Die 48-Stunden-Küchen-Komplett-Renovierung | SELBER MACHEN Heimwerkermagazin
Komplettrenovierung

Die 48-Stunden-Küchen-Komplett-Renovierung

Eine alte Küche, vier SELBER MACHEN-Redakteure und nur 48 Stunden Zeit – das sind die Vorgaben für die Küchenkomplettrenovierung an einem Wochenende. Das Ergebnis unserer Selbsterfahrungsgruppe: Es geht, wenn’s gut organisiert ist.

 
Küche selbermachen © Selbermachen
Küche selbermachen

In nahezu jeder Redaktion eines deutschen Mediums gilt die Maxime, immer möglichst „nahe am Leser“ zu sein. Für uns SELBER MACHEN-Redakteure heißt das, nicht nur schöne Bauideen aus unserer voll ausgestatteten Werkstatt über Wochen zu planen, zu bauen und Ihnen dann perfekt zu präsentieren, sondern uns auch mal den wesentlich härteren Bedingungen eines durchschnittlichen Selbermachers zu stellen.

Und was gibt es Härteres, als an einem einzigen Wochenende zwischen Freitagnachmittag und Sonntagabend eine komplette Küche renovieren zu wollen: Das heißt nämlich, in wenig mehr als 48 Stunden die alte Küche rauszureißen, die durchlöcherte und scheckige Wand dahinter zu sanieren, die neue Küche abzuholen und die dann bis zum letzten Detail aufzubauen. Um es gleich vorweg zu nehmen: So eine 48-Stunden-Renovierung einer Küchenzeile ist für vier handwerklich durchschnittlich begabte und vor allem aber durchgängig hochmotivierte Leute durchaus machbar – allerdings nur mit vielen Wenns und Abers.

Erstes „Wenn“: Die Planung der Küche muss vor dem Bauwochenende bis ins Detail stehen. Dazu bietet beispielsweise Ikea auf seiner Internetseite eine Planungshilfe. Was wir zu deren Nutzung lediglich wissen mussten, war die Länge der Küchenzeile, die Lage von Wasser- und Herdanschluss und ob ein Heizkörper oder Fenster im Wege ist. Obwohl die Online-Planung uns mehrere Schnitt- und Perspektivzeichnungen unserer Küche und eine Liste mit allen benötigten Elementen und Zubehör servierte, ließen wir das Ganze bei Ikea selbst von einer geschulten Dame noch überprüfen. Ihre Planung können Sie nämlich auf der Ikea-Website abspeichern und mit einem Passwort von jedem beliebigen Rechner aus (auch bei Ikea) abrufen.

Alles muss raus

  1. Schritt 1© Selbermachen

    Schritt 1

    Bringen Sie das empfindliche Geschirr aus den Hängeschränken an einen wirklich sicheren Ort! Sie brauchen mehr Räume und mehr Platz für den Aufbau der neuen Küche, als Sie zunächst glauben.
  2. Schritt 2© Selbermachen

    Schritt 2

    Bevor Sie die Schränke vorziehen, sollten Sie kontrollieren, ob sie an der Wand verdübelt sind oder nicht. Seien Sie weiterhin vor- sichtig: Die Stellfüße könnten abbrechen und der Schrank abkippen!
  3. Schritt 3© Selbermachen

    Schritt 3

    Auch Schranktüren haben ein Gewicht: Montieren Sie alles ab, was geht, damit die Schränke nicht zu schwer werden
  4. Schritt 4© Selbermachen

    Schritt 4

    Räumen Sie die alte Küche am besten gleich aus dem Haus, dann steht sie beim Aufbau der neuen nicht im Wege. Wenn Sie sie nicht anderweitig verwenden oder weitergeben können, fahren Sie sie am besten zu einem Recyclinghof. Der nimmt Ihnen auch die Elektrogeräte ab.

Die Wand renovieren

  1. Schritt 1© Selbermachen

    Schritt 1

    Unter der alten Abschlussleiste der Arbeitsplatte hatte der Hausherr sicherheitshalber eine dicke Silikonfuge gezogen. Die durchtrennen Sie mit einem scharfen Cuttermesser. Das Silikon beseitigen Sie dann mit einem speziellen Silikonentferner von den Fliesen.
  2. Schritt 2© Selbermachen

    Schritt 2

    Wenn Sie den Siphon im Spülenschrank abmontieren, sollten Sie einer Überschwemmung vorbeugen und gleich einen Eimer unterstellen. Da können Sie das Wasser hineinkippen und vielleicht ein verschollenes Schmuckstück finden.
  3. Schritt 3© Selbermachen

    Schritt 3

    Die alte Spüle ist mit unterseitigen Klammern in der Arbeitsplatte montiert. Die müssen Sie erst alle lösen und leicht nach innen biegen, wenn Sie die Spüle so wie hier herausnehmen wollen. Auch zwischen Spülenrand und Arbeitsplatte wird auch noch altes Silikon lauern, das Sie ebenfalls einfach mit dem Cutter durchtrennen.
  4. Schritt 4© Selbermachen

    Schritt 4

    Türen und Borde machen die alten Schränke beim Abtransport unnötig schwer. Montieren Sie deshalb alles ab, was geht – Ihre Muskeln werden es Ihnen danken.
  5. Schritt 5© Selbermachen

    Schritt 5

    Die Dübellöcher (Dübel vorher ziehen!) und auch sonstigen Schadstellen an der Wand verschließen Sie mit einer Spachtelmasse. Nutzen Sie die Chance, hier kommen Sie die nächsten Jahre nicht mehr dran.
  6. Schritt 6© Selbermachen

    Schritt 6

    Ist die Masse trocken, streichen Sie die Rückwand weiß. Den Fliesenschild vorher abkleben, selbst wenn Sie ihn später selbst kaschieren.
  7. Schritt 6© Selbermachen

    Schritt 6

    Ist die Masse trocken, streichen Sie die Rückwand weiß. Den Fliesenschild vorher abkleben, selbst wenn Sie ihn später selbst kaschieren.

Küche besorgen

  1. Schritt 1© Selbermachen

    Schritt 1

    Der gemietete 7,5-Tonner war zugegebenermaßen eine Nummer zu groß – ein Sprinter hätte es bei einer 3-m-Küchenzeile auch getan.
  2. Schritt 2© Selbermachen

    Schritt 2

    Die letzte Besprechung, bevor sich die Kollegen ins Getümmel stürzen. Steht der Transporter dort günstig, oder geht es noch näher zum Ausgang?
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    Schritt 3

    Die vielen kleinen Details wie Scharniere oder Griffe der geplanten Küche lassen sich in natura viel besser begutachten. Noch sind Korrekturen in der Planung möglich, selbst die Farbe der Fronten könnte man noch tauschen.
  4. Schritt 4© Selbermachen

    Schritt 4

    Die Küchenberaterin bei Ikea macht die Kollegen auf die eine oder andere Ungereimtheit in unserer Planung aufmerksam. Aber nach zehn Minuten ist alles klar, alle Listen werden noch einmal korrigiert ausgedruckt.
  5. Schritt 5© Selbermachen

    Schritt 5

    Das komplette Zubehör wie Füße, Griffe, Sockelleisten und Einlegeböden muss man sich im SB-Markt selber zusammensuchen. Das kostet Zeit – wie gut, dass dafrühestens am Montagmorgen seinen neuen Küchendienst antreten kann. Das kostet Zeit - wie gut, dass das Team A derweil die Küchenwand streicht.
  6. Schritt 6© Selbermachen

    Schritt 6

    An der Warenausgabe wartet unsere Küche, zu einem handlichen Paket geschnürt und auf eine Palette geladen. Jetzt macht sich der 7,5-Tonner doch bezahlt – der hat nämlich eine Hebebühne.

Die Wahl unseres Küchenanbieters hat- te mehrere Gründe: Erstens sind uns die „Faktum“-Küchenschränke, „Ädel“- Fronten und „Värde“-Griffe aus früheren Produktionen noch freundschaftlich verbunden, zweitens wurde der früher meist fehlende Inbusschlüssel schon vor einiger Zeit fristlos entlassen und hindert so nicht mehr am zügigen Voran- kommen. Drittens ist die Schrankmontage im Prinzip narrensicher – Achtung: zweites „Wenn“ –, wenn Sie die Montageanleitung lesen, und zwar besser vor der Montage. Nichts kostet so viel Zeit, wie das Auseinandernehmen bereits montierter Schränke, wenn die Winkel falsch verschraubt oder die Rückwand verkehrt herum genagelt ist. Übrigens ist hier ein guter Akkuschrauber ein unerlässliches Zeitsparwerkzeug.

Der Korpusbau braucht Platz

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    Die Korpusse der Ober- und Unterschränke bauen Sie am besten in einem separaten Raum zusammen. Ein Akkuschrauber hilft hier bei allen Schrauben, ...
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    ...bis auf die vier Exzenter-Verbindungsschrauben pro Korpus. Die zogen wir lieber von Hand an, damit hier nichts bricht.
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    Bevor wir die Waschmaschine wieder an ihren alten Platz schoben, justierten wir das Abflussrohr der Spüle so, dass wir noch einige Zentimeter Platz in der Zeilenlänge herausschlugen.
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    Erst dann konnten wir nämlich den Spülenschrank neben der Waschmaschine genau positionieren und den Ausschnitt in der Rückwand markieren. Wichtig: Damit das Loch stimmt, haben wir den Schrank vorher auch höhenmäßig schon exakt eingestellt.
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    Erst dann konnten wir nämlich den Spülenschrank neben der Waschmaschine genau ein sicherer Auftritt.
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    Als nächstes kam die Spülmaschine. Deren Stellfüße zur Höheneinstellung liegen etwas versteckt an den vier Ecken. Zum Drehen der Schrauben war es nötig, die Maschine kräftig abzukippen. Danach folgte der Aufbau der anderen Unterschränke.
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    Um jeweils die Seitenwände der Schränke mit den mitgelieferten Schrauben zu verbinden, fixierten wir sie mit Zwingen. Durch die zwei Schrauben entstand ein stabiles Ganzes.
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    Fette 10er-Dübel und 5 mm dicke Schrauben sollten die Hängeschränke in ihrer Lage halten. Wichtig ist, dass die Bohrlöcher gerade sind und gründlich ausgesaugt werden.
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    Während zwei Kollegen die Wand löcherten, konnten die anderen beiden den Kleinkram erledigen. Die Scharniere zum Beispiel werden mittlerweile einfach nur noch eingeklickt.
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    Für die Scharniere der Glastüren ist ein Schraubenzieher nötig. Vorsicht: Die Schrauben dürfen nicht überdreht werden. Die Glastüren deponierten wir an einem sicheren Ort, bis sie eingehängt wurden.
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    Für die Montage der Hängeschränke waren zwei Kollegen notwendig. Die Schränke sind nicht schwer, aber unhandlich, außerdem fehlte ein sicherer Auftritt.
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    Nach einigem Probieren war es das Beste, den zweiten Hängeschrank erst in Flucht, Bündigkeit und Lot mit Zwingen zu fixieren, bevor wir ihn mit dem Akkuschrauber im Dübel verankerten. Voraussetzung war natürlich, dass der erste Hängeschrank genau ausgerichtet ist und bombenfest hängt.

Der erster Schock kam, als wir alle Schränke montiert vor uns sahen – es hatten sich nämlich zwei 70er- statt zweier 90er-Oberschränke eingeschmuggelt. Wer daran Schuld war, konnte im Nachhinein nicht mehr zweifelsfrei geklärt werden, war angesichts der knappen Zeit aber auch egal. Es galt nämlich, die beiden richtigen Exemplare innerhalb der Ladenöffnungszeit aus dem Möbelmarkt heranzuschaffen, was bei einer einfachen Entfernung von 12km einen engagierten Fahrstil unseres Kollegen verlangte. Unser drittes „Wenn“ aus Zeit- und Verkehrssicherheitsgründen lautet deshalb: Kontrollieren Sie beim Entgegennehmen der Küche anhand Ihrer ausgedruckten Liste, ob erstens alles und zweitens das Richtige dabei ist.

Jetzt noch Kleinkram

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    Zuallererst mussten wir die Ausklinkung für den Schornstein in einer Ecke der Arbeitsplatte anreißen. Wir verlassen uns nie auf rechte Winkel, deshalb brauchten wir eine Stellschmiege.
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    Entgegen einiger Profitipps sägten wir die Ausschnitte in der Arbeitsplatte von oben aus. Durch das übliche Verlaufen des Sägeblattes wird der Ausschnitt von der Unterseite nämlich ungenau. Um die Bleistiftrisse besser zu erkennen, ist ein Klebeband ganz hilfreich.
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    Das der Spüle beiliegende „Knetgummi“ dient der Abdichtung zwischen Spüle und Arbeitsplatte. Das Gummi kommt von der Rolle, wichtig ist es vor allem, die Eckstöße sauber hinzukneten.
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    Mit einer Lochstanze aus dem Baumarkt (etwa 20 Euro teuer) ist es kein Problem, ein sauberes Loch in die Spüle zu zaubern. Erst mit einem 12-mm-Bohrer vorbohren, dann die Stanze ansetzen und dann die Mutter des Gegenstücks so lange anziehen, bis es knackt.
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    Aus alter, schlechter Erfahrung montierten wir die Armatur nebst sämtlichen Zu- und Abflüssen an der Spüle, bevor die in der Arbeitspaltte verankert war. Das ist jetzt einfacher als später im Spülenschrank liegend.
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    Nach der Abbildung in der Montageanleitung zählten wir die Löcher im Korpus ab, in die wir dann die Vollauszüge schrauben mussten. Unter dem schon eingeschobenen Herd ist dieses Anschrauben allerdings sehr fummelig. Besser vorher dran denken – also erst Vollauszüge anschrauben, dann Herd einschieben.
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    Die Schubladen lassen sich durch eine einfache Steckmontage zusammenbauen. Für die Schraubenlöcher der Griffe fertigten wir uns eine Pappschablone, weil kleinste Unregelmäßigkeiten später gut zu erkennen sind. Erst die Grifflöcher bohren, dann die Laden montieren.
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    Den Stoß der beiden Teil-Sockelleisten legten wir genau unter die Spülmaschine. Hier muss die Leiste nämlich sowieso ausgeklinkt werden, damit die Tür aufgeht. Zwei halbe Ausschnitte schneiden sich viel leichter.

Mit einer Verfahrensfrage ging es am Sonntagmorgen weiter. Montieren wir zuerst die Unter- oder die Oberschränke? Nach und nach setzte sich bei allen vier Redakteuren die Einsicht durch, dass die Lage der Unterschränke durch die Wasser- und Stromanschlüsse feststeht und dass es deshalb leichter ist, die Oberschränke nach den unteren lotrecht auszurichten. Ausgehend von der Position der Waschmaschine ergaben sich also alle Positionen.

Dass die Oberschränke verdübelt werden müssen (10- mm-Dübel und 5x80-mm-Schrauben), leuchtet ein. Wir empfehlen das allerdings auch für die Unterschränke. Handwerklicher Höhepunkt jeder Küchenmontage ist der Einbau der Arbeitsplatte. Danach ist nur noch Leichtes angesagt: Türen und Schübe montieren, Mikrowelle einschieben, Leuchten anschrauben. Letzter Schritt: Der Anschluss des Herdes. Den muss allerdings der Profi machen – am Montagmorgen!

Artikel aus selber machen Ausgabe 03/2013. Jetzt abonnieren!
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