Heizanlage sanieren | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Heizung

Heizanlage sanieren

Wer neu baut, hat kein Problem mit veralteten Heizanlagen, doch wer in einer „alten Hütte“ wohnt und seine Heizanlage sanieren möchte, muss erst mal sehen, was möglich ist, was es kostet und mit welchem Aufwand man rechnen muss. Dabei hilft Ihnen unser Überblick.

 
Zukunft Altbau © Chris Lambertsen
Zukunft Altbau

Mit der Heiztechnik ist es hierzulande in den meisten Altbauten schlecht bestellt: Nur rund 12 Prozent der 17 Millionen Heizungsanlagen sind auf dem heutigen Stand der Technik, so eine Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbandes und der Vereinigung der deutschen Sanitärwirtschaft. Dabei schonen moderne Heizsysteme Geldbeutel und Umwelt gleichermaßen. In Zeiten von knapper und teurer werdendem Gas und Öl hat es also Sinn, über eine Sanierung nachzudenken. Eine neue Anlage kann dann gut so geplant werden, dass zumindest ein Teil des Wärmebedarfs über erneuerbare Energien gedeckt wird.

Holzpellets – vollwertiger Ersatz für Öl oder Gas

Lange galt der heimische Rohstoff Holz zum Heizen als rückständig, zu teuer und allenfalls noch als romantisch. In Form von Pellets hält er nun verstärkt Einzug in Privathaushalte. Die zylindrischen oder stäbchenförmigen Presslinge aus Holzresten und -abfällen sind zwischen 0,5 und 4,5 cm lang, haben einen Durchmesser von 6 bis 8 mm und werden als Schüttgut verwendet. Dank ihrer Größe und ihrer Rieselfähigkeit sind sie einfach zu handhaben und leicht zu transportieren. Eine Pelletheizung besteht aus einem Lagerbehälter, einem Heizkessel und der Verbindung zwischen beiden, dem Austragsystem. Die Systeme gelten als technisch voll ausgereift.

Holzpellets können in separaten, trockenen Räumen oder in speziellen Behältern im Gebäude, im Freien oder auch unter der Erde aufbewahrt werden. Der Lagerraum oder -behälter muss für die Anlieferung von der Straßenseite aus erreichbar sein. Das benötigte Volumen hängt vom Wärmebedarf des Gebäudes ab. Im Idealfall wird eine Jahresbrennstoffmenge eingelagert. Als Faustregel gilt dann: Die Gebäudeheizlast in Kilowatt multipliziert mit dem Faktor 0,9 ergibt das Lagerraumvolumen in Kubikmetern. Bei einer vollautomatischen Pelletzentralheizung gelangen die Presslinge aus dem Lagerraum oder -behälter über ein Austragsystem – entweder ist das eine Förderschnecke oder ein pneumatisch betriebenes Saugsystem – in den Brennraum des Kessels.

Die Pelletmenge wird bei modernen Anlagen durch eine automatische Regelung an die Kesselleistung angepasst. Im Kessel werden die Presslinge elektrisch gezündet und bei rund 1000°C nahezu rückstandsfrei verbrannt. Dabei wird nur so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie die Pflanze während ihres Wachstums gebunden hat. Durch die günstigen Kohlendioxidwerte ist dieses Heizsystem ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Geförderte Alternative

© SelbermachenEin Pellet-Heizkessel wird von Bund und Ländern gefördert. Mit genug Lagerkapazität, arbeitet er so selbstverständlich wie herkömmliche Kessel.

1 Wärmetauscher, 2 Turbulatoren, 3 Automatische Wärmetauscherreinigung, 4 Kesselkörper mit Rundumwärmedämmung, 5 Unterbau wassergekühlt, 6 Kesselsteuerung, 7 Aschekasten, 8 Pelletbrenner, 9 Stoker-Schnecke zum Brennraum, 10 Verbrennungsgebläse, 11 Schnecke für Ascheaustrag, 12 Zündgebläse, 13 Zellradschleuse

Kosten: Die Anschaffung einer Pelletzentralheizung mit Regelung und Fördersystem beziffert die Stiftung Warentest mit mindestens 10 000 Euro. Bei den laufenden Kosten können die Pelletheizungen jedoch punkten: Nach Berechnungen des Deutschen Energie-Pellet-Verbandes (DEPV) liegen die Brennstoffkosten pro Jahr heute im Schnitt bei etwa 56 % der Erdgas- und 57 % der Heizölkosten. Informationen:www.depv.de, www.depi.de, www.aktionholzpellets.de

Wärmepumpen – im Altbau nicht immer machbar

© SelbermachenWärmepumpen machen die Umweltwärme aus der Luft, dem Erdreich oder dem Grundwasser für die Heizung und zur Warmwasserbereitung nutzbar. Das System funktioniert wie ein Kühlschrank – nur in der umgekehrten Richtung: Durch Wärmekollektoren oder Sonden wird ein flüssiges Kühlmittel gepumpt. Dieses nimmt die Wärme über die Rohrwände auf und verdampft dabei. Das Gas wird von der Wärmepumpe unter starken Druck verdichtet und auf diese Weise erwärmt. Die Wärme wird in einem Wärmetauscher auf das Wasser des Heizsystems übertragen. Bevor der Wärmeträger erneut in die Sonde oder die Kollektoren strömt, wird der Druck abgelassen. Die Flüssigkeit kühlt auf ihre ursprüngliche Temperatur ab.

© SelbermachenBesonders effektiv sind Pumpen, welche das Erdreich und/oder das Grundwasser als Wärmequellen nutzen: Dort sind die Temperaturen ganzjährig konstant hoch. Um sie zu erschließen, können schlangenförmige Flachkollektoren in einer Tiefe von etwa 1,5 m verlegt werden. Das setzt eine gut zugängliche, ausreichend große, unbebaute Fläche voraus. Bei Bestandsimmobilien gibt es diese jedoch nur selten. Die Alternative ist, eine Sonde vertikal rund 100 m tief ins Erdreich zu bohren. Die Beschaffenheit des Untergrundes spielt eine wesentliche Rolle für den Aufwand. Mittlerweile gibt es auch kleine Bohrgeräte, die auf begrenzten Flächen einsetzbar sind. Dennoch: Die Installation einer erd- oder grundwassergebundenen Wärmepumpe ist in einem bebauten Wohnumfeld weit aufwendiger als beim Neubau.

© SelbermachenUm die Umweltwärme auf das Temperaturniveau anzuheben, was für die Hausheizung benötigt wird, braucht die Wärmepumpe Antriebsenergie: Elektrizität. Energetisch effizient ist eine Wärmepumpenanlage nur, wenn der Temperaturhub und damit die notwendige Antriebsenergie möglichst gering ist. Ideal ist eine Vorlauftemperatur von 35° oder 40° C. Damit lassen sich jedoch nur gut gedämmte Gebäude mit großen Heizflächen wie zum Beispiel einer Fußbodenheizung heizen. Auch diese Voraussetzungen sind im Altbau oft nicht gegeben. Oder sie erfordern zusätzliche Investitionen, die meist in den Kostenvergleichsrechnungen nicht enthalten sind.

Kosten: Die Investitionskosten variieren bei diesem Heizsystem sehr stark nach der Wärmequelle und den Bedingungen vor Ort. Die Installation einer Heizungsanlage mit einer Wärmepumpe und einer 100 m tiefen Erdsonde für ein Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 120 qm kostet nach Angaben des Bundesverbandes Wärme- Pumpe rund 20 000 Euro. Die jährlichen Betriebskosten für den Strom liegen je nach Anlage und Gebäudezustand zwischen 500 Euro und 800 Euro. Informationen: www.waermepumpe.de, www.geothermie.de

Solarthermische Anlagen – ideale Kombi-Partner

© SelbermachenAuch Sonnenenergie steht hierzulande frei Haus zur Verfügung. Sie dient solarthermischen Anlagen als Wärmequelle. Als alleiniger Wärmeerzeuger kommt eine solche Anlage in unseren Breiten zwar nicht in Frage, sie ist jedoch ein idealer Kombi-Partner für einen Holzpelletkessel, eine Wärmepumpe oder auch die Brennwerttechnik. Reicht die Sonnenenergie nicht aus, so wird dieses zweite System in Gang gesetzt. Das Prinzip ist einfach: Robuste, kostengünstige Flachkollektoren oder effizientere Vakuumröhrenkollektoren wandeln die Solarstrahlung in nutzbare Wärme um. Diese wird von einer Wärmeträgerflüssigkeit im Innern der Kollektoren aufgenommen und mit einer Umwälzpumpe in den Wärmetauscher eines Speichers gepumpt. © SelbermachenDort gibt die Flüssigkeit ihre Wärme an das relativ kältere Pufferwasser des Heizkreises im Speicher ab. Es gibt Warmwasser-Solaranlagen und Kombi-Solaranlagen. Eine Warmwasser- Solaranlage hilft vor allem im Sommer, Energie zu sparen: Optimal dimensioniert, deckt sie außerhalb der Heizperiode den Warmwasserbedarf vollständig ab. Nach Berechnungen der Deutschen Energieagentur (dena) kann eine solche Anlage mit einer Kollektorfläche von 4 bis 6 qm und einem Speicher von 300 l bis zu 60 Prozent des jährlichen Warmwasserbedarfs in einem Vier-Personen-Haushalt sichern. Kombi-Solaranlagen erwärmen ebenfalls das Brauchwasser. Zugleich unterstützen sie die Raumheizung und können diese in Übergangszeiten ersetzen.

Dena rechnet vor: Eine Anlage mit einer Kollektorfläche von 10 qm und einem Speichervolumen von 750 l kann in einem gut gedämmten Gebäude einen Deckungsbeitrag von 20 Prozent leisten. Das System steht und fällt mit der Positionierung der Kollektoren. Sie werden im Idealfall auf oder in schrägen, nach Süden ausgerichteten Dachflächen installiert. Abweichungen nach Südost oder Südwest verringern den Nutzwert geringfügig. Voraussetzung ist immer: Die Statik des Daches muss ausreichen. Auch Wandmontagen oder Freiaufstellungen sind möglich. Die Oberfläche der Module sollte nicht durch Bäume, Nachbarhäuser, Giebel oder Antennen verschattet werden. Eine Baugenehmigung ist in den seltensten Fällen – zum Beispiel bei denkmalgeschützten Gebäuden – nötig. Auf Nummer sicher geht, wer vorher eine – kostenlose – Bauanzeige bei der Baubehörde einreicht.

Kosten: Die Investitionskosten für eine Warmwasser-Solaranlage beziffert die Dena für einen Vier-Personen-Haushalt mit 4000 bis 6000 Euro, für eine Kombi-Solaranlage zwischen 8000 und 12 000 Euro inklusive Montage. Hinzu kommt dann noch das zweite Heizsystem. Informationen: www.dgs.de, www.solarserver.de, www.solarwirtschaft.de

Wenn schon Öl oder Gas – bitte mit Brennwerttechnik!

© SelbermachenKommen Pelletkessel oder Wärmepumpe nicht in Frage, so führt kein Weg an Öl- oder Gas vorbei – als alleiniger Wärmequelle, besser noch als Ergänzung zur Solaranlage. Dann sollte allerdings die Öl- oder Gas-Heizung auf den modernsten Stand gebracht werden. Ein kompakter, platzsparender Brennwertkessel ist ein preisgünstiger Ersatz für den Oldie im Keller. Er ist besser gedämmt und vergeudet so weniger Wärme im Heizraum. Und: Er nutzt die Kondensationswärme im Wasserdampf, der bislang ungenutzt durch den Schornstein entweicht. Bei einem Gasbrenner passt sich die modulierte Flamme an den schwankenden Wärmebedarf im Haus an. Wird außerdem die alte Umwälzpumpe durch eine geregelte Hocheffizienzpumpe ersetzt, so spart das eine ganze Menge Strom. Insgesamt senken diese technischen Verbesserungen die notwendige Primärenergie im Vergleich zu einem Niedertemperaturkessel Baujahr 1985 um etwa ein Drittel, so Stiftung Warentest. Kostspielige Fehlfunktionen lassen sich durch regelmäßige Wartung der Heizung und durch einen hydraulischen Abgleich vermeiden.

Und wenn dann noch die Heizungs- und Warmwasserleitungen im kalten Keller gedämmt sind. Allerdings: Brennwertkessel brauchen Abgassysteme, die unempfindlich gegen Feuchtigkeit sind. Das Kondensat, das durch die niedrigen Abgastemperaturen im Schornstein entsteht, muss problemlos entweichen können. Bei Bestandsimmobilien wird dazu meist ein Edelstahl- oder Kunststoffrohr in den Schornstein eingezogen. Kosten: Ein Brennwertkessel kostet etwa 4000 bis 7000 Euro inklusive Regelung. Hinzu kommen Kosten für Montage und Schornsteinsanierung. Eine geregelte Hocheffizienzpumpe kostet rund 200 Euro.

Födermittel nutzen

Wird die Heizungsanlage im Rahmen einer Gesamtsanierung eingebaut, so kommen Darlehen oder Zuschüsse der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Frage: Telefon (0 18 01) 3355 77 oder www.kfw.de.

Im Rahmen des Marktanreizprogrammes (MAP) der Bundesregierung zur Förderung erneuerbarer Energien gibt es direkte Zuschüsse für Holzpelletkessel, Solaranlagen und Wärmepumpen. Die Basisförderung wird durch ein Bonussystem ergänzt, was auch Zuschüsse für Umwälzpumpen und Kesseltausch beinhaltet. Infos und Förderanträge gibt es beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA): Telefon (061 96) 9 08-625 oder www.bafa.de.

Die Mittel von KFW und Bafa können kombiniert werden. Viele regionale Energieversorger sowie einzelne Länder geben ebenfalls Zuschüsse. Einen Überblick ermöglicht der Bine-Infodienst: www.energiefoerderung.info.de.

© SelbermachenModerne Heizanlagen sparen in Kombination mit einer Solaranlage (Solarthermie) über die Hälfte CO2-Emission gegenüber alten Heizkesseln (vor 1978) ein. Das gilt heute schon als Basistechnik.

Basisinformationen zur Heizungssanierung

Gute Grundlagen für Sanierungsplanung sind im Internet zu finden, zum Beispiel unter www.zukunft-haus.info oder www.energiesparen-im-haushalt.de. Bei den Detailplanungen vor Ort hilft ein Energieberater (zu finden über die Verbraucherzentrale vor Ort oder die Adressenliste der Bafa (www.bafa.de). Wer unschlüssig ist, welcher Energieträger für sein Haus in Frage kommt, kann auf der Seite www.klima-sucht-schutz.de in der Rubrik „Heizkosten im Altbau“ sein bisheriges Heizsystem mit zeitgemäßen Alternativen vergleichen.

SELBER MACHEN 02/2010

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