Dachflächenfenster

Dachfenster einbauen

In jedem Baumarkt bekommt man heute Dachflächenfenster. Aus gutem Grund, denn sie sind einfach zu montieren und ideal für alte Dächer, unter denen nur etwas Licht zum Wohnen fehlt. Wir zeigen, wie Sie das Dachfenster einbauen.

 
Dachfenster einbauen © Chris Lambertsen
Dachfenster einbauen

Drei Zimmer und ein Dachboden. So oder so ähnlich sehen viele Obergeschosse in deutschen Altbauten aus. Oft schlummern so unter den alten Dächern traumhafte Wohnräume, gerade für junge Leute ist da der Dachboden-Ausbau interessant. Leider haben diese Dachzimmer oft sehr kleine Fenster, die nur wenig Licht unters Dach bringen. Damit Dachraum als bewohnbar gilt, schreiben die meisten Bauordnungen eine Glasfläche von mindestens 12,5 % der Grundfläche vor. Achtung: Als Grundfläche zählt unter dem Dach nur die Fläche, die mindestens 1,5 m lichte Höhe zwischen Fußboden und Dachschräge hat.

Vorteil von Dachflächenfenster

Größere Fenster lassen sich entweder in teure Gauben, in die Giebelwand oder in die Dachfläche einbauen. Für den Selbermacher liegt der Vorteil ganz klar bei Dachflächenfenstern. Sie sind so weit vorgefertigt, dass Selbermacher mit etwas Do-it-yourself-Praxis das Dachfenster selbst einbauen können. Allerdings geben die Hersteller (wir haben ein so genanntes Zwillingsfenster von Velux eingebaut) ihre Garantie nur, wenn man die Dachfenstermontage von Profis machen lässt. Aber das Risiko, etwas falsch zu machen, ist gering. Ausgenommen sind hier nur Arbeiten am Dachstuhl, für die man die tatkräftige Hilfe eines Zimmermanns braucht. Das ist immer dann nötig, wenn das gewünschte Fenster breiter ist als der lichte Abstand zwischen den Sparren. Hier muss nämlich aus mindestens einem Sparren ein Stück herausgesägt werden und dieser über zwei Kanthölzer mit den nächsten durchlaufenden Sparren verbunden werden – das nennt man Wechselung. Wollen Sie nur das alte Dachfenster gegen ein neues tauschen, dann geht das um so leichter, denn ein extra Loch brauchen Sie dazu nicht in die Dachhaut zu machen.

Fenster kaufen

Nehmen Sie beim Einkauf des Fensters unbedingt die Beratung eines Fachverkäufers in Anspruch. Lassen Sie sich aber für ein altes, ungedämmtes Dach keinen zusätzlichen Dämmrahmen aufschwatzen. Der kostet unnötig Geld und hat nur in Dächern mit moderner Dämmung Sinn. Wer sein altes Dach später von außen dämmt (das ist ratsam), wird die neue Dämmung sowieso direkt ans Fenster anschließen. Die Beratung braucht man aber, weil Dachenflächenfenster, Eindeckrahmen und weiteres Montagezubehör in Einzelsets verkauft werden, und die haben, wie zum Beispiel bei Velux üblich, für Laien völlig unverständliche Kürzel als Bezeichnung. Nur ein geübter Profi kann problemlos zuordnen, welches Bauteil sich dahinter verbirgt, und den Überblick über alle benötigten Montageteile behalten.

Einfache Fenstermontage - kryptische Anleitung

Ähnlich ist es am Anfang auch mit der Montageanleitung. Der Text beschränkt sich auf das Allernötigste, der Rest wird in Zeichnungen erklärt, was ein wenig an die Aufbauanleitung eines Ikea-Möbels erinnert. Hat man jedoch die Montageanleitung konzentriert durchgearbeitet, ist der Einbau des Fensters kaum schwieriger als der Zusammenbau eines Selbstmontage-Möbels.

Zum Verstehen sollten Sie vor der Montage die Einzelteile des Fensterbausatzes einmal ausbreiten und die beiliegenden Montagewinkel anschrauben. Jetzt muss erst das Loch ins Dach, auch wenn es etwas Überwindung kostet. In vielen alten Dächern stößt man dabei auf wenig oder gar keine Dämmung, so dass man leicht von innen an die Dachhaut kommt. Die Dachpfannen sind dann meist tradtionell mit Mörtel verstrichen oder auch in Dachpapptaschen, so genannten Pappdocken, gelegt. Die Docken werden mit einem Cutter eingeschnitten, der Mörtel vorsichtig abgeschlagen. Anschließend die erste Pfanne nach innen ziehen und dann alle Pfannen im Fensterbereich plus umlaufend eine Reihe abnehmen. Jetzt können Sie Ihr Fenster montieren.

Schwingfenster© T. StraszburgerKlappfenster© T. Straszburger

Das richtige Dachfenster: Schwing- oder Klappfenster?

Schwingfenster sind ideal, wenn Möbel den direkten Zugang zur Fensterbrüstung versperren. Mit oben montierter Griffleiste sind sie trotzdem gut zu bedienen. Klappfenster stehen geöffnet nicht in den Raum hinein, haben aber ihren Griff unten, so dass man zum Schließen in die Fensteröffnung treten muss. Dafür kann man sich aus offenen Klappfenstern hinauslehnen.

Durchblickswinkel© T. Straszburger

Dachfenster einbauen: Die richtige Fensterhöhe

Im Sitzen und im Stehen soll man aus dem Dachflächenfenster hinaussehen können. Dafür muss die Fensterhöhe der Dachneigung angepasst sein.

Damit nicht nur von draußen Licht durchs Dachflächenfenster fällt, sondern man auch hinaussehen kann, muss man eine bestimmte Einbau- und Fensterhöhe beachten. Bei Fenstern mit Obenbedienung ist eine Unterkante des Fensterglases von etwa 90 cm ideal. Bei Untenbedienung sind 120 cm zu empfehlen, damit man eine ausreichend hohe Brüstung hat. Der Montagerahmen muss gut 10 cm tiefer eingebaut werden. Das Fenster sollte je nach Dachneigung eine Länge haben, die eine Oberkante des Fensterglases in rund 200 cm Höhe ergibt. Die Zeichnung zeigt geeignete Höhen bei verschiedenen Dachneigungen.

  1. Ausschnitt im Dach anzeichnenAusschnitt im Dach anzeichnen© Chris Lambertsen

    Ausschnitt im Dach anzeichnen

    Aller Anfang ist staubig. Der Ausschnitt im Dach wird zunächst mit Hilfe einer Wasserwaage angezeichnet. Zuvor nochmal auf die Bauzeichnungen des Hauses sehen, um die Sparrenlage einzumessen. Dann mit einem Winkelschleifer und Steintrennscheibe Putz und Putzträger (hier Reet) schlitzen.
  2. Dämmung herausnehmenDämmung herausnehmen© Chris Lambertsen

    Dämmung herausnehmen

    Danach wird der Putz mit einem schweren Fäustel und, wenn nötig, mit einem Meißel abgeschlagen. Dann den Putzträger von den Sparren entfernen. Wenn vorhanden, auch die Dämmung herausnehmen.
  3. Pfannen abnehmenPfannen abnehmen© Chris Lambertsen

    Pfannen abnehmen

    Jetzt sieht man von Innen auf die Dacheindeckung. Hier ist sie nur verstrichen, manchmal liegt sie auch in Pappdocken. Mörtel oder Pappdocken entfernen und die Pfannen nach innen abnehmen.
  4. Dachlatten heraussägenDachlatten heraussägen© Chris Lambertsen

    Dachlatten heraussägen

    Bevor die Zimmerleute ran müssen, können Sie noch die Dachlatten heraussägen.
  1. Sparrenteile herausschneidenSparrenteile herausschneiden© Chris Lambertsen

    Sparrenteile herausschneiden

    Reicht der Platz zwischen zwei Sparren nicht, muss ein „Wechsel“ eingebaut werden, der ein oder mehrere Sparrenfelder überbrückt. Dieser Eingriff in den Dachstuhl ist nichts für Selbermacher, hier muss der Profi (Zimmermann) ran! Bevor Sparrenteile, die im Weg sind, herausgeschnitten werden, hat der Zimmermann die Sparren innen abgestützt.
  2. Schwerlastwinkel Schwerlastwinkel © Chris Lambertsen

    Schwerlastwinkel

    Mit Schwerlastwinkeln verbindet der Zimmermann die Wechselhölzer, die volle Sparrentiefe haben, mit den durchlaufenden Sparren. Die abgesägten Sparren werden ebenfalls mit voll ausgenagelten Winkeln mit dem Wechsel verbunden.
  3. AußenarbeitenAußenarbeiten© Chris Lambertsen

    Außenarbeiten

    Viele Arbeiten müssen dabei von außen erledigt werden. Noch ein Grund, dies dem Profi zu überlassen.
  4. PfettendächerPfettendächer© Tillman Straszburger

    Pfettendächer

    Bei Pfettendächern verzichten Profis oft auf eine Abstützung, da die waagerecht verlaufenden Pfetten die Sparren halten. Die beiden quer laufenden Wechselhölzer leiten die Lasten des durchtrennten Sparrens auf die nebenliegenden Sparren ab.
  1. Fensterflügel aushängenFensterflügel aushängen© Chris Lambertsen

    Fensterflügel aushängen

    Vor der Montage wird der schwenkbare Fensterflügel ausgehängt. Dazu muss eine Arretierung im Fenstergelenk mit dem Schraubenzieher entriegelt werden.
  2. Montagewinkel anschraubenMontagewinkel anschrauben© Chris Lambertsen

    Montagewinkel anschrauben

    Dann werden Montagewinkel am Rahmen angeschraubt, bevor dieser damit in der Dachöffnung von außen auf die Wechselhölzer verschraubt wird.
  3. Blechteil Blechteil © Chris Lambertsen

    Blechteil

    Jetzt kommen die wichtigsten Arbeitsschritte: Die Montage des Eindeckrahmens, der später das Regenwasser sicher und dauerhaft ableiten soll. Begonnen wird mit dem unteren Blechteil, das eine ausladende Schürze für den Anschluss an die Dachpfannen hat.
  4. Schaumstoffkeil verbindenSchaumstoffkeil verbinden© Chris Lambertsen

    Schaumstoffkeil verbinden

    Dann werden die beiden seitlichen Eindeckbleche mit einem integrierten Schaumstoffkeil durch einfaches Umbiegen einer Lasche mit dem unteren, bereits montierten Blech verbunden. Dieser Schaumstoffkeil verhindert später eine durchgehende Kältebrücke am Fensterrahmen.
  5. Abdeckblech verschraubenAbdeckblech verschrauben© Chris Lambertsen

    Abdeckblech verschrauben

    Als nächstes werden die Abdeckbleche auf dem Schwenkarm festgeschraubt.
  6. Abdeckung verschraubenAbdeckung verschrauben© Chris Lambertsen

    Abdeckung verschrauben

    Der Klappmechanismus des Dachfensters bekommt zunächst eine fest verschraubte Abdeckung und...
  7. Abdeckung einsetzenAbdeckung einsetzen© Chris Lambertsen

    Abdeckung einsetzen

    ...eine zusätzliche, die einfach eingesteckt und mit zwei Schrauben in ihrer Lage gesichert wird. Sie dreht später mit dem gesamten Fensterflügel auf.
  8. Eindeckrahmen aufsetzenEindeckrahmen aufsetzen© Chris Lambertsen

    Eindeckrahmen aufsetzen

    Ebenso wie der untere und mittlere Eindeckrahmen wird nun das obere Teil des Eindeckrahmens aufgesetzt und per Laschen fixiert.
  9. Pfannen schneiden und schlitzenPfannen schneiden und schlitzen© Chris Lambertsen

    Pfannen schneiden und schlitzen

    Die Rahmen sind fertig montiert. Jetzt wird die Dachdeckung wieder komplettiert: Die Pfannen werden mit dem Winkelschleifer auf entsprechende Länge und Breite geschnitten und geschlitzt.
  10. Pfannen verschraubenPfannen verschrauben© Chris Lambertsen

    Pfannen verschrauben

    Die Pfannen werden aufgelegt, so dass sich der Keil zum Fenster neigt, und durch den Schlitz angeschraubt.
  11. Schürze anpassenSchürze anpassen© Chris Lambertsen

    Schürze anpassen

    Die Schürze am Unterrand des Eindeckrahmens mit den Händen den Pfannen anpassen und dann mit dem Gummihammer den Rand passend schlagen.
  12. Fenster einhängenFenster einhängen© Chris Lambertsen

    Fenster einhängen

    Zum Schluss den zu Beginn ausgehängten Fensterflügel über Kopf halten, so dass die Abdeckbleche oben liegen und zum Haus zeigen. Ansetzen und andrücken, bis die Fenstergelenke wieder einrasten.

Innenfutter anpassen© Chris LambertsenEingesetztes Futter© Chris Lambertsen

Innenfutter anpassen

Für Dachflächenfenster bieten Hersteller meist auch passende Innenfutter an, um die Laibung des Fensterausschnitts zu verkleiden. Sie lassen sich der Dachschräge leicht anpassen: Mit einem großen Karton, an den man mit einem Faden ein Gewicht hängt, ermittelt man den Winkel, in dem die Enden der Seitenteile gekürzt werden. Dann wird das Futter montiert und eingesetzt. Alternativ kann man dies auch mit Gipsbauplatten machen.

Sonnenschutz und Fliegengitter fürs Dachfenster

Gerade unter dem Dach kann es durch die Dachschräge schon mal unerträglich heiß werden. Abhilfe schafft dann neben der Dämmung das richtige Beschattungssystem. Lesen Sie hier alles zum Thema Sicht- und Sonnenschutz fürs Dachfenster. Bei schrägen Dachfenstern, die zum Öffnen gekippt oder aufgeklappt werden, ist es nicht immer ganz einfach ein passendes Fliegengitter zu finden. Hier finden sie verschiedenen Lösungen zum Insektenschutz für Fenster.

Artikel aus selber machen Ausgabe 06/2011. Jetzt abonnieren!
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