Smart Home Systeme im Test: Qivicon | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Was taugt Telekom Qivicon?

Smart Home Systeme im Test: Qivicon

Die Telekom bietet mit Qivicon ein drahtloses System zur Heimvernetzung an. Licht, Heizung und mehr sollen sich damit ganz einfach per App steuern lassen. Wir haben es ausprobiert.

 
Das Qivicon-System im Selber machen Test © Telekom
Das Qivicon-System im Selber machen Test

 

Alle reden vom „Smart Home“, bei der Telekom heißt das intelligente Haus wirklich so: Wer den Begriff in Google oder die gängigen App-Stores eingibt, der landet fast automatisch beim Angebot des Bonner Konzerns. Mit der gleichnamigen App für Android- und Apple-Geräte sollen Mieter und Hausbesitzer ihre Wohnung im Griff haben. Sie steuert das Licht, die Heizung oder andere Dinge des Alltags ohne teure Profi-Installation. Drahtlose Steuerung macht es möglich – und deutlich günstiger.

Schaltzentrale des Systems ist die Qivicon Home Base.
 

Das Smart Home der Telekom wird wie ein Handy finanziert: Schon für 1 Euro gibt es Startpakete, die an einen Vertrag gekoppelt sind. Zwei Jahre lang bezahlt der Kunde damit 9,95 Euro im Monat, bevor die Rate auf 4,95 Euro sinkt. Alternativ kann er die Geräte auch kaufen und erhält dann von Anfang an den günstigeren Tarif. Das Kaufmodell ist unter dem Strich aber trotzdem teurer, weil man im Startpaket ein paar Produkte dazugeschenkt bekommt.

Die Basis für ein vernetztes Haus

Zur Grundausstattung gehört in jedem Fall die Qivicon Home Base. Sie ist die Funkzentrale des vernetzten Heims. Von ihr kommen die Befehle zum Schalten von Licht und Steckdosen, für die Temperaturregelung oder den Alarm, wenn jemand unbefugt ein Fenster öffnet. Gleichzeitig gehört die Home Base zur Qivicon-Plattform der Telekom, einem Smart-Home-Steuerungssystem, das auch anderen Anbietern offen steht. Weitere Informationen liefert die Seite www.qivicon.com im Internet.

Im Startmenü laufen alle Funktionen zusammen, über Situationen lassen sich mehrere Aktionen steuern, über Geräte einzelne.
 

In der Praxis bedeutet das: Neben den Bonnern bieten auch Energieversorger wie Vattenfall oder Entega eigene Apps für die Home Base an. Der Hausgerätehersteller Miele hat ebenfalls ein Programm entwickelt. Die monatlichen Kosten und der Funktionsumfang unterscheiden sich von Fall zu Fall. Darum geht es in diesem Test auch nur um die Telekom-Lösung. Wer eine Qivicon-Basis besitzt, kann aber jederzeit wechseln und die App eines anderen Anbieters verwenden. Welche Geräte sich im Einzelnen damit steuern lassen, steht ebenfalls auf der Internetseite in einer sogenannten Kompatibilitätsliste.

Smart Home zum Selbermachen

Die Installation läuft immer gleich ab: Zuerst wird die Home Base mit einem Netzwerkkabel an den Router in der Wohnung angeschlossen. Dann die App „Telekom Smart Home“ aus dem App- Store laden und auf einem Smartphone oder Tablet installieren. Beim ersten Start des Programms müssen Neukunden ein Benutzerkonto anlegen und den mit der Basisstation gelieferten Aktivierungscode eingeben. Danach sucht die Home Base nach Software-Updates und bringt sich bei Bedarf von selbst auf den neusten Stand.

Schritt für Schritt führt die Smart-Home-App durch die Installation des Qivicon-Systems.
 

Was jetzt noch fehlt, sind Sensoren, Schalter und Regler, die den eigentlichen Job erledigen. Den Startpaketen liegen Bewegungsmelder oder Heizungsregler schon bei. Weitere lassen sich nachkaufen. Rund 30 dieser nicht immer formschönen Systemerweiterungen stehen zur Wahl. Den kompletten Überblick gibt wieder die Qivicon-Webseite, einige Beispiele von Bitron und EQ-3 zeigen wir oben rechts. Hinzu kommen Videokameras von D-Link, LED-Lampen von Osram und Philips (Seite 48) sowie mehr als 130 Miele-Hausgeräte – vom Dunstabzug bis zur Waschmaschine – die sich ebenfalls über die Smart-Home-App der Telekom steuern lassen.

Geräte per Funk verbinden

Zur Fernbedienung müssen die Geräte an der Basis angemeldet sein. Ein Installationsassistent in der App hilft bei der Verbindung. Er prüft auch gleich, ob Sender und Empfänger dieselbe Sprache sprechen. Denn von Haus aus kann die Basis nur Geräte steuern, die das Funkprotokoll der Homematic-Produktreihe von EQ-3 verwenden.

Das reicht für viele Anwendungen aus. Manche Komponenten wie die Sensoren und Schaltsteckdosen von Bitron, Osram-Lampen und Miele-Hausgeräte verwenden aber den Zigbee-Standard. Er lässt sich mit einem USB-Stick nachrüsten. Der Stick kommt in eine von vier USB-Buchsen an der Home Base und wird automatisch erkannt. Auf demselben Weg könnte Qivicon auch noch andere Funksprachen wie Bluetooth oder Z-Wave lernen. Bislang sind aber keine Pläne in diese Richtung bekannt. Die Telekom will sichergehen, dass alles funktioniert und lässt deshalb nur mit Qivicon getestete Komponenten zu. Das gesamte Angebot an Homematic- und Zigbee-Geräten wäre eigentlich noch deutlich größer als die Auswahl im Installationsassistenten der App.

Funktion und Bedienung

Die Mühe mit der Zertifizierung zahlt sich aus: Im Smart Home von selber machen arbeiteten alle Komponenten problemlos. Nur zweimal während der mehrwöchigen Testphase kam es zu Ausfällen: Einmal reagierten die Philips-Lampen und die D-Link-Kamera nicht. Ein anderes Mal war für 48 Stunden keine Videoaufnahme möglich, weil die Telekom ihr Mediencenter im Internet auf die neue MagentaCloud umgerüstet hat. Da alle Aufzeichnungen nicht daheim, sondern auf Servern des Anbieters gespeichert werden, müssen diese natürlich erreichbar sein.

Überhaupt ist Qivicon vom Internet abhängig. Als Cloud-basiertes System funktioniert es nur solange, wie die Home Base eine Online-Verbindung hat. Wenn – wie im September 2015 geschehen – das Qivicon-Rechenzentrum über mehrere Stunden ausfällt, ist während dieser Zeit keine Steuerung möglich. Nach Aussage des Smart-Home-Teams im offiziellen Forum (http://community.qivicon.de) arbeiten die Entwickler an einen Offline-Betrieb. Damit soll zumindest in den eigenen vier Wänden eine Bedienung ohne Internet über das WLAN möglich sein. Auch andere Funktionen wie die Kontrolle von Sonos-Musiksystemen und ein Astro-Kalender, der Sonnenauf- und -untergang berücksichtigt, sind in Vorbereitung.

Abgesichert wird das Qivicon-System durch eine verschlüsselte Verbindung.
 

Das Bedienkonzept braucht wie bei den meisten Smart-Home-Systemen etwas Eingewöhnung, ist dann aber sehr durchdacht. Wichtige Bereiche wie „Heizung“, „Kameras“ und der „Alarm“ lassen sich direkt aufrufen oder über sogenannte „Situationen“ miteinander verknüpfen. Wer Steckdosen und Lampen schaltet, kann diese in das Szenario mit aufnehmen. Dann genügt beim Verlassen der Wohnung ein einziger Befehl, um das Licht zu löschen, die Heizung zu drosseln und die Alarmanlage scharf zu schalten. Und da es ja Funktaster gibt, muss man dazu nicht einmal das Smartphone zücken: Der Schalter klebt direkt neben der Haustür.

Die Funktionen

  • Heizungssteuerung: Für die morgendliche Wunschtemperatur oder energiesparende Heizpausen sorgt Qivicon mit Heizkörperthermostaten von EQ-3 (40 Euro pro Stück). Sie ersetzen die bisherigen Ventilköpfe und werden per Funk von der Home Base gesteuert. Zur Einstellung dient die App oder ein zusätzlicher Raumthermostat an der Wand (40 Euro). Fenster- und Türsensensoren (rechte Seite) können während des Lüftens automatisch die Wärmezufuhr drosseln. Die Regelung ist einfach zu bedienen, eignet sich aber nur bedingt für Gas-Etagenheizungen oder andere Anlagen, die ihre Leistung über die Vorlauftemperatur steuern.
  • Alarmfunktion: Mit Videokameras von D-Link behält Qivicon das Smart Home im Auge. Die Webcams für Drinnen (140 Euro) und Draußen (200 Euro) übertragen Live-Bilder direkt in die App. Löst ihre Bewegunsgerkennung Alarm aus, speichern sie Mitschnitte auf Wunsch im Telekom-Mediencenter des Kunden, mittlerweile „Magenta-Cloud“ genannt. Gleichzeitig kann Qivicon im Haus das Licht einschalten und die Sirene (140 Euro) aktivieren. Dasselbe passiert, wenn Tür- und Fenstersensoren oder Bewegungsmelder einen Eindringling melden. Praktisch: Die ganze Anlage lässt sich mit einem Tastendruck scharf schalten. 
  • Lichtsteuerung: Das Qivicon-System schaltet Leuchten über Zwischenstecker oder über sogenannte Unterputz-Aktoren, die an Stelle der bisherigen Lichtschalter an der Wand montiert werden. Zum Dimmen gibt es besondere Zwischenstecker. Sie funktionieren mit Glüh- und Halogenlampen, können aber auch dimmbare LED regeln. Da Leuchtdioden nicht mit jedem Dimmer harmonieren, heißt es „Ausprobieren!“. Die Alternative: Vorhandene Lampen gegen die funkgesteuerten Exemplare eines drahtlosen Lichtsystems austauschen. Osram und Philips bieten solche LED-Lampen an, die sich in ein Qivicon- System integrieren lassen. Dabei werden die Lightify-Modelle von Osram direkt an der Home Base angemeldet, während Philips seine eigene Funkbasis, dazwischen schaltet. Letzteres hat den Vorteil, dass die Lampen auch außerhalb des Smart-Home-Systems über ihre eigene App erreichbar bleiben. In der Telekom-App ist das Programmieren von Lichtstimmungen etwas umständlich.

Mögliche System-Erweiterungen

  • Wassermelder: Wenn der Abfluss unter der Spüle leckt oder die Wasch - maschine ausläuft, merkt es der Batterie-Sensor von EQ-3 zuerst. Ab 1,5 mm Wasserhöhe alarmiert er die Qivicon-Basis. Preis: 70 Euro
  • Tür-/Fensterkontakt: Beim Lüften automatisch die Heizung drosseln oder unbefugte Zutritte erkennen – der zweiteilige Sensor (30 Euro) macht’s möglich. Einfach an Tür- oder Fensterflügel kleben
  • Brandmelder: Ein optischer Sensor im Bitron-Rauchmelder schlägt Alarm, wenn’s brenzlig wird. Gleichzeitig kann er andere Aktionen auslösen – etwa das Licht einschalten. Preis: 55 Euro
  • Zwischenstecker: Den Steckdosen-Adapter von EQ-3 gibt es in zwei Versionen – zum Schalten (40 Euro) oder auch zum Dimmen (60 Euro). Ein anderes Modell misst den Energieverbrauch (50 Euro)
  • Funk-Taster: Der drahtlose Schalter von EQ-3 wird einfach an die Wand oder einen anderen beliebigen Ort geklebt. Seine Funktion ist in der App einstellbar. Dank Wechsel-Blende lässt er sich in bestehende Schalterserien integrieren. Preis: 40 Euro.
  • Bewegungsmelder: Ein Infrarot-Auge überwacht Räume und schaltet zum Beispiel das Licht ein. Neben dem Innensensor gibt es auch ein Modell fürs Freie. Preis: jeweils 60 Euro

Alle Test-Ergebnisse im Überblick: Zu unserer Testtabelle

 

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