Stuck, renovieren, restaurieren

Stuck restaurieren und nachbilden

Der Charme von Altbauten liegt meist in ihrer reichen Verzierung mit Stuckelementen – wenn nicht der harte Zeitgeist der 1950er und -60er Jahre zum Kahlschlag an der Decke geführt hat. Jetzt werden diese Zierelemente wieder geschätzt und hervorgeholt – oder nachgebildet.

 
Stuckrosette an der Decke befestigen © Selbermachen
Stuckrosette an der Decke befestigen

Stuck ist im Altbau so etwas wie die Schleife ums Geschenk. Er gibt dem Raum eine eigene Atmosphäre und schafft einen fließenden Übergang zwischen Decke und Wand. Wo er noch vorhanden ist, oft unter dicken Farbschichten versteckt, wird er heute wieder freigelegt. Dabei sind Wasser, Schabinstrumente und Gips zum Ausbessern die wichtigsten Utensilien. Ist er wieder schön, wird nur noch eine einzige dünne Farbschicht aufgepinselt – wo es passt auch farbig und lasierend.

Stuck freilegen

Übermalten Stuck wiederherzustellen ist nicht schwierig, aber langwierig. Weichen Sie die Farbschichten mit Quast und Wasser abschnittsweise ein. Ist die Farbe weich, wird sie mit einem kräftigen Pinsel und weichen, selbst gebauten Werkzeugen abgetragen und am nächsten Tag aus den Vertiefungen geschabt. Das wiederholen Sie so lange, bis die Struktur wieder freiliegt. Ist der Stuck wieder trocken, wird er mit einer dünnen Farbschicht gestrichen. Wenn Sie dazu Wandfarbe nehmen, verdünnen Sie diese etwas.

Stuck reparieren

© SelbermachenFehlt ein Stück Stuck oder ist es irreparabel beschädigt, dann muss ein Stucksegment ersetzt werden. Dies ist eigentlich etwas für den Stuckateur. Wer es trotzdem selbst versuchen möchte, braucht Abformmasse und Modelloder besser Alabastergips. Mit der Abformmasse vom freigelegten Stuck eine Negativform abnehmen. Die wird mit Gips und Stoffbahnen rückseitig stabilisiert und darin dann der Ersatzstuck gegossen. Die Grundausstattung: Gips, Gipsbecher, Pinsel, Gipsereisen zum Anformen, Spachtel und Schwamm.

Stuckrosette anbringen

Wenn schon ein Lampenkabel mitten im Raum aus der Decke kommt, dann kann man es auch betonen. Stuckrosetten gibt es von schlicht bis reich verziert. Man findet bestimmt eine passende. Für die Montage einer echten Gipsstuckrosette braucht es keinen Profi.

Stuckrosetten anbringen

  1. Befestigung suchen© Selbermachen

    Befestigung suchen

    Um die Deckenlampe aufzuhängen benötigt man einen stabilen Haken. In Hohldecken haben sich Kippdübel bewährt, die aber beim Kronleuchter oft zu schwach sind. Suchen Sie eine massive Befestigung an tragenden Deckenteilen.
  2. Loch bohren© Selbermachen

    Loch bohren

    Für Haken und Kabel braucht die Rosette mittig ein Loch, das entweder mittels Lochsäge und Bohrmaschine hergestellt wird oder indem man mehrere kleine Löcher nebeneinander bohrt. Wenn das Loch zu klein ist, wird es mit einer Halbrundraspel vorsichtig vergrößert.
  3. Befestigungslöcher bohren© Selbermachen

    Befestigungslöcher bohren

    Die Rosette sollte mindestens drei Befestigungsbohrungen (Ø 5 mm) bekommen, in die mit einem 10-mm-Bohrer noch ein etwa 1 cm tiefes Sackloch gebohrt wird. Es soll aber mindestens die Hälfte der Gipsstärke stehenbleiben.
  4. Befestigungspunkte markieren© Selbermachen

    Befestigungspunkte markieren

    Mit Hilfe einer Holzlatte drückt man die Rosette gegen die Decke und markiert die Befestigungspunkte.
  5. Montagekleber auftragen© Selbermachen

    Montagekleber auftragen

    Zusätzlich zu den Schrauben sorgt rückseitig aufgetragener Montagekleber bei der neuen Stuckrosette für ausreichend Halt an der Zimmerdecke.

„Nicht kratzen!“ Tipps vom Stuckateur

Kann man Stuck, der unter x Farbschichten verborgen ist, selbst freilegen? Ist Binder- oder gar Latexfarbe auf dem Stuck, sollte dies vom Profi gemacht werden. Er holt die Farbe mit speziellen Beizen vom Stuck. Ist es noch klassische Leim- oder Kalkfarbe, kann man sie selbst abwaschen.

Welche Werkzeuge braucht man dafür? Pinsel, am besten in verschiedenen Größen, und viel Wasser. Dazu einige weiche, abgerundete und nicht kratzende Werkzeuge. Ideal sind Eisstiele aus Holz, die man Spitz zuschneidet, die Spitze selbst aber abrundet. Diese Selfmade-Werkzeuge können auch aus biegsamem Kunststoff sein. Wichtig ist, dass sie nicht kratzen!

Wie geht man vor? Stuck gründlich von allen Farbschichten befreien. Mit Pinsel und Wasser Stück für Stück die Farbe herunterwaschen. Den Stuck über Nacht trocknen lassen, damit die Gipsoberfläche, die durch das Wasser weich geworden ist, wieder Festigkeit bekommt. Mit den selbstgebauten Werzeugen letzte Farbreste vorsichtig aus den Vertiefungen im Stuck herausschaben. Manchmal hilft hier auch eine Zahnbürste. Aber immer darauf achten, nicht zu kratzen!

Was macht man, wenn der Stuck beschädigt ist oder Fehlstellen hat? An kleine Schäden, die weniger als 30 cm Ausdehnung haben, kann man sich selbst herantrauen. Sind es nur minimale Fehlstellen, wie abgestoßene Kanten oder Ecken, kann man mit Modellgips oder Gipsspachtel aus dem Baumarkt diese einfach wieder nachformen. Beim Fehlen ganzer Ornamente kann man mit Ton oder auch einer weichen Knetmasse das Fehlstück an anderer Stelle negativ abformen und dann diese Form mit Gips ausgießen. Das Ersatzteil wird dann mit flüssig angesetzem Gips in die Lücke geklebt. Vorher müssen aber noch Untergrund und Rückseite des Ersatzteils angepasst werden. Müssen ganze Stuckteile ersetzt werden, sollte man aber besser einen Fachmann zu Hilfe holen.

Wo findet man einen qualifizierten Profi, wenn man denn einen braucht? Man kann natürlich über das Internet einen Stuckateur in seiner Stadt suchen. Besser ist es aber, über die zuständige Handwerkskammer zu gehen und dort gezielt nach einem Stuckateurmeister zu suchen. Denn auch Malerfachbetrieben dürfen solche Arbeiten übernehmen – oft fehlt es dort aber an der nötigen Erfahrung.

Womit streicht man den restaurierten Stuck am besten? Der freigelegte Gipsstuck muss erst mit einem lösemittelfreien Tiefgrund vorbehandelt werden. Dann kann man ganz traditionell mit einer Leimfarbe (Fachhandel) streichen. Nachteil: Vor jedem Neuanstrich muss sie abgewaschen werden. Ebenso gut geht es mit einer hochdeckenden Binderfarbe. Sie ist heute so dünnschichtig, dass sie mehrfach übergestrichen werden muss. Soll sie eines Tages runter, ist das dann wieder Profiarbeit.

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