Holzfplege

10 Tipps, wie Sie Ihren Holzboden perfekt ölen

Böden aus massivem, geöltem Holz verströmen eine ganz besondere Atmosphäre im Raum. Aber sie brauchen Pflege und eine regelmäßige Neubehandlung. Damit es bei der gemütlichen Optik bleibt, zeigt selber machen, worauf Sie beim Nachölen achten müssen.

 
Holzboden ölen © Osmo
Die Haptik ist bei geölten Böden wesentlich authentischer als bei mit Lack versiegelten

Geölten Holzböden haftet oft noch der Ruf an, in Sachen Strapazierfähigkeit und Härte ihren lackierten Pendants unterlegen zu sein. Das stimmt so aber lange nicht mehr. Moderne Hartwachsöle verleihen den Dielen und Mosaiken nicht nur die gewünschte authentische Haptik, sie schützen das Holz genauso gut wie die alternativ eingesetzten Lacke auf Wasserbasis.

Sie haben sogar einen entscheidenden Vorteil: Wird beispielsweise die Lackschicht an einer Stelle beschädigt und kann dort Wasser eindringen, bildet sich schnell ein unschöner Fleck. Das eingedrungene Wasser kann nämlich nicht mehr abtrocknen. Möchten Sie den Schaden beheben, müssen Sie die komplette Lackschicht entfernen und den Boden komplett neu versiegeln.

Holzboden: Geölt oder lackiert?

In der Unterhaltspflege brauchen geölte Holzböden etwas mehr Zuwendung als lackierte. Während bei letzteren das regelmäßige nebelfeuchte Wischen ausreicht, sollten Sie bei der Pflege von geölten Hölzern mit speziellen Reinigungs- und Pflegemitteln arbeiten. Für Hartwachsöle bekommen Sie Wischkonzentrate, die Sie ins Putzwasser geben. Für Flecken verwenden Sie Wachspflegemittel, die das Holz leicht nachwachsen, ohne einen Film zu bilden. Keinesfalls scharfe Reinigungsmittel verwenden!

Kommt es zu Schäden an geölten Böden, lassen die sich an Ort und Stelle ausbessern: Kratzer können einfach ausgeschliffen, der Boden dann nur an dieser Stelle nachgeölt werden. Zu Wasserflecken kommt es bei geölten Böden seltener, da selbst bei Kratzern das Holz immer noch geschützt ist. Hier erfahren Sie mehr rund ums Thema Holzboden versiegeln, ölen und wachsen.

Hartwachsöl, Holzöl, Holzlack: Was machen sie mit dem Holz?

Holzöl, Hartwachsöl und Wasserlacke sind die Mittel, die bei einer Neubehandlung von Holzböden zum Einsatz kommen. Alle drei haben die Aufgabe, das Holz vor eindringender Feuchtigkeit und Abnutzung zu schützen. Das funktioniert aber unterschiedlich. Während der Lack ein Schichtbildner ist (er bildet also einen schützenden und flüssigkeitsabdichtenden Film auf der Oberfläche), dringen die Öle einige Zehntelmillimeter tief ins Holz ein. Die Poren werden so gefüllt, auf den Boden tropfendes Wasser kann also nicht mehr ins Holz eindringen.

  • Hartwachsöl: Das Wachs beim Hartwachsöl bildet auf dem Holz einen Film, das Öl dringt in die Poren ein.
  • Holzöl: Beim normalen Holzöl werden nur die Holzporen gefüllt, der schützende Film darüber fehlt.
  • Holzlack: Holzlacke bilden eine durchgehende Schicht. Ist die zerstört, muss man alles neu lackieren.

Tipp: Wenn der Holzboden abgeschliffen ist, kann man ihm mit Öl auch gleich einen neuen Farbton verleihen. Im Unterschied zu farblosen Ölen müssen Sie hier aber gut auf die Ansätze achten!

Worauf ist beim Schleifen zu achten?

Um den Boden optimal auf das nachfolgende Ölen vorzubereiten, muss man ihn in einer bestimmten Abfolge schleifen. Auf den Grobschliff (24er-Körnung) folgt der Zwischenschliff (60er-Körnung) und der Feinschliff (bei Öl 120er-Körnung). Der Grobschliff entfernt Spuren und Kratzer und wird diagonal ausgeführt, der Zwischenschliff in einem Winkel zwischen 10 und 15°. Der Feinschliff geschieht dann parallel zu den Dielen.

Mit diesen 10 Tipps geht beim Parkett schleifen nichts schief:

1. Sauberer Untergrund

Durch die mindestens drei Schleifgänge entsteht eine Menge feinster Holzstaub. Das gilt vor allem für den letzten Feinschliff, der mit der Einscheibenmaschine und einem Schleifgitter erfolgt, da dieser Maschinentyp in der Regel keinen Staubfangbeutel hat. Umso wichtiger ist es, vor dem Auftragen des Öls den Holzboden gründlichst abzusaugen. Hat Ihr Sauger eine Bürste, so führen Sie ihn am besten in Maserrichtung. Bitte wischen Sie den Boden nicht feucht ab, dabei würden sich die Holzfasern wieder aufrichten und der Schleifgang wäre umsonst gewesen.

2. Öl gründlich durchrühren

Auch in einem doch sehr homogen scheinenden Hartwachsöl gibt es Bestandteile unterschiedlich großer Masse. Das heißt, wenn die Dose lange steht, entmischt sich der Inhalt, die schwereren Bestandteile setzen sich auf dem Dosenboden ab. Um ein optimales und gleichmäßiges Ergebnis beim Auftragen zu erzielen, müssen Sie deshalb das Öl vor Beginn der Arbeiten immer einmal gründlich durchrühren. Wenn Ihre zu ölende Fläche groß ist, sollten Sie das vor dem Auffüllen der Lackschale auch zwischendurch immer wieder tun.

3. Farbwannen sauber halten

Da Farbwannen durchaus ein paar Euro kosten und sich Hartwachsöl nur aufwendig mit Lösemittel restlos aus einer Wanne entfernen lässt, empfehlen wir die Verwendung von transparenten Kunststoffeinsätzen für Farbwannen. Einige Hersteller von Hartwachsöl bieten beides als zueinander passendes Set an. Überschüssiges Öl lässt sich damit problemlos in die Dose zurückfüllen. Der letzte Rest trocknet dann nach der Arbeit und Sie können ihn als Ganzes in der Kunststofftonne entsorgen. So verhindern Sie, dass Verunreinigungen in der Farbwanne in die Ölschicht auf dem Holzboden gelangen.

4. Fussel auf der Walze entfernen

Ähnlich wie bei Staub und Verunreinigungen können sich auch die Fussel der Auftragswalze später ungewollt auf der geölten Holzoberfläche wiederfinden. Bei neuen Walzen ist das nahezu unvermeidlich. Während man bei Wandfarben die Walzen deswegen leicht anfeuchtet, lassen sich die Fussel bei Ölauftragswalzen mit einem Malerkrepp entfernen. Dazu einfach das eine Ende des Klebebandes an Wand oder Boden fixieren, das andere Ende in die Hand nehmen und dann die Walze mehrmals über die Klebeseite rollen. Alle losen Teile werden so entfernt.

5. Die richtige Florlänge

Ebenfalls vom Ölhersteller bekommen Sie auch die für das Ölen optimalen Auftragswalzen. Die Walzen haben für die Arbeiten genau die richtige Florlänge, denn ein zu kurzer Flor nimmt zu wenig Öl auf, ein zu langer hinterlässt Schlieren. Um unschöne Ansätze beim Auftragen der einzelnen Bahnen zu minimieren, sind die Ölauftragswalzen an den beiden Rändern leicht schräg gehalten. So gelingen Ihnen perfekte Übergänge und die aufgetragene Ölmenge ist genau richtig.

6. Die richtige Dosierung

Das Geheimnis eines gelungenen Ölauftrags ist, dass die Auftragsmenge gerade ausreicht, die Holzoberfläche einmal gerade so zu benetzen. Zu viel Öl bildet beim Trocknen einen leicht klebrigen Film, weil nicht alles in das Holz eindringen kann. Um die Auftragsmenge zu begrenzen, sollten Sie die Walze einmal in das Öl eintauchen und dann sorgfältig auf der geriffelten Fläche abrollen. So wird die Walze gleichmäßig mit Öl benetzt und durch die schon erwähnte richtige Florhöhe haben Sie immer die richtige Menge Öl auf der Walze.

7. Strukturiertes Auftragen

Den Auftrag des Öls auf dem Holzboden selbst sollten Sie sehr strukturiert vornehmen. Das heißt, Sie beginnen in einer Ecke des Raumes und setzen Bahn neben Bahn. Sie arbeiten dabei grundsätzlich immer in Maserrichtung des Holzes und nicht wie bei Wandfarben in zwei Richtungen. Sobald nicht mehr das ganze überrollte Holz benetzt wird, tanken Sie Öl nach. Im Idealfall entsteht so ein gleichmäßiger, leicht glänzender Ölfilm auf dem Holz. Sollten Ansätze entstehen, verschlichten Sie diese in Maserrichtung innerhalb von 30 Minuten. Nach 8-10 Stunden Trocknungszeit tragen Sie die zweite Schicht genauso auf.

8. Die Extrabehandlung

Es ist nicht zwingend notwendig, aber als Sahnehäubchen können Sie das aufgetragene Öl nach einer Wartezeit von etwa 10-15 Minuten auch noch mit einer Einscheibenmaschine in das Holz einmassieren. Die Oberfläche wird so besonders samtig, die Gleichmäßigkeit des Ölauftrags noch einmal verbessert. Nach dem zweiten Ölauftrag und der Trocknungszeit von 10 Stunden können Sie die Fläche zwar betreten, Sie sollten sie aber am besten ein paar Tage ruhen lassen. Zehn Tage sollten Sie sie nicht abdecken, zum Beispiel durch Teppiche. Danach haben Sie einen wunderschönen und sehr belastbaren Holzboden, der allen Einflüssen gelassen trotzt.

9. Vorsicht bei Farbe

Wie immer, wenn Sie mit Farben aller Art arbeiten, zeigt sich das Ergebnis mit allen Facetten, sprich Fehlern. Beim farbigen Ölen müssen Sie deshalb besonders auf die Ansätze achten, denn die zeichnen sich deutlicher ab. Auch hier brauchen Sie zwei Arbeitsgänge, von denen der erste farbig, der zweite aber transparent ist. Würden Sie zweimal farbig ölen, würde der Farbton immer kräftiger und die Holzmaserung würde mehr und mehr verschwinden. Die Trocknungszeit zwischen den beiden Arbeitsgängen liegt bei mindestens 24 Stunden.

10. Liebe deine Rolle

Auch Mikrofaserrollen kosten Geld, und so sollten Sie sie pfleglich behandeln. Einige Hersteller bieten eine sogenannte Fresh-Box an. In ihr lagern die Farbwalzen sauber und durch den luftdichten Verschluss sind sie auch am nächsten Tag noch nutzbar. Die Fresh-Box verhindert auch, dass sich das Öl selbst entzünden kann. Diese Gefahr besteht grundsätzlich bei allen ölgetränkten Arbeitsmitteln. Deshalb sollte die Rolle entweder draußen im Freien oder eben in einer luftdichten Box aufbewahrt werden.

Ulrich Wolf
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