Kampf den Macken | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Problemzone Altbau

Kampf den Macken

Altbauten sind für viele ein Traumziel. Doch so wie ein altes Auto seine Schwachstellen hat, sieht es auch beim Haus aus – bloß in XXL.
 

 
Vom Sanierungsfall bis zum Altbau-Idyll sind es viele unterschiedliche Arbeiten. Bei manchen sind aber alle Altbauten gleich © fotolia.com © Silvana Eckert
Vom Sanierungsfall bis zum Altbau-Idyll sind es viele unterschiedliche Arbeiten. Bei manchen sind aber alle Altbauten gleich

Eine beeindruckende Zahl: rund fünfzehneinhalb Millionen Einfamilienhäuser gibt es in Deutschland – ein Haus pro 5,2 Deutsche. Was aber noch beeindruckender ist, ist die Tatsache, dass auf alle Bundesländer hochgerechnet nur rund zehn Prozent davon nach dem Jahr 2000 gebaut wurden. Den größten Anteil am Gebäudebestand haben Häuser aus den 1960ern und 70ern – dicht gefolgt von Immobilien, die vor 1919 entstanden. Dabei reicht der Anteil an Häusern, die vor 1950 entstanden, von 16% in Bayern bis hin zu 54% in Sachsen-Anhalt. Viele Zahlen, die eines belegen: Viele Eigenheimbesitzer wohnen nicht aus Romantik im Altbau, sondern aus Notwendigkeit, die aus den immensen Baukosten eines neuen Hauses resultiert – bei durchschnittlich 320000 Euro für Haus plus Grundstück liegt der Preis mittlerweile. Und weil Altbauten ihre ganz eigenen Macken haben, zeigt der folgende Artikel die wichtigsten davon – und wie sie in Eigenregie zu beheben sind.
 
Altbau ungleich Altbau


Jedem Baujahr sein Problem. Fachwerk hat etwa ganz andere Schadenspunkte als Bims – und dieser wiederum hat andere Probleme als Backstein.

Doch zunächst muss eine Tatsache erklärt werden. Denn nur, weil ein Haus vor einem Stichtag gebaut wurde (der im Land der Normen interessanter Weise nicht festgelegt ist) und daher als Altbau definiert wird, heißt das noch lange nicht, dass einen in einem Altbau von 1963 die gleichen Macken erwarten wie in einem Haus, das 1921 entstand. Die Problemzonen, die der Artikel nennt, sind quasi-universell. Daneben gibt es aber auch noch eine ellenlange Liste an Problemen, die einen als Käufer, Besitzer und Renovierer abhängig von der Baualtersstufe erwarten, weil Hausbau auch in der Vergangenheit schon immer im Wandel war:

  • Vor 1930: Feuchtigkeit durch fehlende Abdichtung, verwitterte Holzbalkendecken, unterdimensionierte Wände
  • 1950-60: Dünne Außenwände, unterdimensionierte Balkenkonstruktionen, verrostete Stahlteile (die Nachkriegsjahre waren durch Mangel gekennzeichnet)
  • 1960-70: Vermehrter aber falscher Betoneinsatz (unterdimensioniert, Kältebrücken), ausgehärtete Kunststoffe, häufig undichte Flachdächer

In jedem Fall ist also eine dem Baujahr entsprechende Liste abzuarbeiten – und zusätzlich natürlich noch auf weitere Auffälligkeiten zu achten.
 
1. Feuchter Keller

Feuchtigkeit in den Kellerwänden, die nach oben zieht, ist ein generelles Problem unglaublich vieler Altbauten. Sie hat zwei Gründe:

  • Unzureichender genereller Schutz der Keller-Außenwände
  • Nachträgliche Umbauten die die Feuchtigkeit begünstigen


Ausblühungen der Kellerwand sind oftmals kein Schimmel, sondern Salpeter, der aus den Steinen kristallisiert – wird die Außenseite trockengelegt, verschwindet er.

Früher waren Keller in der Regel unbeheizt. So es Fensteröffnungen gab, waren diese höchstens mit Gittern geschützt. Dadurch konnte Luft zirkulieren und Feuchtigkeit wurde abgeführt. Obendrein gab es damals selten Bodenplatten, der Kellerboden ist dann nicht mehr als gestampfte Erde. Später wurden dann oft Betonböden einfach eingegossen und Glasfenster eingesetzt. Mit dem Ergebnis, dass Feuchtigkeit hochzog.
 Vor dem Sanieren muss zunächst eruiert werden, woher die Feuchtigkeit kommt. Ist der Boden nass, muss ausgeschachtet und in einer Schichtlösung ein neuer Boden eingebracht werden. Wer heute hingegen noch über einen solchen Lehmboden verfügt, der keine Feuchtigkeitsprobleme bereitet und den Keller auch nicht als Wohnraum nutzen will, sollte indes von der Arbeit absehen – sie ist extrem mühsam, weil kein Bagger dort arbeiten kann.  
Sind hingegen die Außenwände nass, heißt es „Spaten frei“. Dann einfach die betroffenen Wände außen mindestens einen halben Meter breit bis aufs Fundament freischaufeln und die Wand von allem Putz und Dichtmaterialien befreien. Anschließend einige Wochen trocknen lassen. Nun wird Sanierungsputz aufs Keller-Mauerwerk aufgebracht. Darauf kommt ein Bitumenanstrich gefolgt von Dämmplatten und einer Noppensperrbahn.
 
2. Muffiges Raumklima

Vor allem viele Neu-Altbaubewohner kennen das Problem, dass es in manchen Räumen ein wenig muffig riecht. Und der Grund für muffiges Raumklima ist fast immer Wasser, beziehungsweise durch die Feuchtigkeit ausgelöste Schimmelbildung. Doch der Reihe nach.
Damit ein Altbau oder einzelne Räume feucht werden, braucht es keine Schäden an Dach oder Außenputz. Schon normales Wohnen bringt täglich in einem Vierpersonenhaushalt rund zwölf Liter Wasser ein, durch Atmen, Kochen oder auch  Schwitzen während des Schlafs, das allein schon für einen halben Liter verantwortlich ist.
Dieses Wasser befindet sich in der Raumluft. Doch hier kommt eine altbauspezifische Tatsache hinzu. Denn überall wo Feuchtigkeit auf kühle Oberflächen trifft, kondensiert diese. Die dazu notwendige Temperatur errechnet sich über die Taupunkt-Tabelle. Altbau-Außenwände sind weder sonderlich energetisch hochwertig noch sind sie zusätzlich gedämmt. Kalte Wand plus Luftfeuchtigkeit führt also dazu, dass sich das Wasser niederschlägt. Und damit ist direkt der wichtigste Nährboden für die Entstehung von Schimmel gelegt. Was man dagegen tun kann, ist eine mehrfach-Strategie:

  • Konsequent heizen – in jedem Raum
  • Tagsüber die Raumtüren geöffnet lassen, damit Luft zirkulieren kann, aber beim Duschen und Kochen die jeweiligen Türen schließen
  • Einsatz von Trocknungsgranulaten bzw. Raumentfeuchtern in ungeheizten Räumen (etwa Fluren und Treppenhäuser)
  • Morgendliches Lüften des Schlafzimmers sowie aller weiteren Räume, in denen viel Luftfeuchtigkeit vorkommt

Dies sind nur die direkten Methoden. Langfristig helfen nur Ausgaben wie eine neue Heizung, die kostengünstigeres Dauer-Heizen gestattet oder eine effektive Dämmung der Außenwände samt Lüftungsanlage. Und hat sich der Schimmel eingenistet, hilft nur die sofortige Radikalkur. An der betroffenen Stelle Wandfarbe und Tapete entfernen und den Putz (in dessen Poren die Sporen sitzen) abschaben, bis die schwarzen Flecken beseitigt sind. Erst dann mit einem Schimmelspray alle „Überlebenden“ abtöten und mit einer schimmelresistenten Farbe streichen.
 
3. Bröckelnde Fassade

Der beste Putz ist langfristig dem Untergang geweiht, wenn auch nur ein Tropfen Wasser den Weg nach innen findet, dort gefriert und den Kreislauf von eindringendem Wasser, Frostausdehnung und neuen Schäden startet. Bei manchen Altbauten war dazu Jahrzehnte Zeit, doch immer siegt Mutter Natur.


 Bei Rissen im Putz muss geprüft werden, ob diese sich im Mauerwerk forstsetzen. Falls ja muss der Profi ran.

 

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