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Telefonieren übers Internet

Telefonieren zum Nulltarif – so die Versprechen der Werbung. Natürlich ist nichts umsonst, doch für alle, die einen DSL-Anschluss besitzen, kann das Internet eine lohnende Ergänzung oder Alternative zum Festnetz darstellen. Vier Wege gibt es für den Telefonierer, um in das Web zu kommen.

 
Internetanschluss im Haus © Selbermachen
Internetanschluss im Haus

Die Idee ist nicht neu. Bereits in den 90er Jahren haben Kenner das Internet zum Telefonieren genutzt. Technische Unzulänglichkeiten verhinderten jedoch eine breite Anwendung. Mittlerweile ist das Ganze so weit ausgereift, dass Fachleute schon den nahen Tod des alten Festnetzes prophezeien. VoIP lautet die Bezeichnung, die Abkürzung für Voice over Internet Protocol. Übersetzt etwa: Sprachübermittlung per Internet-Protokoll. Dabei muss der Angerufene nicht zwingend einen Internetanschluss haben, da auch Zugänge zum Festnetz bestehen.

Ohne DSL-Anschluss kein VOIP

Voraussetzung für VoIP ist ein schneller Internetzugang, und der heißt DSL-Breitbandanschluss. Ohne DSL werden die Daten des digitalisierten Telefonats nicht schnell genug weitergeleitet, und das Gespräch klingt abgehackt. Damit lässt sich aber schon der Nutzerkreis einschränken: Wer am Monatsende eh eine niedrige Telefonrechnung hat oder geübt ist in der Nutzung von Call-by- Call-Angeboten, für den werden sich die zusätzlichen Gebühren von etwa 20 Euro im Monat für einen neuen DSLAnschluss, eventuell mit einer Flatrate, derzeit kaum lohnen. Doch sind die Preise hier stark in Bewegung. Aber auch ohne DSL kann man über das Internet telefonieren und dabei Geld sparen durch Nutzung so genannter Telefon-Portale.

Wer bereits über einen DSL-Anschluss verfügt oder aber ihn bereits bestellt hat, um schnell im Internet zu surfen, benötigt als zweite Voraussetzung einen VoIP-Anbieter. Die richtige Wahl des Anbieters und des Leistungspakets entscheidet darüber, wie viel Geld man sparen kann. Bei etwa 50 Anbietern und einer Vielzahl an Leistungen ist dies eine zeitraubende Aufgabe. Hilfe leisten hierbei Tarifrechner im Internet (wie www.teltarif.de ). Das Leistungsspektrum reicht vom einfachen VoIP-Anschluss bis zu Komplettlösungen mit DSL-Internetzugang, Flatrate und der nötigen Hardware.

Die meisten Provider bieten Telefonate zwischen ihren Kunden gebührenfrei an. Ansonsten muss man innerhalb des deutschen Festnetzes etwa 2 Cent pro Minute zahlen, für Auslandsgespräche durchschnittlich 4 Cent. Teurer sind Verbindungen in die Mobilfunknetze. Im Mittel 20 bis 50 Cent pro Minute. Wer also viel Zeit mit Telefonieren verbringt, sollte eine Flatrate wählen.

Softphones© SelbermachenNeben den reinen Kosten sollte man auch darauf achten, dass der Anbieter das so genannte SIP-Protokoll unterstützt. Dieses Netzprotokoll entwickelt sich zum Standard für VoIP. Fazit: Wer viel telefoniert und dafür viel Geld ausgibt, findet mit der Nutzung des Internets zum Telefonieren ein Einsparpotential. Vorausgesetzt, man wählt unter den Anbietern und deren Produktpaletten das, was zum persönlichem „Telefonier-Verhalten“ passt. Aber auch die, die wenig für das Telefonieren ausgeben, können durch die gezielte Nutzung von Telefonportalen und Softphones zum Nulltarif Geld sparen.

Der zweite Vorteil, mit dem geworben wird, ist die weltweite „nomadische“ Nutzung. Hat man eine Ortsvorwahl von seinem Provider zugeteilt bekommen, ist es egal, wo auf der Welt man in das Netz geht. Telefoniert wird zum Ortstarif. Doch ist die Nutzung der Internetzugänge meist gebührenpflichtig.

Wo gibt´s das?: Conrad, Telefon (0 96 22) 30-0.

Was ist eigentlich DSL?

Digital Subscriber Line, so die ausführliche Bezeichnung für ein Verfahren, das herkömmliche Kupferkabel für die schnelle Übertragung großer Datenmengen zu nutzen. Um eine ausreichende Sprachqualität beim Telefonieren zu gewährleisten, sollte DSL 1000, besser DSL 2000 gewählt werden. Solche DSL-Breitbandanschlüsse sind inklusive Flatrate für etwa 20 Euro im Monat zu bekommen, Tendenz sinkend. Will man mehrere Geräte anschließen, wird neben dem Modem noch ein so genannter Router benötigt, der die Daten auf die Endgeräte verteilt. Neu und in der Leistung sowie im Preis gleichwertig ist ein Internetzugang über das TV-Kabel.

Für Einsteiger:VoIP-Software

Für Computerbesitzer, die VoIP ohne große Anschaffungskosten einmal auszuprobieren wollen. Der Rechner wird mit einer speziellen Software, dem „Softphone“, zum Telefon umfunktioniert. Diese Software stellen VoIP-Anbieter kostenlos zur Verfügung. Neben einem Rechner mit Soundkarte wird noch ein Headset (ab 5 Euro) benötigt. Nachteilig ist, dass man beim Telefonieren vor dem eingeschalteten Computer sitzen muss. Trost: mit einer Webcam (ab 20 Euro) kann man seinen Gesprächspartner nicht nur hören, sondern auch sehen.

Altes Bewahren: VoIP-Adapter

Wer Headsets nicht mag und den gewohnten Telefonkomfort genießen möchte, kann mit einem VoIP-Adapter sein herkömmliches Festnetztelefon internetfähig machen. Solche Geräte sind bereits ab 50 Euro zu bekommen und verbinden das analoge Telefon mit dem DSL-Router. Neben den geringen Anschaffungskosten bieten Adapter wie die Tiptel-CyberBox 100 den Vorteil, problemlos zwischen Festnetz und Internet wählen zu können. Weitere Pluspunkte: Beim Telefonieren kann der Computer entweder ausgeschaltet bleiben, um Strom zu sparen, oder zum Surfen genutzt werden. Ein DSL-Anschluss mit hoher Übertragungsrate (DSL 2000) ist dann empfehlenswert.

Nur ein Gerät: IP-Telefon

Wer sich letztlich dazu entschlossen hat, das klassische Festnetz nicht mehr zu nutzen, kann sich ein spezielles Internettelefon zulegen. Solche Telefone sind ab etwa 100 Euro im Handel zu haben. Anrufe über die analoge Leitung sind damit allerdings nicht mehr möglich. Für alle, die sich beim Telefonieren frei bewegen wollen, gibt es auch schnurlose Modelle ab 80 Euro. Voraussetzung ist hier ein DSL-Router mit WLAN, also ein Router, der die Verbindung zwischen Computer und Ein-/Ausgabegeräten per Funk aufbaut. Auch bei dieser Lösung gilt der Vorteil, dass der Rechner nicht oder anders genutzt werden kann. Viele Provider bieten die nötige Hardware günstig oder kostenlos an.

Artikel aus selber machen Ausgabe 03/2011. Jetzt abonnieren!
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