Der große Ratgeber für Bodenbeläge | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Bodenbeläge

Der große Ratgeber für Bodenbeläge

Noch nie war das Angebot an hochwertigen, strapazierfähigen und gleichzeitig preiswerten Bodenbelägen so groß wie heute - Wir sagen, was Sie vor dem Kauf wissen sollten.

 
Die Qual der Wahl © Selbermachen
Die Qual der Wahl

Familie Becker ist es leid: Die meisten Bodenbeläge im Haus haben die beste Zeit hinter sich, sind einfach abgewohnt oder passen nicht mehr zum Stil der Einrichtung. Gründe für einen neuen Bodenbelag gibt es viele, und früher oder später müssen die alten Platz machen für neue, schönere, modernere. Also wird renoviert, und Alexander, Silke und Tochter Marielena fangen erst mal mit dem Wünschen an. Und gerade dieser Punkt sollte mittlerweile gar kein Problem mehr darstellen.

Frau Becker mit Fliesen© SelbermachenDank ständiger Produktinnovationen seitens der Hersteller haben Selbermacher bei Bodenbelägen heute mehr Möglichkeiten als jemals zuvor. Teppichboden gegen Laminat austauschen? Kein Problem. Parkett ohne einen Tropfen Leim selbst verlegen? Natürlich. Keramische Fliesen auf den alten Dielenboden kleben? Aber gerne. Technisch gesehen ist all das auch für eher ungeübte Heimwerker machbar.

Boden polieren© SelbermachenDie technischen Fortschritte spiegeln sich nicht nur in den Ausstellungshallen der Baumärkte und Fachgeschäfte wider, sondern natürlich auch im Konsumverhalten. Textile Bodenbeläge (vulgo: Teppichböden) sind zwar mit einem Marktanteil von über 50 Prozent immer noch am beliebtesten, doch noch vor 15 Jahren machten sie rund zwei Drittel der verkauften Bodenbeläge aus. Das heißt: Die Verfolger haben mächtig aufgeholt. Vor allem der Laminatboden hat in dieser Zeit einen enormen Siegeszug angetreten und liegt heute bei einem Marktanteil von über elf Prozent. Damit hat das Laminat sogar die PVC-Böden (rund zehn Prozent) überholt. Über die Gründe muss man nicht lange rätseln: Der Holz-Look traf den Geschmack der Zeit, und das zum immer kleineren Preis.

Diese Bewegung im Markt hat aber auch dazu geführt, dass andere mit ihren Innovationen nachgezogen haben. So gibt es heute nicht nur Laminat, sondern auch echtes Parkett, Massivholzdielen, Linoleum oder Kork immer öfter mit Klick - systemen, die sich selbst von Menschen mit zwei linken Händen eins, zwei, drei zusammenstecken lassen.

All das ist gut für die Beckers, haben Sie doch weit mehr Möglichkeiten, ihre Wünsche zu realisieren. Gleichzeitig gilt es aber auch, wesentlich mehr Vor- und Nachteile der einzelnen Produkte gegeneinander abzuwägen. Den einen, wirklich perfekten Bo denbelag herauszufinden, ist bei der großen Auswahl schwieriger denn je geworden.

Was Sie vor dem Kauf bedenken sollten

Stelle ausbessern© SelbermachenSilke Becker denkt bei der Planung der neuen Bodenbeläge vor allem daran, wie sie zu den vorhandenen Möbeln passen werden. Sie ist die Gestalterin in der Familie. Als Mutter eines kleinen Wildfangs muss sie aber auch die praktischen Eigenschaften der Materialien bedenken. Laminat zum Beispiel ist sehr feuchteempfindlich und nicht besonders kratzfest – schlecht also, wenn Tochter Marielena mal weder mit den Sandkasten-Schuhen durchs Haus tobt

Auch die wesentlich teureren Parkett- und Massivholzböden sind ähnlich empfindlich, aber jederzeit ganz oder (mit geölter Oberfläche) partiell abschleifbar. Sie würden auch gut zum Stil der Wohnräume passen. Nur für den Eingangsbereich liebäugelt Silke Becker mit keramischen Fliesen. Die sind zwar ziemlich fußkalt und bieten null Gehkomfort, sind aber problemlos in der Pflege. Einziges Manko keramischer Fliesen sind die Fugen. Unser Tipp: Wählen Sie als Fugenmörtel eine wasserdichte Variante. Die ist kunststoffvergütet und feinporiger als herkömmliche Fugen.

Mädchen auf Teppich© SelbermachenGespielt wird am liebsten auf Teppichboden, da ist auch Marielena keine Ausnahme. Je weicher und kuscheliger, desto besser. „Fliesen auf dem Boden finde ich doof“, befindet sie, und macht zumindest die Entscheidung für das Kinderzimmer relativ einfach: Hier wird preiswerter Teppichboden verlegt, basta. Außerdem wird aus dem Spielzimmer schon in wenigen Jahren ein Jugendzimmer, und dann muss auch über den Bodenbelag neu verhandelt werden. Also muss er auch nicht besonders haltbar sein. Eine gute und vor allem gesundheitlich unbedenkliche Alternative zum Teppichboden sind Kork- und Linoleumböden, die aus natürlichen Materialien hergestellt sind. Sie sind oberflächlich weniger empfindlich als Teppich, der Staub kann sich nirgendwo ein nis ten und ist mit einem feuchten Tuch entfernbar.

Platte grundieren© SelbermachenDamit Kork- und Linoleumböden weich, angenehm fußwarm und gelenkschonend sind, brauchen sie eine gewisse Materialdicke. Die liegt bei den geklebten wie den geklickten Böden bei mindestens 3 mm Kork- beziehungsweise Lino leumschicht. Obwohl beide eigentlich wasserfest sind, ist bei den Klickvarianten Vorsicht geraten. Die haben nämlich den unter Insidern berüchtigten HDF-Kern, der durch die nicht durch Leim abgedichteten Fugen dem Wasser ausgeliefert ist und aufquellen kann.

Alexander Becker möchte den Umfang der Renovierungsarbeiten in Grenzen halten, denkt aber gleichzeitig auch an die Haushaltskasse. „Klicksysteme wären schon toll“, findet er, kann sich aber mit den Kosten dafür nicht wirklich anfreunden.

Leiste kleben© SelbermachenSchließlich entscheidet er sich dafür, lieber etwas mehr Untergrundarbeit zu leisten. Die ist nämlich notwendig, wenn man sich für elastische Bodenbeläge entscheidet. Für Teppichboden, PVC und verklebten Kork - boden gilt, dass der Estrich, auf dem sie liegen, absolut plan (keine Unebenheiten von mehr als 2 mm/m) und für eine vollflächige Verklebung geeignet, sprich saugfähig sein muss.

Unser Tipp: Grundsätzlich sollten Sie alle mineralischen Estriche mit einer selbstnivellierenden Ausgleichsmasse spachteln. Normalerweise reicht eine Schichtstärke von 5– 10 mm auf Estrichen aus. Für alte Holz- und Holzdielen böden, die unter Belastungfedern, gibt es spezielle, kunststoffvergütete Spachtelmassen. Die werden genauso verarbeitet wie konventionelle.

Artikel aus selber machen Ausgabe 01/2010. Jetzt abonnieren!
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