Marmor – ein Material für besondere Ansprüche

Marmor – ein Material für besondere Ansprüche

Marmor und andere Natursteinarten in Plattenform lassen sich genauso einfach verlegen wie keramische Fliesen. Dieses Beispiel zeigt, wie es gemacht wird.

 
Marmor hat eine besondere Wirkung und verleiht diesem Treppenhaus eine ganz besondere Atmosphäre. © Selbermachen
Marmor hat eine besondere Wirkung und verleiht diesem Treppenhaus eine ganz besondere Atmosphäre.

Bei dem Material Marmor denkt man eher an Schlösser und hochherrschaftliche Wohnsitze als an den eigenen Wohnbereich. Auch bei der Verarbeitung von Natursteinen stellt man sich unüberwindliche Schwierigkeiten vor, die man mit den eigenen Kenntnissen und Werkzeugen nicht überwinden kann.

Viele Arten von Natursteinen gibt es heute für den Innen- und Außenbereich in konfektionierten Platten, die sich ähnlich wie normale Fliesen verlegen lassen. Auch die Bearbeitung dieses Naturprodukts ist einfacher, als man denkt.

Marmor ist z. B. weicher als die keramischen Fliesen und lässt sich eigentlich besser schneiden, allerdings sind beim Verlegen und Bearbeiten einige Besonderheiten zu beachten.

Das Kleberbett muss dicker sein

Natursteinplatten sind unterschiedlich intensiv in Maserung und Färbung und großformatiger. Ein Verlegeplan vor Beginn der Arbeiten ist deshalb noch notwendiger als bei den gleichmäßigen keramischen Fliesen.

Die Platten werden abschnittweise trocken auf dem Boden ausgelegt, um so einen Gesamteindruck von der Fläche zu bekommen. Dann entscheidet man, wie verlegt werden soll. Die einfachste Technik ist, im Versatz zu legen. Dabei liegen die kurzen Seiten der Platten nicht parallel zueinander, sondern versetzt.

Bei dieser Technik kann man Anschnitte einfacher anpassen und hat weniger Verschnitt. Eine genaue Planung des Arbeitsablaufs ist auch schon deswegen wichtig, weil hier der Eingangsbereich des Hauses mit Marmor belegt werden soll.

Die Fläche darf zwei Tage nach dem Verlegen nicht begangen werden, und da kann es schon unangenehm werden, wenn man an der falschen Ecke beginnt und das Haus nicht mehr betreten kann.

Das Mittelbettverfahren

Im Mittelbettverfahren, mit einem Mörtelbett ab 5 mm, wird der Kleber wesentlich dicker aufgetragen, was bei der Bedarfsberechnung natürlich berücksichtigt werden muss. Der Verbrauch kann bis zu dreimal so hoch sein wie bei einer normalen Fliese. Die Zahnung der Zahnkelle und des Zahnspachtels ist hier 8 mm.

Nur der helle Marmorkleber und das dickere Kleberbett verhindern ein Durchscheinen und damit Verfärben dieses Natursteins. Bei ganz hellem Marmor muss im Butteringfloatingverfahren gearbeitet werden, d. h., dass der Kleber sowohl auf den Untergrund als auch auf der Rückseite der Platte aufgetragen wird.

Das kostet Zeit und muss bei der Fläche, die man in einem Arbeitsgang belegen will, berücksichtigt werden. Auch der größere Kleberverbrauch muss berechnet werden.

Das Arbeiten in kleinen Abschnitten gewährleistet auch, dass die Platten immer in ein geschmeidiges, feuchtes Kleberbett eingelegt werden. Nur so ist eine absolut vollflächige, hohlraumfreie Verklebung gesichert. Die Platten werden in das Kleberbett geschoben und gedrückt.

Mit einem Gummihammer werden sie zusätzlich leicht angeklopft und dabei kontrolliert, dass die Fläche ganz eben wird. Natursteinplatten haben keine gerundeten, son­dern geschnittene Kanten. Verlegefehler würden hier sofort ins Auge fallen.

Die einzelnen Arbeitsabschnitte werden immer wieder mit der Wasserwaage und der Richtschnur überprüft. Nach der Fertigstellung eines Abschnitts wird nochmals das Gesamtbild der Fläche in Augenschein genommen und eventuell korrigiert.

Die Sockelfliesen werden im Butteringverfahren angesetzt. Der Kleber wird vollflächig auf der Rückseite des Sockels aufgetragen und die Sockelplatte eingepasst. Auch hier wird mit dem Gummihammer leicht angeklopft.

Für die Dehnungsfuge zwischen Wand und Fußboden kann man eine dünne Holzleiste oder einen Styroporstreifen in den Ecken an der Wand als Abstandshalter einlegen. Diese Fuge wird dann später dauerelastisch und wasserundurchlässig abgedichtet. Die Verlegearbeiten sind abgeschlossen.

Schmale oder breite Fugen

Die Marmorplatten, mit denen das Treppenhaus ausgelegt wurde, sind an der Oberfläche versiegelt. Die Flächen können also auf die herkömmliche Art verfugt, d. h. geschlämmt werden. Bei der Breite der Fugen sagt man allgemein: große Fliesen, große Fugen.

Bei Natursteinplatten ist auch das anders. Diese Platten werden nicht einzeln gebrannt, sondern aus Blöcken gesägt und in Plattenform geschnitten. Sie sind also immer 100% maßhaltig und scharfkantig. Sie könnten sogar auf Stoß verlegt werden. In diesem Beispiel wurden die Platten mit einer Fuge verlegt.

Zwei Tage muss man warten, bis mit dem Verfugen begonnen werden kann. Der Fugenmörtel wird nach der Verpackungsangabe zu einer schlämmbaren Masse angezischt und nach der Reifezeit auf der Fläche ausgegossen.

Auch hier wieder nur in kleinen Abschnitten arbeiten, denn die Fugen müssen gründlich gefüllt werden. Diagonal zum Fugenverlauf wird der Füller durch Hinundherwischen mit dem Gummischieber in die Fugen eingearbeitet. Um überschüssige Feuchtigkeit auf der ganzen Fläche zu binden, wird der Abschnitt unmittelbar nach dem Schlämmen mit trockenem Fugenmörtel abgestreut.

Dadurch vermeidet man, dass die Fugen ungleichmäßig trocknen und Farbschattierungen auftreten. Nach wenigen Minuten wird das ausgestreute Material mit dem Gummischieber zusammengeschoben. Die ausgeschlämmten Fliesen werden dabei schon vorgereinigt.

Nie den trockenen Mörtel mit einem Besen abfegen, weil dabei Fugenfüller aus den Fugen gekratzt werden würde. Die Sockelfliesen werden zum Schluss mit einem Spachtel, Fugengummi oder per Hand verfugt, um Wandverschmutzungen zu vermeiden. Die vorgereinigte Fläche wird dann am besten mit dem feuchten Schwammbrett gereinigt.

Letzte Mörtelreste werden unter gleichmäßigem Druck gut in die Fugen eingebracht. Der fertige Belag wird zum Schluss mit einem trockenen, weichen Tuch gut nachpoliert.

Worauf man bei Natursteinplatten achten muss

Wenn Natursteinplatten verlegt werden sollen, muss man beim Kauf erfragen, ob das Material versiegelt, po­liert oder in einer anderen Weise oberflächenbehandelt ist. Danach richtet sich die Technik des Verfugens. Wenn die Platten unbehandelt, also offenporig sind, dürfen diese nicht geschlämmt, d. h. herkömmlich verfugt werden. Man arbeitet dann mit dem Fugieren Fuge für Fuge.

Natursteinplatten sind für den Boden ca. 2 cm stark. Sie lassen sich also mit den herkömmlichen Fliesenschneidewerkzeugen nicht bearbeiten. Winkelschleifer und Steinsäge sind eventuell notwendig. Marmor wiederum ist sehr weich im Vergleich zu keramischen Fliesen.

Ausschnitte und Aussparungen lassen sich mit der Spezialsäge schneiden. Heller Marmor kann leicht transparent sein. Hohlstellen im Kleberbett und dunkler Klebemörtel würden durchscheinen. Es werden aus diesem Grund spezielle weiße Kleber für Marmor angeboten.

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Die Treppe war bereits mit großformatigen, hellen Natursteinen verkleidet. Der Flur soll mit dem gleichen Material belegt werden.

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Natursteine stellen besondere Ansprüche an die Verarbeitung und Verlegung. Hier wird ein weißer Marmorkleber verwendet.

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Kleberschichten von 8 mm werden aufgekämmt. In dieses Bett müssen die Platten eingelegt und gut angeklopft werden.

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Zuschneiden und Anpassen dieser 2 cm starken Platten ist nur mit einem Winkelschleifer oder einer Steinsäge möglich.

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Buttering bedeutet, dass der Klebemörtel auf die Platte gekämmt wird. Die Sockelplatten werden in diesem Verfahren angesetzt.

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Die Sockelplatten müssen sehr genau eingepasst werden, da bei diesem Material mit engen Fugen gearbeitet wird.

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Fugen müssen immer diagonal zu ihrem Verlauf eingeschlämmt werden. Die Schlämme wird mit dem Gummischieber eingearbeitet.

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Feuchtigkeit nimmt der in die Fugen gestreute Trockenmörtel auf. Damit wird eine gleichmäßige Färbung der Fuge erreicht.

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Gummischieber sind ideal zum Abziehen des trockenen Materials bei der Reinigung. Mörtel wird dabei noch in die Fugen gedrückt.

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Das Schwammbrett mit seiner großen Grundplatte leistet bei der anschließenden Feinreinigung die beste Arbeit.

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Nachpolieren mit einem weichen, trockenen Tuch, und die Halle erstrahlt im neuen Glanz. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

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Der Eingangs­bereich, die Visiten­karte des Hauses, wirkt großzügig und freundlich. Treppe und Flur wurden mit hellen Natursteinplatten belegt. Der ganze Raum bildet eine Einheit.

TEXT:Peter-Michael Stange; FOTO: Selbermachen Media
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