der Elektriker spricht von Überspannungsschutzgeräten vom Typ 3 (D-Ableiter).

Was kostet die Installation eines Blitzschutzes?

Unter günstigen Bedingungen kostet der komplette Blitzschutz eines neu zu bauenden Einfamilienhauses rund 2.200 Euro, so die Schätzung des VDE-Experten. Die Nachrüstung eines Blitzableiters kann sich auf rund 3.000 Euro belaufen, für den inneren Blitzschutz kommen nochmal 300 Euro dazu. Die teuersten Bestandteile sind die Fangeinrichtung und die Ableitungsanlage.

Da jedes Haus und jede Geräteausstattung spezielle Anforderungen stellt, sollte unbedingt ein Fachmann mit der Installation beauftragt werden. „Bei der Ausführung werden die meisten Fehler gemacht“, warnt VdS-Fachmann Schmolke. VdS anerkannte EMV-Sachkundige müssen ihre Kompetenz nachweisen. Sie sind unter www.vds.de zu finden. „Außerdem habe ich als Bauherr im VdS eine Stelle, an die ich mich mit einer Beschwerde wenden kann.“

Auf jeden Fall sollte die ausführende Firma ein Abnahme- und Messprotokoll mit Anlagenschema fertigen, woraus das sichere Funktionieren der Anlage erkennbar ist. Ist ein umfassender Blitzschutz eingebaut, so lohnt sich auch ein Anruf bei der Versicherung: Ob Rabatte eingeräumt werden, ist eine Frage des Wettbewerbs.

Vorsichtsmaßnahmen bei Gewitter

Wenn es draußen donnert und blitzt und das Wohnhaus nicht umfassend gegen Blitz geschützt ist, sollten Sie zum eigenen Schutz diese Hinweise befolgen:

  • Warten Sie mit der Dusche oder dem Wannenbad, bis das Gewitter vorbei ist!
  • Lassen Sie den Telefonhörer vorübergehend liegen!
  • Ziehen Sie möglichst alle Stecker!

Blitzeinschlag: Was ist im Schadensfall zu tun?

Die Kosten, die durch Blitzeinschläge vor allem durch Schäden an elektronischem Gerät entstehen, nehmen stetig zu. Bei größeren Schäden überprüfen immer öfter Experten Schadensspuren am Gerät und beurteilen die Möglichkeit einer Reparatur. Außerdem kontrollieren die Mitarbeiter der Hausratversicherungen, ob überhaupt ein Blitz Ursache des gemeldeten Schadens gewesen sein konnte.

Die Blitz-Informationsdienste der VdS Schadenverhütung GmbH oder der Firma Siemens (www.blids.de) liefern genaue Informationen zur Gewittertätigkeit im Umkreis des Schadenortes. Mittels hochpräziser Messempfänger in ganz Deutschland werden Blitze und Einschlagorte auf wenige hundert Meter genau erfasst und registriert.

Manchmal stellt sich bei dieser Überprüfung heraus, dass gar kein Blitz der Schadensverursacher war: Ein Überspannungsschaden kann auch entstehen, wenn der Stromversorger einen Schaltvorgang vornimmt oder wenn eine nahe gelegene Fabrik alle Maschinen auf Hochtouren laufen lässt. Diese Schäden sind in einer Hausratversicherung nicht versichert.

Zum Weiterlesen: So funktioniert die Steckdosenleiste.

Fotos: 
Illustration: Straszburger
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