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Kaminöfen

Kaminöfen

Kaminöfen mit ihren lodernden Flammen erleben derzeit einen Boom wie niemals zuvor. Als holzbetriebene Zusatzheizung bringen sie deutliche Kostenvorteile und wohlige Wärme. Was Sie bei Kauf und Einbau beachten müssen.

 

Die Verlockung ist groß: Kaminöfen werden in Baumärkten derzeit ab 300 Euro angeboten. ln Sonderaktionen gibt es sie sogar schon für deutlich weniger Geld. Doch wer ein solches Schnäppchen ergattern will, muss sich beeilen. Denn kaum ein Produkt findet derzeit so reißenden Absatz wie Kaminöfen. Bereits über drei Millionen von ihnen brennen in deutschen Stuben.

Hinter dem aktuellen Kaminofen-Boom steckt natürlich auch der Schock über rasant steigende Heizkosten. Ein Kaminofen ist mit preiswertem Holz zu betreiben und während Herbst und Frühjahr durchaus in der Lage, eine Wohnung oder gar ein kleines Haus alleine mit ausreichender Wärme zu versorgen.

Die Investition fällt in der Regel jedoch höher aus, als es die Baumarkt-Schnäppchen nahelegen. Wer einen qualitativ hochwertigen Kaminofen sucht, der stilistisch zum Rest der Wohnung passt, muss schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Die Preise für Markengeräte beginnen bei etwa 600 Euro, erreichen aber schnell den vierstelligen Bereich. Ausgefallene und großzügig ausgestattete Kaminöfen kosten nicht selten 2000 Euro und – mitunter deutlich mehr.

Die Preisunterschiede spiegeln nicht nur Individualität im Design wider, sondern auch Sorgfalt in Konstruktion und Herstellung. Bei Markenherstellern dauert die Entwicklung eines Kaminofens – von der ersten Designidee bis zum serienreifen Produkt – mindestens ein Jahr. Denn die immer höheren Ansprüche an das Erscheinungsbild dürfen nicht zu Lasten der Funktion gehen. Schließlich soll der Ofen nicht nur toll ausehen, sondern auch optimal wärmen. Außerdem müssen Kaminöfen heute strenge Tests bestehen, bevor sie zugelassen werden. Mindestanforderung ist die DIn 18896, die zum Beispiel festlegt, dass der Ofen einen Wirkungsgrad von mindesten 70 Prozent haben muss. Ob der Kaminofen im Laden diesen Test bestanden hat, erkennt man am Ü-Zeichen.

Neben dem Ü-Zeichen gibt es weitere Qualitätsmerkmale, die die zum Teil erheblichen Preisunterschiede bei Kaminöfen verständlich machen. Ein erster Anhaltspunkt ist das Gewicht. Je schwerer der Kaminofen, desto mehr Stahl wärmt den Raum. Zusätzliche Verkleidungen aus Keramik, Marmor oder Speckstein haben nicht nur optischen Reiz, sondern verändern auch das Wärmverhalten eines Ofens. Ausreichende Materialdicke vorausgesetzt, können verkleidete Öfen noch Stunden nach der letzten Flamme die gespeicherte Wärme abgeben.

Kaminöfen sind geschlossene Systeme, Luft sollte nur durch die dafür vorgesehenen Öffnungen eindringen. Achten Sie beim Kauf deshalb darauf, wie stabil die Tür wirkt. Wackeln Tür, Griff oder Anschlussstutzen, ist Vorsicht geboten. Auch Roststellen an Korpus oder Griffen sind Zeichen für mangelhafte Qualität.

Fragen Sie beim Kauf danach, ob und wie lange die Versorgung mit Ersatzteilen gesichert ist. Viele Markenhersteller liefern Ersatzteile noch nach 20 und mehr Jahren. Auch dieser Service ist natürlich im Verkaufspreis enthalten.

Aktuelle Trends

Neben dem praktischen Aspekt wohliger Wärme spielt beim Kauf eines Kaminofens auch das Aussehen eine Rolle. Er soll zur restlichen Einrichtung passen. Je größer die Auswahl an Ausstattungs- und Farbvarianten, desto höher fällt in der Regel der Preis aus. Preiswerte Kaminöfen gibt es oft nur in ein oder zwei Varianten.

Für ein Höchstmaß an Gemütlichkeit sorgt das Spiel der Flammen, das gut sichtbar sein soll. Hier gilt: Je größer die Sichtfenster, desto teurer der Ofen.

In der Käufergunst ganz oben stehen derzeit drehbare Modelle, die sich mal zum Esstisch, mal zur Sitzecke hin ausrichten lassen, je nachdem, wo man sich gerade aufhält. Damit hängt vermutlich auch die steigende Nachfrage nach runden Ofenmodellen zusammen, die von den Herstellern registriert wird.

Dimensionierung des Ofens

Einer der häufigsten Fehler ist der Kauf eines zu groß dimensionierten Kaminofens. Das Motto „viel hilft viel“ gilt hier nicht, schließlich sollen die Bewohner lediglich gewärmt werden, nicht gegrillt.

Als Faustregel gilt: 1 kW Nennwärmeleistung pro 10 qm Wohnraum. Das kann jedoch nur ein grober Anhaltspunkt sein, da die genaue Abstimmung letztlich von den Dämmwerten des Hauses abhängt. Außerdem sind die angegebenen Heizwerte auch nur ein Mittelwert, der je nach Befeuerung unter- oder überschritten wird. Lassen Sie sich beraten, etwa von Ihrem Schornsteinfegermeister.

Trotzdem wird bereits klar: Selbst kleine Kaminöfen haben eine Nennwärmeleistung von 6 oder 8 kW – eigentlich schon zu viel für ein normales Wohnzimmer. Problematisch ist es, wenn Sie einen stark überdimensionierten Ofen aufstellen. Dann müssen Sie das Feuer ständig drosseln, was beispielsweise schnell beschlagene Sichtscheiben zur Folge hat.

Einen Kaminofen planen

Dreh- und Angelpunkt beim Ofenkauf ist der Schornstein Ihres Hauses, und über dessen Eignung kann nur einer endgültig richten: der Bezirksschornsteinfegermeister. Sie sollten ihn von Beginn an in Ihre Planungen einbeziehen. nur so können Sie sicher sein, dass ein Kaminofen sich für ihre Wohnung eignet. Um das herauszufinden, wendet der Schornsteinfeger eine komplizierte Formel nach DIn 33884/1 an. Dafür gibt es spezielle Computerprogramme, die Laien in der Regel nicht zur Verfügung stehen. Außerdem begutachtet der Experte die räumlichen Voraussetzungen und sagt Ihnen, was Sie beim Aufstellen beachten müssen.

Eine erste Beratung durch den Bezirksschornsteinfeger ist übrigens kostenlos. Erst wenn Sie darangehen, Ihr Ofenprojekt zu verwirklichen, müssen Sie für die schriftliche Schornsteinfreigabe und die Schlussabnahme etwa 70 Euro kalkulieren. noch einmal rund 50 Euro werden fällig, wenn der Schornsteinfeger die konkrete Eignung des von Ihnen ins Auge gefassten Ofenmodells berechnen soll. Diese Aufgabe übernimmt aber auch – beim Ofenkauf natürlich kostenlos – der Fachhandel anhand der Schornsteindaten.

Kaminofen selbst aufstellen

Selbermacher können Ihren neuen Kaminofen grundsätzlich selbst aufstellen und anschließen. Äußerste Vorsicht ist jedoch bei neuen Schornsteinen geboten, die innen mit Schamottesteinen ausgekleidet sind. Wer diesen Schamottesteinen mit Hammer und Meißel zu Leibe rückt, kann nicht nur einzelne Platten für immer zerstören, sondern unter umständen auch die gesamte Statik des Schornsteins ins Wanken bringen. Die Folge wären sehr teure Reparaturarbeiten durch einen Fachbetrieb.

Bei einfachen, gemauerten Schornsteinen müssen Sie ein entsprechend großes Loch schlagen, in das mit feuerfestem Mörtel ein so genanntes Doppelwandfutter eingesetzt wird. Es verhindert, dass das Rauchrohr in den Schornstein hineinragt und so die Leistung des Rauchabzuges mindert.

Beim Aufstellen des Ofen müssen Sie natürlich die Angaben des Kaminofen-Herstellers beachten. Brennbare Fußbodenmaterialien schützen Sie mit einer Bodenplatte aus Stahl oder Spezialglas. Sie muss nach vorne mindestens 50 cm, zu den Seiten mindestens 30 cm größer sein als der Ofen. Zu Rückwänden mit brennbaren Materialien beträgt der Abstand mindestens 20 cm. Im Strahlungsbereich der Öffnung müssen brennbare Teile mindestens 80 cm entfernt sein.

Lösungen für den Rauchabzug

Schornsteinsysteme können natürlich auch nachgerüstet werden: Ist überhaupt kein für den Kaminofen geeigneter Rauchabzug im Haus vorhanden, können Sie einen ganz neuen anbringen. Die eleganteste Methode sind Außenwandschornsteine aus korrosionsbeständigem Edelstahl. Sie werden entlang der Fassade bis über das Dach geführt. Für Einfamilienhäuser gibt es auch Bausätze, die innen nach oben geführt werden. Bei Sanierungen bestehender Kamine können keramische Rohre vom Dach aus in den alten Schornsteinzug eingesetzt werden.

Was heißt „Bauart 1“?

Bei Öfen der Bauart 1 bleibt die Feuerraumtür immer geschlossen – natürlich mit Ausnahme der Bedienung. Die meisten Kaminöfen entsprechen dieser Bauart und verfügen deshalb über Feuerraumtüren, die nach dem Loslassen von selbst in die geschlossene Position gleiten. Der große Vorteil: Öfen der Bauart 1 können an Schornsteinen Platz finden, an denen bereits andere Öfen angeschlossen sind. Im Gegensatz dazu benötigen Kaminöfen der Bauart 2 – sie können auch mit offenen Türen betrieben werden – einen eigenen Rauchabzug.

Welches Holz, und was kostet das?

Für Kaminöfen empfiehlt sich Holz von Laubbäumen, besonders Buche und Birke. Das Holz muss zwei bis drei Jahre getrocknet sein, denn frisches Holz hat nur die Hälfte des Brennwertes und entwickelt zu viele Abgase. Damit das Sichtfenster nicht verrußt, sollte das Holz im Feuerraum parallel zur Scheibe liegen, denn an der Stirnseite tritt das meiste Holzgas aus. Ein Raummeter Kaminholz vom Händler kostet zwischen 50 und 70 Euro. Ein Raummeter Laubholz entspricht einem Heizwert von 2100 kWh beziehungsweise 210 l Heizöl oder 260 kg Kohle. Gegenüber Heizöl ist das einen Kostenvorteil von etwa 50 %. Noch billiger wird es, wenn Sie selbst mit der Kettensäge in den Wald ziehen. Dann gibt es den Raummeter bereits ab 7 Euro. Nachteil hier: Das Holz muss erst zwei bis drei Jahre trocknen. Bezugsquellen finden Sie im Internet unter www.kaminholzmarkt.de. Wer das Holz selber schlagen möchte, wendet sich an das örtliche Forstamt.

Woher kommt der Sauerstoff?

© SelbermachenKaminöfen bieten eine Kombination von Strahlungs - und Konvektionswärme. Bei ersterer wird die Wärme des Feuers direkt über die dichten Materialien des Ofens wie etwa Speckstein an die Umgebungsluft abgegeben. Die Konvektionswärme entsteht dann, wenn kühle Raumluft angesogen, am Brennraum vorbeigeführt und als so erwärmte Luft wieder in den Raum abgegeben wird. Die Primärluft ist die zur eigentlichen Verbrennung nötige Luft, während die Sekundärluft die Aufgabe hat, die Türscheibe zu hinterspülen und so von Ruß freizuhalten. Dazu wird sie über dem Brennraum zugeführt und auf etwa 300°C vorgeheizt. nach dem „Spülen“ fällt die Sekundärluft der Verbrennung anheim und entweicht zusammen mit der Primärluft als Abgas. Im oberen Bereich des Kaminofens findet die Nachverbrennung der Heizgase statt Die angefallene Asche fällt durch den Schüttelrost in die Aschelade. Die Auskleidung mit Schamottesteinen sorgt für gleichmäßige Verbrennung.

  1. Putz abtragen© Selbermachen

    Putz abtragen

    Mit Hammer und Meißel wird zuerst der Putz abgetragen, dann die Kaminwandung durchschlagen.
  2. Doppelwandfutter© Selbermachen

    Doppelwandfutter

    Halten Sie das Doppelwandfutter zur Kontrolle immer wieder an das Stemmloch. Das Futter muss am Ende stramm im Loch sitzen.
  3. Übergang egalisieren© Selbermachen

    Übergang egalisieren

    Streichen Sie die Lochlaibung mit feuerfestem Gips ein, drücken Sie das Futter ins Loch und egalisieren Sie den Übergang mit einem Schwamm.
Artikel aus selber machen Ausgabe 06/2010. Jetzt abonnieren!
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