Waschtischarmaturen | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Armaturen

Waschtischarmaturen

Ob stabförmige Hebel oder Kreuzgriffe, kantige oder geschwungene Ausläufe – bei Waschtischarmaturen besticht zunächst das Äußere. Das viel wichtigere Innenleben verliert man dabei leicht aus dem Auge.

 
Waschbecken © Selbermachen
Waschbecken

Ob das Design einer Waschtischarmatur zur übrigen Einrichtung passt – ein Blick genügt. Ihr Innenleben aber, die Funktion, entzieht sich der Beurteilung durch den Laien, da sie unsichtbar in der schönen Hülle verborgen ist. Dabei gibt es gerade hier große Unterschiede.

Material prüfen

Als Schutz vor Korrosion sollte der Armaturenkörper aus Edelstahl bestehen oder aus vollständig vernickeltem Messingguss. Erst auf die vernickelte Oberfläche kommt eine Farbbehandlung oder eine Verchromung.

An unbeschichteten Stellen des vernickelten Messingkörpers kann Nickel ausgewaschen werden, der Messingkörper selbst enthält geringe Anteile Blei. Nickel und Blei, die über das Trinkwasser aufgenommen werden, können gesundheitsschädlich sein. Hier lohnt es sich, auf Prüfzeichen zu achten: Bei Armaturen, die von LGA (Landesgewerbe- Anstalt) oder DVGW (Dachverband Gas- und Wasserwirtschaft) geprüft wurden, dürfen Nickel- und Bleianteile bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten. Wer sicher gehen will, sollte kein Wasser zu sich nehmen, was länger in der Armatur stand: Das erste Wasser morgens kann dem Blumengießen dienen.

Das Herz jeder Einhebelarmatur ist die Kartusche. Darin befinden sich Dichtungsscheiben aus Gummi oder Keramik, die den Wasserdurchfluss regeln. Ob eine Armatur leichtgängig ist und dicht schließt, hängt von Material und Verarbeitung eben dieser Dichtungen ab. Doch vor dem No-Name-Produkt im Baumarkt steht der Kunde oft ratlos. Am verschleißärmsten sind keramische Dichtungen, die in jedem Einhebelmischer stecken. Bei Zweigriff- oder Mehrlocharmaturen werden oft deutlich kostengünstigere Gummidichtungen verwendet. Markenhersteller werben deshalb mit ihren keramischen Dichtungen. Auch das Zusammenspiel muss stimmen. Der Hebel der Armatur sollte durch eine Messingwelle mit den Dichtungsscheiben verbunden sein. Spezielle Schmiermittel sorgen für eine samtweiche Gängigkeit des Hebels oder der Griffe. Markenhersteller bauen Depots mit Schmiermitteln ein, um eine wartungsfreie Gleitfunktion zu gewährleisten.

Geräuschpegel

Wassernutzung macht Lärm – durch Druckschläge beim Öffnen und Schließen einer Armatur, durch Umlenkungen und Wirbelbildung des Wassers, durch hohe Fließgeschwindigkeiten bei Querschnittsverengungen oder Richtungsänderungen in Leitungen und Armaturen.Beschädigte Dichtungen und lose Spindeln rattern gar.

Solch ein Geräusch-Sammelsurium kann nervtötend sein für jemanden, der zu Hause Ruhe und Erholung sucht. Schlimmer noch: Sind die Rohre aus Metall, so wird der Lärm ins ganze Haus übertragen. Wasserhähne werden in Geräuschklassen eingeteilt. In Klasse I, der leisesten, entwickeln sie unter dem üblichen Wasserdruck im Haus (3 bar) einen Geräuschpegel von bis zu 20 Dezibel. Sie sind damit etwa so laut wie das Ticken einer Uhr. Armaturen der Geräuschklasse II entwickeln beim selben Druck immerhin bis zu 30 Dezibel. Das entspricht einem leisen Gespräch. Im Mehrfamilienhaus dürfen übrigens nur Armaturen der Geräuschklasse I und keine Armaturen ohne Geräuschprüfzeichen akkreditierter Prüfstellen wie der LGA eingebaut werden.

Verbrühgefahr reduzieren

In den Steuerungspatronen von vielen Markenarmaturen lässt sich eine Heißwasser- Temperaturkontrolle einstellen, indem der Schwenkbereich des Armaturenhebels begrenzt wird. Das reduziert die Verbrühgefahr, besonders wenn das Trinkwasser im Sommer über eine Solaranlage erhitzt wird. Außerdem wird heißes Wasser nicht vergeudet.

Wasser und Energie sparen

Armaturen werden in Durchflussklassen kategorisiert. Diese sind am letzten Buchstaben des Prüfzeichens auf der Armaturenpackung erkennbar und sagen aus, wie viel Wasser bei voll aufgedrehtem Hahn und normalen Druckverhältnissen (3 bar) durch den Strahlregler am Hahnauslauf fließt. In der gängigen Durchlaufklasse A sind das bis zu 15 Liter pro Minute. Damit wird oft viel Wasser und Energie verschwendet. Um den Wasserdurchfluss zu begrenzen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die einfachste sind eingebaute Durchflussbegrenzer. Bei einigen Produkten kann die gewünschte Menge durch eine Einstellung in der Kartusche individuell vom Monteur festgelegt werden.

Bei anderen sorgt ein Luftsprudler am Auslauf für eine konstante Mengenbegrenzung. Mit Einhandarmaturen, Marktführern an deutschen Waschtischen, lässt sich theoretisch mehr Wasser sparen als mit Zwei-Griff-Modellen: Die gewünschte Temperatur ist schneller und komfortabler eingestellt, weniger Wasser fließt ungenutzt ab. Dabei gilt: Je größer der Radius des Hebels und damit die Mischwasserzone, um so präziser die Einstellmöglichkeiten. Zudem kann der Hebel während des Einseifens mit dem Ellenbogen runter gedrückt werden. In der Praxis werden diese Sparmöglichkeiten jedoch oft nicht ausgeschöpft.

Problem Nummer eins: Der Hebel der Armatur hat einen kurzen Öffnungsweg. Er wird schnell zu weit oder gar bis zum Anschlag hochgezogen, so dass unbeabsichtigt zu viel Wasser fließt. Immer mehr Modelle verfügen deshalb über einen Widerstand, welcher den Hebel etwa bei halbem Durchfluss bremst. Wird mehr Wasser benötigt, so muss dieser Widerstand überwunden werden.

Problem Nummer zwei: Allzu oft steht der Hebel aus optischen oder ergonomischen Gründen in Mittelstellung. Bei herkömmlichen Einhebelmischern wird in dieser Mittelstellung jeweils etwa zur Hälfte warmes und kaltes Wasser gemischt, selbst wenn nur kaltes benötigt wird. Dadurch wird unnötig Energie verschwendet, denn beim kurzen Händewaschen gelangt das heiße Wasser nicht mal bis zum Auslauf. Es erwärmt nur die Leitung. Einige Hersteller bieten nun Einhebelmischer an, die bei Mittelstellung kaltes Wasser sprudeln lassen. Die Mischzone liegt dann ausschließlich im linken Bereich. Der verkürzte Weg des Mischhebels macht dann die Dosierung wieder etwas unpräziser.

Auch kalkabweisende Beläge in Armaturen können ihren Beitrag zum Wassersparen leisten: Kalk ist nicht nur unansehnlich, er lagert sich oft zuerst in der Mitte des Auslaufsiebs ab, so dass Wasser ungenutzt zur Seite spritzt.

Vor der Investition vergleichen

Jeder Hersteller hat für seine Spartechnologie andere Namen als die Konkurrenz. Wer also ein echtes Eco-Modell sucht, muss genau vergleichen.

Alte Armaturen nachrüsten

Auch ältere Armaturen mit gängigen Ausläufen lassen sich problemlos mit Durchflussbegrenzern nachrüsten. Empfehlenswert sind Produkte, welche die Durchflussmenge unabhängig von Wasserdruck und möglichen Schwankungen auf eine konstante Größe reduzieren (sogenannte Konstanthalter), zum Beispiel auf sechs Liter pro Minute für den Hahn am Waschtisch im Bad. Bei Niederdruckarmaturen oder drucklosen Warmwasserbereitern wie elektrischen Durchlauferhitzern darf der Durchfluss nicht reduziert werden. Durchflussbegrenzer können zusätzlich mit einem Luftsprudler versehen sein. Damit erscheint der Wasserstrahl so füllig wie gewohnt und gleichzeitig angenehm weich.

Mehr als nur „Auf“ und „Zu“ bieten moderne Einhebelmischer mit Kartuschentechnik. In dem Vollmetallgehäuse der Armatur verbirgt sich ein kleines technisches Wunderwerk aus bis zu 40 Bauteilen – die Kartusche. Über eine Art Pleuel, das mit dem Armaturhebel verbunden ist, werden zwei Dichtungsscheiben so gegeneinander verschoben, dass die gewünschte Wassermenge aus dem Hahn fließt. Zugleich kann aber auch die Öffnungsgröße von Warmund Kaltwasserzufluss reguliert werden, wodurch mit einem Dreh angenehm temperiertes Wasser zur Verfügung steht. Die Griffstange für die Mimik des Abflussverschlusses und der Perlator für die Luftbeimischung zum Wasser gehören natürlich auch dazu.

Ein Klick zum Wasser sparen

Das klingt nach Computersteuerung, ist aber eine simple mechanische Lösung, um das wertvolle Nass nicht zu verschwenden. Beim Öffnen der Wasserzufuhr ist in guten Kartuschen-Armaturen ein leichter Widerstand spürbar, sobald die Leitung halb geöffnet ist. Für die meisten Anwendungen reicht diese Wassermenge schon aus. Manche Armaturen bieten sogar ein akustisches Signal, wenn der Widerstand überwunden wird.

Warmes Wasser für den Gulli. Meist steht der Armaturenhebel in der Mitte, wo schon warmes Wasser zugemischt wird. Für kaltes Wasser muss man den Hebel drehen – macht man oft nicht – oder eine Armatur haben, die nur im linken Drehbereich Warmwasser zumischt.

Qualitäts-Check

Bei Ventilarmaturen hilft ein schneller Test: Lässt sich der Griff nur eine Viertel- bis eine halbe Drehung drehen und ist der Anschlag hart, so handelt es sich um eine keramische Dichtung. Bei Gummidichtungen sind durchaus fünf bis sechs Umdrehungen möglich. Der Anschlag ist weich.

SELBER MACHEN 10/2007

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren