Clever heizen mit intelligeneter Heizungssteuerung
Smarthome Technik

Clever heizen

Eine vernetzte Heizungssteuerung bietet nicht nur automatisch mehr Heizkomfort. Mit intelligenter Steuerungstechnik sparen Sie eine Menge Energie und Geld. Und nebenbei schonen Sie auch die Umwelt. In unserer Übersicht finden Sie die richtige Nachrüst-Lösung für Ihr Zuhause. Die Installation ist meist recht einfach.

 
Übersicht - smarte Heizungssteuerung © Fotos: Hersteller, Illustrationen: T. Straszburger; Text: Reinhard Otter


Für kaum ein Smarthome-Thema ist die Argumentation so klar wie für eine automatische Heizungssteuerung. Statistisch gesehen ist die Heizenergie für mehr als zwei Drittel des Energieverbrauchs aller Wohnräume in Deutschland verantwortlich. Das geht aus einer Studie der deutschen Energieagentur (DENA) für 2014 hervor. Von beispielhaften 1.000 Euro für Gas und Strom im Haushalt schlagen also fast 700 Euro für eine behagliche Raumtemperatur zu Buche. Dieser Wert ist gemittelt – in modernen, gut gedämmten Häusern dürfte weniger Energie nötig sein, in schlecht isolierten Altbauten umso mehr. Häufig heizen Radiatoren und Etagenthermen aber völlig umsonst – etwa weil niemand zu Hause ist oder die Wärme durchs offene Fenster nach draußen entschwindet.

Digitale Heizungswächter

Solche Fehler im System lassen sich mit einer nachgerüsteten Steuerungs-Automatik verhindern. Die lässt sich beispielsweise so programmieren, dass sie die Raumtemperatur in den Zeiten leicht absinken lässt, zu denen nie jemand zu Hause ist. Heizungssteuerungen können auch offene Fenster erkennen – entweder anhand eines Fensterkontaktes oder über einen Thermostat, der die plötzlich abfallende Raumtemperatur erkennt und die Heizkörper kurzeitig abregelt. Richtig eingesetzt können solche Systeme vor allem in Altbauten mehr als ein Drittel der Heizenergie gegenüber dem normalen Dauer-Heizbetrieb einsparen. 
Passend zu den unterschiedlichen Heizungstypen und dem gewünschten Grad an Steuerungs- und Bedienkomfort gibt es verschiedenste Systeme, um die Raumwärme zu kontrollieren – siehe unten. In den kommenden Absätzen lesen Sie, wie die interessantesten Nachrüst-Lösungen in der Praxis funktionieren und wie leicht Sie diese installieren können.
     

Heizkörper-Stellmotor 

Thermostat-Stellantriebe ersetzen die manuellen Regler. Sie funktionieren autark und lassen sich einzeln mit Heizzeiten und Temperaturen programmieren. Dank Funk-Verbindung lassen sie sich zu Gruppen zusammenfassen – etwa für die Regelung größerer Räume. So kann man für jedes Zimmer Heizprogramme einstellen, passend zu den Nutzungszeiten. Einsatzgebiete: Alle Heizungen mit Radiatoren, egal ob Fernwärme, Zentral- oder Etagenheizung.

     

Zentraler Thermostat

Mit einem zentralen Thermostat lässt sich das Raumklima kontrollieren und steuern. Solche Raumfühler kontrollieren je nach Modell und Heizungssystem entweder per Funk die einzelnen Heizkörper-Stellmotoren, oder sie sprechen über eine Steuerleitung die Heizungstherme (4) an. Die zentralen Thermostate erfassen die Raumtemperatur meist besser als Heizkörperventile und haben teils auch Sensoren für die Luftfeuchte oder CO2-Belastung.

 Smarthome-Systeme

Sie kontrollieren nicht nur, aber eben auch die Heizung. Dafür verbindet sich die Smarthome-Zentrale mit den Funk-Heizkörperventilen, dem Verteiler der Fußbodenheizung oder der Therme. Das System kann dabei Heizungsbefehle mit anderen Szenarien, Wetterdaten aus dem Internet (8) oder vernetzten Wetterstationen (7) koppeln. Auch die Fernsteuerung der Heizung per Smartphone-Apps (9) über das Internet ist damit möglich.

     

       
     

Vor Ort geregelt

Am meisten spart, wer vor Verlassen des Hauses von Raum zu Raum geht und die Heizkörper herunterdreht. Beim Nachhausekommen ist es dann aber zunächst kühl. Warum den Job also nicht an programmierbare Heizkörperventile delegieren? Die gibt es von Herstellern wie Danfoss (rechts) oder Homematic (unten). Sie funktionieren stets nach demselben Prinzip: Eines oder mehrere per Funk miteinander verbundene Ventile werden mit verschiedenen Heizzeiten und -temperaturen programmiert. Um unnötiges Heizen zu vermeiden, lassen sich die Thermostate mit passenden Funk-Fensterkontakten verbinden: Bei offenen Fenstern regeln sich die Ventile ab. Diese Art der Regelung ist bei regelmäßiger An- und Abwesenheit sinnvoll, bietet aber keine Fernbedienung. Die meisten Funk-Ventile lassen sich aber in passende Smarthome- Systeme integrieren. Man kann also zunächst lokal experimentieren und die zentrale Steuerungstechnik bei Bedarf später nachrüsten.

Anschaulich geregelt wird die Temperatur über die Tasten und das Display des Funkthermostats von Danfoss (um 60 Euro). Am Heizkörper lassen sich Zeit- und Temperaturprogramme für jeden Tag programmieren.

Funkthermostat installieren

Der Austausch des Heizventils gegen ein Funkmodell klappt einfach und gefahrlos. Denn das Ventil schließt nicht direkt den Heizkreislauf, es steuert ihn nur über einen Ventil-Stift. Die Programmierung ist ein Kinderspiel.

1) Das Thermostatventil mit einer Rohrzange abschrauben. Mit Stoff zwischen Zange und Gewindering vermeiden Sie Kratzspuren.
2) Prüfen Sie, ob der Standard-Gewindering am Stellantrieb zum Heizkörper passt. Bei Bedarf tauschen Sie diesen aus.
3) Den Funkstellenantrieb mit der Rohrzange anschrauben und satt festziehen. Dabei den Antrieb mit der anderen Hand in Position halten.
     

4) Sind die Batterien eingelegt, lässt sich der Stellantrieb nach kurzer automatischer Einmessung über seine Tasten programmieren.
5) Am Drehrad zunächst die jeweilige Schaltzeit und dann die zugehörige Wunsch-Temperatur wählen. Geht einfach, ist aber etwas fummelig.
6) Längeres Drücken der Programmiertaste aktiviert den Kopplungsmodus, um den Antrieb mit weiteren Komponenten zu verbinden.

Die Wärme-App

Die onlinebasierte App-Steuerung von Tado (Preis: 250 Euro) regelt nicht einzelne Heizkörper, sondern bringt Intelligenz in die Heiztherme und sieht dabei auch noch sehr schön aus...

 

1) Die zentrale Steuerungseinheit von Tado ersetzt den Raumfühler, der bei Etagenthermen und in vielen Einfamilienhäusern im Wohnraum an der Wand hängt. Hier wird die Zentrale gemäß Anleitung über die vorhandenen Steuerungsleitungen mit der Therme verbunden. Tado steuert über 90 Prozent aller Heizungsanlagen (Herstellerinfo). Dafür misst die Zentrale die Temperatur im Raum, der somit als Referenz für die Wohnung dient. In anderen Räumen kann man die Temperatur manuell am Heizkörper anpassen.
2) Das Tado-Gateway verbinden Sie als zweite Komponente mit dem Internet-Router. Es koppelt sich per Funk mit der Zentrale und stellt die Verbindung zum Tado-Onlinedienst her. Dort muss man ein Nutzerkonto erstellen und das wiederum mit dem eigenen System koppeln. Zum Schluss ist noch die Tado-App notwendig – am besten auf den Smartphones aller Bewohner. Sie lässt sich über Einladungs-Mails an alle Mitbewohner für die Steuerung freigeben. Alle Einrichtungsschritte begleitet die Tado- Webseite mit einer verständlichen Anleitung.
     

3) Dank GPS-Daten vom Smartphone erkennt die App, dass die Bewohner außer Haus sind und senkt dank Tado die Temperatur ab – je weiter weg, desto tiefer sinkt sie.
4) Eine Nachtabsenkung lässt sich programmieren. Dabei stellt Tado sicher, dass die Wohnung zur Aufstehzeit warm ist und die Therme nicht dann erst anspringt.
5) Für Gäste oder Bewohner ohne Smartphone lässt sich die Abwesenheitserkennung auch mit manuellen Zeitprogrammen überschreiben, pauschal oder für jeden Tag einzeln.

Komletter Service


Mit System: Mit Devolo steuern Sie nicht nur die Heizung, sondern auch Steckdosen.

Smarthome-Systeme zum Nachrüsten gibt es viele. In der Regel bestehen sie aus einer Zentrale, die mit dem Internet verbunden ist, sowie einer Reihe Schalter, Sensoren und anderen per Funk verbundenen Komponenten. Praktisch alle Systeme sind in der Lage, die Heizung über Heizkörper-Stellmotoren zu kontrollieren. Dabei kommen teils die gleichen Komponenten zum Einsatz, die man auch einzeln nutzen kann. Der oben montierte Stellmotor etwa kommt in den Smarthome- Systemen von Homematic und der Deutschen Telekom zum Einsatz, Danfoss-Modelle mit Z-Wave- Funkübertragung etwa bei Devolo (oben). 

Solche Komplettlösungen haben gegenüber einzelnen Thermostaten einige Vorteile. Man kann etwa die Heizprogramme für alle Räume zentral definieren. Und es ist möglich, Heiz-Funktionen mit anderen Aktionen zu verbinden – siehe unten. Zu guter Letzt ermöglicht das System den Fernzugriff auf alle gesteuerten Funktionen im Haus, per App, zum Beispiel vom Auto aus...

     
        
Kommandobrücke: 
Das Steuerungsmenü eines Smarthome-Systems wie Devolo Home Control kontrolliert die angeschlossenen Sensoren und schaltbaren Geräte

    
    

Guten Morgen: In einer programmierten Szene kann ein Taster eine Reihe von Vorgängen auslösen. Neben der Heizung wird hier die Kaffeemaschine gestartet. In der Zentrale ließe sich diese Befehlskette mit weiteren Aktionen koppeln – etwa das Radio starten und die Bewegungsmelder im Flur aktivieren. Die schalten dann die Beleuchtung ein, sobald der Herr des Hauses sich aus dem Schlafzimmer ins Bad schleppt.

Tschüss: Ein Taster neben der Wohnungstüre kann die Heizung in den Sparmodus versetzen und gleichzeitig die Lichter im Haus abschalten. Ängstliche Bürger könnten mit dem selben Tastendruck auch eine Alarmfunktion über Bewegungsmelder und Fensterkontakte aktivieren, die wiederum beim Auslösen alle Lichter und die Musikanlage einschalten – nur die Phantasie grenzt die Möglichkeiten ein.
   

HEIZUNG MIT FRITZBOX STEUERN


 

Multitalent: Die WLAN-Router der Fritzbox-Serie des Herstellers AVM zählen zuden beliebtesten ihrer Art. Demnächstsollen alle aktuellen Modelle mit DECT Telefonfunktion auch die Heizung steuern können. Neben dem DSL-Anschluss, dem WLAN-Router und der Funktion einer Basisstation für Schnurlostelefone beherrschen diese Modelle auch den Smarthome-Funkstandard ULE (Ultra Low Energy). Auf ihm basiert die Funktion der Fritzbox als Smarthome-Zentrale. Bislang bietet AVM dazu nur per Funk schaltbare Steckdosen, die sich etwa über ein Fritz-Fon-Schnurlostelefon oder die zugehörige App ein- und ausschalten lassen. Neu ist der Funk-Heizkörperthermostat Comet DECT vom deutschen Hersteller Eurotronic, der sich ebenfalls über den ULE-Funkstandard befehligen lässt. Die Fritzbox soll in den nächsten Wochen ein Softwareupdate erhalten, das die Steuerung dieser Funkthermostate auf ähnliche Weise ermöglichen soll wie in anderen Smarthome-Systemen. Vorteil: Fritzbox-Nutzer sparen so eine zusätzliche Smarthome-Zentrale. Die Heizungssteuerung ist sogar bereits in einer Vorab-Version für das Topmodell Fritzbox 7490 zu haben: www.avm.de/fritz-labor/
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Comet DECT: 60 Euro, www.eurotronic.ag
 

RWE SMARTHOME

Der Klassiker: RWE Smarthome war eines der ersten Funk-Nachrüstsysteme. In der Konfigurationsoberfläche lassen sich für Heizkörper oder in jedem Raum Temperaturen und Zeitpläne festlegen. Der Klassiker teilt eine Schwäche mit anderen Komplettsystemen: Sie regeln die Heizung schalt- und zeitpunktbasiert, nicht wie bei Tado oder Alpha EOS zu dem Moment, an dem eine bestimmte Raumtemperatur benötigt wird. Aber darauf kann man die Programmierung einstellen – und lässt die Heizung mit Vorlauf hoch oder runter regeln.
      

Praktisch: Die Funktionen werden in Räumen gruppiert. Kontaktschalter etwa regeln bei offenem Fenster automatisch die Heizung runter.

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Preis: ab 159 Euro, www.rwe-smarthome.de

 

ALPHA EOS

Lernfähig: Das System basiert auf einer Smarthome-Zentrale, Heizkörper-Stellmotoren und einem Luftsensor pro Raum. Alternativ zu Heizkörpern kann AlphaEOS auch Fußbodenheizungen intelligent steuern. Das System agiert selbstlernend und vorausschauend: Es ermittelt aus den Heiz- und Abkühlkurven mit der Zeit die Charakteristiken des Hauses und optimiert seine Heizleistung dank Online-Wettervorhersagen. Das ist gut zur Optimierung langsam reagierender Fußbodenheizungen.
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Preis: ab 470 Euro, www.alphaeos.de

      
VON KOMPLEX BIS EINFACH


Systemsteuerung: Der dänische Heizungsspezialist Danfoss bietet für seine programmierbaren Funk-Stellmotoren der Link-Serie viele Erweiterungsfunktionen an. Der Raumsensor etwa kontrolliert die Temperatur pro Raum für mehrere Heizkörper. Eine Zentrale fürs ganze Haus macht obendrein alle Räume zentral per Touchscreen steuerbar und übers Netzwerk und eine App auf fernsteuerbar. Über eine zusätzliche Steuerungsbox kann das System auch die Therme je nach Wärmebedarf regeln.
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Preise variieren je nach Anzahl der Komponenten, www.danfoss.de

 

NETATMO

Alternative zu Tado: Der Netatmo Thermostat steuert die Heiztherme anstelle des bisherigen Raumreglers und lernt dabei die Aufheiz- und Abkühleigenschaften, genauso wie die Lösung von Tado. So stellt er zu den programmierten Zeiten die gewünschte Temperatur ein und optimiert auch die Effizienz der Therme. Der Thermostat kann Wetter- und Raumklimadaten auch mit den vernetzten Netatmo-Wetterstationen austauschen. Abwesenheit erkennt Netatmo nicht automatisch – man kann den Sparmodus aber über die App aktivieren.
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Preis: 179 Euro, www.netatmo.com

 

 

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