Holzofen, Kamin

Holzofen - Heizen mit Holz

Wenn in den 60er-Jahren jemand vorausgesagt hätte, dass im neuen Jahrtausend der eigene Holzofen wieder zum Standard in den Wohnzimmern werden würde, man hätte ihn ausgelacht. Doch moderne Öfen und Kamine können viel mehr als die alten Holzfresser!

 
Heizen mit Holz © Selbermachen
Heizen mit Holz

Holzofen: wohlige Wärme aus dem Wald

Es gibt keine Begründung mehr, warum man heute keinen Holzofen oder modernen Kamin haben sollte. Und dabei geht es nicht nur um die gallopierenden Energiepreise, die uns allen den Spaß an der Zentralheizung nehmen, ganz gleich, ob die nun mit Öl, Gas oder Strom betrieben wird. Sich selber um wohlige Wärme, vielleicht sogar auch ums warme Wasser zu kümmern hat auch eine emotionale Seite.

Das fängt damit an, dass Sie (hoffentlich …) selber Ihren Brennstoff ernten. Sie suchen sich die besten Stücke im Wald aus. Sie bestimmen, was mit in Ihre Holzlege darf und was im Wald bleiben muss. So haben Sie eine ganz andere Einstellung zu dem Holzscheit, den Sie in Ihren Ofen legen. Und Sie wissen auch nach kurzer Zeit genau, wie viel Holz Sie brauchen – wie viel Zeit Sie im Wald einsetzen müssen –, um die nächste Heizperiode zu überstehen. Und das Aufspalten des Holzes hat mit moderner Technik seinen Schrecken verloren. Das haben wir Ihnen regelmäßig in Tests und Praxisinformationen gezeigt. Wer aber einmal Spaß am Heizen mit Holz gefunden hat, wird häufig weitere Einsatzmöglichkeiten für die „grüne Wärme“ suchen: Das rasant wachsende Angebot an Öfen mit Anbindung an die Heizung, ja sogar eine ganz neue Generation von mit Holz befeuerten Herden spricht eine deutliche Sprache. Aber alles das lesen Sie am besten auf den kommenden Seiten in unserem Schwerpunkt.

Erfolgreicher Klassiker: Der Kachelofen

Die bei der Verbrennung im Feuerraum erzeugte Wärme wird über Heizgaszüge durch den ganzen Ofenkörper zum Schornstein geführt. Dabei wärmen sich die keramischen Materialien langsam auf. Sie geben die gespeicherte Wärme nach und nach in Form von Wärmestrahlung über die Oberfläche an den Raum ab. Damit ist die Staubfracht der Luft sehr gering – ein Segen für Allergiker und für denjenigen, der im Raum sauber macht. Die wärmende Wirkung eines Kachelofens hält über mehrere Stunden an, auch wenn die Glut längst erloschen ist. Je nach Bauart und Witterung reichen ein bis drei Brennholzgaben für einen kontinuierlichen Dauerbetrieb. Kein anderer Ofen erfordert so wenig Bedienungsaufwand. Der Wirkungsgrad kann bei langen Zügen bis zu 90 Prozent erreichen, sodass kaum Asche entsorgt werden muss. Damit der Kachelofen optimal funktioniert, muss er vom Ofenbauer exakt berechnet werden. Grundöfen lassen sich für einen Wärmebedarf von zwei bis sechs Kilowattstunden individuell planen und bauen. Sie werden mit Brennholz befeuert.

Varianten des Kachelofens

Aufgrund seiner langen Aufwärmzeit ist der klassische Kachelofen für spontane Zwecke ungeeignet. Dieses Manko können Abwandlungen des Kachelofens ganz oder teilweise beheben. Etwa der Warmluftkachelofen. In seiner Heizkammer ist ein meist gusseiserner Heizeinsatz mit hochmoderner Verbrennungstechnik eingebaut. Es gibt Ausführungen für feste Brennstoffe wie Scheitholz oder Briketts, aber auch für Gas oder Öl. Durch Umluftöffnungen im Sockelbereich des Ofens gelangt kühle Luft zum Heizeinsatz. Sie wird erwärmt und steigt nach oben. Ein Teil der Wärme wird von dem keramischen Körper des Ofens – oft auch zusätzlich von einem Nachheizregister aus Stahl, Guss oder Schamotte – zunächst gespeichert und wie beim klassischen Kachelofen nach und nach als Strahlungswärme an den Raum abgegeben. Der zweite, in der Regel deutlich größere Teil der erwärmten Luft wird direkt über Lüftungsgitter oder -schlitze in den angrenzenden oder über Warmluftkanäle in einen anderen Raum geführt. Das Ergebnis ist schnelle, behagliche Wärme, allerdings verbunden mit Luftbewegung. Der Wirkungsgrad eines Warmluftkachelofens liegt meist unter dem eines Grundofens, der Preis auch. Eine weitere Variante sind leichtere Kachelofen-Ausführungen, z.B. aus Porenbeton-Steinen mit einem meist verkürzten Zug und damit verringertem Speicher. Um dennoch hohe Wirkungsgrade zu erzielen, wird solch ein Ofen meist auch mit einem gusseisernen Heizeinsatz ausgestattet.

Weiterentwicklung: Der Heizkamin

In einem Kamin, der zum Wohnraum offen ist, lässt sich die Verbrennungsluft nicht regeln. Der hohe Luftüberschuss verursacht zusammen mit niedrigen Verbrennungstemperaturen viele Schadstoffe. Gleichzeitig wird vergleichsweise wenig Wärme abgegeben. Daher werden offene Kamine heute in der Regel mit einem Heizeinsatz aus Stahlblech oder Gusseisen ausgerüstet, der eine kontrollierte Luftführung bietet.

Zieht sogar mit um: Der Kaminofen

Frei im Raum stehende Kaminöfen sind die häufigsten der modernen Feuerstätten und sind mit Einstiegspreisen ab rund 300 Euro die günstigste Feuerstättenvariante. Darüber hinaus kann der Kaminofen noch durch seinen geringen Installationsaufwand punkten. Denn ist ein geeigneter Schornstein vorhanden, dann lässt sich ein Kaminofen mit wenigen Handgriffen in jeden Wohnraum ein- und auch wieder ausbauen. Damit ist der Kaminofen sozusagen die einzige Feuer-Wärmequelle, die bei einem Auszug aus einem Haus oder einer Wohnung mit ausziehen kann. Der beliebte Wärmespender wird über ein Ofenrohr an den Schornstein angeschlossen. Voraussetzung für den Einbau ist ausreichend Zug. Der kann nur entstehen, wenn Feuerstätte und Schornstein zusammenpassen. Dabei spielen Größenverhältnisse, Zustand, Höhe und Material des Schornsteins eine Rolle. Hier ist der Schornsteinfeger gefragt. Er muss ohnehin vor der Aufstellung einer Feuerstätte seine Zustimmung geben und diese nach der Installation abnehmen. Die Wärme gibt der Kaminofen dann sofort an den Raum ab, sodass er schnell aufheizt. Gleichzeitig sind die Nachlegeintervalle sehr kurz. Insgesamt ist der Kaminofen eine gemütliche Zusatzheizung in der Übergangszeit.

Die jüngsten Holzöfen: Pelletfeuerungen

Mittlerweile gibt es sowohl Kachelofenheizeinsätze als auch Kaminöfen, die mit Pellets betrieben werden. Die Anlage wird über eine Zeitschaltuhr und ein externes Thermostat gesteuert. In Abhängigkeit von der gewünschten Raumtemperatur dosiert sie die Nachfüllmenge und reguliert die Luftzufuhr. Mit ihrem Bedienkomfort kommt eine Pelletfeuerung der modernen Zentralheizung nahe. Gleichzeitig ist die Verbrennung schadstoffärmer als bei jeder anderen Einzelfeuerstätte, der Wirkungsgrad der Anlage unübertroffen. Für einen solchen Ofen mit Pelletfeuerung muss man schon 2500 Euro und mehr einkalkulieren.

Weitere neue Technologien beim Holzofen

  • Stark im Kommen sind darüber hinaus wasserführende Kamine und Öfen, eine Übergangsform zwischen Einzelraumfeuerstätte und der Zentralheizung: Der Ofen gibt dabei einen Teil seiner Wärme an die direkte Umgebung ab. Der Rest wird in einen Heizkreislauf eingespeist.
  • Weiter sind Geräte auf dem Markt, die alternativ mit Pellets oder Scheitholz betrieben werden können. Weitere Informationen im Internet: www.ratgeber-ofen.de, www.ofenkachel.de

Der Brennstoff bestimmt das Erwärmungstempo

Pellets, Briketts und Scheitholz dürfen in handbeschickten häuslichen Feuerstätten verfeuert werden. Dabei bestimmen diese Brennstoffe, wie schnell sich der Raum erwärmt und wie schnell nachgelegt werden muss!

Nicht jede Feuerstätte ist für jeden Brennstoff geeignet: Klassische Kachelöfen können in der Regel nur mit Scheitholz betrieben werden. Öfen und Kamine, in denen Scheitholz verbrannt werden darf, können üblicherweise auch mit Holzbriketts bestückt werden. Es gibt auch Produkte, in denen heute Scheitholz und morgen Kohlebriketts flackern können. Sie sind mit einem Rost ausgestattet. Pellets können nur ausschließlich in speziellen Pelletöfen verwendet werden. Auskunft darüber, für welchen Brennstoff ein Ofen oder Kamineinsatz zugelassen ist, gibt der Hersteller oder der Fachhändler.

Scheitholz

NADELHÖLZER - enthalten viel Harz. Dadurch neigen sie beim Verbrennen zum Spritzen und zu Funkenflug und können schädliche Ablagerungen („Glanzruß“) im Ofen oder Schornstein bilden. Sie sollten nur in geschlossenen Öfen verwendet werden. Der große Vorteil von Fichte, Kiefer & Co. ist: Sie brennen gut an und haben einen etwas höheren Heizwert als Laubhölzer der gleichen Gewichtseinheit. Somit eignen sich trockene, fingerdicke und kleine Scheite (Spanholz) natürlich hervorragend zum Anzünden.

PAPPEL-, WEIDEN- oder ERLENHOLZ - ist relativ schnell abgebrannt. Als Scheitholz ist es bestenfalls im Sommer gefragt, wenn weniger Energieleistung benötigt wird. Nadelhölzer, aber auch Pappel-, Weiden- und Erlenholz haben eine geringe Massendichte. Sie brennen schneller ab und müssen häufiger nachgelegt werden. Gleichzeitig nehmen sie mehr Raum ein als Buchen- oder gar Eichenholz.

BIRKENHOLZ - ist dank seiner weißen Rinde als dekoratives Scheitholz beliebt. Durch die ätherischen Öle im Holz verbrennt es bläulich schimmernd und wohlriechend.

BUCHENHOLZ - gilt als das beste Kaminholz: Es entwickelt viel Glut und erzeugt eine gleichmäßige, lang andauernde Wärme und ein schönes Flammenbild ohne Funkenspritzer.

ESCHE, AHORN oder KIRSCHE - sind Harthölzer und kommen der Buche sehr nah, sind jedoch im Handel selten erhältlich.

EICHENHOLZ - zeichnet sich durch einen hohen Heizwert und lange Brenndauer aus und ist damit perfekt für den Abbrand. Durch die enthaltene Gerbsäure entsteht ein gewöhnungsbedürftiger Geruch.

Pellets

Die genormten Winzlinge aus getrocknetem, naturbelassenem Holz können mit einer ganzen Reihe von Vorteilen aufwarten: geringer Wassergehalt, hohe Energiedichte mit entsprechend geringem Lagerflächenbedarf, äußerst geringe Staub- und CO2-Emission, geringer Ascheanfall, optimale Dosierungsmöglichkeiten und vergleichsweise stabile Preise. Allerdings ist das Flammenbild von Pellets wenig beeindruckend und bislang nahezu ausschließlich in Einzelraumfeuerstätten erlebbar, die nur für Pellets zugelassen sind. Diese sind zwar dank automatischer Steuerung sehr komfortabel, aber auch kostspielig in der Anschaffung. Und Pelleteinsätze – Körbe aus feuerfestem Material, die in den Kamin oder Ofen gestellt werden – büßen genau das Merkmal der komfortablen Handhabung ein.

Holzbriketts

Grundsätzlich können in jedem für Scheitholz zugelassenen Ofen oder Kamin alternativ Holzbriketts verheizt werden, es sei denn, der Hersteller verbietet dies ausdrücklich.  © Holzbriketts Die kompakten Presslinge aus getrockneten Säge- oder Hobelspänen liefern zwar ein weniger schönes Flammenbild, doch sind sie vor allem dann interessant, wenn wenig Lagerraum zur Verfügung steht: Ihr Energiegehalt ist deutlich höher als der von Scheitholz. Damit wird weniger Masse benötigt, um dieselbe Wärme zu erzielen. Und: Das Anzünden von Holzbriketts ist ein Kinderspiel. Ob quader- oder walzenförmig – das spielt für das Brennverhalten der Briketts keine Rolle, wohl aber der Grad der Verdichtung: Zum Anheizen sind weniger hoch verdichtete, preislich günstigere Briketts vorteilhaft, weil sie leichter und schneller abbrennen. So werden rasch hohe Temperaturen erreicht. Soll die Wärme dann länger gehalten werden, sind hoch verdichtete Briketts die erste Wahl. Sie geben die Energie langsamer ab. Das vergrößert auch die Nachlegintervalle. Die walzenförmigen Stangenbriketts gibt es auch mit einem mittigen Loch. Viele Feuerstättenbesitzer schwören auf diese Briketts, da sie aufgrund der größeren Oberfläche besser anbrennen. Untersuchungen oder Belege dafür gibt es jedoch nicht. Und auch für den Preis spielt das Loch keine Rolle. Denn: Anders als bei Scheitholz werden Briketts generell nach Gewicht abgerechnet.

Rindenbriketts

© RindenbrikettsBeim bis vor kurzer Zeit noch relativ unbekannten Brennstoff Rindenbriketts wird statt Holzfasern naturbelassene Baumrinde verpresst. Die daraus entstehenden 8 cm dicken und 22 cm langen Briketts sind eine ideale Ergänzung zu Scheitholz oder Holzbriketts: Während Letztere für die relativ schnelle Erwärmung und das Feuerspiel sorgen, halten die Rindenbriketts die Glut und damit auch die Wärme bis zu 15 Stunden lang. Zu bekommen sind die Briketts in 7-kg- und 10-kg-Paketen.

Kohlebriketts

Vor allem in traditionellen Tagebauregionen spielt Braunkohle als Brennstoff auch für Einzelfeuerstätten heute noch eine große Rolle. Dafür muss das Gerät über eine entsprechende Zulassung verfügen. Ein Rost und ein Aschekasten sind dafür die wesentlichen Voraussetzungen. Das große Plus von Kohlebriketts ist: Sie brennen lange gleichmäßig. Früher war es üblich, nach dem abendlichen Holzfeuer über Nacht mit Kohle zu heizen, um morgens noch Glut zu haben. Zudem sind die Briketts kostengünstig. Allerdings neigen Braunkohlebriketts bei hohem Schwefelanteil zu üblem Geruch. Und, dies sollte bedacht sein: Kohle ist ein nicht nachwachsender Rohstoff. Bei seiner Verbrennung wird neben Feinstaub viel CO2 freigesetzt. Wenn es streng nach Umweltschutzgründen geht, sind diese Briketts nicht uneingeschränkt zu empfehlen.

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