Es werde Licht | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Technik: Smarthome

Es werde Licht

Fernbedienbare LED-Lampen sorgen für Stimmung oder lassen die Wohnung bewohnt aussehen, wenn niemand da ist. Vor allem aber: Sie brauchen keine aufwändige Installation mit Steuerleitungen. Das macht die Vernetzung so einfach wie einen Glühbirnen-Wechsel.
 

 
Smarthome Beleuchtung © T. Straszburger

Intelligentes Licht bedeutet Komfort. Das leuchtet jedem ein, der schon mal in einem vernetzten Haus war. Per Tastendruck dimmt dort das Licht zum Fernsehabend oder für ein gemütliches Abendessen mit Freunden. Die Nachtbeleuchtung im Flur weist blendfrei den Weg zur Toilette, sobald jemand das Schlafzimmer verlässt. Das Smart Home begrüßt seine Bewohner beim Nachhausekommen mit warmem Schein und schreckt ungebetene Besucher mit Flutlicht im Garten ab. Die ganze Lichtsteuerung scheiterte bislang nur häufig an den Kosten. Um Lampen zu vernetzten, waren aufwändige Unterputz-Installationen wie der Hausbus KNX nötig. Inzwischen funktioniert das Meiste aber ganz entspannt auch drahtlos.

Per Funk steuerbar
Standards wie Bluetooth, WLAN oder Zigbee Light Link halten Einzug in die Leuchtmittel. Damit werden immer mehr Lampen fernbedienbar – auch um einen hohen Anschaffungspreis zu rechtfertigen, denn mit LEDs, die 25.000 Stunden oder länger halten, fällt für die Hersteller das lukrative Folgegeschäft weg. Der Kunde wechselt nicht mehr alle zwei bis drei Jahre die Glühlampe. Wer aber einmal begonnen hat, seine Leuchtmittel drahtlos zu steuern, der greift auch beim Umrüsten der anderen Räume zur selben Marke, um nicht mit verschiedenen Systemen hantieren zu müssen. Es lohnt sich also, genau hinzuschauen, welche Lampen ein Anbieter im Programm hat. Für Anschlüsse wie das Schraubgewinde E27 gibt es genügend Auswahl. Auch Ersatz für Hochvolt-Halogenlampen mit GU10-Sockel ist leicht zu bekommen. Doch schon drahtlose Modelle für kleine Edison-Gewinde (E14) gehören zu den Exoten.

Fernbedienung
Funklampen mit Infrarot-Fernbedienung sind die preiswerteste Art, Licht zu steuern. Es gibt sie in verschiedenen Bauformen schon für wenige Euro. Allerdings ist ihr Funktionsumfang begrenzt. So lassen sich viele Modelle nicht stufenlos dimmen und bei so - genannten RGB-Lampen sind die möglichen Farben fest voreingestellt. Auch eine Integration in Smart-Home-Systeme ist nicht möglich.

Smartphone
LED-Lampen mit eigener App kosten mehr als ihre infrarot gesteuerten Kollegen. Was sie können, hängt vom Programm und vom Funkstandard ab. Bluetooth-Modelle reagieren nur auf Befehle aus kurzer Distanz. Lampen mit WLAN oder Zigbee lassen sich auch aus anderen Räumen und via Internet steuern – sofern die App dies unterstützt.

Smart Home
Am meisten Möglichkeiten bieten Lampen, die sich mit einem Smart-Home-System verbinden lassen. Dann kann zum Beispiel ein Bewegungsmelder das Licht einschalten. Außerdem gibt es für die Steuerung von Licht, Heizung und anderen Funktionen eine gemeinsame App. Weiterer Vorteil: Mit Schaltsteckdosen (Bild) werden sogar alte, unintelligente Leuchten fernbedienbar. Manche dieser Steckdosenadapter können zusätzlich auch noch dimmen.

Bluetooth
Der Kurzstreckenfunk Bluetooth ist eher von Computer-Mäusen und Lautsprechern bekannt. Es gibt aber auch LED-Lampen, die mit der drahtlosen Technik ausgestattet sind. Sie werden einmalig mit dem Smartphone verbunden („gepaart“) und reagieren dann auf Befehle einer App. Jeder Hersteller bietet solche Programme zur Steuerung von Helligkeit und Farbe an – meist für Apple- und Android-Geräte. Austauschbar sind sie nicht. Wer Lampen verschiedener Marken kauft, braucht mehrere Apps. Achtung: Der Abstand zur Lampe darf nicht zu groß sein. In manchen Wohnungen reicht der Funk nur 5 bis 6 Meter weit. Die Installation ist einfach: Lediglich die vorhandene Lampe gegen eine fernbedienbare tauschen

Elgato Avea
Stimmungslicht: Die Avea ist nur von iOS-Geräten aus steuerbar – inklusive Apple Watch. Neben Farbwechseln, die Naturereignisse wie Polarlichter oder Kaminfeuer simulieren, gibt sie auch weißes Licht mit regelbarer Farbtemperatur. Preis: 45 Euro, www.elgato.com

Sengled Pulse
Leuchtsprecher: Das Gehäuse beherbergt neben warmweißen LEDs auch Lautsprecher von JBL. Damit spielt die Pulse Musik vom Smart -
phone. Zwei Exemplare gehören zum Startpaket, auf acht lässt sich das Soundsystem erweitern. Preis: um 170 Euro, www.sengled.com

Megaman Ingenium Blu
Austauschprogramm: Die Lampenserie Ingenium Blu von Megaman umfasst neben Strahlern für GU-10-Sockel (Bild) auch E27- Lampen und Downlights. Alle ohne Farbregelung aber dimmbar von 10 bis 100 Prozent. Die App ist einfach und funktional. Preis: ab etwa 30 Euro, www.megaman.de

Tabü Lümini
Miniatur: Eine der wenigen fernbedienbaren LED-Lampen mit dem E14-Sockel. Tabü bringt Farbwechsel und Smartphone-Steuerung damit auf den Nachttisch und in andere kleine Tischleuchten. Ein Adapter für das große E27-Gewinde liegt bei. Preis: um 16 Euro, www.tabuproducts.com

Awox Aromalight Color
Duftwolke: Ein Schwämmchen und ein kleiner Ventilator im Kopf der LED-Lampe verströmen jedes beliebige ätherische Öl. Die Intensität ist dabei ebenso per App steuerbar wie die Farbe und die Farbtemperatur von weißem Licht. Preis: um 40 Euro, www.awox.com

Lumedo LED-Control
Kontrolleur: Das kleine Kästchen steuert LED-Streifen per Bluetooth nachdem sie an den Controller angeklemmt sind. Zum Betrieb ist ein Netzteil nötig – und die Fernbedienungs - App gibt’s bislang nur fürs iPhone. Preis: 160 Euro, www.lumedo.de

Mipow Playbulb Color
Alleinunterhalter: Die Lautsprecher-Lampe sorgt am Abend für Hintegrundbeschallung und weckt am Morgen mit Musik aus der App und Licht in einer gewünschten Farbe. Der 12 Zentimeter lange Kolben passt nur nicht in jede Leuchte. Preis: um 80 Euro, www.playbulb.com

W-LAN
Wenn es bereits ein drahtloses Netzwerk in der Wohnung gibt, warum dann nicht das Wireless LAN, kurz WLAN, zur Lichtsteuerung verwenden? Leichter gesagt als getan, denn bislang gibt es kaum Lampen, die sich direkt mit dem Router verbinden. Das hängt mit der WLAN-Funktechnik zusammen, die relativ viel Strom benötigt und nicht darauf optimiert ist, im Standby-Tiefschlaf auf einen Befehl zum Aufwachen zu warten. Lampen wie das LifX-Modell verbrauchen 2,5 Watt, wenn sie über die App ausgeschaltet wurden. Bluetooth-Leuchtmittel bleiben unter 1 Watt, Zigbee-Lampen kommen mit weniger als 0,5 Watt aus.

Lifx E27
Glühkolben: Die Funk-Lampe aus den USA wird im Betrieb recht heiß, spendet aber auch viel Licht: Über 1000 Lumen sind Rekord unter den Modellen mit E27-Gewinde. Das entspricht etwa einer 75-Watt-Glühlampe. Zur Installation werden ähnlich wie bei Funklautsprechern und anderen WLAN-Geräten die Zugangsdaten per App auf die Lifx übertragen. Die Bedienung klappt problemlos, obwohl die App nur Englisch spricht. Preis: um 80 Euro, www.lifx.com

Iwy-Master Color
Generationswechsel: Iwy bietet seit einigen Jahren fernbedienbare LED-Lampen an. Die jüngste Generation – zu erkennen am Zusatz „Master“ im Namen – hat einen WLAN-Chip eingebaut und kommt deshalb ohne eine zusätzliche Basisstation (Iwy-Gate) am Router aus. Funktionsumfang und Bedienkomfort der App sind deutlich einfacher gehalten als bei LifX, dafür sind die Lampen aber auch günstiger. Preis: um 50 Euro, www.iwy-light.de

Zigbee
Die großen Anbieter Osram, Philips und General Electric haben sich für Zigbee entschieden, wenn es um drahtlose LED-Lampen geht. Was nicht bedeutet, dass Leuchtmittel der Marke A sich einfach so mit Marke B kombinieren ließen. Teilweise kann die App eines Herstellers zwar Konkurrenzprodukte steuern, meist ist der Kunde aber besser beraten, bei einem Hersteller zu bleiben. Eines haben alle Zigbee-Lampen gemeinsam: Sie benötigen zum Betrieb eine Basisstation, auch Bridge oder Gateway genannt, die mit dem Heimnetzwerk verbunden ist. Sie übersetzt Kommandos, die das Smartphone oder Tablet zum Router schickt, in das stromsparende Zigbee-Protokoll. Außerdem macht sie die Lampen von der Reichweite des WLAN unabhängig: Im Zigbee-Funknetz verstärken sich die Leuchtmittel gegenseitig und geben Befehle untereinander weiter. Zigbee Light Link ist ein international verbreiteter Funkstandard für die drahtlose Lichtsteuerung.

Osram Lightify
Herausforderer: Osram deckt mit seinen Lampen ähnliche Bereiche ab wie Philips. Statt einer verkabelten Bridge gibt es aber ein Funk-Gateway, das sich per WLAN mit dem Router verbindet. Weitere Unterschiede: Die weißen Lampen haben eine regelbare Farbtemperatur und leuchten etwas heller als bei Philips. Mit Einschränkungen lassen sich Lightify-Lampen auch an der Hue-Bridge betreiben, umgekehrt geht das leider nicht. Startpaket: ab 100 Euro, www.osram.de

Philips Hue
Pionier: Das Hue-System ist von allen Zigbee-Lösungen schon am längsten erhältlich und gut ausgebaut. Zum Sortiment gehören neben Retrofit-Lampen für Schraubfassungen (E27) und Stecksockel (GU10) auch LED-Streifen zur indirekten Beleuchtung hinter Möbeln und dekorative Decken- oder Tischleuchten. Jüngster Neuzugang ist eine tragbare, akku-betriebene Lampe namens „Hue Go“. Fast alle Leuchtmittel können stufenlos die Farbe ändern, lediglich die Serie „Lux“ ist auf einen warmen Weißton festgelegt. Als Steuerzentrale dient eine scheibenförmige Bridge, die zu Hause am Router hängt. Über sie erhält das System auch seinen Internet-Zugang. Die App wirkt etwas antiquiert, was aber nicht weiter stört: Da Philips seine Programmierschnittstelle offen gelegt hat, bieten viele Entwickler alternative Apps an. Außerdem können Ambilight-Fernseher der Marke Philips und einige Smart-Home-Komplettlösungen (etwa Qivicon der Deutschen Telekom) die Lampen ebenfalls steuern. Das macht Hue zum am besten unterstützten System auf dem Markt. Startpaket: ab 100 Euro, www.meethue.com

Belkin Wemo
Baukasten: Wemo steuert mehr als nur Licht. Neben weißen E27-Lampen gibt es Schaltsteckdosen, Videokameras und die Funkbox Wemo Maker, mit der Bastler ihre eigenen Niederspannungsgeräte automatisieren können. Außerdem: die Möglichkeit zur Fernbedienung über den Internet-Dienst IFTTT (Info-Kasten rechts). Startpaket: um 100 Euro, www.belkin.de

Unser Experten - Tipp: If This than That

Der Online-Dienst „If This Than That“ (www.ifttt.com) steuert vernetzte Produkte über das Internet. So lässt sich bei Sonnenuntergang das Licht einschalten oder per Smartphone-Ortung immer dann, wenn man nach Hause kommt. Voraussetzung: Es muss für das Produkt einen IFTTT-Channel und soge nannte Rezepte geben. Aktuell ist das bei Philips Hue, Lifx und Belkin Wemo der Fall.

Smarthome

Lampen drahtlos zu steuern ist das Eine. Wer mehr Kontrolle wünscht, greift aber zu einem System, das auch andere Aufgaben im vernetzten Zuhause übernehmen kann – etwa die Heizung steuern oder Rollläden bedienen. Problem dabei: Um LED-Lampen per Funk zu schalten, muss die Smart-Home-Basisstation das jeweilige Lichtsystem unterstützen. Philips Hue (links) ist hier am weitesten verbreitet, aber auch andere Zigbee-Lampen lassen sich teilweise einbinden. Der Anschluss vorhandener Leuchten über eine Schaltsteckdose geht immer.

Devolo Home Control: Das einfach zu bedienende System (ab 220 Euro) benutzt Z-Wave als Funkstandard und kann deshalb LED-Lampen nicht direkt steuern. Schalten per Steckdose funktioniert aber.

RWE Smarthome: Die Komplettlösung fürs intelligente Haus kann auch ein Hue-System steuern, um zum Beispiel Lampen automatisch per Bewegungsmelder oder Türkontakt einschalten zu lassen. Nutzer von RWE Smarthome müssen die Funktion dazu nur in der Anlage freischalten. Das kostet einmalig 3,99 Euro.

WiButler: Besonderheit der neuen Smart-Home-Zentrale des deutschen Herstellers iEXERGY (Preis: 599): Sie unterstützt mehrere Funkstandards und kann daher auch Zigbee-Lamoen wie Phillips Hue und Osram Lightify über ihre App dimmen, schalten oder mit drahtlosen Schaltern vernetzen.

Frank-Oliver Grün
Fotos: 
Fotos: Hersteller; Illustrationen: T. Straszburger
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