Neue Laminatböden | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Innovative Bodenbeläge

Neue Laminatböden

Die harten Bodenbeläge, speziell der Laminatboden, haben seit Anfang der 90er Jahre eine rasante Entwicklung durchgemacht. Nun kommt eine neue Generation auf den Markt, die vor allem in der Oberfläche enorme Innovationen zu bieten hat. Der digitalen Technik sei Dank!

 
Wir stellen neue Laminatböden vor. © PR
Wir stellen neue Laminatböden vor.

Würde man den Erfolg des Laminatbodens mit den gängigen Floskeln der Musikbranche beschreiben, könnte man den Bodenbelag klar als „Chartbreaker“ bezeichnen, der es innerhalb kurzer Zeit auf Platz zwei der Hitparade geschafft hat. Nach dem altbewährten Teppichboden ist die Holznachbildung der Deutschen liebste Auftrittsfläche. Zu erklären ist die Erfolgsgeschichte vor allem durch den Preis. Denn während das Original, also die Parkettböden in all ihren Untergruppen, lange fast als Luxusgut gehandelt wurden, kann man sich mit einem Laminatboden von 3,99 Euro pro Quadratmeter eine durchaus ansprechende Holzanmutung in die gute Stube zaubern.

Aber die Nachbildung hatte und hat dem Original durchaus etwas voraus: So war es lange vor dem Mehrschichtparkett bereits beim Laminat möglich, die Dielen per leimloser Klicktechnik zur ganzen Fläche anwachsen zu lassen. Das hatte den Grund, dass die Trägerschicht aus hochdichter Faserplatte für die notwendigen Kantenprofile wesentlich homogener und stabiler war als die Fichtenholz-Mittellagen des Parketts. Zudem sind die Laminatdielen mit 6 mm bis 9 mm um einiges dünner als die 10 bis 15 mm der gängigen Parkettarten (10 mm ist die Mindeststärke, damit es überhaupt Parkett heißen darf). Bei den Renovierungen, wo in der Regel ein alter Teppich rausgerissen wird und durch einen Laminatboden ersetzt werden soll, ist das ein Vorteil, weil keine Türen und Türzargen gekürzt werden müssen.

Doch die erste Laminatboden-Generation bot den Herstellern noch viel Entwicklungsspielraum. Neben einigen Experimentierprojekten geht es im Grunde bei allen Anstrengungen darum, die Authentizität, sprich die Originaltreue zu verbessern. Denn letztlich ist die Oberfläche des Laminats nichts anderes als ein Foto einer Holzdiele. Der vermeintliche Eindruck von Echtheit wurde in der Vergangenheit durch gefaste Dielenkanten und durch den Porensynchrondruck verbessert, bei dem die Oberflächenstruktur der fotografierten Holzstruktur angepasst wurde.

Beim neuesten Entwicklungsschritt zieht nun die digitale Drucktechnik in die Laminatbodenproduktion ein. Die Hersteller versprechen sich selbst und den Kunden eine noch detailgetreuere und eine noch brillantere Abbildung des Originals, auf dass Holz und Holzbild nun gar nicht mehr zu unterscheiden seien. Aber der Digitaldruck bietet noch andere Vorteile: So ist es nun zum ersten Male möglich, auch andere Materialien als das übliche Papier zu bedrucken – und auch das natürlich in bestechender Qualität.

So kommt es, dass beispielsweise die Firma Hamberger ihre Holzdekore auf eine Deckschicht aus Kork und die Firma Kaindl Holzdekore auf ein hauchdünnes Eukalyptusfurnier druckt. Die von sich aus schon stark texturierte Oberflächen der beiden Materialien sorgen dafür, dass jede bedruckte Diele absolut einzigartig ausfällt, obwohl die verwendete Druckvorlage jeweils immer die gleiche ist. Die Hersteller müssen also nicht mehr so viele unterschiedliche Druckvorlagen wie bisher vorhalten, um eine lebhafte Maserung auf den Laminatboden zu zaubern.

Einen ganz anderen Weg beschreitet die Firma HDM mit ihrem Elesgo-Laminat. Hier liegt das Augenmerk weniger auf der Detailverbesserung des Dekors als vielmehr auf eine Verbesserung der Oberflächenwirkung. Durch ein besonderes Herstellungsverfahren ist es HDM nämlich gelungen, die Laminatböden mit einer Superglanz-Oberfläche zu versehen. Optisch ist das sicher ein Hingucker – und technisch sind die Elesgo-Laminate sogar härter und widerstandsfähiger als die herkömmlich hergestellten.

Der Laminatboden im Profil

Ein Laminat ist grob gesagt ein Schichtpressstoff, so wurde es übrigens früher auch genannt. Bei einem Laminatboden bildet dieser Schichtpressstoff die sichtbare Deckschicht, die nur wenige Zehntel Millimeter dick ist. Die einzelnen Schichten bestehen in der Regel aus mehreren in Melaminharz getränkten Papieren, wovon eines eine Korundschicht und eines natürlich das Fotopapier mit dem gedruckten Dekor sein muss. Das Dekor ist eine fotografische Nachbildung einer Holzdiele oder eines Steins, das im Tiefdruckverfahren auf das Trägerpapier aufgedruckt wird. Um dieses Papier vor dem Abrieb des Alltags zu schützen, bekommt das Ganze einen Melaminharz-Überzug, das sogenannte „Overlay“. Durch Kleben, Erhitzen und Pressen unter hohem Druck (bei etwa 30bar) dieser Papierschichten entsteht das Laminat, das auf einen Träger, beim Boden meist eine HDF-Platte (Hochdichte FaserPlatte), mit Spezialklebern aufkaschiert wird.

Bei guten Laminatböden sind diese HDF-Platten aus einer sogenannten quellarmen Rezeptur hergestellt oder mit einer Imprägnierung versehen. Durch das mittlerweile obligatorische leimlose Klick-Verlegesystem fehlt nämlich der wasserfeste Leim in den Fugen, der die Trägerplatten vor eventuell eindringender Feuchtigkeit schützt. Damit die Trägerplatte bei dieser einseitigen Beschichtung sich nicht verzieht, wird auf deren Rückseite ein sogenannter Gegenzug aufgeklebt, der meist ebenfalls aus einem Laminat besteht. Durch ihn bleibt die Feuchteaufnahmefähigkeit der Faserplatte auf beiden Seiten im Gleichgewicht, ein Verziehen ist kaum noch möglich. Die Gesamtaufbauhöhe eines Laminatbodens liegt zwischen 6und 9mm, was ihn gerade für Renovierungen interessant macht, weil Türen und Türzargen seinetwegen nicht mehr gekürzt werden müssen.

Laminatboden und Freunde

ELESGO: Superglanz auf allen Flächen

Als Exoten unter den Laminatböden können die Elesgo-Dielen gelten. Das hat zwei Gründe: Zum einen werden sie in einem anderen Her- stellungsverfahren produziert, nämlich mit der Elektronenstrahlhärtung. Dabei werden die Folien und das Dekorpapier für das Laminat in Acrylharzen getränkt, verpresst und dann in einem riesigen Maschine mit Elektronen beschossen. Folge: Die Harze härten sofort aus, das Laminat wird härter, strapazierfähiger und vor allem widerstandsfähiger gegen Chemikalien als die herkömmlich produzierten Laminate. Übrigens: Der Kunstname Elesgo steht folgerichtig für Elektronenstrahl-gehärtete Oberfläche. Der zweite Grund für die Sonderstellung der Elesgo-Laminate ist die Hochglanzoberfläche.

Das genaue Herstellungsverfahren bleibt natürlich Betriebsgeheimnis, letztlich ist es aber ein Zusammenspiel aus leicht veränderten Folien und Acrylharzen sowie der Elektronenstrahlhärtung, die aus einem matten einen Hochglanzlaminatboden machen. Die „Elesgo-Superglanz floor“-Böden weisen selbstverständlich alle heute üblichen Standards eines Laminatbodens auf: Klickverbindung, quellarme HDF-Trägerplatte, antistatische Oberfläche. Weil die Laminate nicht nur auf Böden eingesetzt werden, gibt es den Hochglanzeffekt auch auf Wandpaneelen und Arbeitsplatten. Einziger Nachteil bei hochglänzenden Oberflächen: Kratzer sind leichter zu erkennen als bei matten. Preis für den Superglanz floor: ab 20 Euro pro qm. 

HARO: Digitaldruck auf Kork

© PRGenau genommen handelt es sich bei den hier vorgestellten Haro-Böden nicht um einen Laminat-, sondern um einen Korkboden. Denn die Hamberger Industriewerke gehen einen ganz neuen Weg: Der Rosenheimer Hersteller bedruckt auf digitalem Wege Korkdielen mit einem Holzdekor. Das Ergebnis: Optisch sind die Haro-Böden nicht vom Echtholzboden zu unterscheiden, der Gehkomfort ist aber auf Grund der Korkschicht um ein Vielfaches höher. Wer das zu schätzen weiß, aber den typischen Kork-Look nicht mag, kann jetzt also auf Holzdesign ausweichen. Im grundsätzlichen Aufbau unterscheidet sich der Korkboden nicht von den üblichen Mehrschichtparketten. Die feinst geschliffene Kork-Deckschicht ist 3 mm dick, ruht auf einer 7 mm starken Trägerschicht aus hochdichter Faserplatte und wird von einem Kork-Gegenzug auf der Rückseite im Zaume gehalten.

Die Gesamtaufbauhöhe der Dielen liegt mit 11mm also satt über denen eines Laminatbodens. Die Oberfläche der Korkböden erhalten Sie in mit Lack versiegelter oder auch geölter Ausführung. Acht Dekore stehen bisher zur Auswahl. Die Preise beginnen bei etwa 27 Euro pro Quadratmeter. 

PARADOR: Edition 2

© PRSelbst auf Papier bietet der Digitaldruck enorme Vorteile. Der Coesfelder Hersteller Parador hat neuerdings Laminatböden in außergewöhnlicher Brillanz („Artprint“) im Angebot. Der Clou: Ab einer Menge von 100 qm können Sie Ihr persönliches Dekor entwerfen oder als Bild auf den Boden drucken lassen. Preis: ab 50 Euro/qm. 

KAINDL: Eukalyptus als Druckfläche

© PRDer Salzburger Laminathersteller Kaindl belebt ein totgeglaubtes Mittelding zwischen Laminat und Parkett wieder – den Furnierboden. Bei dem besteht die Deckschicht weder aus Laminat noch aus Vollholz, sondern aus einem 0,6 mm starken Furnier. Die Wahl fiel aufs Eukalyptusholz, weil es eine hohe Oberflächenhärte und ruhige Maserung hat. Letzteres ist beonders gut für den Digitaldruck von Holzdekoren. Durch die Maserung und den Druck entstehen komplett unterschiedliche Dielen, eine Wiederholungsrate bei den Dekors gibt’s nicht. Der Preis für Kaindl TWO: 30 Euro/qm.

Artikel aus selber machen Ausgabe 05/2012. Jetzt abonnieren!
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