Teppichboden-Ratgeber | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
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Teppichboden-Ratgeber

Obwohl durch allerlei Neuentwicklungen bei den harten Bodenbelägen etwas an den Rand gedrängt, steht der Teppichboden nach wie vor ganz weit oben in der Käufergunst. Kein Wunder – er ist angenehm warm, weich und genauso leicht zu verlegen wie die Klickböden.

 
Teppichboden verlegen © Christian Bordes
Teppichboden verlegen

Auch an den Teppichböden ist die Zeit nicht spurlos vorbeigezogen, und das meinen wir durchaus im Guten. Die aus verschiedenen Fasern gewebten Bodenbeläge haben in den letzten Jahren eine schöne Weiterentwicklung durchgemacht, vor allem, was die Wohngesundheit und die Ökologie angeht. So haftete den Teppichen und Teppichböden lange Zeit das falsche Image an, sie würden gerade den Hausstaubmilben eine Art Asyl gewähren, was besonders für Allergiker schlecht sei. In der Folge wurde den betroffenen Personen zu harten und damit wischbaren Belägen wie Laminat geraten. Mittlerweile aber hat die Forschung den Teppichboden rehabilitiert: Wenn die harten Böden nämlich nicht regelmäßig gewischt werden, wird der aufgewirbelte Staub zur echten Belastung für Allergiker – Teppichboden hingegen bindet den Staub an sich, hier reicht ein- bis zweimaliges Saugen pro Woche aus. Die meisten der namhaften Hersteller lassen ihre Teppiche zertifizieren, und zwar mit dem TÜV-Siegel „Für Allergiker geeignet“. Einige Firmen statten Ihre Produkte auch mit raumluftreinigenden Eigenschaften aus, so etwa Dura mit der „duraAir“- Kollektion. Dabei werden etwa Formaldehyd, Nikotin und Gerüche über einen Wirkstoff in der Rückenverklebung des Teppichbodens in Wasserdampf und Kohlendioxid umgewandelt.

Ist die Allergiefrage so eindeutig geklärt, trumpft der Teppichboden mit vielen Vorteilen auf. An erster Stelle ist seine fußwarme und sehr weiche Oberfläche. Die ist abhängig von der Florhöhe, also der Faserlänge auf der Oberseite. Je länger die ist, desto weicher, aber auch pflegeintensiver ist der Teppichboden. Nicht umsonst ist das heimische Schlafzimmer der bevorzugte Einsatzraum, weil hier eher mit nackten Füßen als mit dreckigen Gummistiefeln zu rechnen ist.

Weiterer Pluspunkt ist die ungeheure Designvielfalt. Das betrifft nicht nur Farben und Muster, sondern auch die Florhöhe und alle denkbaren Kombinationen aus beidem. Das Ganze bekommen Sie zudem zu einem ausgesprochen günstigen Preis: ab etwa 5 Euro/qm geht’s los, die hochwertige Markenware startet allerdings ab etwa 25 Euro/qm.

  1. Material für den Fließspachtel Material für den Fließspachtel © Christian Bordes

    Material für den Fließspachtel

    Voraussetzung für einen schöne Teppichfläche ist ein ebener Unterboden. Eben heißt, der Estrich sollte frei von Rissen, Löchern und Ausbrüchen sein, eine Höhentoleranz von 2 mm pro Meter geht gerade noch durch. Ist das bei Ihnen nicht der Fall, müssen Sie spachteln: Für den Fließspachtel brauchen Sie eine Mörtelbütt und eine leistungsstarke Bohrmaschine (kein Akku-Schrauber, der überhitzt!). Sie benötigen etwa 1,5 kg Trockenmasse pro Millimeter Schichtdicke und Quadratmeter Fläche. Beispiel: Sie möchten einen 10 qm großen Raum mit 10 mm im Mittel spachteln. Der Materialbedarf errechnet sich aus 1,5 kg x 10 qm x 10 mm = 150 kg Trockenmasse, das entspricht sieben bis acht Säcken.
  2. Fließspachtel anmischenFließspachtel anmischen© Christian Bordes

    Fließspachtel anmischen

    Rühren Sie die Masse in Wasser ein (Mengenangabe auf dem Sack unbedingt genau einhalten). Wichtig: Die Masse hat nur eine kurze offene Zeit, Sie müssen aber immer nass in nass arbeiten. Holen Sie sich mindestens einen Helfer, der anmischt, während Sie die Masse ausbringen
  3. Masse ausgießenMasse ausgießen© Christian Bordes

    Masse ausgießen

    Gießen Sie die Masse in der Raummitte aus, und verteilen Sie sie von dort aus zu den Rändern.
  4. Masse verteilenMasse verteilen© Christian Bordes

    Masse verteilen

    Das gelingt am besten mit einem groben Besen, der die Masse gleich auch noch entlüftet.
  5. Klebereste entfernenKlebereste entfernen© Christian Bordes

    Klebereste entfernen

    Ist der Estrich noch in Ordnung, aber mit Kleberresten übersät, können Sie sich einen Stripper im Baumarkt ausleihen. Der hat eine scharfe, sich schnell bewegende Klinge, die restlos alles vom Estrich abschabt.

So erkennen Sie Qualität

Auch als Laie haben Sie die Möglichkeit, einige Qualitätsmerkmale von Teppichböden auf den ersten Blick zu erkennen. Die Beläge sind nach ihrer Strapazierfähigkeit in Beanspruchungsgruppen eingeteilt. Gute Hersteller drucken auf die Rückseite ihrer Teppiche allerlei Symbole und Hinweisen, die Infos über die Art der Nutzschicht und Eignungsbereiche geben. Nicht verzichten sollten Sie auf eine gute Beratung bei einem Fachhändler oder Raumausstatter. Das gilt besonders, wenn Sie einen hochpreisigen Teppich möchten.

Teppichkleber© SelbermachenKleber der EC-1-Norm© SelbermachenDer Kleber

Auch beim Kleberkauf müssen Sie einiges beachten: Zunächst ist es bei fast allen Kleberarten wichtig, dass mindestens eine Oberfläche, also entweder der Estrich oder der Teppichrücken, saugfähig ist – sonst kann der Kleber nicht abbinden. Die neuen Kleber sind in der Lage, alle Teppichrücken, also von Schaum bis Vlies, dauerhaft zu verkleben. Durchgesetzt haben sich Produkte auf Dispersionsbasis, in denen die Harze fein in Wasser verteilt sind. Achten Sie darauf, dass der Kleber der EC-1- Norm für sehr emissionsarme Produkte entspricht. Möchten Sie Ihren Teppichboden auf einer Fußbodenheizung verlegen, sollte die Eignung des Klebers auf dem Gebinde angegeben sein.

Der Rücken des Teppichs© SelbermachenDer Rücken

Neben der Oberfläche ist beim Kauf auch der Teppichrücken ein wichtiges Kriterium. Schaumrücken verbessern zwar den Gehkomfort und wirken als Trittschalldämmung, machen aber unter Möbel- und Stuhlrollen Probleme, anders als die rollenfesten Beläge mit textilem Zweitrücken. Die müssen allerdings vollflächig verklebt werden. Aber Achtung: Jute etwa läuft ein, deshalb dürfen Teppiche mit Juterücken nicht mit wasserlöslichen Klebern verlegt werden. Auch Teppiche mit Rücken aus Synthetikfasern werden vollflächig verklebt.

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Teppichverlegen ist Schneidarbeit

Vor jedem Verlegen steht das Aufmaß des Raumes. Wichtig ist hier, dass Sie die Gesamtlängen in jeder Richtung ermitteln, also die Länge inklusive Türdurchgang und Nischen. Addieren Sie zu Länge und Breite noch jeweils etwa 20 cm dazu, als Verschnittreserve für ungerade oder nicht parallele Wände. Die Teppichreste bitte nicht entsorgen: Die können Sie später als „Ersatzteillager“ bei gröberen Schäden verwenden.

Wer allerdings mit seiner 4-m-Teppichrolle schon mal in seinem 3,8 m langen Raum gestanden hat, weiß um das dann auftretende Problem: Wie soll man bloß den Teppich sauber ausrollen? Unser Tipp: Rollen Sie ihn nur provisorisch aus, und falten Sie ihn an zwei Seiten um etwa ein Viertel der Länge ein. Dann haben Sie ein handliches Rechteck, das problemlos in den Raum passt und das sich jetzt in die Anfangsecke schieben lässt. Erst wenn er gut liegt, klappen Sie ihn wieder ganz auf.

  1. VerlegerichtungVerlegerichtung© Tillman Straszburger

    Verlegerichtung

    Der Lichteinfall im Raum ist entscheidend für den Verlauf des Bahnenstoßes (immer parallel) und die Verlegerichtung (immer vom Lichteinfall weg).
  2. TeppichmesserTeppichmesser© Christian Bordes

    Teppichmesser

    Um Ihren Teppich schnell und vor allem gefahrlos verlegen zu können, sollten Sie etwa 20 Euro in ein robustes Teppichmesser investieren. Diese Messer haben im Gegensatz zu herkömmlichen Cuttern eine feststehende Klinge, die im Bedarfsfall schnell gewechselt werden kann. Wir empfehlen Hakenklingen für lange, gerade Schnitte und Trapezklingen für die Aussparungen.
  3. Cutterkant BoyCutterkant Boy© Christian Bordes

    Cutterkant Boy

    Ein Set aus zwei Schienen erleichtert das gerade Abschneiden des Teppichbodens an der Wand. Untere Schiene in die Ecke drücken, Teppich mit der zweiten Schiene darauf andrücken, mit dem Cutter abschneiden – passt! Die Profile gibt es im Set für knapp 20 Euro im Internet unter <a href="http://www.gekaho.de">www.gekaho.de</a>
  4. An der Raumecke beginnenAn der Raumecke beginnen© Christian Bordes

    An der Raumecke beginnen

    Rollen Sie den Teppich ganz aus und falten Sie ihn in beide Richtungen, dann ist er leichter zu handhaben. In einer Raumecke legen Sie den Teppich exakt an die beiden Wände an. Am besten fixieren Sie ihn dort mit schweren Gegenständen, so dass er während der Arbeit nicht mehr verrutschen kann.
  5. Aussparungen im TeppichbodenAussparungen im Teppichboden© Christian Bordes

    Aussparungen im Teppichboden

    Bei kleinen Aussparungen schneiden Sie den Teppichboden mit dem Teppichmesser zunächst rechtwinklig zur Wand ein. Schneiden Sie absolut gerade und nur so weit wie unbedingt erforderlich, der Teppichboden braucht auch an Heizungsrohren keine Dehnungsfuge
  6. Trapezklinge für exaktes SchneidenTrapezklinge für exaktes Schneiden© Christian Bordes

    Trapezklinge für exaktes Schneiden

    Zum genauen Einschneiden rund um die Rohre eignet sich die Trapezklinge wesentlich besser als die Hakenklinge. Es sollten keine Teppichfasern am Rohr nach oben stehen.
  7. RosetteRosette© Christian Bordes

    Rosette

    Mit farblich passenden Rosetten (aus dem Bodenbelags-Fachhandel) können Sie die Schnitte weitestgehend kaschieren. Sie werden über eine Schwalbenschwanzverbindung vertikal ineinander geschoben und verbunden.
  8. Tür- und TerrassenfensternischenTür- und Terrassenfensternischen© Christian Bordes

    Tür- und Terrassenfensternischen

    Wichtig: An den Tür- und Terrassenfensternischen müssen Sie den Teppichboden immer von unten schräg nach oben und von der Nische weg schneiden. Ein eigentlich logischer rechtwinkliger Schnitt birgt die Gefahr, dass dem Teppich in der Nische ein paar Millimeter Breite fehlen
  9. Überstand abschneidenÜberstand abschneiden© Christian Bordes

    Überstand abschneiden

    An der Wand entlang können Sie den Überstand mit Hilfe einer speziellen Schiene millimetergenau zuschneiden. Verwenden Sie hier die Hakenklinge, mit ihr geht es wesentlich schneller und sauberer.

  1. Teppichkleber und -fixierungenTeppichkleber und -fixierungen© Christian Bordes

    Teppichkleber und -fixierungen

    Neben den Teppichklebern bekommen Sie auch -fixierungen. Das sind im Grunde schwache Kleber, der Teppich hält ebenfalls gut, lässt sich im Bedarfsfall aber leichter wieder herausreißen.
  2. VerlegeanleitungVerlegeanleitung© Christian Bordes

    Verlegeanleitung

    Beim Kleber wie bei der Fixierung gilt: Der schon genannte Emissionsstandard EC 1 sollte unbedingt eingehalten werden. Einige Teppichhersteller weisen darauf in ihrer Verlegeanleitung explizit hin.
  3. Teppichboden mit Klebeband befestigenTeppichboden mit Klebeband befestigen© Christian Bordes

    Teppichboden mit Klebeband befestigen

    Bei Räumen unter 20 qm Fläche müssen Sie nicht unbedingt kleben, hier können Sie ein doppelseitiges Teppichklebeband verwenden. Die Zeichnung zeigt den Verlauf des Klebebandes an den Rändern, dem Türdurchgang und den Bahnenstößen.

Flecken entfernen© SelbermachenFleckentfernung mit Büchern© SelbermachenTeppichböden pflegen

Zugegebenermaßen gehört der Teppichboden in der Pflege zu den empfindlicheren Bodenbelägen. Der Grund ist einfach – die Fasern sind im Gegensatz zu Holz oder Kunststoff extrem saugfähig, eine geschlossene Oberfläche hat der Teppich nicht. Der Gefahr der Verschmutzung können Sie beispielsweise dadurch entgegenwirken, dass Sie im Bereich der Türen eine sogenannte Sauberlaufzone einrichten. Das kann ein Fußabstreifer genauso sein wie ein Stück aufgelegter Teppich, der leicht gewechselt werden kann.

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Teppichboden mit Pulver reinigen© SelbermachenAbhängig vom jeweiligen Fleck wählen Sie Ihre Reinigung. Verschmutzungen mit wasserlöslichen Stoffen behandeln Sie sofort mit viel Wasser und einem weichen Lappen (kein Spülschwamm!). Wischen Sie immer von außen nach innen. Danach legen Sie stark saugendes Haushaltspapier auf den Fleck und beschweren es, etwa mit einem Bücherstapel.

Für größere Flecken, aber auch zur jährlichen Grundreinigung verwenden Sie am besten ein Pulver, das Sie mit einem sauberen Besen in die Oberfläche einarbeiten und wirken lassen. Am nächsten Tag können Sie Pulver und Schmutz heraussaugen.

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Wenn kein Reinigungsmittel mehr hilft

Es gibt tatsächlich Flecken, denen mit keinem Reinigungsmittel der Welt beizukommen ist – jedenfalls nicht, wenn der Teppich nicht über Gebühr leiden soll. Für diese Fälle gibt es spezielles Werkzeug, die ein partielles Ausbessern ermöglichen, ohne dass Sie den ganzen Raum neu auslegen müssen.

  1. LocheisenLocheisen© Christian Bordes

    Locheisen

    Für kleine Schadstellen (etwa Zigarettenglut) sollten Sie sich ein Locheisen besorgen. Damit stanzen Sie die Schadstelle komplett aus und ersetzen sie durch ein ebenfalls ausgestanztes Stück aus Ihren Teppichresten.
  2. TeppichfräseTeppichfräse© Christian Bordes

    Teppichfräse

    Für größere Schadstellen gibt es die sogenannte Teppichfräse. Im Prinzip funktioniert sie genauso wie das Locheisen, allerdings ist die ausgefräste Fläche wesentlich größer. Außerdem müssen Sie die Fräse nicht von oben schlagen, sondern mehrmals hin- und herdrehen.
  3. Teppichboden ausbessernTeppichboden ausbessern© Christian Bordes

    Teppichboden ausbessern

    Auch hier wird aus einem Reststück ein exakt gleichgroßes Stück herausgeschnitten und eingesetzt. Dabei auf die Florrichtung achten, damit der Einsatz nicht sichtbar ist!
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