Heizen mit Strom | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
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Heizen mit Strom

Achtung! Sie sind wieder da! Wir meinen nicht nur die kalten Tage, sondern vor allem die damit einhergehenden Rechnungen für das Heizöl, die alljährlich Zornesfalten auf die Hausherrn-Stirne treiben. Ist Heizen mit Strom eine Alternative? Was können die neuen Fußbodentemperiersysteme wirklich? Wir klären auf.

 
Trafo aufhängen © PR
Trafo aufhängen

Mit Strom die gute Stube zu heizen galt jahrzehntelang als dekadent. Synonym für diese Art der Energieverschwendung war und ist der gemeine Radiator, aus dessen relativ kleinem Körper zwar eine Unmenge Wärme ausströmte, was aber nur in der unmittelbaren Nähe wirklich heimelig war. Zudem war das Wohlgefühl teuer erkauft. Zwei Entwicklungen der letzten Jahre geben den Überlegungen, mit Strom zu heizen, wieder neue Nahrung. Zum einen ist das die Kostenexplosion beim Erd- und damit letztlich auch beim Heizöl zur Mitte des Jahres, zum anderen haben die Ingenieure aus der einschlägigen Industrie mit neuartigen Flächenheizsystemen für den Fußboden den Wirkungsgrad von Strom als Wärmequelle beträchtlich verbessern können.

Eine Heizung als Fläche statt als singulären Heizkörper einzubauen, hat enorme Vorteile: So handelt es sich bei diesen Systemen im Ergebnis um Strahlungswärme, die im Allgemeinen als wesentlich angenehmer empfunden wird als die übliche Wärme durch Konvektion (also über den Luftstrom). Außerdem kann für das gleiche Wärmeempfinden bei Flächenheizungen die Vorlauftemperatur um 2° bis 3° C niedriger eingestellt werden als bei Konvektionsheizkörpern. Das Problem bei strombetriebenen Fußbodenheizsystemen ist die Tatsache, dass selbst die gesteigerte Effizienz nicht dazu führt, dass der Heizboden eine vollwertige Raumheizung ersetzt. Nur bei einem einzigen der hier vorgestellten Systeme (Moletherm) wagt der Hersteller, es als „richtige“ Heizung zu bezeichnen. Die anderen Varianten sind eigentlich eher als kleines Komfort- Extra für warme Füße zusätzlich zur Raumheizung gedacht. Nichtsdestoweniger kann dieses Extra eine sinnvolle Ergänzung zur normalen Heizung sein, weil warme Füße einen enormen Anteil am gesamten Wärmeempfinden haben und Sie durch eine Kombination durchaus Kosten durch eine geringer eingestellte Vorlauftemperatur sparen können.

Bei der Selbermacher-Tauglichkeit bei allen Stromheizungen ist allerdings größte Vorsicht geboten. Wir empfehlen unbedingt, alle Anschlüsse, die Sie selber vornehmen und den Anschluss ans Netz grundsätzlich nur vom Fachmann überprüfen und durchführen zu lassen. Alle anderen vorbereitenden und begleitenden Arbeiten, also Verlegen der Dämmung, der Heizmatten und des Bodenbelags sowie die Stemmarbeiten für die Kabelverlegung können Sie natürlich ohne Bedenken selber machen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist eines: Durch eine Fußbodenheizung unter schwimmend verlegten Bodenbelägen entsteht immer ein harter Schnitt zwischen beheizten und unbeheizten Schichten und Bauteilen.

An diesen Schnittstellen fällt sehr gerne Kondenswasser an, das, wenn es unbeachtet bleibt, am Bodenbelag und an den Heizschichten erheblichen Schaden anrichten kann. Unsere dringende Empfehlung lautet deshalb: Legen Sie immer eine dampfbremsende PE-Folie zwischen Estrich und Trittschalldämmung aus, um das Kondenswasser nicht in die empfindlichen Schichten vordringen zu lassen. Schließlich wollen Sie sich noch mehrere Winter über angenehm warme Füße freuen.

Kostenentwicklung von Strom und Öl

Der Preis für leichtes Heizöl kennt seit 1970 nur eine Tendenz: nach oben. Bei einem durchschnittlichen Heizenergieverbrauch von 200 KWh pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr und etwa 6 Cent pro Kilowattstunde an Kosten heizen Sie einen Quadratmeter Ihrer Wohnung für etwa 12 Euro im Jahr. Damit bleibt das Heizöl gegenüber dem Strom als Heizenergieträger deutlich günstiger. Allerdings ist Heizöl ein knappes Gut und wird auch in Zukunft eher teurer.

Moletherm-Zeichnung© SelbermachenMit über 20 Cent pro Kilowattstunde ist Strom derzeit mehr als dreimal so teuer wie Heizöl. In der Beispielrechnung von links kämen Sie auf etwa 40 Euro Heizkosten pro Quadratmeter und Jahr – wohlgemerkt, falls Sie nur mit Strom heizen. Die künftige Strompreisentwicklung hängt im Gegensatz zum Öl nur bedingt von endlichen Vorräten ab, eher von den politischen Weichenstellungen in Sachen Atom- und regenerativen Strom. Er kann also auch billiger werden.

Moletherm: Die einzig Echte

So funktioniert’s:

Moletherm© SelbermachenEine Heizfolie aus Kohlenstoff von 0,3 mm Dicke ist auf eine 3 mm dicke Trittschalldämmung aufkaschiert. Diese 50 x 60 cm großen Matten bilden zusammengelegt eine geschlossene Fläche. Für Bereiche, die Sie nicht beheizen wollen, gibt’s Ausgleichsmatten in gleicher Dicke. Die Heizfläche wird an einen Trafo angeschlossen, den Sie an der Wand aufhängen und den Sie per Stecker mit dem Hausstrom verbinden. Die Temperatur wird über einen Thermostaten geregelt. Das Moletherm-System ist die einzige hier vorgestellte Variante, die als vollwertige Raumheizung gilt und eine herkömmliche Gas- oder Ölheizung mit den Heizkörpern ersetzen kann.

Nur wenig Zubehör und Kabelage sind nötig. Die Verbindung zwischen dem 24-V-Trafo und dem Thermostaten erfolgt per Kabel.

Montage:

Der Estrich im Raum, den Sie beheizen wollen, braucht keine weitere Vorbereitung. Er sollte nur die üblichen Ebenheitstoleranzen (maximal 2 mm Höhenunterschied auf 1 m Länge) nicht überschreiten. Das Auslegen der Heizmatten und das Verbinden per Klebestreifen sowie das Platzieren von Trafo und Thermostat ist für Selbermacher geeignet. Ist das passiert, empfiehlt der Hersteller (und wir auch) dringend, Anschlüsse und Funktion von einem Fachmann überprüfen zu lassen. Nur wenn der seinen Segen gegeben hat, können Sie darangehen, das Laminat oder Fertigparkett zu verlegen. Das muss auf den Heizmatten vorsichtiger vonstatten gehen als sonst, um die Matten nicht zu beschädigen. Der Dielenzuschnitt erfolgt deshalb am besten außerhalb des Raumes. Das Moletherm-System kostet ab 60 Euro pro Quadratmeter. Sie bekommen es in allen Toom-Baumärkten.

Weitere Infos: Moletherm, Telefon (0 21 31) 40 30 60 www.moletherm.com

  1. Heizfolie verbindenHeizfolie verbinden© PR

    Heizfolie verbinden

    Die Heizfolien verbinden Sie mit Klebeband untereinander. Die Kupferlitzen an beiden Seiten müssen über die ganze Länge durchlaufen.
  2. Anschlusskabel fixierenAnschlusskabel fixieren© PR

    Anschlusskabel fixieren

    Am Ende eines Kupferbandes fixieren Sie die Anschlusskabel. Die verschwinden nachher in der 12-mm- Dehnungsfuge zur Wand.
  3. Trafo aufhängenTrafo aufhängen© PR

    Trafo aufhängen

    Den Trafo dürfen Sie zwar aufhängen und vorbereiten, die Anschlüsse der einzelnen Kabel aber muss der Elektriker besorgen.

HARO/AEG: Die Systemlösung

So funktioniert’s:

Haro-Zeichnung© SelbermachenIm Grunde ist die Installation so einfach wie Fertigparkett verlegen. Sie fügen einfach nur eine weitere Schicht zwischen der Trittschalldämmung und dem Bodenbelag ein, nämlich die Heizmatten. Bei denen handelt es sich um schleifenartig auf Gewebegitter fixierte Stromkabel, das Ganze ist zwecks einer besseren Wärmeverteilung auf der Oberseite mit einer Alufolie kaschiert. Die einzelnen Bahnen werden mit Klebeband fixiert, eine Kabelverbindung sichert den Stromfluss.

Das Zusammenspiel zwischen Spannung, Strom und Widerstand sorgt für eine Erwärmung der Kabel, wobei maximal eine Temperatur von 30°C im Kabel selbst und 28°C auf der Holzoberfläche erreicht wird. Einen klobigen Trafo gibt es beim Haro/AEGSystem nicht, dafür werden die Kabel für den Thermostaten unter Putz gelegt.

Montage:

Auch hier ist das Auslegen der 50 cm breiten Heizmatten zwischen Trittschalldämmung und Bodenbelag ein Kinderspiel. Lassen Sie am Ende einen Elektriker alle Anschlüsse überprüfen, bevor Sie das Fertigparkett oder Laminat auf der Heizfläche verlegen. Das gilt hier um so mehr, als der Strom nicht einfach über den Netzstecker, sondern aus dem Anschluss in einer Unterputzdose kommt. Sie müssen also für die Leitungen die Wand und für den Temperaturfühler auch den Boden aufstemmen und verspachteln. Wichtig ist, dass Sie die Heizmatten nicht bis an die Wand legen, sondern hier eine 50 cm breite unbeheizte Ausgleichsmatte ausrollen, um einen Wärmestau unter den dort typischerweise stehenden Möbeln zu verhindern. Die Heizmatten funktionieren unter fast allen Haro-Fertigparketten. Preise für die Matten je nach Größe ab 90 Euro/qm plus etwa 50 Euro/qm für das Parkett.

Weitere Infos: Haro über Hamberger, Telefon (0 80 31) 7 00-0 www.haro.de

  1. Trittschalld anbringenTrittschalld anbringen© PR

    Trittschalld anbringen

    Eine Trittschalldämmung von 3 mm Dicke legen Sie auf eine PE-Folie. Fixieren Sie die Bahnen untereinander per Klebeband.
  2. Heizmatten ausrollenHeizmatten ausrollen© PR

    Heizmatten ausrollen

    Die Heizmatten können Sie beim Ausrollen an den Wänden einfach umbiegen, indem Sie das Gewebe einschneiden. Kabel nicht beschädigen!
  3. Bodenbelag verlegenBodenbelag verlegen© PR

    Bodenbelag verlegen

    Hat der Fachmann alles abgenommen, verlegen Sie den Bodenbelag mit der erforderlichen Vorsicht. Dielenzuschnitt im anderen Raum.

Alloc: Alles in einem

So funktioniert’s:

Alloc© SelbermachenDie stromführende und damit aufwärmbare Schicht ist beim Alloc-Laminat zwischen der Trägerplatte und der unterseitig aufkaschierten Trittschalldämmung verborgen. Diese Schicht wird einfach an einem Ende einer Dielenreihe über zwei kleine Anschlusskabel an ein durchgehendes Kabel angeschlossen, das zum Trafo führt – fertig. Da die Heizschicht direkt unter der recht dichten Trägerplatte liegt, übernimmt Letztere die gleichmäßige Verteilung der Wärme auf die Oberfläche. Die Heizdielen können im Übrigen mit einfachen, unbeheizten Dielen der gleichen Serie aus dem Alloc- Programm kombiniert werden.

Tolle Lösung: Die Verbindung zwischen Trafo und dem Thermostaten geschieht über Funk – das spart jede Menge Kabel und Stemmarbeiten.

Montage:

Das Alloc-Heating-System ist das Selbermacher- freundlichste der hier vorgestellten Systeme. Wirklich schwierig ist nichts, nur das Anklemmen der kurzen Anschlusskabel an die Kupferlitzen zwischen Trägerschicht und Trittschalldämmung ist auf Dauer fummelig. Durch die Farbgebung Grün und Gelb können Sie an keiner Schnittstelle etwas verwechseln, die Kabelverbindung erfolgt über einfache Kunststoffstecker. Für die absolut empfehlenswerte Funktionsprüfung der einzelnen Dielenreihen liefert Alloc sogar ein kleines Lämpchen mit, dessen Kabel an die letzte Diele einer Reihe gehalten wird und das bei erfolgreicher Installation freudig aufleuchtet. Der Anschluss des (optisch wesentlich verbesserten) Trafos ans Netz erfolgt über einen Netzstecker. Gesteuert wird er über den Thermostaten per Funk. Das Alloc-Heating-System ist eine Sonderausstattung für einige Laminatserien. Der Preis liegt etwa 50 Euro/qm über dem Preis für das gleiche Laminat ohne Heizung.

Richtige Anleitung zum Thema [Strom](http://www.helpster.de/themen/strom) und wie man richtig Energie sparen kann, zeigt [helpster.de](http://www.helpster.de/). So heizt man richtig ein.

Weitere Infos: Alloc, Telefon (08 00) 2 55 62 32 www.alloc.de

  1. Diele von der Nut befreienDiele von der Nut befreien© PR

    Diele von der Nut befreien

    Jede erste Diele einer Reihe muss von ihrer wandseitigen Nut befreit werden, damit sie vollflächig aufliegt und die Anschlüsse einfacher sind.
  2. Anschlusskabel fixierenAnschlusskabel fixieren© PR

    Anschlusskabel fixieren

    Je eines der grünen und gelben Anschlusskabel fixieren Sie per mitgelieferter Spezialzange an den stromführenden Kupferlitzen.
  3. Verbindungskabel DieleVerbindungskabel Diele© PR

    Verbindungskabel Diele

    An einem Ende der Dielen verlaufen die Verbindungskabel, in die die kurzen Anschlusskabel der Dielenreihen eingeschoben werden.

SELBER MACHEN 12/2008

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